AFDD in Haus mit Holz-Konstruktion
Der Argumentation, dass in Wohngebäuden aufgrund des erforderlichen Einbaus von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen keine Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDD), auch Brandschutzschalter genannt, erforderlich sind, muss ich entschieden widersprechen.
Schutz gegen elektrischen Schlag. Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) in Endstromkreisen mit einem Bemessungsdifferenzstrom von höchsten 30 mA stellen nach DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [1] Abs. 411 einen Schutz zur Sicherstellung der Schutzmaßnahme: „Automatische Abschaltung der Stromversorgung“ dar. Für Beleuchtungsstromkreise sind in Wohngebäuden diese zudem als Schutzvorkehrung für den zusätzlichen Schutz nach DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [1] Abs. 415 gedacht. Beide Anforderungen dienen dem Schutzziel „Schutz gegen elektrischen Schlag“.
Schutz gegen thermische Einflüsse. Anforderungen an den Schutz gegen thermische Einflüsse fallen in den Anwendungsbereich der DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420) [2]. Beide Normen unterscheiden in ihrer Anwendung nicht zwischen privater und gewerblicher Nutzung, sodass die Anforderungen auch bei privater Nutzung gelten.
Nach DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420) [2] Abs. 421.7 sind Maßnahmen zum Schutz gegen Auswirkungen von Fehlerlichtbögen in Endstromkreisen u. a. Räume oder Orte aus Bauteilen mit brennbaren Baustoffen vorzusehen, wenn die Bauteile einen geringeren Feuerwiderstand als feuerhemmend aufweisen.
Nach DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420) [2] Abs. 422.4 gelten zudem die Anforderungen für Gebäude, die hauptsächlich aus brennbaren Baustoffen hergestellt sind. Als Beispiel sind Holzhäuser genannt. Diese fallen gemäß dem informativen Anhang nach DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510) [3] Anhang ZA in die Klassifikation der äußeren Einflüsse CA2, also brennbar. Sofern die verwendeten Baumaterialien nicht entsprechend behandelt sind und die erforderlichen Nachweise für besseres Brandverhalten nicht erbracht sind, liegt im konkreten Fall eine Nutzung zu Wohnzwecken in Räumen oder Orten aus Bauteilen mit brennbaren Bauteilen vor.
Die zutreffenden Baubestimmungen der Bundesländer sind selbstverständlich zu beachten.
Brandschutz. Das Prinzip des Brandschutzes basiert auf der Vermeidung von Entzündungen bzw. Entflammungen brennbarer Materialien und der Eindämmung des Brandes innerhalb eines Gebäudes bzw. einer Nutzungseinheit.
Das Risiko einer Brandentstehung, ausgehend von der elektrischen Anlage, wird durch bauliche Maßnahmen jedoch nicht reduziert, woraus sich weitere Maßnahmen wie z. B. die Notwendigkeit von Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDD) ableiten lässt.
Empfehlung. Die Empfehlung stellt jedoch nur eine Maßnahme dar, die normativen Vorgaben zu erfüllen, während andere Maßnahmen nicht genannt werden und selbst abgeleitet werden müssen. Die DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420) [2] definiert in Abschnitt 421.7 Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen in Endstromkreisen als eine geeignete Maßnahme zur Brandverhinderung ausgehend von der elektrischen Anlage in Endstromkreisen darunter also Steckdosenstromkreise und Beleuchtungsstromkreise.
Durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) wird das Schutzziel in jedem Fall nicht vollumfassend erreicht.
Risiko- und Sicherheitsbewertung. Planer, Errichter und Betreiber sind bereits während der Planungsphase gefordert, sich sowohl über die Risiken durch Auswirkungen von Fehlerlichtbögen in Endstromkreisen als auch die Sicherheitsbewertung Gedanken zu machen. Hierzu fordert die DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420) [2] bereits während der Planungsphase die Durchführung einer zu dokumentierenden Risiko- und Sicherheits-bewertung. Um diese kommen Errichter und Planer nicht mehr herum.
Fazit. Ich kann die Versuche von Errichterfirmen, das Erfordernis von Brandschutzschaltern wegzudiskutieren, nicht ganz verstehen. Ja, der Brandschutzschalter sorgt seit 2016 oft für Diskussionen. Ja, es stehen sicherlich auch wirtschaftliche Interessen dahinter. Aber auch ja, er verhindert Brände, schließt eine Brandschutzlücke und erhöht damit die Sicherheit für Menschen und Sachgüter.
Bei der Umsetzung der Empfehlung kann sich der Errichter normalerweise darauf verlassen, dass die Schutzziele erreicht sind. In Steckdosenstromkreisen, besonders im privaten Bereich, machen Brandschutzschalter meiner Meinung nach am meisten Sinn, da hier die Wahrscheinlichkeit einer Fehlanwendung sowie die Verwendung fehlerhafter Betriebsmittel am höchsten ist.
In dem konkreten Fall sind entsprechend den Ausführungen in jedem Endstromkreis, darunter auch Beleuchtungsstromkreise, Brandschutzschalter einzubauen.
Literatur
DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 Errichten von Niederspannungsanlagen Teil 4-41: Schutzmaßnahmen Schutz gegen elektrischen Schlag.
DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2019-10 Errichten von Niederspannungsanlagen Teil 4-42: Schutzmaßnahmen Schutz gegen thermische Auswirkungen.
DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510):2014-10 Errichten von Niederspannungsanlagen Teil 5-51: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel Allgemeine Bestimmungen.
- M. Fengel
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