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Werkzeuge

Qualitätswerkzeuge zahlen sich aus

ep6/2006, 3 Seiten

Die höhere Wattzahl oder der niedrigste Preis sind nicht immer Maßstab für das beste Werkzeug. Ist es nicht vielmehr so, dass die Elektrofachkraft vor allem Löcher bohren und Dübel setzen muss, Kabelkanäle anzubringen hat oder Schlitze stemmt, und die Maschine dazu nur ein Hilfsmittel ist? Wenn das stimmt, sollte die Entscheidung für das eine oder andere Gerät auch unter betriebswirtschaftlichen Aspekten bedacht werden. Das ist häufig die Basis für erhebliche Einsparungen.


Sparen - dann aber richtig Wenn man Elektrowerkzeuge miteinander vergleicht, achtet man auf die technischen Daten und den Einkaufspreis. Gängigstes technisches Auswahlkriterium ist die Wattzahl. Da hört man Aussagen wie: „Je mehr Watt, desto mehr Leistung.“ Unterschwellig soll damit ausgedrückt werden, dass dieses Gerät leistungsfähiger ist, demzufolge die Arbeit schneller macht und über die längere Lebensdauer verfügt. Stimmt das wirklich? Es kann stimmen, muss aber nicht. Bei den Überlegungen, was die Maschine kosten darf, sollte man sich fragen, ob man lediglich nur ein Elektrowerkzeug erwerben will. Ist es nicht so, dass der Elektriker eigentlich keine Maschine braucht, sondern Löcher bohren und Dübel setzen muss, Kabelkanäle zu trennen und anzubringen hat oder Schlitze stemmt, und die Maschine dazu nur ein Hilfsmittel ist? Wenn diese Aussage richtig ist, sollte man sich für das eine oder das andere Gerät erst entscheiden, wenn es auch unter betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll erscheint. Diese Betrachtungsweise kann sehr interessant sein und noch dazu zu erheblichen Einsparungen führen. Werkzeuge im Vergleich Verglichen werden im Beispiel zwei kleine Bohrhämmer - beides Markenfabrikate. Der eine besitzt eine Nennaufnahme von 750 Watt, kann Löcher bis 26 mm in Beton bohren und leichte Meißelarbeiten ausführen. Die Drehzahl liegt bei 1000 Umdrehungen, die Schlagzahl bei 4600 Schlägen pro Minute, die Einzelschlagenergie bei 2,2 Joule und das Drehmoment bei 15 Nm. Das Gerät ist mit einer Elektronik ausgestattet und wird im Handwerkerkoffer zu 250 Euro geliefert. Der andere verfügt über 800 Watt, hat ansonsten das gleiche Funktionsangebot, fast gleiche technische Daten und kostet 300 Euro im Handwerkerkoffer. Beide Maschinen sind wirklich auf den ersten Blick nahezu gleich, haben sogar in etwa das gleiche Gewicht und sehen noch dazu ähnlich aus. Ist doch klar, für welchen Hammer man sich bei 50 Euro Preisunterschied entscheidet. 50 Euro sind schließlich bares Geld - und das in der heutigen Zeit. Technische Daten Zunächst werden die technischen Daten unter die Lupe genommen. Sie beziehen sich immer auf bestimmte Randbedingungen. Man kann sich dabei wahrscheinlich kaum vorstellen, dass der teurere Hammer 30 % bis 40 % schneller bohrt und damit produktiver ist als sein Wettbewerber (Bild ). Hierbei handelt es sich um einen elektropneumatischen Bohr- und Meißelhammer mit VTC-Regelelektronik. Die Drehzahl und damit auch die Schlagkraft werden zwischen Leerlauf und Nennlast automatisch konstant gehalten. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich über die Funktionsweise von elektropneumatischen Bohrhämmern einmal zu informieren (Bild und siehe im Überblick). Alle Kosten einbeziehen Würde man vermuten, dass der im Einkauf teurere Hammer am Ende betriebswirtschaftlich die weitaus günstigere Lösung ist? Es ist durchaus legitim, beim Händler zu argumentierten, dass der Einkaufspreis eines Werkzeugs die Kosten bestimmt, um einen größeren Rabatt zu erhalten. Dennoch sollte man immer bei den eigenen Überlegungen die Gesamtkosten des Elektrowerkzeugs und auch dessen Produktivität beim Betrieb im Auge behalten. Diese Kosten setzen setzen sich aus Fix-und Betriebskosten zusammen: dem Einkaufspreis, den Kosten für die Bedienungsperson, den Kosten Elektropraktiker, Berlin 60 (2006) 6 456 BETRIEBSFÜHRUNG Qualitätswerkzeuge zahlen sich aus Die höhere Wattzahl oder der