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Schutzmaßnahmen | Elektrotechnik

Sichere Anlagen - Schutz gegen elektrischen Schlag - Teil 2: Schutzkonzept und Zusatzschutz

ep5/2009, 5 Seiten

Im ersten Tei dieser Beitragsreihe (ep 4/2009) wurden allgemeine Betrachtungen zum Thema Sicherheit angestellt und die entsprechenden Begrifflichkeiten erläutert. Darauf aufbauend wird nun auf das in DIN VDE 0100-410:2007-06 niedergelegte Schutzkonzept für den Schutz gegen elektrischen Schlag eingegangen.


Basis- und Fehlerschutz Grundsätzlich gilt: Im fehlerfreien Zustand muss eine Schutzvorkehrung dafür sorgen, dass Teile der elektrischen Anlage, die eine für den Menschen gefährliche elektrische Spannung annehmen (z. B. eine Wechselspannung von mehr als 50 V), nicht berührbar sind. Sollte diese Schutzvorkehrung jedoch fehlerhaft werden, sodass ein Mensch einen gefährlichen elektrischen Schlag erleiden könnte, muss dies eine weitere geeignete Schutzvorkehrung verhindern. Eine Schutzmaßnahme für den Schutz gegen elektrischen Schlag besteht demzufolge aus: · einer Kombination von zwei unabhängigen Schutzvorkehrungen, nämlich einer Basissowie einer Fehlerschutzvorkehrung oder · einer verstärkten Schutzvorkehrung, die sowohl den Basisschutz als auch den Fehlerschutz bewirkt. Die Schutzvorkehrung für den Basisschutz verhindert das direkte Berühren von unter Spannung stehenden (aktiven) Teilen einer elektrischen Anlage, z. B. durch Isolierung. Früher sprach man diesbezüglich vom „Schutz gegen direktes Berühren“. Die Schutzvorkehrung für den Fehlerschutz sorgt dafür, dass das indirekte Berühren unter Spannung stehender leitfähiger Teile einer elektrischen Anlage oder eines elektrischen Betriebsmittels im Fehlerfall beim Versagen der Schutzvorkehrung für den Basisschutz nicht zur lebensbedrohlichen Gefahr wird. Schutzziel ist in diesem Fall das Abschalten oder überhaupt das Verhindern eines Stromflußes, also eines Berührungsstroms durch den menschlichen Körper. Man sprach früher vom „Schutz bei indirektem Berühren“. Unter indirektem Berühren versteht man das Berühren unter Spannung stehender Teile - beispielsweise über das leitfähige Gehäuse eines elektrischen Verbrauchsmittels (Elektrogeräts) im Fehlerfall. Der Fehlerschutz lässt sich sicherstellen durch: · Abschalten der Stromversorgung und damit Abschalten eines möglicherweise fließenden Berührungsstroms oder · doppelte oder verstärkte Isolierung, sodass ein Berührungsstrom nicht entstehen kann oder · galvanische Trennung der Anlage von der Stromquelle, die ebenfalls das Entstehen eines Berührungsstroms verhindert oder · Verwendung einer Kleinstspannung, die einen für den Menschen gefährlichen Berührungsstrom nicht treiben kann. Kombination der Schutzvorkehrungen Geeignete Kombinationen von Basis- und Fehlerschutzvorkehrungen ergeben Schutzmaßnahmen, die für den Personenschutz allgemein und gleichwertig anwendbar sind. Alle nachfolgend beschriebenen Schutzmaßnahmen sind allgemein erlaubt. Sie dürfen sowohl einzeln als auch in Kombination angewendet werden, wobei jedoch mögliche Bedingungen äußerer Einflüsse zu berücksichtigen sind. 7.1 Automatische Abschaltung der Stromversorgung Diese Schutzmaßnahme gestattet gemäß DIN VDE 0100-410 [2], Abschnitt 411, als Basisschutzvorkehrung die Maßnahmen Isolierung (Basisisolierung) sowie die Anwendung von Abdeckungen oder Umhüllungen. Als Fehlerschutz kommen Schutzeinrichtungen zur Anwendung, die das automatische Abschalten der Stromversorgung innerhalb festgelegter Zeiten bewirken (Tafel und Tafel ). Schutzeinrichtung und System nach Art der Erdverbindung (TN-System, TT-System oder IT-System) müssen miteinander koordiniert werden. Elektropraktiker, Berlin 63 (2009) 5 Schutzmaßnahmen FÜR DIE PRAXIS Sichere Anlagen - Schutz gegen elektrischen Schlag Teil 2: Schutzkonzept und Zusatzschutz H. Zander, Berlin Im ersten Tei dieser Beitragsreihe [1] wurden allgemeine Betrachtungen zum Thema Sicherheit angestellt und die entsprechenden Begrifflichkeiten erläutert. Darauf aufbauend wird nun auf das in DIN VDE 0100-410:2007-06 [2] niedergelegte Schutzkonzept für den Schutz gegen elektrischen Schlag eingegangen. Autor Dipl.