Arbeiten unter Spannung (AuS)
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Veranstaltung
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Elektrotechnik
23. Niederspannungsfachtagung in Dresden
ep1/2006, 2 Seiten
BRANCHE AKTUELL Elektropraktiker, Berlin 60 (2006) 1 Auch dieses Jahr gelang es den Organisatoren der Niederspannungs-Fachtagung sehr engagierte Referenten mit spannenden und praxisorientierten Fachthemen zu gewinnen. Nachfolgend eine Auswahl aus den Vorträgen. Normen und Vorschriften Da sich aus den Rechts- und Verwaltungsvorschriften, Verträgen oder sonstigen Rechtsgrundlagen eine Anwendungspflicht der VDE-Bestimmungen ergibt, erscheint eine stetige Aktualisierung dieser zwingen erforderlich. B. Schulze, Bundesbeauftragter für das Normenwesen im ZVEH, stellte in seinem Vortrag neue und geänderte VDE-Bestimmungen vor. DIN VDE 0100-530 (VDE 0100 Teil 530) Ausgabe 2005-06 „Errichten von Niederspannungsanlagen; Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel - Schalt- und Steuergeräte“. Diese Norm gilt ab 2005-06-01. Gegenüber den ersetzten Paragraphen von 1973-05 wurden folgende wesentliche Änderungen vorgenommen: · die Zitierungen aktualisiert, · es fand eine redaktionelle Bearbeitung statt, · Auswahl von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) grundlegend überarbeitet, · Auswahl von Überstrom-Schutzeinrichtungen grundlegend überarbeitet, · Auswahl von Einrichtungen zum Brandschutz grundlegend überarbeitet - Schutz gegen thermische Einflüsse, insbesondere Störlichtbogen-Schutzeinrichtungen aufgenommen, · Einrichtungen zum Schutz bei Spannungsstörungen überarbeitet und Schutz bei Unterspannung ergänzt, · Koordination von Überstrom-Schutzeinrichtungen und RCDs überarbeitet, die Festlegung der verschiedenen Entwürfe berücksichtigt, · Auswahl von Differenzstrom-Überwachungsgeräten (RCMs) aufgenommen · Auswahl von Isolationsüberwachungsgeräten (IMDs) aufgenommen, · Anhang A und B jeweils informativ ergänzt. DIN VDE 0100-717 (VDE 0100-717) Ausgabe 2005-06 „Elektrische Anlagen auf Fahrzeugen und in transportablen Baueinheiten“. Gegenüber DIN VDE 0800-2 (VDE 0800-2): 1985-07 wurden folgende Änderungen vorgenommen: · Anwendungsbereich der Norm erweitert und damit nicht mehr auf fernmeldetechnische Anlagen sowie Bild- und Ton-Übertragungswagen beschränkt, · Anpassung der Begriffe an die aktuelle Normung, · Überführung der Anforderungen an Erdung, Potentialausgleich und Schutzmaßnahmen in die Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100), · Gliederung an die Struktur der Normenreihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) angepasst, · Arten Stromversorgung für Baueinheiten neu aufgenommen, · Schutz durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom 30 mA für alle Stromkreise, die der Versorgung von Betriebsmitteln außerhalb der Baueinheit dienen, aufgenommen, · Bildbeispiele erweitert · Wegfall der Anforderungen an den Betrieb, · Aufnahme spezieller nationaler Bedingungen und Abweichungen. Ferner wurden unterstrichen, dass Vornormen keine Normen sind und einer Vorbehaltsklausel unterliegen sowie eine Version 7 des Normenwerks auf DVD vorgestellt. Arbeiten unter Spannung W. Köhler vom Bildungs- und Servicezentrum Großröhrsdorf stellte in seinem Fachvortrag fest, dass in den letzten Jahrzehnten die Anzahl von Verbrauchsanlagen, die sensibel auf Spannungsausfälle reagieren, dramatisch zugenommen hat. Zudem bedürfe es oft großen Aufwand, sollen beispielsweise bei Wartungsarbeiten Anlagen spannungsfrei geschaltet werden. Hier stelle das Arbeiten unter Spannung (AuS) eine sinnvolle Alternative dar. Schutzziele. Bei Arbeiten unter Spannung wurden zwei grundsätzliche Schutzziele genannt, die zusätzlich zu verfolgen sind, das Verhindern der Körperdurchströmung und das Vermeiden von Lichtbogenereignissen. Realisierung. Um Körperdurchströmungen wirksam vorzubeugen, sind die Arbeitsverfahren · „Arbeiten mit Isolierhandschuhen“, · „Arbeiten auf Abstand“ und · „Arbeiten auf Potential“ üblich. Werden AuS in Niederspannungsanlagen mit Isolierhandschuhen und einer Standortisolierung ausgeführt, ist ein nahezu kompletter Schutz gegen eine Körperdurchströmung gegeben. Bei Störlichtbögen, die mit einem Kurzschlussvorgang und einem Anfangskurzschlusswechselstrom deutlich über 10 kA verbunden sind, können Temperaturen um 10000 °C erwartet werden. Um ein solches Szenarium zu vermeiden, wurden drei Maßnahmen genannt: · Vermeiden von Störlichtbögen durch AuS-freundliche Anlagen, Garnituren, Werkzeuge und Ausrüstungen, · Reduzierung der Einwirkung von Kurzschlussströmen durch netztechnische Maßnahmen, · Abdeckung leitfähiger Teile im Arbeitsbereich. Sollte es trotz aller Sorgfalt zu einem Lichtbogenereignis kommen, müssen geeignete Körperschutzmittel das Risiko minimieren. Die neue BG. Die neue BG-Regel setzt zwei Schwerpunkte: die organisatorischen Voraussetzungen für das AuS im Unternehmen - