Sicherheitstechnik
Alarmmanagementsysteme
ep11/2008, 4 Seiten
Unterschiedliche Gruppen Der erste Unterschied zwischen Alarmmanagementsystemen und der Gebäudeleittechnik sind die mit den Systemen in Verbindung stehenden Mitarbeiter und deren Aufgabenbereiche. AMS: Sicherheitsverantwortliche, Sicherheitsmitarbeiter, Pförtner, Werkschutz, externer Wachdienst, Errichter und Dienstleister für sicherheitstechnische Anlagen. GLT: Facilitymanager, Haustechniker, Errichter und Dienstleister für haustechnische Anlagen. Es handelt sich um völlig verschiedene Personengruppen mit eigenen Arbeitsbereichen, eigenen Ausbildungen und Qualifikationen. Eine Ausnahme ist hier lediglich der Bereich der Elektrotechnik, der sowohl technisch als auch bezogen auf ausführende Unternehmen in beiden Managementbereichen vertreten ist. Wichtig ist, zu erkennen, ab wann Alarmmanagementsysteme und Gebäudeleittechnik getrennt aufzubauen sind (unabhängig von einzelnen Verknüpfungen), um sowohl die Sicherheitsbelange, als auch den eigentlichen Betrieb des Unternehmens in vollem Umfang berücksichtigen zu können. Ein Vergleich: Ein Autofahrer darf mit seinem Führerschein keine Lok fahren und umgekehrt darf ein Lokführer ohne Führerschein kein Auto fahren. Trotzdem fallen beide Geräte unter den Oberbegriff „Fahrzeuge“ (Bild Zentrale Bedienung Der eigentliche Sinn eines Alarmmanagementsystems liegt darin, alle in einem Unternehmen vorhandenen und für die Zukunft geplanten, sicherheitstechnischen Anlagen und Systeme von mindestens einer Stelle aus handhaben zu können, ohne dass die Bediener in die technischen Einzelheiten und Funktionen jeder einzelnen Anlage eingewiesen werden müssen. Das bedeutet zentrale Bedienung bei dezentraler Installation der einzelnen Anlagen. Der für die Sicherheit im Unternehmen zuständige Mitarbeiter, egal ob eigenes oder fremdes Personal, kann an seinem Arbeitsplatz alle Alarme und Meldungen entgegennehmen, entsprechende Maßnahmen einleiten und die Anlagen wieder in ihren Ursprungszustand zurückversetzen. Dabei muss er theoretisch nicht wissen, wo sich diese Anlagen befinden oder wie sie bedient werden. Ausfall Szenarium Da das Alarmmanagementsystem ein übergeordnetes und computerbasierendes System ist, muss damit gerechnet werden, dass es ggf. ausfällt. Wenn der Bediener dann keine Kenntnisse darüber hat, wie z. B. bei der EMA überprüft werden kann, warum sie nicht scharfzuschalten ist, und auch keine anderen ausreichend geschulten Mitarbeiter zur Verfügung stehen, entsteht eine nicht zu unterschätzende Sicherheitslücke. Es ist bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen, dass entsprechende Maßnahmen für den Fall eines nicht funktionierenden AMS zu treffen sind. Auch der Kunde muss über die Möglichkeit eines Ausfalls informiert werden. Ein lediglich auf ein (funktionierendes) AMS gestütztes Sicherheitskonzept bedeutet zusätzlich einen zentralen Angriffspunkt auf ein Unternehmen durch einen gezielten Sabotageakt auf dieses System. Ursprung des AMS Alarmmanagementsysteme haben des Öfteren ihren Ursprung als Managementsystem einer einzelnen sicherheitstechnischen Anlage, wie z. B. der Videotechnik. Im Vorfeld ist genau zu