-Ing. Hartmut Zander ist Fachgebietsleiter Elektroinstallation, Gebäudesystemtechnik und Lichtanwendungen bei der HEA -- Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung e.V., Berlin. Die Anwendung dieser Schutzmaßnahme erfordert außerdem die Schutzerdung sowie das Herstellen eines Schutzpotentialausgleichs nach der DIN VDE 0100-410 [2], Abschnitt 411.3.1. Die Fehlerschutzvorkehrung „Funktionskleinspannung - FELV“ ist anwendbar als eine besondere Form der Schutzmaßnahme „Schutz durch automatische Abschaltung der Stromversorgung“. Das trifft dann zu, wenn aus funktionellen Gründen die Nennspannung Werte von AC 50 V oder DC 120 V nicht überschreitet. Hierbei erfolgt die Abschaltung der Stromversorgung im Fehlerfall auf der Primärseite der Kleinspannungsstromquelle. 7.2 Doppelte oder verstärkte Isolierung Bei dieser Schutzmaßnahme gemäß [2], Abschnitt 412, wird für die Basisschutzvorkehrung der Schutz durch Isolierung aktiver Teile oder die verstärkte Isolierung angewendet, die dann auch die Anforderungen an eine Fehlerschutzvorkehrung erfüllt. Für die Fehlerschutzvorkehrung ist eine zusätzliche Isolierung anwendbar bzw. eine verstärkte Isolierung ausreichend, die den Basisschutz und den Fehlerschutz gleichermaßen erfüllt. Die Schutzmaßnahme „Schutz durch doppelte oder verstärkte Isolierung“ ist allerdings als alleinige Schutzmaßnahme für einen Teil einer Anlage oder für einen Stromkreis nur eingeschränkt anwendbar (siehe [2], Abschnitt 412.1.3.) 7.3 Schutztrennung Als Basisschutzvorkehrungen gestattet die Schutzmaßnahme „Schutztrennung“ gemäß [2], Abschnitt 413, die Anwendung von Isolierung (Basisisolierung) sowie die Anwendung von Abdeckungen oder Umhüllungen - wie bei der Schutzmaßnahme „Schutz durch automatische Abschaltung der Stromversorgung“. Die Fehlerschutzvorkehrung beinhaltet die Anwendung einer Stromquelle mit mindestens einfacher elektrischer Trennung sowie die Erdfreiheit des Stromkreises. Wenn diese Schutzmaßnahme in Stromkreisen mit mehr als nur einem Verbrauchsmittel angewendet werden soll, dann müssen besondere Bedingungen entsprechend [2], Abschnitt 413.1.3, erfüllt werden. 7.4 Kleinspannung SELV oder PELV Die Anwendung dieser Schutzmaßnahme gemäß [2], Abschnitt 414, beinhaltet keine getrennten Anforderungen an Basis- und Fehlerschutzvorkehrungen. Vielmehr ist sie dann anwendbar, wenn die Grenze des Spannungsbereichs I nicht überschritten wird oder der zu schützenden Stromkreis aus einer geeigneten SELV- oder PELV-Stromquelle versorgt wird. Außerdem müssen die besonderen Anforderungen an SELV- oder PELV-Stromkreise erfüllt werden. Basisschutz bei Anlagennutzung durch Fachkräfte In Anlagen, die nur für Elektrofachkräfte, elektrotechnisch unterwiesene Personen oder für Personen, die durch die vorgenannten beaufsichtigt werden, zugänglich sind, können weitere Schutzvorkehrungen für den Basisschutz angewendet werden. Diese Schutzvorkehrungen sind: · Schutz durch Hindernisse gemäß [2], Anhang B, Abschnitt B2; · Schutz durch Anordnung außerhalb des Handbereichs gemäß [2], Anhang B, Abschnitt B3. Die nur eingeschränkt anwendbaren Schutzmaßnahmen · Schutz durch nichtleitende Umgebung gemäß [2], Anhang C, Abschnitt C1; · Schutz durch erdfreien örtlichen Schutzpotentialausgleich