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Wirksamkeit des Potentialausgleichs als Fehlerschutz
ep4/2000, 7 Seiten
1 Begriffsklärung Durch die Arbeiten am Internationalen elektrotechnischen Wörterbuch IEC 60050-195:1998-08 „Erdung und Schutz gegen elektrischen Schlag“ und Beratungen von Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden klare Definitionen für die Fehlerspannung UF, die unbeeinflusste Berührungsspannung UTP, die Berührungsspannung UT und den Berührungsstrom IT geschaffen. Sie sind in Tafel zusammengestellt und in der Literatur beschrieben worden [1] [2]. Der in IEC 61200-413:1996-03 verwendete Begriff „prospective touch voltage“ - übersetzt: „unbeeinflusste Berührungsspannung“ - stellt eigentlich eine Teilfehlerspannung dar. Diese kann bei Menschen oder Nutztieren wirksam werden. Daher sollte die Bezeichnung besser „accessible partial fault voltage“ - deutsch „berührbare Teilfehlerspannung“ lauten. In diesem Artikel wird aber noch die alte Bezeichnung „unbeeinflusste Berührungsspannung UTP“ beibehalten. UTP treibt also bei Berührung der leitfähigen Teile, die gegeneinander die Potentialdifferenz UTP aufweisen, den Berührungsstrom IT durch den Körper. Bild zeigt ein Gefährdungsmodell, das von einem Menschen ausgeht, der in einem Gebäude mit Fundamenterder ein derartiges Teil berührt (z. B. Betriebsmittel mit Isolationsfehler) und auf leitfähigem Boden steht (z. B. in einem Stall). Die Form des Spannungstrichters des Fundamenterders hängt dabei von der Form und Anordnung seiner Erder ab [3]. Bild zeigt einen durch Messungen ermittelten Verlauf des Spannungstrichters im Keller eines Wohnhauses und in dessen Umgebung, wie er in [3] beschrieben wird. Man erkennt, dass Fundamenterder bzw. außerhalb von Gebäuden verlegte Banderder Berührungsspannungen innerhalb von Gebäuden nicht verhindern können. Dies ist seit Jahrzehnten bekannt. Rohrsysteme, Schutzleiter und Potentialausgleichsleiter nehmen über die Potentialausgleichsschiene bestimmungsgemäß das Potential des Fundamenterders an. Damit treten an allen von Menschen oder Nutztieren überbrückbaren Teilbereichen gegen Standflächen - z. B. Stallböden - oder gegen leitfähige Gebäudewände unbeeinflusste Berührungsspannungen UTP auf. Es stellt sich somit auch die Frage nach Bedeutung und Wirksamkeit des Potentialausgleichs, wobei schon die Definition aussagekräftig ist. Potentialausgleich (IEV 195-01-10) ist das Herstellen elektrischer Verbindungen zwischen leitfähigen Teilen, um Potentialgleichheit zu erzielen. Folgerichtig wird daher schon seit vielen Jahren darauf hingewiesen, dass der Potentialausgleich keine Alternative zu den Maßnahmen des Fehlerschutzes darstellen kann. Er ist vielmehr eine wertvolle Ergänzung, insbesondere für Schutzleiter-Schutzmaßnahmen, weil er die unbeeinflussten Berührungsspannungen UTP innerhalb der Anlage herabsetzt. Schutzmaßnahmen Elektropraktiker, Berlin 54 (2000) 4 336 Wirksamkeit des Potentialausgleichs als Fehlerschutz G. Biegelmeier, Wien Als Maßnahme des Fehlerschutzes gibt der Potentialausgleich keine hundertprozentige Sicherheit. In der Normung wird diese Tatsache jedoch unzureichend berücksichtigt. Der Autor erläutert, wo die Schwachstellen zu finden sind und fordert entsprechende Nachbesserungen. Tafel Begriffe für