Skip to main content 
Elektrotechnik

Risiko Berufsverkehr - Konzentrationsmängel und Schlafprobleme

ep2/2001, 2 Seiten

Arbeitnehmer, die täglich zur Arbeitpendeln müssen, fühlen sich stärker beansprucht als Nicht-Pendler. Insbesondere die Pendler im eigenen Pkw leiden häufig unter Konzentrationsmängeln und Schlafproblemen.


Elektropraktiker, Berlin 55 (2001) 2 108 Branche aktuell Arbeitssicherheit Napos Abenteuer Mit den alltäglichen Gefahren des Arbeitslebens beschäftigt sich auf einprägsame und humorvolle Weise das Video „Napos Abenteuer“. Bei dem Video mit einer Länge von 13 Minuten handelt es sich um eine Auftragsproduktion fünf europäischer Arbeitsschutz-Institutionen, darunter auch des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG). Napo ist die Zentralfigur von neun verschiedenen Clips, hergestellt als Computersimulation. Dargestellt sind unter anderem die Themen: · Stürzen und Stolpern, · Gefahrstoffe, · Missachtung von Schutzeinrichtungen, · Fehlende Leitern, · Unberechtigte Nutzung von Fahrzeugen. „Napos Abenteuer“ ist eine Fortsetzung des Erfolgsvideos „Best Signs Story“, in dem sich Napo, eine sympathische Figur mit kleinen Fehlern, mit der Sicherheitskennzeichnung am Arbeitsplatz auseinander setzt. Dieses Video hat inzwischen drei internationale Preise für Inhalt und Gestaltung bekommen. Auch im neuen Video muss sich Napo mit den großen und kleinen Tücken am Arbeitsplatz herumschlagen, zum Beispiel wenn er unter Termindruck einen Graben nicht gegen Hineinstürzen sichert oder wenn gerade mal wieder keine Leiter verfügbar ist, wohl aber ein Stuhl auf Rollen. Rückhalteeinrichtungen für Flurförderzeuge Im Jahresdurchschnitt verunglücken 14 Fahrer von Flurförderzeugen tödlich. Bei ca. 200 Fahrern jährlich führen die schweren Verletzungen infolge eines Unfalles mit einem Flurförderzeug zu einer Unfallrente (> 20 % Minderung der Erwerbsfähigkeit). Einer der Hauptgründe für die schweren Verletzungen sind die fehlenden Fahrerrückhalteeinrichtungen. Die Sorge richtet sich vor allem auf ältere Fahrzeuge, da bei neuen schon seit geraumer Zeit die Hersteller verpflichtet sind, entsprechende Rückhalteeinrichtungen (Bild ) standardmäßig vorzusehen. Flurförderzeuge älteren Baujahres, das verlangt die EG-Arbeitsmittelbenutzerrichtlinie, sind nachzurüsten. Wenn auch noch keine Frist festgelegt wurde, so sollte doch schon zur Vermeidung weiterer Unfälle umgehend mit der Nachrüstung begonnen werden. Risiko Berufsverkehr Konzentrationsmängel und Schlafprobleme Arbeitnehmer, die täglich zur Arbeit pendeln müssen, fühlen sich stärker beansprucht als Nicht-Pendler. Insbesondere die Pendler im eigenen Pkw leiden häufig unter Konzentrationsmängeln und Schlafproblemen. Dies hat eine empirische Studie des Deutschen Verkehrssicherheitsrates und der gewerblichen BGen ergeben. Nach den neu erhobenen Daten haben Pkw-Pendler häufiger gesundheitliche Probleme als Pendler, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit gelangen. Sie fühlen sich zudem nervöser und ängstlicher. Die wichtigsten Einflussgrößen für die Beanspruchung durch die Arbeitsfahrt stellen neben der Fahrtdauer vor allem dichter Verkehr und Staus, Ärgernisse oder Hindernisse während der Fahrt, gefährliche Situationen, Lärmbelästigungen oder schlechtes Wetter dar. Stressfaktoren für die Fahrt zur Arbeit in öffentlichen Verkehrsmitteln sind, neben einer langen Fahrtdauer, vor allem Durchzug, Enge, Lärm oder Hitze, Verspä- In Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik (BGFE), Köln, informiert der ep auf dieser Seite über aktuelle Themen der Arbeitssicherheit. Kooperation mit der BG Beispiel für eine Rückhalteeinrichtung tungen, verpasste Anschlüsse, häufiges Umsteigen sowie schlechtes Wetter. Andererseits gelingt es einem Teil der Pendler, in Bussen oder Bahnen