gemäß [2], Anhang C, Abschnitt C2 sowie · Schutz durch Schutztrennung mit mehr als einem Verbrauchsmittel gemäß [2], Anhang C, Abschnitt C3 dürfen nur dann angewendet werden, wenn die Anlage durch Elektrofachkräfte oder elektrotechnisch unterwiesene Personen überwacht wird. Dadurch ist ausreichend sichergestellt, dass unbefugte Änderungen, die die Wirksamkeit der zuvor genannten Schutzmaßnahmen beeinträchtigen könnten, nicht vorgenommen werden können oder zumindest frühzeitig bemerkt werden. Zusätzlicher Schutz 9.1 Notwendigkeit Bei Vorliegen bestimmter Bedingungen aufgrund von äußeren Einflüssen kann die Auswahl der Schutzmaßnahmen einge- Elektropraktiker, Berlin 63 (2009) 5 400 FÜR DIE PRAXIS Schutzmaßnahmen Tafel Zulässige Abschaltzeiten bei Anwendung der Schutzmaßnahme „Schutz durch automatische Abschaltung der Stromversorgung“ System Maximale Abschaltzeiten in s bei unterschiedlicher Bemessungsspannung U0 (U0 = Bemessungswechsel- oder -Gleichspannung Außenleiter gegen Erde) 50 V < U0 120 V 120 V < U0 230 V 230 V < U0 400 V U0 > 400 V Endstromkreise 1) AC DC AC DC AC DC AC DC TN 0,8 - 2) 0,4 5,0 0,2 0,4 0,1 0,1 TT3) 0,3 - 2) 0,2 0,4 0,07 0,2 0,04 0,1 Verteilungsstromkreise TN 5,0 TT 1,0 Anmerkungen: 1) Wenn eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung als Abschalteinrichtung eingesetzt wird, können einige der geforderten Abschaltzeiten nur erreicht werden, wenn der Differenzstrom bedeutend höher ist als deren Bemessungsdifferenzstrom (siehe Tafel ). Im allgemeinen kann davon ausgegangen werden, dass im TN- und im TT-System der im Fehlerfall fließende Differenzstrom größer oder gleich dem 5-fachen Bemessungsdifferenzstrom ist. 2) Eine Abschaltung der Stromversorgung zum Schutz gegen elektrischen Schlag ist nicht gefordert. Gleichwohl kann eine Abschaltung des Endstromkreises jedoch aus einem anderen Grund gefordert sein. 3) Wenn eine Überstrom-Schutzeinrichtung als Abschalteinrichtung eingesetzt wird und alle fremden leitfähigen Teile der Anlage in den Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene einbezogen sind, dann darf die jeweils für TN-Systeme anwendbare Abschaltzeit angewendet werden. megacom ist ein deutscher Hersteller für Hausnotruf ohne zusätzliche Installationskosten, mit der Möglichkeit, Rauchmelder anzuschließen, zu einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. 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Dusche angeschlossene Verbrauchsgeräte) PELV; Stromkreise für die Versorgung fest angeschlossener Wassererwärmer 702 Schwimmbecken 30 mA Stromkreise zur Versorgung einer SELV- Zusatzschutz gilt nur für Betriebsmittel, die im Stromquelle oder einer Schutztrennungs- Inneren des Beckens betrieben stromquelle im Bereich 2 werden, wenn sich darin keine Personen aufhalten Stromkreise mit „automatischer Abschal- Fehlerschutz auch zulässig: Schutztrennung tung“ in den Bereichen 1 und 2 oder SELV Schalter, Steckdosen und andere Schalt- Fehlerschutz auch zulässig: Schutztrennung und Steuergeräte im Bereich 2 oder SELV in Fußböden eingebettete elektrische Fehlerschutz Abdeckung durch geerdetes Heizungen Metallgitter oder geerdete Umhüllung; auch SELV ist zulässig Stromkreise zur Versorgung fest ange- Fehlerschutz auch zulässig: Schutztrennung brachter Betreibsmittel im Bereich 1 oder SELV mit ergänzenden Maßnahmen Leuchten im Bereich 1 bei Schwimm- Fehlerschutz auch zulässig: Schutztrennung bädern mit kleinem Umgebungsbereich oder SELV 704 Baustellen 30 mA Stromkreise mit Steckdosen In 32 A Zusatzschutz auch zulässig: Schutztrennung oder SELV (dann ist allerdings Stromkreise mit fest angeschlossenen kein Zusatzschutz notwendig) in der Hand gehaltenen elektrischen Verbrauchsgeräten In 