Berührungsspannung UT, Berührungsstrom IT, Fehlerspannung UF, Bezugserde und unbeeinflusste Berührungsspannung UTP (berührbare Teilfehlerspannung UFP) Berührungsspannung UT Messung mit dem Voltmeter Ri = 1 k (Mensch) Messung mit dem Voltmeter Ri = 500 (Nutztier) Berührungsstrom IT (IEV 195-02-21) Fehlerspannung UF Messung mit dem Voltmeter Ri = 40 k Bezugserde (IEV 195-01-01) Unbeeinflusste Berührungsspannung UTP Messung mit Voltmeter Ri = 40 k 1 Fehlerspannung führendes Erdungssystem (z.B. Banderder) 2 Schutzleiterschiene (Potentialausgleichsschiene) UF Fehlerspannung UTP unbeeinflußte Berührungsspannung Berührungsspannung UT (touch-voltage): Spannung, die am menschlichen Körper oder am Körper eines Nutztieres auftritt, wenn leitfähige Teile gleichzeitig berührt werden, die ein unterschiedliches Potential (z.B. eine unbeeinflusste Berührungsspannung UTP) aufweisen. Berührungsstrom IT ist der elektrische Strom im Körper eines Menschen oder Tieres, der infolge einer Berührungsspannung zum Fließen kommt. Fehlerspannung UF (fault-voltage): Spannung, die bei einem Isolationsfehler zwischen der Fehlerstelle und der Bezugserde auftritt, z.B. bei Körperschluss oder Erdschluss. Bezugserde: als elektrisch leitfähig angesehener Teil der Erde, der außerhalb des Einflussbereiches von Erdungsanlagen liegt und dessen elektrisches Potential vereinbarungsgemäß als null angenommen wird. Anmerkung: Unter „Erde“ ist hier der Planet mit seiner gesamten Substanz zu verstehen. Unbeeinflusste Berührungsspannung UTP (prospective touchvoltage): Teil der Fehlerspannung UF, der zwischen zwei gleichzeitig berührbaren leitfähigen Teilen von einem Menschen oder von einem Nutztier überbrückt werden kann. Prof. Ing. Dr. phil. Gottfried Biegelmeier ist Staatlich befundener und beeideter Ingenieurkonsulent für Elektrotechnik. Er ist für die Gemeinnützige Privatstiftung Elektroschutz in Wien tätig. Autor UTP UF Bezugserde Prinzipiell können Fußböden und Wände nicht mit dem Potentialausgleichsleiter verbunden werden. Der Potentialausgleich - insbesondere der Hauptpotentialausgleich - verringert durch „Potentialsteuerung“ (Bilder und ) UTP und damit auch die Berührungsspannungen UT, die in der Anlage gegen leitfähige Standflächen und Wände auftreten [4] [5]. Außerdem kann der Hauptpotentialausgleich nicht verhindern, dass zwischen den Gehäusen von Betriebsmitteln oder fremden leitfähigen Teilen bei Körperschlüssen unbeeinflusste Berührungsspannungen UTP auftreten. Tritt bei der Nullung (TN-System) an einem Betriebsmittel ein Körperschluss auf, dann beträgt der Spannungsfall im Schutzleiter bis zum Hauptpotentialausgleich einige zehn Volt, die gegen die Gehäuse benachbarter Geräte wirksam werden. Die Ausschaltung des Fehlers muss daher in jedem Fall gefordert werden [6]. 2 Fragwürdige Normen zum Potentialausgleich als Fehlerschutz 2.1 Allgemeine Bemerkung Einleitend sei zunächst erklärt, wieso es gerade in der elektrotechnischen Normung beim Schutz gegen elektrischen Schlag sehr leicht zu Fehlern bei der Normung, insbesondere bei der internationalen Normung kommen kann. Für die Technik des Schutzes gegen elektrischen Schlag gibt es leider keine allgemein anerkannten Grundsätze, wie etwa in der Mathematik. Der Grund dafür liegt in der Aufgabe, vor allem Menschen zu schützen. Damit geht in das Schutzziel die volle Schwankungsbreite aller Parameter ein, die nun einmal bei lebenden Organismen durch die Physiologie gegeben sind. Hinzu kommen starke wirtschaftliche Interessen der Elektroindustrie, der Elektrizitätsversorgungsunternehmen, des Konsumentenschutzes usw. Diese laufen oft diametral auseinander. Trotzdem sollte man sich bemühen, die Normen für den Schutz gegen elektrischen Schlag praxisnah zu gestalten und technische Fehler zu vermeiden. Die nachfolgend besprochenen Abschnitte aus den internationalen Errichtungsnormen für elektrische Anlagen IEC-Publ. 60364 enthalten derartige Fehler und sollten so schnell als möglich berichtigt werden. Sie sind nicht nur irreführend, sondern für die Sicherheit der Elektrizitätsanwendung schädlich. 2.2 Potentialausgleich als Alternative zu Fehlerschutz-Maßnahmen In Unterabschnitt 413.1.2.1 von IEC 60364-4-41 wird der in den meisten europäischen Errichtungsvorschriften geforderte Hauptpotentialausgleich vorgeschrieben. Er verbindet die PE-Leiter (Schutzerdungsleiter), die Körper und fremden leitfähigen Teile und im Fall der Nullung (TN-System) auch den PEN-Leiter direkt oder über Schutzpotentialausgleichsleiter untereinander und mit dem Schutzerder der Verbraucheranlage. Die Übersetzung von IEC 364-4-442:1993 weist auf eine Fehlannahme hin: „...wenn sich die Körper der elektrischen Betriebsmittel der Anlage innerhalb eines Gebäudes befinden, in dem ein Hauptpotentialaus-Elektropraktiker, Berlin 54 (2000) 4 338 UF Fehlerspannung UF` Teilfehlerspannung UTP unbeeinflusste Berührungsspannungen (Teilfehlerspannungen im Überbrückungsbereich) UT Berührungsspannung UST Standortspannung ZT Impedanz des menschlichen Körpers RST Standortwiderstand RA Erdungswiderstand der Anlage RB Betriebserdung des Verteilungsnetzes Ri Innenwiderstand des Voltmeters zur Messung von Fehlerspannung und unbeeinflusster Berührungsspannnung IF Fehlerstrom IT Berührungsstrom RST RB RA RST IF + IT IF + IT IF + IT UST UTP UF` Bezugserde UF` UF IF · RA IT IF UTP Ri = 40 k Verteilung der Fehlerspannung UF, der unbeeinflussten Berührungsspannung UTP und der Berührungsspannung UT in einem Gebäude mit Fundamenterder und leitfähigem Boden Fundamenterder 150 100 15 10 5 2 0 2 5 10 20 30 40 50 Bezugserde Entfernung UTP UF` UTP UF` (UTP) UTP unbeeinflusste Berührungsspannung (Kurvenzug 1, Ri = 40 k) UT Berührungsspannung (Kurvenzug 2, Ri = 3 k) Verlauf des Spannungstrichters im Keller eines Wohnhauses und in dessen Umgebung im Freiland gleich vorhanden ist, liegt die Berührungsspannung nahe bei Null.“ Wie man aus Tafel und Bild klar erkennt, treten innerhalb der Gebäude durchaus unbeeinflusste Berührungsspannungen UTP und damit Berührungsspannungen UT auf. Wir kennen viele Unfälle in Gebäuden, obwohl dort ein Hauptpotentialausgleich vorhanden war. Zahlreiche Tiere verunglücken z. B. in Ställen - trotz Hauptpotentialausgleich und zusätzlichem Potentialausgleich. Nur wenn unter der Standfläche der Tiere ein Potentialsteuergitter angebracht wird (Potentialsteuerung), können Berührungsspannungen vermieden werden. Dieser grundsätzliche Fehler hatte für die Norm IEC 60364-4-41 verhängnisvolle Folgen, die sich klar im IEC-Report 61200-413 zeigen. Dort wird in den Bildern B.1, B.2 und B.3 versucht, die