zu dösen oder zu schlafen und damit Schlafdefizite oder Befindlichkeitsbeeinträchtigungen zu verringern. Pendler, die abwechselnd mit dem Pkw oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, stuften den Pkw generell als das komfortableres Verkehrsmittel ein. Insgesamt ergab die Untersuchung, dass unter bestimmten Umständen der Berufsverkehr häufig so erlebt wird, dass darunter Befindlichkeit und Leistungsmotivation zu Arbeitsbeginn leiden. Aus der Rechtssprechung Medikamente zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit Eine Angestellte fuhr mit ihrem Pkw zu ihrer Arbeitsstelle, wo sie den Wagen auf dem Parkplatz abstellte. Da sie an diesem Tag bereits mit Kopfschmerzen aufgestanden war, ging sie vor Arbeitsantritt zur nächstgelegenen Apotheke und kaufte dort Kopfschmerztabletten. Auf dem Rückweg rutschte sie auf regennasser Straße aus und zog sich Verletzungen zu. Für die Frage, ob ein solcher Unfall als Arbeitsunfall zu qualifizieren ist oder nicht, gilt folgende Regelung: Muss der oder die Versicherte eine fortlaufende Versorgung mit Medikamenten sicherstellen und nutzt dazu nur die Gelegenheit im Zusammenhang mit dem Arbeitsweg, so fällt dies in den allgemeinen Lebensrisikobereich. Nur wenn er/sie aufgrund akuter Erkrankung gezwungen ist, eine medizinische Versorgung herbeizuführen, um überhaupt seine/ihre Tätigkeit fortsetzen oder aufnehmen zu können, dient diese Versorgung wesentlich der Aufnahme der betrieblichen Tätigkeit und fällt damit in den versicherten Bereich. Das Bundessozialgericht hat im vorliegenden Fall auf die Revision der Angestellten hin mit obiger Begründung ein ablehnendes Urteil des Landessozialgerichts (LSG) aufgehoben und die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das LSG zurückverwiesen, da das LSG die für eine endgültige Entscheidung erforderlichen Sachverhalte noch nicht hinreichend ermittelt hatte. (BSG vom 18.03.1997; Az.: 2 RU 17/96) Unfallauswertung Vorsicht mit Abgreifklemmen Arbeitsauftrag: An einem Abgang eines NS-Kabelverteilers wurden Kontrollmessungen zur Leistungsabnahme über einen Zeitraum von 14 Tagen durchgeführt. Nach Abschluss der Messungen sollte das Messgerät durch einen Elektromonteur abgenommen werden. Unfallhergang: Am Unfalltag wollte der Elektromonteur die Messleitungen wieder entfernen. Dazu nahm er zuerst die Stromwandler ab. Unbeabsichtigt verschob er dabei die Klemmen für den Spannungsabgriff. Die ausgelöste Bewegung der Messanschlüsse führte dazu, dass der unisolierte Teil des Abgriffs die Kabelanschlüsse zweier Außenleiter überbrückte. Es entstand zwischen den beiden Anschlüssen ein Störlichtbogen, der sich dann zu einem dreiphasigen ausbreitete. Der Monteur und ein in der Nähe befindlicher Auszubildender erlitten teilweise Verbrennungen zweiten Grades. Unfallanalyse: Der Abstand der Außenleiter zueinander beträgt an der ungünstigsten Stelle nur 1,4 cm. Dieser Abstand war ausreichend, um mit der verwendeten Messeinrichtung einen Kurzschluss hervorrufen zu können. Begünstigt wurde dies durch die fehlende Schottung zwischen den Kabelanschlüssen der NH-Leiste. Die erforderlichen Arbeiten zur Messung der Leistungsabnahme ist den Arbeiten unter Spannung (§ 8 der BGV A2, ehem. VBG 4, oder VDE 0105-100, Abschnitt 6.3) zuzuordnen. Wenn auch für Messaufgaben an unter Spannung stehenden Teilen keine spezielle Ausbildung zum AuS erforderlich ist, so müssen auch in diesem Fall die Grundforderungen hinsichtlich Ausrüstung (Bild ) und Organisation erfüllt sein. Neben dem technischen Mangel, dass die Schottung fehlte, wurde auch eine ungeeignete Ausrüstung für die engen Abstände eingesetzt. J. Jühling Elektropraktiker, Berlin 55 (2001) 2 109 Branche aktuell Teilisolierte Abgreifklemmen können Störlichtbögen vermeiden

Autor
  • J. Jühling
Sie haben eine Fachfrage?