32 A 705 landwirtschaftliche 30 mA Endstromkreise mit Steckdosen Fehlerschutz und gartenbauliche Betriebsstätten 300 mA alle anderen Stromkreise (auch Vertei- Fehlerschutz/ lungsstromkreise) Brandschutz 706 leitfähige Bereiche 30 mA Stromkreise zur Versorgung ortsfester Zusatzschutz auch zulässig: SELV oder PELV; mit begrenzter Betriebsmittel der Schutzklasse II aus zusätzlicher Potentialausgleich; Bewegungsfreiheit Stromquellen innerhalb des begrenzten Schutztrennung leitfähigen Raums 708 elektrische Anlagen 30 mA Steckdosen Zusatzschutz eine Fehlerstrom-Schutzeinrichauf Campingplätzen tung (RCD) pro Steckdose 709 Marinas 30 mA Steckdosen Zusatzschutz eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) pro Steckdose 710 medizinisch ge- 30 mA Räume der Gruppe 1 für Endstromkreise Zusatzschutz nutzte Bereiche mit Steckdosen und für die Beleuchtung der Patientenumgebung 30 mA Räume der Gruppe 2 für bestimmte Zusatzschutz elektromedizinische Geräte sowie für die Beleuchtung der Patientenumgebung (nicht für OP-Leuchten) 300 mA Stromkreise zur Versorgung von elektro- Brandschutz medizinischen Geräten, von Geräten mit Nennleistungen über 5 kVA sowie von Beleuchtung außerhalb der Patientenumgebung 711 Ausstellungen, 30 mA Steckdosenstromkreise und Endstrom- Fehlerschutz außer solche für Notbeleuchtung Shows und Stände kreise mit In 32 A 300 mA Kabel und Leitungen zur Versorgung Fehlerschutz Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen vorübergehender Aufbauten mit Kennzeichnung „S“ sollten verwendet werden 712 Solar-Photovoltaik- 30 mA die gesamte PV-Anlage Fehlerschutz notwendig, sofern zwischen der (PV)-Stromver- (Typ B) Wechsel- und Gleichstromseite sorgungssysteme nicht mindestens eine einfache Trennung vorgesehen ist 714 Beleuchtungsan- 30 mA Betriebsmittel mit integrierter Beleuch- Fehlerschutz/ lagen im Freien tung (z. B. Telefonzelle, Wartehaus u. Ä.) Zusatzschutz 717 elektrische Anlagen 30 mA Steckdosen zur Versorgung von Betriebs- Zusatzschutz ausgenommen sind Steckdosen, auf Fahrzeugen bzw. mitteln außerhalb der Baueinheit die mit SELV, PELV oder Schutzin transportablen trennung betrieben werden Baueinheiten 30 mA den Anschluss an eine fest installierte Zusatzschutz Ausnahmen sind möglich elektrische Anlage für gesamtes System Fortsetzung der Tabelle auf Seite 402 Tafel Einsatz von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen für den Fehlerschutz oder Zusatzschutz in Räumen, Bereichen und Anlagen besonderer Art gemäß DIN VDE 0100 Gruppe 700 schränkt sein. Außerdem können die Bedingungen für die Basis- und/oder Fehlerschutz-Vorkehrungen entgegen den allgemeinen Festlegungen modifiziert sein. Des weiteren ist es möglich, dass aufgrund von besonderen Bedingungen eine zusätzliche Schutzvorkehrung zum Basis- oder Fehlerschutz festgelegt wird. Entsprechende Festlegungen enthalten die Errichtungsbestimmungen für Anlagen und Räume besonderer Art nach DIN VDE 0100 Gruppe 700 (VDE 0100 Gruppe 700). 9.2 Zusätzlicher Schutzpotentialausgleich Wenn die Schutzmaßnahme „Schutz durch automatische Abschaltung der Stromversorgung“ angewendet wird, kann insbesondere das Vorsehen eines zusätzlichen Schutzes gefordert werden. So kann z. B. ein zusätzlicher Schutzpotentialausgleich gefordert sein, wenn in elektrischen Anlagen oder Stromkreisen die für diese Schutzmaßnahme im Rahmen der Fehlerschutzvorkehrung vorgesehenen Abschaltzeiten (Tafel ) nicht eingehalten werden können. 