niedrigste Preis sind nicht immer Maßstab für das beste Werkzeug. Ist es nicht vielmehr so, dass die Elektrofachkraft vor allem Löcher bohren und Dübel setzen muss, Kabelkanäle anzubringen hat oder Schltze stemmt, und die Maschine dazu nur ein Hilfsmittel ist? Wenn das stimmt, sollte die Entscheidung für das eine oder andere Gerät auch unter betriebswirtschaftlichen Aspekten bedacht werden. Das ist häufig die Basis für erhebliche Einsparungen. IM ÜBERBLICK Funktionsweise von elektropneumatischen Bohrhämmern Funktionsweise elektropneumatischer Bohrhämmer Das pneumatische Schlagsystem nach dem „Einfachluftpolsterprinzip“ - Anwendungsprinzip in fast allen Bohrhämmern - wurde bereits in den 20-er Jahren des vorhergehenden Jahrhunderts von dem Amerikaner John William Cunningham erfunden und patentiert. Der Schlag wird dadurch erzeugt, dass die in einem Zylinder geführte Erregerhülse, angetrieben durch den Taumeltrieb - bei manchen Geräten auch durch Exzenterantrieb und Kolben - den Schläger zunächst mittels Unterdruck ansaugt, dann einen Überdruck erzeugt und den Schläger mit großer Wucht auf den Döpper schleudert. Die Schlagkraft wird durch den Döpper auf den eingesetzten Bohrer übertragen und in Joule gemessen. Der Döpper dient lediglich der Abdichtung des Systems. Das Fangsystem hat die Aufgabe, Leerschläge im Leerlauf, die das Schlagwerk sehr schnell zerstören könnten, zu vermeiden. Der Antrieb des Taumeltriebes erfolgt über den Elektromotor und ein Getriebe. Bei Belastung fällt die Drehzahl des Motors, physikalisch bedingt, ab. Wenn der Bohrer tiefer ins Material eindringt, vergrößert sich durch das anfallende Bohrmehl der Reibungswiderstand im Loch und die Drehzahl geht nach unten. Wie gravierend dies sein kann, zeigt sich häufig daran, dass - besonders bei kleineren Bohrerdurchmessern - das Bohrmehl explosionsartig aus dem Loch schießt. Die Schlagenergie hängt im Quadrat mit der Aufprallgeschwindigkeit des Schlägers zusammen, sodass bei einem durch den Drehzahlabfall bedingten Rückgang der Aufprallgeschwindigkeit von nur 10 % die Schlagenergie bereits um 19 % abfällt. Bei 20 % liegt der Abfall bereits bei 36 % und bei 30 % Drehzahlabfall bei über 50 %. Dies bedeutet, dass der Hammer nur noch halb so kräftig schlägt. Die Anzahl der Schläge sinkt dementsprechend. Dadurch steigt die Bohrzeit in erheblichem Maße an. Das kann jedoch mithilfe einer speziellen Elektronik verhindert werden. Diese verringert entweder den Drehzahlabfall des Motors oder verhindert ihn im Idealfall sogar. Somit können Leistungsunterschiede von 50 % oder mehr bei Elektrowerkzeugen auftreten, obwohl man dies an den technischen Daten, insbesondere der Wattangabe, nicht ablesen kann. EP-0606-452-461 16.05.2006 9:47 Uhr Seite 456 für die Einsatzwerkzeuge, für Service und den Energiekosten (Bild ). Im Praxistest Einen besseren Überblck erhält man anhand eines Vergleichs beider Geräte an einem einfachen, praktischen Beispiel: Es wird angenommen, dass Löcher mit 8 mm Durchmesser in Beton gebohrt werden sollen. Dazu braucht man SDS-plus Bohrer, für die man etwa 5 Euro zu zahlen hat. Weiterhin soll der Hammer am Tag nur eine halbe Stunde laufen (netto). Bei 5 Tagen pro Woche und nur 40 Wochen pro Jahr sind dies 100 Betriebsstunden mit der ersten Maschine. In diesem Beispiel behandelt der Anwender sein Werkzeug pfleglich - was in der täglichen Praxis nicht immer der Fall ist - und gibt den Hammer einmal pro Jahr zur Durchsicht und Reinigung zum Service. Die Energiekosten sind zwar vernachlässigbar, sollen der Vollständigkeit halber aber pauschal berücksichtigt werden. Dann sieht bei einem angenommenen Stundensatz von 35 Euro die Rechnung für die erste Maschine im Vergleich zur zweiten doch etwas anders aus, als vorher angenommen (Tafel ). Der errechnete Betrag bezieht sich gerade einmal auf eine einzige Maschine in einem Jahr bei einer relativ kurzen Einsatzdauer pro Tag. Man sollte jedoch einmal die Gesamtanzahl der Elektrowerkzeuge und die möglichen Kosteneinsparungen ermitteln - auch vielleicht über 3 oder 5 Jahre hinaus. Es ergeben sich in einem normalen Handwerksbetrieb satte 5-stellige Beträge, selbst wenn der Leistungsunterschied nicht immer so hoch ist wie bei den beiden Bohrhämmern. Weitere Beispiele Schruppschleifen. Man vergleicht 2 Geräte mit annähernd gleichen technischen Daten, kann jedoch nicht wissen, dass sich z. B. die Drehzahlen immer auf den Leerlaufbetrieb beziehen, sofern nicht besonders angegeben. 