Nutzfahrzeuge
Neue Transporter-Generationen - Sprinter und Crafter
ep5/2006, 4 Seiten
Generationswechsel bei 3,5-Tonnern Mercedes-Benz bringt den neuen Sprinter (Bild ). VW ersetzt seine bisherige LT-Baureihe mit dem Crafter (Bild ). Beide Hersteller bündeln ihre Kräfte, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Denn neben dem neuen Transit von Ford bereiten auch die Konkurrenten aus Frankreich und Italien Neuentwicklungen vor. Nach elf Jahren und insgesamt schon 1,3 Mio. Fahrzeugen startet Mercedes den Nachfolger des Sprinter, Marktführer der Klasse um 3,5 t Gesamtgewicht. VW zieht mit seinem Modell Crafter mit. Die gemeinsam entwickelten Modelle werden nun auch zusammen an den Standorten Düsseldorf und Ludwigsfelde produziert. Größer und stärker als bisher sind sie ebenfalls noch sicherer und komfortabler geworden. Sie unterscheiden sich in der Frontpartie und bei den Motoren. Im Fahrwerk und bei den Aufbauten stimmen sie weitgehend überein (Tafel ). Größe und Design Während Mercedes die gefällige, harmonische Linienführung des bisherigen Sprinter fortsetzt und den neuen Transporter im Design noch näher an die Pkw der Marke rückt, betritt VW Neuland. Das neue Modell erhält nicht nur ein eigenes Gesicht mit markantem Grill, sondern auch einen neuen einprägsamen Namen. Die aktuellen Modelle gibt es wie bisher als Kastenwagen, Kombi (Bus), Pritschenwagen und Doppelkabine. Das zulässige Gesamtgewicht wurde insgesamt erhöht, und die Stufung lautet jetzt: 3,0 t, 3,5 t, 4,6 t und 5,0 t. Elektropraktiker, Berlin 60 (2006) 5 372 BETRIEBSFÜHRUNG Neue Transporter-Generationen Sprinter und Crafter - zwei starke Typen Praktischer, stärker und sicherer sollen die Transporter künftig sein. Einige Fahrzeughersteller erneuern gegenwärtig ihre Modell-Baureihen. Unter neuem Design steckt dabei nicht nur mehr Leistung und Komfort, sondern vor allem eine verbesserte Sicherheitstechnik. So sind die im Beitrag vorgestellten neuen Sprinter von Mercedes-Benz und Crafter von VW mit einem Elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) ausgerüstet, das Masse und Schwerpunkt der Ladung erkennt. Die neue Sprintergeneration - noch komfortabler und sicherer Foto: Mercedes VW Crafter mit Hochdach unterscheidet sich nicht nur äußerlich von seinen Vorgängern Foto: VW EP0506-366-375 20.04.2006 15:53 Uhr Seite 372 Mit drei Radständen, vier Aufbaulängen und drei Dachhöhen decken die gefragten Kastenwagen einen Bereich von 7 bis maximal 17 m3 Laderaum ab. Pkw-Komfort am Lenkrad Den Entwicklern kam es darauf an, dass selbst ein normaler Pkw-Fahrer am Lenkrad der großen Transporter auf Anhieb gut zurecht kommt (Bilder und ). Dank hoher und aufrechter Sitzposition hat er die Kanten des großen Kastenwagens gut im Blick. Schalter und Hebel liegen griffgerecht. Auch die Lenkung geht angenehm leicht. Hinterm Lenkrad ist jetzt Platz für bis zu 1,90 m große Fahrer, bisher war bei 1,76 m Schluss. Innen wirken beide Fahrzeuge modern und zweckmäßig. Sie lassen sich tatsächlich fast so leicht bedienen wie ein Pkw. In Sachen Sicherheit verfügen beide über eine besonders stabile Fahrgastzelle, deren Energieaufnahme beim Frontalaufprall vor das Fahrerhaus verlegt ist. Dazu wurde eigens der Vorderwagen verlängert. Während Fahrer-Airbags Serie sind, gibt es Beifahrer-Airbags, zwei Fenster-und zwei Seiten-Airbags auf Sonderwunsch. Die neue Sicherheitslenksäule ist längs und in der Höhe verstellbar. Das Vierspeichenlenkrad steht steiler als bisher und erlaubt damit eine Pkw-ähnliche Sitzposition. Leichteres Be- und Entladen Leicht soll auch das Be- und Entladen vor sich gehen, wozu die seitliche Schiebetür schon mit ihrer Breite von 1,30 m beiträgt (Bild ). Auf