9.3 Zusatzschutz mit Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen Der zusätzliche Einsatz von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom von nicht mehr als 30 mA gewährleistet den Schutz vor einer gefährlichen elektrischen Durchströmung eines Menschen bei: · Versagen der Vorkehrung für den Basisschutz (auch wenn dieser z. B. an Steckdosen umgangen werden kann); · Versagen von Fehlerschutz-Vorkehrungen; · Sorglosigkeit der Benutzer der elektrischen Anlage. Der Tafel ist zu entnehmen, in welchen Räumen, Bereichen und Anlagen besonderer Art Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom IN von nicht mehr als 30 mA eingesetzt werden müssen und ob die Schutzeinrichtungen bei Anwendung der Schutzmaßnahme „Schutz durch automatische Abschaltung der Stromversorgung“ für den Fehlerschutz verlangt werden. Es soll verdeutlicht werden, ob die Ausführung der Fehlerschutzvorkehrung auf die Auswahl der Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen beschränkt ist oder ob die Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) zusätzlich zum Fehler- oder Basisschutz gefordert sind (Zusatzschutz). In einphasigen und mehrphasigen Wechselspannungssystemen muss gemäß [2], Abschnitt 411.3.3, ein zusätzlicher Schutz durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen mit einem Bemessungsdifferenzstrom von nicht mehr als 30 mA vorgesehen werden für alle · Steckdosen mit einem Bemessungsstrom bis einschließlich 20 A, die für die Nutzung durch Laien sowie für die allgemeine Verwendung bestimmt sind, · Endstromkreise für im Außenbereich verwendete tragbare Betriebsmittel mit einem Bemessungsstrom bis einschließlich 32 A. Steckdosen, die für die Nutzung durch Laien und zur allgemeinen Verwendung bestimmt sind, werden generell mit einem zusätzlichen Schutz durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom von nicht mehr als 30 mA versehen. Lediglich Steckdosen, die ausschließlich durch Elektrofachkräfte und elektrotechnisch unterwiesene Personen benutzt werden (das trifft in Deutschland z. B. für elektrische Betriebsstätten und abgeschlossene elektrische Betriebsstätten zu) dürfen von diesem zusätzlichen Schutz ausgenommen werden. Die Ausnahme, nach der Steckdosen, die für den Anschluss nur eines bestimmten Betriebsmittels errichtet werden, von dem zusätzlichen Schutz durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen ausgenommen werden dürfen, sollte nicht in Anspruch genommen werden, wenn zu bezweifeln ist, dass eine Steckdose nur für ein bestimmtes Betriebsmittel benutzt wird. Da während der Errichtung einer Steckdose im Regelfall jedoch noch keine Kenntnis zu deren Betriebsweise besteht und falls doch, nicht garantiert werden kann, dass diese Betriebsweise über die Lebensdauer der elektrischen Anlage (Steckdose) erhalten bleibt, muss der Anschluss nur eines bestimmten Betriebsmittels an dieser Steckdose grundsätzlich angezweifelt werden. Diese Ausnahme ist demnach eigentlich nicht anwendbar. Alternativ wird empfohlen, das bestimmte Betriebsmittel fest anzuschließen. Auf die Ausnahmeregelungen wird hier nicht weiter eingegan-Elektropraktiker, Berlin 63 (2009) 5 402 FÜR DIE PRAXIS Schutzmaßnahmen Teil der Art der Anlage Umfang des Fehlerstromschutzes Bemerkung DIN VDE 0100 Bemessungs- Schutzdifferenzstrom gefordert für vorkehrung 721 Caravans und 30 mA Schutz durch automatische Abschaltung Fehlerschutz/ Motorcaravans der Stromversorgung von Caravans oder Zusatzschutz Motorcaravans 723 Unterrichtsräume 30 mA Stromkreise zur Versorgung von Zusatzschutz bei Versorgung aus einem TN-und Experimentier- Experimentiereinrichtungen oder TT-System einrichtungen 739 zusätzlicher 30 mA Stromkreise mit Steckdosen bis 32 A; Zusatzschutz Schutz in alte Anlagen ohne Fehlerstrom-Schutz-Wohnungen maßnahmen; Altanlagen für Stromkreise mit Steckdosen, in denen nach den Normen der Reihe DIN VDE 0100 Gruppe 700 bei Neuinstallation eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung gefordert wäre 753 Fußboden- und 30 mA Anwendung der Schutzmaßnahme Fehlerschutz andere Schutzmaßnahmen sind Decken-Flächen- „Schutz durch automatische Abschaltung“ ebenfalls möglich heizungen 30 mA Stromkreise zur Versorgung von Heizein- Zusatzschutz heiten der Schutzklasse II Fortsetzung der Tabelle von Seite 401 megacom ist ein deutscher Hersteller für Ortungssysteme zum Auffinden verunfallter Personen, zu einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Nähere Infos unter Telefon 04191 90850 oder www.megacom-gmbh.de Anzeige gen, denn interessanter für den Anwender ist das Schutzziel sowie die vernünftige Umsetzung dieser Forderung. Steckdosen im Freien sowie solche, für die der Anschluss elektrischer Betriebsmittel, die im Freien benutzt werden, erwartet werden kann, mussten im übrigen schon seit längerer Zeit mit Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen geschützt werden. Neu ist jetzt lediglich, dass der Bemessungsstrom dieser Steckdosen auf 32 A heraufgesetzt wurde. Die Notwendigkeit des zusätzlichen Schutzes durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen mit einem Bemessungsdifferenzstrom von nicht mehr als 30 mA und damit das Schutzziel ergibt sich aus den erhöhten Risiken bei der allgemeinen Verwendung und Benutzung von Steckvorrichtungen durch Laien. Nähere Erläuterungen zum Einsatz von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) folgen im nächsten Teil dieser Beitragsreihe. Schutzkonzept Das im Beitrag beschriebene Schutzkonzept spiegelt sich bereits im Inhaltsverzeichnis der Norm DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [2] wieder und lässt sich anhand der Grafik im Bild veranschaulichen. Literatur [1] Zander, H.: Sichere Anlagen - Schutz gegen elektrischen Schlag. Elektropraktiker, Berlin 63 (2009) 4; S. 306 - 310. [2] DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06 Errichten von Niederspannungsanlagen - Teil 4-41: Schutzmaßnahmen - Schutz gegen elektrischen Schlag. Elektropraktiker, Berlin 63 (2009) 5 Schutzvorkehrung für den Basisschutz verhindert das direkte Berühren unter Spannung stehender (aktiver) Teile der elektrischen Anlage, z.B. durch Isolierung. Zusätzlicher Schutz Bietet zusätzlichen Schutz: · bei Versagen der Schutzvorkehrung für den Basisschutz und/oder · bei Versagen der Schutzvorkehrung für den Fehlerschutz oder · bei Sorglosigkeit des Benutzers der elektrischen Anlage oder · bei besonderer Personengefährdung durch spezielle Bedingungen von äußeren Einflüssen, z.B. durch Einsatz von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen mit IN 30 mA. Schutzvorkehrung für den Fehlerschutz verhindert das indirekte Berühren unter Spannung stehender (fremder) Teile der elektrischen Anlage im Fehlerfall des Versagens der Schutzvorkehrung für den Basisschutz, z. B. durch Abschalten der Stromversorgung. Allgemeine Schutzmaßnahmen nach DIN VDE 0100-410:2007-06 · Automatische Abschaltung der Stromversorgung · Doppelte oder verstärkte Isolierung · Schutztrennung · Kleinspannung SELV oder PELV Konzept des Schutzes gegen elektrischen Schlag nach [2] Der Beitrag wird in der nächsten Ausgabe fortgesetzt. Fortsetzung www.rademacher.de Öffnen Sie das Tor zum Frühjahr. Rollo Port S2 - Der schnelle Klassiker Die Basis-Antriebslösung von RADEMACHER für alle Standard-Garagentore überzeugt. tSchnelle und unkomplizierte Montage tOptimierte Kraftübertragung und Hinderniserkennung tSoftstart & Softstop tEnergiesparend durch Stand-by <1 W t4 Funksender im Lieferumfang RADEMACHER Geräte-Elektronik Gmb H & Co. KG Buschkamp 7 - 46414 Rhede - Germany Telefon: + 49 2872 933-171 Fax: + 49 2872 933-251

Autor
  • H. Zander
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