Berührungsspannung (Uc statt UT) in Abhängigkeit von den Netzsystemen TT und TN und der Lage der Körper der Betriebsmittel zu beschreiben. Es zeigt sich dabei wieder die Verwirrung, welche durch die Netzsysteme entsteht [7]. Sie sind überflüssig und sollten bei einer Revision von IEC 60364-4-41durch die früher übliche eindeutige Benennung der Maßnahmendes Fehlerschutzes(Nullung,Schutzleitungssystem usw.) ersetzt werden. Die Darstellungen der Bilder B.1, B.2 und B.3 in IEC 61200-413 (Bilder , und ) und ihre Erläuterungen werden im Folgenden untersucht und kommentiert. Bild enthält mehrere Fehler. Die unbeeinflusste Berührungsspannung UTP (Ut) wird zwischen die Körper und die fremden leitfähigen Teile gezeichnet. Sie wird nur durch den Spannungsfall bestimmt, den der Fehlerstrom IF (Ia) im PE-Leiter verursacht. Dies hat nur bei der Nullung eine gewisse Bedeutung. Die Hauptgefahr, die gegen die Standfläche und die leitfähigen Wände besteht, wird vernachlässigt. Außerdem kann man nicht sagen, dass der Standortwiderstand RS gegenüber der Körperimpedanz keine Bedeutung hat. Derartige internationale Normen haben weitreichende Konsequenzen. So hat das Bild B.1 in einer Erläuterung zu VDE 0100 [8] zu folgender Darstellung und Erklärung des TT-Systems und des Zusammenhangs zwischen Fehlerspannung UF und Berührungsspannung UT geführt, wobei der Hinweis auf das Gebäude fehlt: „Zu 413.4 TT-Systemen Die Schutzmaßnahmen im TT-System gehenauffolgende Grundideezurück:Über Schutzleiter werden Betriebsmittel der Schutzklasse I an ihrem Standort geerdet. Damit nehmen Standort und Körper auch im Fall eines Körperschlusses näherungsweise gleiches Potential an, so dass die Berührungsspannung UT = 0 V ist.“ Daraus folgt dann Bild , das eine unrichtige Darstellung des Zusammenhangs zwischen Fehlerspannung UF und Berührungsspannung UT liefert. Tafel zeigt dagegen die richtigen Verhältnisse. Steht ein Mensch auf leitfähigem Boden (Wiese, Garten, Hof usw.) neben einem Betonmischer mit Körperschluss und einem Anlagenerder RA = 20 , dann nimmt im TT-System bei einem Fehlerstrom von rund 20 A der PE-Leiter rund 200 V Fehlerspannung an. Die unbeeinflusste Berührungsspannung UTP ist nicht viel niedriger und so besteht höchste Unfallgefahr. Der Spannungsfall im PE-Leiter beträgt aber nur wenige Volt (RPE z. B. 0,1 ). Diese Verhältnisse können jederzeit durch Feldmessungen bestätigt werden [9]. Ebenso fehlerhaft ist die Darstellung der Zusammenhänge, wenn sich das fehlerhafte Betriebsmittel außerhalb des Gebäudes befindet (Bild , Figure B. 2). Der Mensch steht im Spannungstrichter der Verbrauchererdungen und überbrückt nur die berührbare Teilfehlerspannung (unbeeinflusste Berührungsspannung UTP), die fast nie den Wert der Fehlerspannung UF annimmt. Elektropraktiker, Berlin 54 (2000) 4 339 RB RA B C RB RA IPE RPE IF = IPE + IB (IT) RB Erdungswiderstand des Netzbetriebserders RA Erdungswiderstand des Anlagenerders RPE Erdungswiderstand des Schutzleiters (Figure B.1 in IEC 61200-413): TT system - Exposed-conductive-part located inside the zone of influence of the main equipotential bonding Falsche Darstellung des Zusammenhangs zwischen Fehlerspannung UF, Berührungsspannung UT und Fehlerstrom IF bei einem Körperschluss im TT-System in [8] RB RA B C (Figure B.2 in IEC 61200-413): TT system - Exposed-conductive-part outside the zone of influence of the main equipotential bonding Die Aussage, dass bei Nullung (TN-System) die gleichen Verhältnisse vorliegen, benachteiligt die Nullung. Denn es wird nicht gesagt, dass bei der Nullung durch den Spannungsfall im Außenleiter die Berührungsspannungen immer weniger als die Hälfte - meist infolge der Erdungen sogar unter einem Viertel - der Werte liegen, die im TT-System auftreten. Die Darstellung in Bild , die die Zusammenhänge bei der Nullung zeigen soll, ist zumindest verwirrend. Sie lässt den großen Unterschied zwischen dem TT-System und dem TN-System nicht erkennen. Man hätte beim TN-System auch die Fehlerspannung UF des PEN-Leiters bei der Stromquelle einzeichnen müssen. Bezüglich der Berührungsspannung wurde bereits alles Notwendige im Zusammenhang mit Bild gesagt. Bild und Bild legen nahe, dass innerhalb von Gebäuden die Berührungsspannungen UT (UC) im TT-System und TN-System gleich sind (Spannungsfall im PE-Leiter) - ein unhaltbarer und irreführender Hinweis. Aus dem Stand der Technik, insbesondere unter Berücksichtigung der in dieser Facharbeit gebrachten Argumente, ergibt sich also, dass der Potentialausgleich - der Hauptpotentialausgleich und der zusätzliche Potentialausgleich - keine vollwertige Maßnahme des Fehlerschutzes darstellen können und daher auch keine Alternativlösung, z. B. zur Nullung, bilden. Welche Aufgabe dem Potentialausgleich zukommt, wird im nächsten Abschnitt erläutert. 3 Potentialausgleich als Zusatzschutz Das Prinzip der dreifachen Sicherheit gegen den elektrischen Schlag ist heute allgemein anerkannt und hat sich in der Praxis durchgesetzt [6]. Es ist noch einmal in Bild dargestellt. Dass der Hauptpotentialausgleich und der zusätzliche Potentialausgleich dem Zusatzschutz zuzuordnen sind, ergibt sich aus der Definition des Zusatzschutzes. Zusatzschutz: Ergänzende Maßnahme zum Verringern der Gefahren durch einen elektrischen Schlag für Personen und Nutztiere, die sich ergeben können, wenn der Basisschutz und/oder der Fehlerschutz nicht wirksam sind/ist. Die Maßnahmen des Potentialausgleichs entsprechen voll dieser Definition. Sie verringern die unbeeinflussten Berührungsspannungen UTP und damit auch die Berührungsspannungen, wenn der Fehlerschutz versagt und sogar bei Doppelfehlern. Sie können sie aber nicht beseitigen, weil die Erkennung des Fehlers ohne Ausschaltung nichtmöglichist.Außerdemistder Einflussbereich, also die Grenze des Schutzes durch Potentialausgleich, nur schwer messbar und damit auch praktisch kaum zu ermitteln. Bild zeigt Beispiele für den Zusatzschutz durch Potentialausgleich. Über den Einflussbereich des Potentialausgleichs wurden jahrelang in nationalen und internationalen Gremien nutzlose Diskussionen geführt. Bis man erkannte, dass er nicht definiert werden kann und dies ist nach den vorangegangenen Ausführungen wohl verständlich. Abschließend soll noch gezeigt werden, welche Auswüchse und Kosten irreführende internationale Errichtungsnormen für elektrische Anlagen verursachen können, Elektropraktiker, Berlin 54 (2000) 4 340 PEN RB RA B C Zpen UTP UF Bezugserde ~ Netz a) b) 1 Fehlerspannung führendes Erdungssystem (z. B. Banderder) 2 Potentialausgleichsschiene 3 leitendes Wasserrohrnetz Spannungstrichter, wenn das Wasserrohrnetz nicht mit der Potentialausgleichsschiene verbunden ist Spannungstrichter bei Verbindung des Wasserrohrnetzes mit der Potentialausgleichsschiene (Figure B.3 in IEC 61200-413): TN system - Exposed-conductive-part located inside the zone of influence of the main equipotential bonding Zusatzschutz durch Potentialausgleich a)Verringerung der unbeeinflussten Berührungsspannung UTP durch den Hauptpotentialausgleich b)Verhinderung von Berührungsspannungen bei der Schutztrennung und Doppelfehlern durch einen Potentialausgleichsleiter 3 Zusatzschutz FI-Schutzschalter In 30 mA Potentialausgleich Gefahr beim Versagen der Schutzmaßnahmen Gefahr durch Unachtsamkeit 2 Fehlerschutz Sorgfalt, Reparatur Schutzmaßnahmen bei indirektem Berühren Fehler nicht erkennbar Fehler erkennbar Isolationsfehler aktive Teile berührbar Basisschutz Prinzip der dreifachen Sicherheit gegen gefährliche Berührungsströme mit höchstem Schutzwert und einem kaskadenförmigen Aufbau aus Basisschutz, Fehlerschutz und Zusatzschutz ganz zu schweigen von der Verunsicherung bei den Errichtern der Anlagen. In VDE 0100-410 wird den Angaben in IEC 60364, Unterabschnitt 413.1.3.9 folgend verlangt, dass bei der Nullung die PE-Leiter von Endstromkreisen, die zu Betriebsmitteln außerhalb des Einflussbereiches des Hauptpotentialausgleiches führen, nicht mit dem Schutzleiter des TN-Systems verbunden werden dürfen. Dies führt zu einer Installation, die im Bild gezeigt ist. Da dies praktisch nicht durchführbar ist, führt diese Norm dazu, dass die Anwendung der Nullung zumindest erschwert wird. Denn wo sollte man wohl den Erder RA im Bild außerhalb des Einflussbereiches des Hauptpotentialausgleichs errichten? Bild verdeutlicht diese Frage, die in [10] glossiert wurde. Wie schwierig die Lage des Elektrohandwerks durch die unübersichtlichen und meist unverständlichen Normen für den Schutz gegen elektrischen Schlag VDE 0100 Teil 410 geworden ist, zeigen die besprochenen Probleme im Spiegel von Fachdiskussionen [11]. 4 Zusammenfassung Beim Durchdenken und bei der Anwendung der derzeitigen nationalen oder internationalen Normen für den Schutz gegen elektrischen Schlag, insbesondere des Teils 410 von DIN VDE 0100, ergeben sich Schwierigkeitennundessindsogar Fehlerzu erkennen. Man sollte also nicht zögern, eine Revision von Grund auf durchzuführen, d. h., beginnend von klaren Definitionen über die Abschnitte Basisschutz, Fehlerschutz und Zusatzschutz bis hin zu den einzelnen Bestimmungen ein technisch einwandfreies und praxisnahes Normenwerk zu schaffen. Es genügt sicher nicht, einzelne Abschnitte zu überarbeiten, denn wenn die Grundlagen falsch sind, kann Stückwerk zu keinem Erfolg führen. In diesem Zusammenhang wären auch die widerspruchsvollen Netzsysteme IT, TT und TN zu beseitigen und wie früher die Maßnahmen des Fehlerschutzes eindeutig zu benennen. Sicher ist viel Zeit und Mühe zur Erarbeitung des gegenwärtigen Standes dieser Norm aufgewendet worden, aber dreißig Jahre lang wurde zuviel geredet und zuwenig gemessen. Das erinnert an das Ende der Philosophie des Mittelalters, als noch die Scholastik alles lehrte, was tausend Jahre vorher die Naturphilosophen geschrieben hatten. Danach bestand die Welt aus Feuer, Wasser, Luft und Erde, und schwere