Elektrotechnik
53. Internationale Handwerksmesse München 2001 - Messe der Superlative
ep4/2001, 3 Seiten
Elektropraktiker, Berlin 55 (2001) 4 266 Branche aktuell Schulungsstätte oder mit Hilfe eines inhouse-Seminars. In einem ersten Rückblick fand diese Herausforderung an die Mitarbeiter eine positive Resonanz, da ein großes Interesse an einer Weiterbildung bestand. Für die Meister soll künftig auch eine Qualifizierung über die Monteurkurse erfolgen. Praktische Erfahrungen liegen derzeit noch nicht vor, da die Ausbildung der ersten Monteure noch nicht abgeschlossen ist. Trockenreinigung. Sie besitzt unter den Verfahren im Bereich der Mittelspannung den größten Verbreitungsgrad. Herr Hamann, WE-MAG, informierte über die betriebsinternen Regelungen für dieses Verfahren. Aus der Sicht des Ausbilders behandelte Herr Diedrich, VEAG, das Thema. Beide Referenten wiesen auf die große Bedeutung der Instandhaltung und Wartung der Ausrüstung für die Reinigung von MS-Anlagen hin, um eine Gefährdung zu vermeiden. Bei der VEAG können auf Grund der Durchleitungsverträge nicht mehr 100 % der Anlagenteile im Übertragungsnetz freigeschaltet werden. Derzeit existieren zwei einsatzfähige Kolonnen für AuS-Arbeiten im HS-Bereich, diese wurden im letzten Jahr ca. 100-mal eingesetzt. Die Mehrzahl der Arbeiten waren der Austausch von Isolatoren an 400-kV-Hängeketten, der Einsatz von Leiterseilfahrzeugen zum Austausch von Abstandshaltern und zur Entfernung von Fremdkörpern (Modellflugzeuge usw.) und das Montieren von Malerabdeckplatten für Anstricharbeiten an Gittermasten. Workshops Parallel fanden drei Workshops mit folgenden Ergebnissen statt. Workshop 1: „Künftiges Regelwerk für das AuS“ (Leitung: Herr Georg, EAM Kassel) Fazit der Diskussion war, dass ein spezielles Regelwerk für das AuS durch die BG erarbeitet werden sollte. Wichtige Themen hierfür sollten neben der Abgrenzung des AuS zu den anderen elektrotechnischen Tätigkeiten auch die Begriffsbestimmungen, der Ausbildungsumfang und der Inhalt einer Arbeitsanweisung sein. Ein weiterer Vorschlag war, dass der Teil 100 der VDE 0105 in einer zukünftigen speziellen BGR (berufsgenossenschaftliche Regel) für die EVU´s aufgehen sollte. Workshop 2: „Erlebnis- und handlungsorientierte Strategien zur Ausbildung und Motivation von Neulingen und Routiniers“. Herr Lenz, Fa. Input, legte einen Schwerpunkt auf die Problematik, die Mitarbeiter zu sicherer Ausführung der Arbeiten zu motivieren. Dies verlangt ein bewußtes Nachdenken, wo die Grenzen des akzeptablen Risikos liegen. Wichtige Hilfsmittel sind eine jährliche Unterweisung und vor allem auch Unfallschilderungen. Auf jeden Fall müssen die Dinge erlebbar gemacht werden, wozu sich z. B. entsprechende Kurse mit praktischen Vorführungen von Störlichtbogen oder ähnliches eignen würden. (Die BGFE bietet hierzu Kurse an) Workshop 3: „Mindestausbildung für AuS?“ Einleitend führte Herr Adamus, VEAG, aus, wie wichtig die Ausbildung für das AuS ist. In der Diskussion zeigten sich immer wieder Unklarheiten bezüglich der Definition des AuS und der Abgrenzung zu anderen Tätigkeiten. Vielfach wurden die sog. erlaubten Tätigkeiten, z. B. Feststellen der Spannungsfreiheit, Ziehen einer NH-Sicherung, herangezogen. Ergebnis der Diskussion: Eine Mindestausbildung für Montagearbeiten an NS-Anlagen sollte folgende Voraussetzungen enthalten: · Elektrofachkraft mit Anlagenkenntnis. · Einwandfreies Beherrschen der Arbeiten in spannungslosen Zustand. · Persönliche Voraussetzungen (z. B. Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein). Auch die Führungskräfte sind auszubilden und Wiederholungsausbildungskursen zu unterziehen. Im Regelfall sollte die theoretische Ausbildung für die Erstschulung der Monteure einen Tag umfassen, ergänzt durch eine praktische Ausbildung in Abhängigkeit des Umfangs und Anzahl der Verfahren. Schwerpunkte des Lehrgangsinhaltes sollten sein: · Gesetzliche Grundlagen, · Wirkungen des elektrischen Stroms, · 5 Sicherheitsregeln, · allgemeine Grundlagen und Verantwortung beim Arbeiten unter Spannung, · gewählte Arbeitsverfahren zum AuS, · Erste Hilfe und Wiederbelebungsmaßnahmen, · Arbeiten in der Nähe zu unter Spannung stehenden Anlagen. J. Jühling 53. Internationale Handwerksmesse München I.H.M. Messe der Superlative Die I.H.M. - 8. bis 14. März in München - bestätigte auch in diesem Jahr ihren Ruf als bedeutenste Handwerksmesse in Deutschland. Etwa 5300 Aussteller zogen mit ihren Exponaten mehr als 500000 Besucher an. Aktiv am Messegeschehen beteiligten sich auch Politiker aus Land und Bund, wie der bayrische Ministerpräsident Stoiber, Bundeskanzler Schröder und Bundeswirtschaftsminister Müller. Vielfalt gut strukturiert Die I.H.M. ist einerseits eine Leistungschau der Produkte und Dienstleistungen des Handwerks, aber gleichzeitig eine Messe für Handwerker, die Ideen und Anregungen vermittelt. Bei etwa 150 Handwerksberufen kommt diese Aufgabe der Quadratur des Kreises gleich. Aber die Veranstalter beweisen Jahr für Jahr: Es ist möglich. Die Zunahme der Aussteller-und Besucherzahlen unterstreicht die Tragfähigkeit des Konzepts. Die Kapazitätsgrenzen des neuen Messegeländes sind damit schon fast erreicht. Die klare Gliederung - A und O jeder Messe - ist den Veranstaltern gelungen. Die Messehallen waren auf thematische Schwerpunkte ausgerichtet und in Bereiche gegliedert, vorzugsweise für Kunden des Handwerkers und den Handwerker als Besucher. Brücke in den Süden Ein offenes Geheimnis für den Erfolg der Messe ist die Verwurzelung in der Region. Dazu kommt die Aufmerksamkeit, die die bayrische Staatsregierung dem Handwerk widmet. Deren Aktivitäten erschöpfen sich nicht in Appellen, sondern sie fördert das Meister-Bafög, setzt neue Ausbildungsgänge um, wie die Kombination von Gesellenbrief und Fachhochschulabschluss, unterstützt Meisterfrauen und verleiht Innovations-, Design- und Marketingpreise für herausragende Leistungen im Handwerk, wie auch auf der diesjährigen Messe. Die Messe wird deutlich durch Aussteller aus Bayern und Baden-Württemberg geprägt. Kleine und kleinste Firmen aus diesem Raum präsentieren sich neben Firmen aus ganz Deutschland. Besonderes Flair bekommt die Messe vor allem durch Aussteller aus dem Alpenraum (Schweiz, Österreich, Italien). Zahlreiche Aussteller aus Slowenien, Kroatien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei zeigen, die I.H.M. wird zunehmend zur Drehscheibe des Handels zwischen Deutschland und den Ländern Südosteuropas, die gegenwärtig ihre Wirtschaftsstrukturen neu ordnen. Nichts geht ohne Internet Computer und Internet, als Synonyme für moderne Technik, sind aus dem Handwerk nicht mehr wegzudenken. Der Informations- www.handwerk.de - eine Adresse, die man sich merken sollte und Kommunikationstechnik war die Halle A4 