Kabel und Leitungen
|
Elektrotechnik
ZVEI-Fachverband Sicherheitstechnik: Sicherheit sicherer machen
ep8/2000, 1 Seite
„Noch viel Nachholbedarf im Privatbereich“ Während der industrielle Markt für elektronische Sicherheitssysteme in Deutschland in etwa dem der europäischen Nachbarn entspricht, gibt es im Privatbereich erhebliche Lücken. Welch großes Interesse insbesondere am Thema Brandschutz besteht, zeige die erfolgreiche ZVEI-Kampagne „Rauchmelder retten Leben“. An den diversen koordinierten Initiativen beteiligten sich in den vergangenen zwei Jahren neben dem ZVEI der Deutsche Feuerwehrverband, die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutz, VdS Schadenverhütung, die Berliner Feuerwehr, Unternehmen der Versicherungswirtschaft, der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, der Minister für das Wohnen und Bauen Nordrhein-Westfalen sowie die Stiftung Warentest. Seither gibt es erfreuliche Fortschritte: 1999 wurden nach Schätzungen des Fachverbandes 300.000 batteriebetriebene Rauchmelder für den privaten Bereich verkauft. Im Vergleich mit anderen Ländern „hinkt Deutschland gleichwohl hinterher“: In den USA sind 90 Prozent der privaten Haushalte mit Rauchmeldern ausgestattet, in Großbritannien 75 und in Schweden 70 Prozent. Resultat: Bis zu fünfzig Prozent weniger Brandtote. Kräftiges Plus: Videotechnik und Zutrittskontrolle Insgesamt gesehen hat sich die Struktur des Marktes für Sicherheitssysteme nur wenig verändert. Firmenübernahmen und Marktbereinigungen führten zu einer weiteren Konzentration auf der Anbieterseite. Das Wachstum ist auf zwei Prozent zurückgegangen; der Gesamtmarkt wuchs von 2,85 Milliarden DM in 1998 auf 2,92 Mrd. DM im vergangenen Jahr. Ein überdurchschnittliches Ergebnis erzielte erneut der Bereich Sicherheitsrelevante Videotechnik und Zutrittskontrolle mit einem Wachstum von sechs bzw. vier Prozent. Während der Markt der Brandmeldetechnik um zwei Prozent auf 1,19 Milliarden DM zulegte - mit nahezu konstanter Zahl der installierten Anlagen im Vergleich zum Vorjahr: ca. 16.000 Zentralen und knapp 1,4 Millionen automatische Melder -, schrumpfte in der Einbruchmeldetechnik das Wachstum von sieben auf drei Prozent mit einem Volumen von 1,19 Milliarden DM. Auch hier blieb die Zahl der Geräte nahezu unverändert: Gut 90.000 Zentralen mit knapp 355.000 Meldern wurden installiert. Eingebaut und vergessen? Der Einbau von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) ist im Brandfall eine der wichtigsten Voraussetzungen, dass die gefährdeten Menschen noch sicher das betroffene Gebäude verlassen können. Funktionieren diese Abzugsanlagen nicht, verhindert die starke Rauchentwicklung die Orientierung. Eine Flucht wird im schlimmsten Fall unmöglich: Die meisten Brandtoten sind Rauchtote. Der Fachverband Sicherheitssysteme im ZVEI e.V. forderte die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern auf, Schritte einzuleiten, die eine regelmäßige Überprüfung dieser lebensrettenden Einrichtungen verbindlich vorschreiben. Reiner Aumüller, Vorsitzer des Fachkreises Rauch- und Wärmeabzugsanlagen, nennt als positives Beispiel die DIN 14675, nach der für Planung, Montage, Inbetriebnahme, Abnahme und Instandhaltung von Brandmeldeanlagen zertifizierte Fachfirmen einzusetzen sind. Diese Norm wurde in die baurechtlichen Vorschriften übernommen und hat somit Gesetzeskraft. Aumüller: „Würde dieses Verfahren auch auf Rauch- und Wärmeabzugsanlagen übertragen, ergäbe sich eine gesetzliche Vorschrift zur Qualitätsüberwachung. Noch immer sterben 90 Prozent aller Brandopfer an den Folgen einer Rauchvergiftung. Auch weil viele RWA brennende Gebäude nicht richtig entrauchen.