Gegenstände fielen schneller als leichte. Erst als man anfing zu messen, brach dieses Lehrgebäude zusammen. Genauso ist es heute mit den Normen über den Schutz gegen elektrischen Schlag. Man sollte nicht zögern, das neue Wissen, das auf dem Voltmeter, dem Oszilloskop und der Erdungsmessbrücke aufgebaut wurde, anzuwenden. Niemand braucht sich deswegen Vorwürfe zu machen, denn der Fortschritt in der Technik ist oft auf Umwegen erreicht worden. Literatur [1] Biegelmeier, G.; Kiefer, G.; Krefter, K.-H.: VDE-Schriftenreihe Schutz in elektrischen Anlagen. Band 80: Gefahren durch den elektrischen Strom. Band 81: Erdungen, Berechnung, Ausführung und Messung. Band 82: Schutz gegen gefährliche Körperströme. Band 83: Schutz gegen Überströme und Überspannungen. Band 84: Schutzeinrichtungen. [2] Biegelmeier, G.: Schutz gegen elektrischen Schlag. Bull. SEV/VSE 90(1999)17, S. 37-42. [3] Biegelmeier, G., Kiefer, G.; Krefter, K.-H.: Schutz inelektrischen Anlagen.Band1:Gefahrendurch den elektrischen Strom. VDE-Schriftenreihe Band 80. Berlin/Offenbach: VDE-Verlag. [4] Hering,E.:Betrachtungenüberden Potentialausgleich. Elektropraktiker 37(1983)11, S. 387-391. [5] Bryner, P.: Schutzmaßnahme Potentialausgleich. Bull. SEV/VSE 89(1998)19, S. 38- 44. [6] Biegelmeier, G.; Kiefer, G.; Krefter, K.-H.: Schutz in elektrischen Anlagen. Band 3: Schutz gegen gefährliche Körperströme. VDE-Schriftenreihe Band 82. Berlin/Offenbach: VDE-Verlag. [7] Biegelmeier, G.; Mörx, A.: Die Klassifizierung der Netzsysteme nach IEC Publikation 364 - ein fehlerhaftes Konzept. ÖZE 46(1993), 7/8, S. 378-382. [8] Hotopp, R.; Kammier, M.; Lange-Hüsken, M.: Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag. VDE-Schriftenreihe Band 9. Bilder 7-21. Berlin/Offenbach: VDE-Verlag 1988. [9] Biegelmeier, G.; Groiß, J.; Hirtler, R.; Steffek, G.; Taubenkorb, F.: Nur ein Stück Draht. VEÖ-Journal (1999)4. [10] Biegelmeier, G.: Die verkappte Nullung, das kurze TN-S-System und der Inselbetrieb. de 72(1997)12 - ZVEH-Report, S. 43-46. [11] Nienhaus, H.: RCDs für Stromkreise außerhalb des Einflußbereichs des Hauptpotentialausgleichs. de 74(1999)17, S. 1299-1300. Schutzmaßnahmen Elektropraktiker, Berlin 54 (2000) 4 342 Sicherungen nur als Schutzeinrichtungen bezüglich der Anforderungen aus DIN VDE 0100 Teil 430 PE (PEN) „TT-Abzweig“ für Betriebsmittel, die außerhalb des Einflussbereichs vom Hauptpotentialausgleich errichtet sind (Fundamenterder nach TAB) ohne besondere Anforderungen an den Widerstandswert Haupt erdungsklemme oder -schiene Körper Körper IF1 IF2 IF = IF1 + IF2 50 V ---- L1, L2, L3 PEN PE (Nullung) Insel der Seligen Schutz durch automatische Abschaltung der Stromversorgung in einem TN-C-S- System mit TT-Abzweigen für Betriebsmittel, die außerhalb des Einflussbreiches vom Hauptpotentialausgleich errichtet und mit RCD als Schutzeinrichtung geschützt sind. Die Ausführung entspricht dem derzeitigen Anforderungstext der DIN VDE 0100-410 Außensteckdosen dürfen nach DIN VDE 0100 nicht genullt werden, sondern sind über einen eigenen Fl-Schutzschalter (RCD) und eine Erdung außerhalb des Spannungstrichters des Fundamenterders und der Betriebserdungen des PEN-Leiters durch ein TT-System zu schützen (Inselbetrieb) [10]
Autor
- G. Biegelmeier
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