vorbehalten. Neben den bekannten Anbietern von Branchenlösungen für verschiedene Gewerke wurde durch die Sonderschau „handwerk up-to-date“ und den Gemeinschaftsstand „mediadialog“ die Chance zur Kooperation im Handwerk durch Nutzung des Internets in den Mittelpunkt gerückt. Am Beispiel von Schreinereibetrieben (www.koncraft.de) wurde gezeigt, wie man mit und über das Internet die Zusammenarbeit zwischen Handwerksbetrieben organisieren kann. Dass der Zentralverband des Deutschen Handwerks (www.zdh.de) die Bedeutung des Internets für das Handwerk erkannt hat zeigt das mit viel Aufmerksamkeit bedachte Portal www.handwerk.de (Bild ). Über dieses Portal soll dem Handwerk künftig ein umfassender Service geboten werden. Die Präsentationen in Halle A4 waren vor allem ein Angebot an das Handwerk, bei dem das vielfältige und außerordentlich qualifizierte Beratungsangebot der bayrischen Handwerkskammern nicht unerwähnt bleiben darf. Sonderschauen Mit Sonderschauen, wie „Talente 2001“, „Berufsbildung“ und „Berufe rund ums Auto - Karriere mit Lehre“ wandte sich das Handwerk besonders an junge Leute und Berufsanfänger. Während Schulabgänger fast verzweifelt nach Lehrstellen suchen, bleiben in Bayern und Baden-Württemberg Ausbildungsplätze in vielen Berufen unbesetzt. Aus den zahlreichen Tagungsveranstaltungen ist der Internet-Kongreß „www.web@Visionen - IT-Lösungen für Handwerk und Mittelstand“ hervorzuheben, auf dem namhafte Unternehmen aus verschiedenen Ländern ihre Ansätze für das Handwerk präsentierten. Die in den Arbeitskreisen diskutierten Themen reichten vom E-Learning und dem Wissensmanagement über E-Commerce bis zur Gestaltung von Kooperationen und dem Angebot neuer Dienstleistungen. Ein weiterer Höhepunkt der Messe war das Symposium zur VOB 20001). Den enormen Bedarf an praxisrelevanten Informationen zum Baurecht zeigte nicht zuletzt der bis zum letzten Platz ausgebuchte Tagungssaal. Elektrobranche - Fehlanzeige In Deutschland gibt es etwa doppelt soviele Elektrohandwerksbetriebe wie Bäcker und Fleischer zusammen, die sich in einer eigenen Halle präsentierten. Um so unverständlicher ist es, dass Elektrobranche und Elektrohandwerk auch beim diesjährigen Messe-Großereignis nicht in Erscheinung getreten sind. Modernes Wohnen ist ohne Elektrizität undenkbar. Nach moderner Gebäudeinstallation, z. B. EIB, LON oder LCN suchte man ebenso vergebens wie nach Beleuchtungs- und Sicherheitstechnik, Solaranlagen, Wärmepumpen usw. Wenn das Elektrohandwerk im Rahmen des „Fachbetriebs für Gebäudetechnik“ die Systemführerschaft übernehmen will, dann muss man wohl in die Offensive gehen. Ähnliches gilt für den E-CHECK. Wo sonst als auf einer Publikumsmesse will man Kunden davon überzeugen, dass eine sichere Elektroanlage „lebensnotwendig“ ist. Hier verschenkt nicht nur das Elektrohandwerk die Chance zur Präsentation seines Leistungsangebotes, sondern auch Elektroindustrie und -großhandel. Die Fülle der Elektrofachmessen, auf denen sich Elektrofachleute gegenseitig zeigen, was sie zu bieten haben, ist keine Begründung dafür, den Kunden, von denen man lebt, diese Informationen vorzuenthalten. Handwerk hat goldenen Boden Dieses Sprichwort gilt auch heute, aber nicht ohne jede Einschränkung. Trotz des wirtschaftlichen Wachstums von mehr als 2,5 % im letzten Jahr, musste das Handwerk einen Umsatzrückgang von etwa 1 % in Kauf nehmen. Bei steigender allgemeiner