prüfen, ob die Anwendung z. B. eines Video-Managementsystems als „Einstieg“ ausreicht. Lässt es sich später auf andere Systeme ausweiten, ohne dass der Kunde Einschränkungen in der Bedienung und in der Funktionssicherheit hinnehmen muss oder mit überdimensionalen Kosten konfrontiert wird? Eine schriftliche Festlegung dieses Punktes verhindert, dass der Kunde im Nachhinein behauptet, er hätte das AMS nicht gekauft, wenn er über die Folgekosten hinreichend informiert gewesen sei. Schnittstellen Ein immer wieder anzutreffendes Problem bei der Auswahl eines geeigneten Systems sind die Schnittstellen zu den einzelnen (Unter-)Anlagen. Gute Alarmmanagementsysteme bieten eine Vielzahl bereits bestehender Schnittstellen. Die nachträgliche Einrichtung noch nicht realisierter Schnittstellen sollte ebenfalls möglich sein. Grundsätzlich mit neu kreierten Schnittstellen zu planen ist nicht ratsam, da die Entwicklung neuer Schnittstellen den Preis des eigentlichen AMS um ein Vielfaches übersteigen kann. Elektropraktiker, Berlin 62 (2008) 11 990 BETRIEBSFÜHRUNG Alarmmanagementsysteme A. Kraheck, Troisdorf Alarmmanagementsysteme (AMS) werden immer wieder in einem Atemzug mit der Gebäudeleittechnik (GLT) genannt. Die GLT dient der Überwachung und Bedienung von Anlagen, die für den Erhalt und den Betrieb eines Gebäudes notwendig sind. MEISTERWISSEN Adolf Kraheck, Troisdorf, ist freier Fachautor auf dem Gebiet unabhängiger sicherheitstechnischer Beratung und Planung. Alarmmanagement [AMS] zusammen mit Gebäudeleittechnik [GLT] Aufzugssteuerung Beleuchtung Heizungsanlage Klimatechnik Lüftungstechnik Schrankenanlagen Sonnenschutz Strom und Notstrom Störmeldetechnik Aufzugssteuerung Beleuchtung Heizungsanlage Klimatechnik Lüftungstechnik Schrankenanlagen Sonnenschutz Strom und Notstrom Störmeldetechnik sinnvoll? Tür-/Torsteuerung Aufzugsnotruf Zeiterfassung Allumfassendes Managementsystem (Beispiel) Starke Partnerschaft E20001-F580-M102-V1 Mehr Informationen über Elektrotechnik von Siemens erhalten Sie unter: www.siemens.de/distributors Answers for industry. Starke Partner für Industrie und Handwerk: Siemens und der Elektro-Großhandel BETA Niederspannungs-Schutzschalttechnik SIMATIC S7-200 LOGO! Das innovative Logikmodul SCALANCE Netzwerkkomponenten SITOP Power Stromversorgung SIMATIC Sensors SIRIUS - Sanftstarter SINAMICS G110 - Frequenzumrichter Elektropraktiker, Berlin 62 (2008) 11 992 Unterlagen Technische Unterlagen. Für die Einrichtung eines AMS sind entsprechende Pläne (Lagepläne usw.) und Unterlagen (Anlagenbeschreibungen, Gerätestandorte, Funktionsprinzipien usw.) erforderlich. Dies ist umso wichtiger, wenn die einzelnen Anlagen bestehen und von fremden Errichtern aufgebaut wurden. Ohne ausreichendes Material wird die Einrichtung ein nicht zu kalkulierender Aufwand. Aber auch bei vorhandenen Unterlagen sind diese genau auf ihre Tauglichkeit zu prüfen und dem Kunden darzulegen, dass trotzdem ggf. ein nachträglicher Aufwand entstehen kann, wenn die Unterlagen mit den vorhandenen Anlagen nicht übereinstimmen. Visualisierung. Beliebt ist, bei der graphischen Gestaltung der Oberfläche Bilder des Unternehmens als Hintergrundbilder zu