Anzeige

Vodafone: Unlautere Werbung
Bundesnetzagentur stoppt Werbung von Vodafone

Die Bundesnetzagentur hat die laufende Werbekampagne von Vodafone verboten. Das Unternehmen setzte tausende Verbraucher mit amtlich aussehenden Anschreiben unter Druck, um sie als Kunden zu gewinnen.

Logo der Vodafone Kabel Deutschland GmbH

Wofür warb Vodafone?

Am 28. März 2017 wird die DVB-T-Ausstrahlung in 18 deutschen Ballungsräumen eingestellt. Der Empfang über DVB-T-Antenne ist dann nicht mehr möglich. Für den Nachfolgestandard DVB-T2 ist die Anschaffung eines neuen Empfängers erforderlich.

Die Vodafone Kabel Deutschland GmbH nutzte die DVB-T-Umstellung mehrerer Millionen Haushalte, um Kunden zu werben. Mit postalischen Anschreiben sollten sie dazu bewegt werden, eine Hotline des Konzerns anzurufen. Damit umging Vodafone das Verbot der Cold Calls, d. h., der unerwünschten Werbeanrufe: Der Verbraucher stellt selbst den Kontakt zum Unternehmen her und bittet – formal betrachtet – um Beratung.

Rief der Verbraucher an, sollte er von den Mitarbeitern in den Callcentern davon überzeugt werden, einen TV-Kabelvertrag mit Vodafone abzuschließen.

Wie sah die Werbekampagne aus?

In den vergangenen Wochen verschickte Vodafone an viele Haushalte persönlich adressierte Postkarten oder Briefe.

Auf den ersten Blick glichen sie Behördenschreiben. Sprache, Aufmachung und graues Papier orientierten sich an jenen Briefen, die man von Finanzamt, Ordnungsamt, Arbeitsamt oder Polizei kennt.

Die Kernaussagen der Karten und Briefe waren identisch: Es gäbe an der Wohnadresse wichtige Neuerungen der Telefon- und Internet-Technologie, man solle bis spätestens 24. Februar 2017 eine kostenfreie 0800-Nummer anrufen.

Um den amtlichen Charakter zu verstärken, druckte Vodafone einen Stempel mit Unterschrift auf die Schreiben: „Wiederholter Zustellversuch“. Damit wurde suggeriert, dies sei eine letzte Aufforderung zur Güte, bevor härtere Maßnahmen drohten.

Erhöht wurde der emotionale Druck durch die Verwendung farbiger Postkarten und Briefumschläge. Auch hier ahmte Vodafone die Gepflogenheit deutscher Behörden nach, für den Bürger unangenehme Schreiben durch farbige Umschläge für das soziale Umfeld (Briefträger, Nachbarn, Familie, Freunde) sichtbar zu machen – beispielsweise mit gelben Umschlägen für gerichtliche Mahn- und Vollstreckungsbescheide.

Warum wurde die Werbekampagne verboten?

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, erklärte:

„Das Unternehmen hat versucht, Verbraucher zu täuschen und als Kunden zu gewinnen. Wettbewerbswidriges Verhalten wird durch die Bundesnetzagentur konsequent geahndet.“

In der Begründung des Verbots moniert die Bundesnetzagentur u. a., dass die Schreiben einen amtlichen Eindruck erweckt hätten. Die Werbung sei persönlich adressiert und nicht mit einem Firmenlogo versehen. Nur im Kleingedruckten wäre zu lesen, dass Vodafone die Adressen von einem Dienstleister bezogen hätte.

Für den Fall, dass Vodafone die Kampagne fortsetzt, kündigte die Bundesnetzagentur weitere Ermittlungen und ein Zwangsgeld in Höhe von 20.000 Euro an.

Von der Bundesnetzagentur verbotene Vodafone-Werbung

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Urteil: Überwachung der Internetnutzung Recht auf private Korrespondenz am Arbeitsplatz

Arbeitgeber dürfen die Nutzung des Internets am Arbeitsplatz beschränken und überwachen. Die Kontrolle hat aber Grenzen. Das wurde vom Europäischen Gerichtshof bestätigt. Das Urteil gilt in allen 47 Mitgliedstaaten – auch in Deutschland.

Weiter lesen

Brandenburg, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt fordern von der Bundesregierung, Klage gegen die EU-Auflagen für Kohlekraftwerke einzureichen.

Weiter lesen

Urteil: Kartellbildung am Markt für gasisolierte Schaltanlagen Millionenstrafen für Hersteller gasisolierter Schaltanlagen

Wegen Kartellbildung am Markt für gasisolierte Schaltanlagen ordnete der Europäische Gerichtshof (EuGH) u. a. gegen Toshiba eine Geldstrafe von 61,44 Mio. Euro an – davon 4,65 Mio. Euro als Gesamtschuldner mit Mitsubishi.

Weiter lesen

Urteil: Niederlage für Kritiker vor dem BVerfG Zwangsmitgliedschaft in der IHK bleibt bestehen

Die Beschwerde zweier Unternehmen gegen die Pflichtmitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer (IHK) wurde vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt. Doch der Kampf gegen den Kammerzwang geht weiter.

Weiter lesen

Aus EU, Bundestag und Gerichtssälen Recht & Gesetz (Juli 2017)

Schlechte Zeiten für Samenspender. Außerdem: neue Verbote im Straßenverkehr, schwarze Liste für Unternehmen, mehr Transparenz beim Gehalt, Ohrfeigen für Jobcenter und das Ende der Wurstlücke – aktuelle Urteile und Gesetze im Überblick.

Weiter lesen
Anzeige