Beschäftigung ging im Jahr 2000 die Anzahl der Beschäftigten im Handwerk weiter zurück. Dieser anhaltende Trend konnte nicht umgekehrt werden. Sicher, die wesentlichste Ursache liegt beim Elektrohandwerk im Abbau von Überkapazitäten im Baugewerbe der neuen Länder. Aber es wird daran auch deutlich, dass das Handwerk vorrangig von der Binnennachfrage lebt, die kaum gestiegen ist. Es bleibt zu hoffen, dass die Bilanz für das Handwerk 2001 günstiger ausfällt. Den dazu nötigen Optimismus hat die 53. I.H.M. allenthalben verbreitet. H. Möbus Elektropraktiker, Berlin 55 (2001) 4 268 Branche aktuell Fachschauen bilden das Rückgrat Als 1969 die erste Elektrofachmesse in Dortmund ihre Pforten öffnete, wusste keiner der Veranstalter, welche Erfolgswelle hier losgetreten wurde (siehe Interview) . Heute gibt es insgesamt sieben Elektrofachschauen und seit dem letzten Jahr nun auch die Leitmesse Light & Building. Zehntausende von Elektrofachkräften nutzen in den verschiedenen Regionen diese exzellenten Informationsplattformen. Hier finden sie Impulse für ihre tägliche Arbeit, neue Geschäftsideen und treffen gute Bekannte aus Industrie, Verband und Großhandel. Die Messegesellschaften haben ihr Informationsangebot von Jahr zu Jahr gesteigert. Mit dazu beigetragen haben auch Veranstaltungen wie das ELEKTRO-PRAKTIKER-Forum, das über aktuelle Trends und neue Normen informiert. Im direkten Dialog leistet so die meistverkaufte Elektrofachzeitschrift im deutschsprachigen Raum auf den Messen in Berlin, Dortmund, Leipzig, München und Nürnberg einen wichtigen Beitrag für die Kommunikation in der Branche. Hier treffen sich Vertreter der elektrotechnischen Institutionen (BGFE, VDE, VdS, DKE) mit Anbietern von elektrotechnischen Systemen, Planern, Installateuren und Auszubildenen. Gerade der berufliche Nachwuchs findet in den Ausstellungen, in den Werkstattstraßen und Sicherheitsseminaren eine wertvolle Unterstützung auf dem Weg zur Elektrofachkraft. Viele Initiativen des Handwerks - z. B. der E-Check, der Fachbetrieb für Gebäudetechnik oder Energiesparmaßnahmen - finden auf den Fachmessen breiten Anklang. Hier werden Perspektiven für die Zukunft deutlich gemacht bzw. man tauscht sich über seine ganz persönlichen Erfahrungen aus. Die Elektrofachschauen bilden somit das Rückgrat für den Erfahrungsaustausch innerhalb der Elektrobranche. Diese Branche ist stark von persönlichen Beziehungen geprägt. Man trifft sich in den Regionen, kennt sich seit Jahren und pflegt einen vertrauensvollen Umgang. Dass dieses Vertrauen jedoch auch gestört werden kann, zeigen einige Diskussionen der vergangenen Monate. Wieviele Messen braucht die Elektrobranche? Das Jahr 2001 war noch jung, als die neue Messesaison bereits eröffnet wurde. Wer den Messekalender des ep kennt weiß, dass auch in diesem Jahr eine Vielzahl von Fachmessen für die gezielte Information bereitstehen. Immer lauter werden jedoch Stimmen in der Branche, die meinen, die Schmerzgrenze sei erreicht. Sowohl Aussteller und Besucher sind oft an der Grenze des Machbaren angelangt und fordern ein Umdenken. Die Elektrofachmessen bieten den idealen Treffpunkt für den Erfahrungsaustausch in der Elektrobranche. Hier gibt es Raum und Zeit für das persönliche Gespräch 1) Einen ausführlichen Bericht zum VOB-Symposium finden Sie in einem der nächsten Hefte.
Autor
- H. Möbus
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