verwenden. Vorsicht bei zur Verfügung gestellten Bildern, wenn die Bildrechte nicht eindeutig klar sind! Auch die Einbindung von Satellitenbildern als Übersichtsbilder könnte eine Urheberrechtsverletzung sein. Ein AMS ist ein Funktions- und kein Showsystem. Bedienpersonal Personalbedarf klären. Wie bei der Zutrittskontrolle ist es auch hier besonders wichtig, die Abläufe und Strukturen des zu sichernden Unternehmens zu kennen. Nur so ist es möglich, im Vorfeld tatsächlich vorkommende Szenarien zu entwickeln und daraus nicht nur den technischen, sondern auch den personellen Aufwand eines Alarmmanagementsystems festzustellen. Der Aufzugssteuerung Beleuchtung Heizungsanlage Klimatechnik Lüftungstechnik Schrankenanlagen Sonnenschutz Strom und Notstrom Störmeldetechnik Gebäudeleittechnik [GLT] Alarmmanagement [AMS] Tür-/Torsteuerung Aufzugsnotruf Überfallmeldeanlage (ÜMA) Einbruchmeldeanlage (EMA) Brandmeldeanlage (BMA) Rauch- und Wärmeabzüge (RWA) Gaswarnanlage (GWA) Löschanlage (LMA) Viedeoüberwachungsanlage (VÜA) Zutrittskontrolle (ZKA) Flucht- und Rettungswegtechnik (FRT) Getrennte Managementsysteme (Beispiel) BETRIEBSFÜHRUNG vOK?BOD BPPB J? TTTKRBOK?BODJBPPBAB BPBIIP@E>CQ CvO >KATBOHPJBPPBK J? TTTDEJAB RQB QFJJRKD FPQ WRJ >EOBP?BDFKK FK vOK?BOD ?BF ABO FK ABK BPPBE>IIBK RKA D>O>KQFBOQ BO EFBO KF@EQ A>?BF FPQ SBOM>PPQ BQT>P FBIB RPPQBIIBO SFBIB LIIBDBK OF@EQFD SFBI BRBP BOWIF@E TFIIHLJJBK 0CCKRKDPWBFQBK ?FP EO TTTBIQB@FKCL FQQB KBRBK BOJFK ?B>@EQBK vOK?BOD >@EJBPPB CvO BIBHQOFP@EB B?_RABQB@EKFH KCLOJ>QFLKP¦ RKA F@EQQB@EKFH festangestellte Sicherheitsmitarbeiter mit entsprechenden technischen Kenntnissen ist der Idealfall, aber eher selten. Manchmal muss der bereits vorhandene Pförtner diese Aufgaben mit wahrnehmen oder Mitarbeiter werden im Rahmen von „Umstrukturierungen“ an diesen Platz gesetzt. Oft ist erst nach der Fertigstellung des AMS die Auswahl eines externen Dienstleisters vorgesehen. All das ist ohne entsprechende Hintergrundinformationen nicht kalkulierbar, aber für eine Angebotserstellung wichtig. Schulung. Je weniger technische Kenntnisse die späteren Bediener haben, umso intensiver muss die Einarbeitung sein. Ein Kostenfaktor, der immer wieder unterschätzt wird. Für die Angebotserstellung muss ganz klar definiert sein, · wie viele Personen in das AMS einzuarbeiten bzw. zu schulen sind, · wer diese Personen sind, · welche Qualifikation diese Personen haben, · welchen Umfang die Maßnahme haben soll, · welche Zielsetzung durch den Kunden vorgegeben wird. Die Festlegung der einzuweisenden Personen bedeutet, der Kunde kann nicht im Nachhinein weitere Mitarbeiter nachschieben. Auch Wachdienste mit wechselndem Personal benötigen wiederholt entsprechende Einweisungen. Bei genau definiertem Auftrag sind diese Einweisungen außerhalb des Hauptauftrags auszuführende Zusatzleistungen, die dann zusätzlich zu vergüten sind. Besonders beim letzten Punkt, der Zielsetzung, gibt es ein entsprechendes Risiko. „Bis auch der letzte Mitarbeiter 100%ig mit dem System umgehen kann“ bedeutet u. U. es gibt kein Ende. Dann lieber einen festen inhaltlichen und zeitlichen Umfang festschreiben, damit der Kunde seine Mitarbeiter zur intensiven Mitarbeit