“ Eine Informationsschrift „Instandhaltung von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen“ kann angefordert werden beim: ZVEI-Fachverband Sicherheitssysteme, Stresemannallee 19, 60596 Frankfurt am Main. Neue Norm für Brandmeldeanlgen Die Harmonisierung nationaler und europäischer Normen ist ein langwieriger Prozess, auch bei Brandmeldeanlagen. Heinrich Herbster, Vorsitzer des Arbeitskreises Normung, gab bekannt, dass nun der Neufassung der DIN 14675 und der DIN VDE 0833 Teil 2 nichts mehr im Wege steht. Beide sind mittlerweile erschienen (siehe Normen, S. 696). Der Schwerpunkt der DIN 14675 liegt bei der Anwendung von Brandmeldeanlagen, insbesondere bei den feuerwehrspezifischen Anforderungen. Die DIN VDE 0833 Teil 2 befasst sich vor allem mit der Technik und Projektierung von Brandmeldeanlagen. Neu in der DIN 14675 ist, dass die Kompetenz der ausführenden Firmen durch eine akkreditierte Stelle zertifiziert sein muss. Außerdem hat die Fachfirma den Nachweis eines Qualitätsmanagement-Systems zu erbringen. „Das ist ein ganz entscheidender Schritt zu einer verlässlichen Brandmeldung“, so Herbster. Er begrüßte in diesem Zusammenhang, dass viele Bestimmungen nun klarer und detaillierter formuliert seien. Das gelte auch bei den jetzt weitgehend bundesweit vereinheitlichten Anforderungen der Berufsfeuerwehren und Brandschutzdienststellen. Die DIN 14675 regelt nun das Planen, Errichten, der Betrieb und die Instandhaltung von Brandmeldeanlagen klar und eindeutig. Herbster: „Dies wird allen Beteiligten die Arbeit erleichtern, die Qualität verbessern und damit zu einer allgemeinen Akzeptanz von Brandmeldeanlagen zum Schutz von Personen, Sachen und Umwelt beitragen.“ Videoüberwachung Seit Monaten wird in Deutschland über eine Videoüberwachung im öffentlichen Raum diskutiert. Obgleich inzwischen unstrittig ist, dass moderne Videotechnik einen positiven Beitrag zur Kriminalitätsvermeidung leisten kann, gibt es noch rechtliche und politische Bedenken. Wird das Recht am eigenen Bild verletzt? Verstößt die Überwachung gegen Datenschutzrecht und Verfassungsgebote? „Sie kann den individuellen Rechten des Bürgers und seinem Wunsch nach Sicherheit gerecht werden“, sagte Bernd Seibt, Vorsitzer des Fachverbandes Sicherheitssysteme. Durch entsprechende Programmierung lassen sich beispielsweise einzelne Zonen im Überwachungsbereich der Kamera „austasten“, so dass zwischen privaten und hoheitlichen Bereichen unterschieden werden kann. Codierungen ermöglichen ein „Vier-Augen-Prinzip“ und gewährleisten Persönlichkeits- und Datenschutz. Der ZVEI Fachverband Sicherheitssysteme stellte dazu mittlerweile ein Konzept vor (siehe Kurz informiert, S. 630) Elektropraktiker, Berlin 54 (2000) 8 644 Branche aktuell ZVEI-Fachverband Sicherheitssysteme Sicherheit sicherer machen So lautete das Resümee auf der Jahrespressekonferenz des ZVEI-Fachverbands Sicherheitssysteme am 23. Mai 2000. Die einzelnen Fachkreise stellten die Schwerpunkte ihrer Arbeit vor. Meinungen „Maximal fünf bis zehn Prozent der Haushalte verfügen über eine Einbruch- oder Brandmeldeanlage“, konstatierte Dr. Helmut Rieche, Vorsitzer der Arbeitsgruppe Marketing. „Zuverlässiger Brandschutz hört nicht bei der Installation entsprechender Einrichtungen auf. Lebensentscheidend ist ihr sicherer und zuverlässiger Betrieb“, so Reiner Aumüller, Vorsitzer des Fachkreises Rauch- und Wärmeabzugsanlagen. „Nur qualifizierte und geprüfte Firmen dürfen künftig Brandmeldeanlagen errichten und warten“, zitierte Heinrich Herbster, Vorsitzer des Arbeitskreises Normung, aus der neuen DIN 14675. „Der Fachverband wünscht sich eine sachliche Diskussion über die Videoüberwachung des öffentlichen Raums, die die Möglichkeiten moderner Videotechnik einbezieht“, sagte Bernd Seibt, Vorsitzer des Fachverbandes Sicherheitssysteme.
Autor
- S. Wagner
Downloads
Laden Sie diesen Artikel herunterTop Fachartikel
In den letzten 7 Tagen:
Sie haben eine Fachfrage?
