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Gebäudesystemtechnik | Technische Gebäudeausrüstung | Elektrotechnik

Sanierung auf Passivhausstandard

ep11/2007, 1 Seite

Das ehemalige Chaostage-Haus in Hannover ist ein Beispiel dafür, wie mit umfassendem Sanierungskonzept und moderner Haustechnik Bestandsbauten auf den neuesten energetischen und architektonischen Stand gebracht werden können.


Elektropraktiker, Berlin 61 (2007) 11 1022 AUS DER PRAXIS Aus dem Chaos in die Zukunft Energieeinsparverordnung für Neubauten, Energiepass für Bestandsobjekte. Fördergelder für Dämmmaßnahmen, günstige Kredite für die Nutzung der Solarenergie. Eigenheimbesitzer klicken sich durch das Internet auf der Suche nach der effektivsten Energiesparlampe. „Noch zehn Jahre Zeit, die Erde zu retten“, „CO2-Ausstoß muss halbiert werden“ - Schlagzeilen in der Boulevardpresse. Gewinnung von und der Umgang mit Energie sind allgegenwärtige Themen. Gerade und insbesondere bei der Sanierung von bestehenden Wohnhäusern und -anlagen steht grundsätzlich die Energieeinsparung im Vordergrund. Ein Beispiel für eine Sanierung, bei der die verschiedenen Beteiligten allesamt an einem Strang gezogen haben, befindet sich in der Schaufelder Straße in Hannover: Das ehemalige Chaostage-Haus mit insgesamt 2000 m2 Wohnfläche, Büros sowie Arztpraxen im Erdgeschoss wurde mithilfe eines umfassenden Sanierungskonzeptes inklusive moderner Haustechnik-Geräte von Stiebel Eltron auf neuesten energetischen und architektonischen Stand gebracht (Bild ). „Im Vergleich zum ursprünglichen Bedarf wird nur noch ein Zehntel der Energie für Heizung und Warmwasser benötigt. Die Heizkosten für die Nutzer liegen bei etwa 12 Cent pro m2 und Monat, das bedeutet also für eine 100 m2 große Einheit gerade mal 12 Euro Heizkosten pro Monat“, so Bauherr Dr. Ulrich Stiebel. Luftwechsel erforderlich Typische Sanierungsmaßnahmen im Einfamilienhausbereich bleiben nicht zuletzt wegen der begrenzten finanziellen Möglichkeiten häufig Stückwerk. Werden zur Fassadendämmung meist zumindest noch die Fenster erneuert, bleibt die Haustechnik oft unangetastet. Dabei ist es wichtig, dass energetische Maßnahmen komplett geplant werden und als Gesamtheit gesehen werden. Eine extrem dichte Gebäudehülle in Verbindung mit neuen Fenstern spart immens Heizenergie. Dabei wird oft übersehen, dass ein definierter Luftwechsel notwendig ist, um Feuchtigkeit und damit letztendlich Schimmel im Haus zu vermeiden. Eine energetische Sanierung muss daher immer auch eine Lösung für den erforderlichen Luftwechsel beinhalten. Umgesetzte Maßnahmen Hand in Hand wurden beim Chaostage-Haus in Hannover folgende Maßnahmen realisiert: · Neue Fassaden- und Dachdämmung, · eine weitgehende Luftdichtigkeit der Gebäudehülle, · neue Wärmeschutzfenster und · Minimierung von Wärmebrücken. Lüftungsanlage. Das dezentrale Lüftungskonzept sieht ein separates Lüftungsgerät in jeder Nutzungseinheit vor. Je nach Größe der Einheit wurden Geräte vom Typ LWZ 70, 100 oder 170 eingesetzt. Eine effektive Wärmerückgewinnung aus der Abluft ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Energieeinsparung. Auf diese Weise werden der Luftwechsel sowie eine permanent hohe Luftqualität und ein sicherer Feuchteschutz zur Vermeidung von Bauschäden garantiert. Heizungstechnik. Der Heizungs-und Warmwasserbedarf wird mittels Wärmepumpentechnik bedient. Es sind zwei Geräte installiert: eins mit 13 sowie eins mit 22 kW (Bild ). Die kleine Maschine versorgt die Räume mit Wärme, die mit einer Niedertemperatur-Flächenheizung ausgerüstet sind. Die große Maschine ist den mittleren Etagen zugeordnet, die mit Heizkörpern (55/45) ausgestattet sind. Die Trinkwassererwärmung erfolgt in einem zweistufigen Prozess, in dem beide Geräte in Reihe geschaltet sind. Der jährliche Bedarf an elektrischer Energie zum Betreiben der Wärmepumpen soll mit der 30-kW-PV-Anlage in der Bilanz ausgeglichen (Bild ) werden. Installiert wurden zwei Wasser/ Wasser-Wärmepumpen, die jedoch zu Sole/Wasser-Wärmepumpen umgebaut werden mussten. Die Sole wird über einen Wärmetauscher mit der Energie des Erdreichs beliefert. Ursprünglich hatten Probebohrungen ergeben, dass in relativ geringer Tiefe geeignetes Grundwasser anzutreffen ist. Im Zuge der Ausführung des Förder- und Schluckbrunnens wurde jedoch ein augenscheinlich anderes Grundwasservorkommen erschlossen, das sich bereits nach wenigen Wochen als nicht optimal geeignet herausstellte, woraufhin beide Wärmepumpen komplett vom Grundwasser entkoppelt wurden. „Mit dieser Maßnahme ersparen wir uns Schwierigkeiten, die immer wieder mal mit dem nicht hundertprozentig geeigneten Wasser hätten auftreten können. Dafür müssen wir allerdings mit einer etwa fünfprozentigen Leistungseinbuße rechnen.“, so Dr. Wolfgang von Werder, Stiebel Planungsgruppe Holzminden. Förder- und Schluckbrunnen konnten im Hinterhof des Gebäudes realisiert werden. Der Heizungsraum befindet sich im Erdgeschoss. Der Keller dient nur als Abstellfläche und ist mit einem Zugang von außen versehen worden. Der Zugang vom Treppenhaus wurde geschlossen, um Wärmeverluste zu vermeiden. Gerade in Innenstadtbereichen kann es bei beengten Platzverhältnissen Probleme geben, die erforderliche Anzahl Sondenbohrungen für eine eventuelle Sole/ Wasser-Wärmepumpe zu realisieren. Aus diesem Grund wurde von Anfang an eine Lösung mithilfe des Grundwassers angestrebt. Zudem ist durch die hohe Temperatur des Grundwassers - in diesem Fall hat das geförderte Wasser kontinuierlich etwa 12 bis 13 °C - eine deutlich höhere Leistungszahl zu erreichen. Die Frage nach den Platzverhältnissen stellt sich in der Regel nur bei Sanierungen. Bei Neubauten können die Sondenbohrungen vor den Rohbaumaßnahmen auf dem bestehenden Baugelände durchgeführt werden, beispielsweise unter einer eventuell geplanten Tiefgarage. H. Schulz Sanierung auf Passivhausstandard Das ehemalige Chaostage-Haus in Hannover ist ein Beispiel dafür, wie mit umfassendem Sanierungskonzept und moderner Haustechnik Bestandsbauten auf den neuesten energetischen und architektonischen Stand gebracht werden können. Modernisiertes Chaostage-Haus in Hannover Mit der etwa 30-kW-PV-Anlage soll die Jahresenergiebilanz ausgeglichen werden. Fotos: Stiebel Eltron Installiert wurden zwei Wärmepumpen: 13 und 22 kW

Autor
  • H. Schulz
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