anhalten wird, und nach einer gewissen Einarbeitungszeit nochmals eine separate (zu bezahlende) Auffrischungs- und Intensivierungsmaßnahme durchführen. Oft wird versucht, eine falsche Kalkulation durch eine schnelle und weniger intensive Einarbeitung auszugleichen. Langfristig gesehen macht es aber wenig Sinn, denn tauchen in der Folgezeit Probleme im Umgang mit dem System auf, ist es meistens schwierig, dem Kunden nachzuweisen, dass es an der Unfähigkeit seiner Mitarbeiter und nicht an der mangelnden Einarbeitung durch den Errichter liegt. Prioritäten richtig setzten Die Bearbeitung einer eingehenden Überfallmeldung (z. B. von einer Zentralkasse im Warenhaus) hat uneingeschränkt höchste Priorität. Demgegenüber ist die Meldung einer Akku-Störung aus einer Zutrittskontrolle zwar wichtig, aber zum aktuellen Zeitpunkt der Überfallmeldung nachgeordnet. Bei einer Vermischung von AMS und GLT passiert folgendes: Die gleiche Überfallmeldung geht als sicherheitstechnischer Alarm ein und hat weiterhin höchste Priorität und muss sofort und intensiv bearbeitet werden. Gleichzeitig kommt aber eine Meldung über einen Stromausfall im zentralen Serverraum des Unternehmens herein. Diese Meldung ist in einem zentralen Managementsystem gegenüber der Überfallmeldung mit geringerer Priorität einzustufen und zu bearbeiten. In einer eigenständigen GLT hätte die Meldung über den Stromausfall in der EDV dagegen höchste Priorität. Außerdem ist für die Abarbeitung dieser Meldung nicht das Sicherheitspersonal, sondern die Haustechnik zuständig. (Bild ). Fazit Ein Alarmmanagementsystem kann für den Kunden zu einer Vereinfachung im Umgang mit seinen sicherheitstechnischen Einrichtungen führen. Nebenbei sind (nicht nur kostenmäßige) Vorteile durch Zusatzfunktionen, wie permanente Kontrolle von Zugängen in Verbindung mit der Videotechnik usw., realisierbar. Wenn aber nicht alle die gleiche Sprache sprechen und Vorgaben und Ziele nicht genau definiert und schriftlich festgehalten wurden, liegt das Risiko beim Errichter, einen nie mehr endenden Auftrag angenommen zu haben. Elektropraktiker, Berlin 62 (2008) 11 Die neue Familie für die professionelle Installation Schutzart T 25 mit IP 65 und Klemmdeckel, T 40 mit IP 55 und Klemmdeckel, T 60 bis T 350 mit IP 66 und Deckel mit Drehverschluss Nennspannung 400V Nennquerschnitt von 2,5 mm2 bis 35 mm2 Seitenwände offene und geschlossene Ausführungen Einsteckdichtungen für Kabel von 0 bis 34 mm Einführöffnungen von 4 bis 24, auch für Kabelverschraubungen M25, M32 und M40 Farben Lichtgrau, Elfenbein, Reinweiß und Lichtgrau mit rotem Deckel Halogenfrei ohne Chlor, Fluor und Brom Flammwidrig 650°C oder 960°C Infoservice: 02373/89-1517 Technische Hotline: 0 23 73/89-15 00 Eine Familie für alle Fälle Die neue T-Serie von OBO OBO BETTERMANN Gmb H & Co. KG Postfach 1120 · D-58694 Menden Tel. 0 23 73/89-0 · Fax 0 23 73/89-238 E-Mail: info@obo.de · www.obo.de T 25 T 40 T 60 T 100 T 160 T 250 T 350 T-Baby T-Boy T-Girl T-Man T-Woman T-King T-Queen Sieben Größen, sechs Varianten, eine Familie. GET Nord Hamburg 19. - 21.11.2008 Halle A1 · Stand A1.123
Autor
- A. Kraheck
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