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Elektrotechnik | Gebäudesystemtechnik

Anschluss von Jalousie-Antrieben

ep4/2010, 3 Seiten

In einem Neubau sollen Fenster mit Jalousie-Antrieben eingebaut werden. Wir haben den Auftrag, die Antriebe zu verkabeln und anzuschließen. Diese Arbeiten werden von uns ausgeführt bevor später der Fensterbauer seine Arbeit erledigt. Dieser verwendet dabei aber nicht die von uns verlegten Leerrohre, die zu den Schaltern führen, sondern lässt die Motorzuleitungen einfach über den Jalousiekästen heraushängen. Dadurch werden Nacharbeiten unsererseits erforderlich (z. B. Stemmarbeiten und Bohren von Löchern zum Einführen der Leerrohre für die Motorenzuleitung). Ich habe einmal gelernt, dass die Möglichkeit bestehen muss, die Motoren auch später noch wechseln zu können (z. B. im Reparaturfall) und dass die Leitungen nicht ohne Schutz verlegt werden dürfen. Wer ist für die Einführung der Leerrohre zuständig, wenn diese vor dem Fensterbau verlegt wurden? Welche Normen und Vorschriften gelten für diese Leitungsverlegung?


Einführung der Leerrohre. Festlegungen dazu, welches der Gewerke die Einführung eines vorhandenen Leerrohrs in den Jalousiekasten durchführen darf, enthalten die VDE-Bestimmungen nicht. Die Zuständigkeiten für diese Arbeiten müssen vom Auftraggeber bei der Auftragsvergabe festgelegt werden, wenn nicht die Anwendung der VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) vereinbart wurde.
Für die Vertragsvergabe im elektrotechnischen Bereich ist die DIN 18382:2000-12 [1] anzuwenden, in der keine Anforderungen an die Ausführung der elektrischen Anschlüsse für Jalousien und Rollläden enthalten sind. Hingegen sind die Anforderungen aus der DIN 18358:2006-10 [2] konkreter und schließen die Arbeiten an ähnlichen Anlagen, wie z. B. Jalousien, mit ein.
Im Abschnitt 0.2.16 von [2] heißt es sinn gemäß, dass die Ausführung und der Umfang von elektrischen Anschlussarbeiten in der Leistungsbeschreibung für Rollladenbauer anzugeben sind. Zudem hat der Auftragnehmer dem Auftraggeber nach Abschnitt 3.7 von [2] die erforderlichen Unterlagen zur Verlegung der elektrischen Leitungen zur Verfügung zu stellen.
Wesentlich ist im vorliegenden Fall sicherlich die Festlegung für die Nebenleistungen im Abschnitt 4.1.4 von [2]. Danach gehört zu den Nebenleistungen für den Rollladenbau das Fertigstellen von Bauteilen in zwei Arbeitsgängen, um Arbeiten anderer Unternehmer zu ermöglichen, soweit die Leistungen im Zuge der Montagearbeiten kontinuierlich erbracht werden können. Nebenleistungen werden nicht besonders vergütet, sondern in die Leistungen eingerechnet.
Meiner Meinung nach trifft dies auf den vom Anfragenden geschilderten Fall eindeutig zu. Das vorhandene Leerrohr kann während der Montage vom Rollladenbauer problemlos in den Montagekasten der Jalousie eingeführt und die am Antrieb vorhandene Leitung bis zu dem dafür vorgesehenen Schalter eingezogen werden. Ebenso liegt die Abdichtung des Leerrohrs zur Sicher - stellung der Winddichtigkeit des Gebäudes hiernach im Verantwortungsbereich des Rollladenbauers.
Wenn die zuvor beschriebenen Leistungen nicht kontinuierlich im Zuge der Montagearbeiten erbracht werden können – aus welchen Gründen auch immer – gehören diese zu den besonderen Leistungen, die vom Auftraggeber zusätzlich zu vergüten sind.
Leitungsverlegung. Eine direkte Verlegung der Anschlussleitungen der Antriebe ohne Schutzrohr unter Putz oder im Mauerwerk ist nicht zulässig. Nach DIN VDE 0298-300 [3] ist die für die Anschlussleitungen übliche Kunststoffschlauchleitung der Bauart H05VV-F 4G0,75 für diese Verlegeart nicht zugelassen. Zudem ist die Leitung üblicherweise fest an die Antriebe angeschlossen und muss demzufolge beim Austausch eines Antriebsmotors ausgewechselt werden können, wenn keine entsprechenden Steckvorrichtungen vorhanden sind. Bei Verlegung der Anschlussleitungen im Freien müssen anstelle der Kunststoffschlauchleitungen Gummischlauchleitungen, z. B. vom Typ H05RN-F, eingesetzt werden.
Fazit. Die Zuständigkeit für die Durchführung der Anschlussarbeiten, wie im vorliegenden Fall für das Einführen des vorhandenen Leerrohrs und das Einziehen der Anschlussleitung, muss bereits bei der Auftragsvergabe festgelegt werden, wenn keine Vergabe nach VOB erfolgt. Die Anwendung der VOB muss zwischen dem Auftraggeber und dem Auftragnehmer vereinbart werden. Die direkte Unterputz-Verlegung der Anschlussleitung ist in der Regel nicht zulässig. Ausnahmen kann es nur dann geben, wenn der Hersteller der jeweiligen Leitung eine solche Verlegeart ausdrücklich zulässt.

Quellen

DIN 18382:2000-12 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – Nieder- und Mittelspannungsanlagen mit Nennspannungen bis 36 kV.

DIN 18358:2006-10 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – Rollladenarbeiten.

DIN VDE 0298-300 (VDE 0298-300):2009-09 Leitfaden für die Verwendung harmonisierter Leitungen.


Autor
  • W. Baade
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