10000 Umdrehungen pro Minute sind auf den ersten Blick 10000 Umdrehungen pro Minute. Stimmt auch. Aber im Leerlauf kann man nicht schleifen. Also interessiert doch eigentlich die Drehzahl im Lastlauf. Die kann bei dem einen Gerät auf 7000 oder gar nur 6000 Umdrehungen pro Minute absinken. Bei dem anderen Gerät bleibt sie während der praktischen Anwendung konstant bei 10000 Umdrehungen pro Minute (Bild ). Die Zeitersparnis dürfte klar sein und ist einfach in Euro zu berechnen. Schlitze herstellen mit einer Mauernutfräse. Leerlaufdrehzahl 8200 BETRIEBSFÜHRUNG Winkelschleifer beim Trennen eines Stahlrohres mit Lastdrehzahl = Leerlaufdrehzahl = 10500 Umdrehungen pro Minute Mauernutfräse mit Drehzahlkonstanthaltung beim Herstellen von Schlitzen für elektrische Leitungen Fotos: Metabo EP-0606-452-461 16.05.2006 9:47 Uhr Seite 457 Umdrehungen pro Minute. Drehzahl unter Last bei dem einen Gerät 5300, bei dem abgebildeten 8200 Umdrehungen pro Minute konstant (Bild ). Rein technisch gesehen, bietet die Drehzahlkonstanthaltung einen weiteren entscheidenden Vorteil: Wenn die Drehzahl nicht absinkt, sinkt auch die Drehzahl des Lüfters nicht ab - die Maschine wird besser gekühlt und hat dadurch garantiert die längere Lebensdauer. Selbst geschenkt zu teuer Moderne, qualitativ hochwertige Elektrowerkzeuge kosten heute meist zwischen 100 und 400 Euro. Das entspricht dem Gegenwert von 3 bis 10 Arbeitsstunden. Bei einem Einsatz von 100 bis 200 Stunden pro Jahr beträgt der Anteil des Einkaufspreises an den Gesamtkosten lediglich 3 % bis 5 %. In dem Bohrhammerbeispiel hat sich die bessere, teurere Maschine bereits nach etwa 4 Arbeitsstunden amortisiert. Selbst wenn die billigere Maschine nichts gekostet hätte, mit einem Einkaufspreis von 0 Euro angesetzt worden wäre, ergäben sich betriebswirtschaftlich Mehrkosten von über 900 Euro nach einem Jahr. Dieses Gerät wäre also - rein betriebswirtschaftlich gesehen - selbst geschenkt zu teuer. Fazit Man sollte sich vor dem Kauf von Fachleuten beraten lassen. Bei der Auswahl des günstigsten Werkzeugs ist nicht nur der Einkaufspreis heranzuziehen. Es sind auch betriebswirtschaftliche Überlegungen zu treffen, um die produktivste und kostengünstigste Maschine für die jeweiligen Einsatzzwecke auszuwählen. In den seltensten Fällen handelt es sich dabei um das Gerät mit dem niedrigsten Einkaufspreis. H. J. Marzinzik Elektropraktiker, Berlin 60 (2006) 6 458 BETRIEBSFÜHRUNG Einkaufspreis + Kosten des Bedienpersonals + Kosten für Einsatzwerkzeuge + Kosten für Service + Kosten für Energie Fixkosten Betriebskosten = Gesamtkosten Gesamtkosten eines Elektrowerkzeugs Die Gesamtkosten sind entscheidend Tafel Zwei elektropneumatische Bohrhämmer im Vergleich Maschine 1 Einkaufspreis 250 Euro Bedienungsperson (100 h x 35 Euro/h) 3500 Euro Einsatzwerkzeug (30 Bohrer x 5,-- Euro) 150 Euro Service 50 Euro Energie 10 Euro Gesamtkosten pro Jahr 3960 Euro Die im Kaufpreis teurere Maschine 2 benötigt 30 % bis 40 % weniger Zeit zum Bohren des Loches (für die Rechnung wurde ein Mittelwert von 35 % angenommen: 100 h minus 35 % = 65 h), und rechnet sich wie folgt:: Maschine 2 Einkaufspreis 300 Euro Bedienungsperson (65 h x 35 Euro/h) 2275 Euro Einsatzwerkzeug (30 Bohrer x 5 Euro) 150 Euro Service 50 Euro Energie 10 Euro Gesamtkosten pro Jahr 2785 Euro Ergebnis: Die Differenz zwischen 3960 Euro und 2785 Euro beträgt 1175 Euro. Der höhere Einkaufspreis von 50 Euro hat sich plötzlich in einen betriebswirtschaftlichen Gewinn von 1175 Euro gewandelt. EP-0606-452-461 16.05.2006 9:47 Uhr Seite 458

Autor
  • H. J. Marzinzik
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