Wunsch gibt es sie mit Elektroantrieb, der auf Knopfdruck in 5 s öffnet oder schließt. Dem Pkw-Programm entlehnt ist das zusätzlich erhältliche System „Keyless Entry and Slide“, das der Fahrer schätzen wird, der etwa Pakete trägt und keine Hand frei hat. Nähert er sich dem Sprinter oder Crafter, braucht er nur den Schlüssel dabei zu haben, um die Fahrertür automatisch zu entriegeln und die Schiebetür zu öffnen. Entfernt er sich, schließen beide Türen. Die Ladebreite zwischen den Radkästen hinten beträgt jetzt mindes-Elektropraktiker, Berlin 60 (2006) 5 Tafel Technische Daten im Vergleich Fahrzeugtypen Mercedes VW Crafter Sprinter 315 CDI 35 Kastenwagen Standard Kastenwagen mit Hochdach mit Hochdach Radstand 3665 mm 3665 mm Länge/Breite/Höhe 5910/2425/2700 mm 5905/2426/ 2705 mm Länge Laderaum 3265 mm 3265 mm Höhe Laderaum 1940 mm 1 940 mm Ladevolumen 10,5 m3 11,0 m3 Zul. Gesamtgewicht 3500 kg 3500 kg Zuladung 1455 kg 1435 kg Anhängelast (gebremst) 2000 kg 2000 kg Sitzplätze 2 oder 3 2 oder 3 Motor 4-Zylinder-Diesel mit 5-Zylinder-Diesel zweistufiger Aufladung mit Turbolader Hubraum 2148 cm3 2459 cm3 Leistung 110 kW (150 PS) 100 kW (136 PS) Drehmoment 330 Nm bei 300 Nm bei 1200-2400/min 2000/min Getriebe 6-Gang 6-Gang (optional Automatik) Antriebsart Heckantrieb Heckantrieb Höchstgeschwindigkeit 162 km/h 158 km/h Kombinierter Verbrauch 10,4 l/100 km 10,1 l/100 km Motorölwechsel 40000 km 40000 km Preis (o. Mwst.) 33 270,- Euro 29 480,- Euro Alles gut im Blick Fotos: Böttcher Fahrkomfort wie im PKW EP0506-366-375 20.04.2006 15:53 Uhr Seite 373 tens 1,04 m. Insgesamt bietet der größte Kastenwagen 25 % mehr Laderaum (Bild ) als sein Vorgänger. Das ist besonders auf drei Neuheiten zurückzuführen: das Superhochdach, der längere Radstand und der ebenfalls längere hintere Überhang. Elektro-Ausrüstung Große Aufmerksamkeit gilt der Ladungssicherung. Dazu werden neue Sperrholzböden mit verschiedenen Verzurrschienen angeboten. Bei der Präsentation der neuen Sprinter-Flotte war bereits ein Fahrzeug mit der Globelyst-Inneneinrichtung des Ausrüsters Sortimo (Bild ) zu sehen. Auch das branchenspezifische Elektromodul von Sortimo soll in Kürze lieferbar sein. Beim neuen Crafter befinden sich ebenfalls verschiedene Werkstatteinbauten in Vorbereitung (Bild ). Sicher und komfortabel transportieren Sprinter und Crafter rollen auf breiterem Fahrwerk, stabilerem Rahmen und neuen 16-Zoll-Rädern - auf Wunsch 17 und 18 Zoll. Die Fahrzeuge erweisen sich auch ausgelastet als sicher und richtungsstabil. Sie bleiben selbst in Wechselkurven frei von störenden Wankbewegungen. Das Fahrwerk schluckt Unebenheiten gut, auch ohne Ladung. Neu ist eine Querblattfeder an der Vorderachse, die statt aus Stahl aus Verbundwerkstoff besteht. Sie ist leichter und verbessert die Möglichkeiten der Fahrwerks-Abstimmung. Beim elektronischen Stabilitäts-Programm (ESP) übernehmen die neuen Transporter eine Vorreiterrolle. Seit 2003 ist ESP serienmäßig. Das neue „Adaptive ESP“ besitzt wichtige Zusatzfunktionen. So Elektropraktiker, Berlin 60 (2006) 5 374 BETRIEBSFÜHRUNG Sprinter Kastenwagen extralang - für lange und sperrige Materialien Foto: Böttcher Mit der 1,30 m breite Schiebetür ist der Crafter (Kasten superhoch) einfach und schnell zu beladen Foto: VW Sprinter - mit Globelyst von Sortimo ausgestattet Werkstattausrüstung im Crafter Fotos: Böttcher EP0506-366-375 20.04.2006 15:53 Uhr Seite 374 erkennt und berücksichtigt das System Lage und Gewicht der Ladung, reagiert damit noch feinfühliger und genauer in kritischen Situationen. Eine optionale Erweiterung des ESP ist der Anfahrassistent, der ungewolltes Zurückrollen am Berg beim Wechsel vom Brems- auf das Gaspedal verhindert. Erstmalig kann man die Transporter auf Wunsch auch mit Bi-Xenon-Scheinwerfern sowie Abbiege- und Kurvenlicht ordern. Unterschiedliche Antriebsvarianten Sprinter. Beim Sprinter gibt es neben den V6-Topmotoren mit 258 PS (Benziner) und 184 PS (Diesel) die wirtschaftlichen Vierzylinder-Diesel. Der Grundmotor mit 2,148 l Hubraum erreicht mit unterschiedlicher Aufladung die vier Leistungsstufen 88, 109, 129 und 150 PS. Dabei arbeiten die beiden stärkeren sogar mit zweistufiger Turboaufladung. Sie hilft nicht nur die Euro-4-Abgasnorm für Lkw zu erfüllen, sondern sorgt auch für schnelleres Ansprechen. Die Diesel sind serienmäßig mit Partikelfilter ausgerüstet. Das Sechsganggetriebe lässt sich angenehm per Joystick schalten. Zur Wahl steht ebenso eine Wandlerautomatik. Crafter. Anders als beim Sprinter wird der Crafter grundsätzlich von neuen Fünfzylinder-TDIs von VW mit neuer Common-Rail-Einspritzung angetrieben. Diese treten ausgesprochen kräftig an und laufen noch einen Tick leiser als die Vierzylinder von Mercedes. Nur nahe der Drehzahlgrenze werden die Fünfzylinder laut. Sie sind ebenfalls serienmäßig mit Partikelfilter ausgerüstet. Künftig wird es eine sequentielle Schaltautomatik geben. Die Höchstgeschwindigkeit wird elektronisch abgeregelt - bei den kleineren Modellen bei 160 km/h, bei allen Varianten über 3,5 t bei 90 km/h. Auch niedrigere Werte sind einstellbar. Preise im Auftrieb Beim Crafter sind die Preise bei vergleichbarer Austattung etwa auf ähnlichem Niveau geblieben wie bisher. Im Vergleich dazu ist der Sprinter jeweils um einige tausend Euro teurer. Das gilt sowohl für die Grundpreise als auch für die lange Liste der Sonderausstattungen (Tafel ). Kostete das bisherige Kastenwagen-Einstiegsmodell 208 CDI - 2,7 t GG, 82 PS - noch 21850 Euro, so sind für das aktuelle Einstiegsmodell 209 CDI - 3,0 t, 88 PS - bereits 24170 Euro (ohne Mehrwertsteuer) fällig. Für ein größeres und stärkeres Kastenwagenmodell wie den 315 CDI (Tafel ) beträgt der Listenpreis dann bereits 33 270 Euro. Ein Pritschenwagen mit Doppelkabine, wie der 211 CDI, steht zwar mit 26560 Euro in der Preisliste. Aber allein die Pritsche mit Alu-Bordwänden kostet nochmals 1700 Euro Aufpreis. Dafür bieten die neuen Transporter aber anspruchsvollere Technik und haltbareres Material. So gewinnen sie durch höhere Anteile verzinkter Bleche insgesamt an Langlebigkeit und Wertbeständigkeit. Mercedes gibt nicht nur eine zweijährige Werksgarantie auf das Gesamtfahrzeug, sondern darüber hinaus auch eine Garantie von zwölf Jahren gegen Durchrostung mit auf den Weg. VW bietet für den Crafter genau diese Konditionen. K. Böttcher, J. Sachse Elektropraktiker, Berlin 60 (2006) 5 Tafel Preise für einige Sonderausstattungen des Sprinter (Preise ohne MwSt.) Automatikgetriebe 1250 Euro Pritsche mit Alu-Bordwänden 1700 Euro Super-Hochdach (Stehhöhe 2.140 mm) 2750 Euro Bi-Xenon-Scheinwerfer mit statischem Abbiegelicht 800 Euro Elektrische Betätigung der Schiebetür (Hochdach) 870 Euro Automatiktür „Keyless entry and slide“ (Hochdach) 1250 Euro Rundumverglasung für Kastenwagen 1010 Euro Heizbare Windschutzscheibe 280 Euro Beifahrersitz Zweisitzer 345 Euro Beifahrerairbag 390 Euro Windowbag für Fahrer und Beifahrer 660 Euro Thoraxbag für Fahrer und Beifahrer 390 Euro Holzfußboden im Laderaum (Kastenwagen) 500 Euro Klimaanlage 1610 Euro Universal-Vorrüstung für Mobiltelefone (vernetzt) 500 Euro Lenkrad in Höhe und Neigung verstellbar 100 Euro Multifunktionslenkrad mit Reiserechner 325 Euro Einparkhilfe Parktronic 885 Euro Anfahrhilfe am Berg 80 Euro EP0506-366-375 20.04.2006 15:53 Uhr Seite 375
Autoren
- K. Böttcher
- J. Sachse
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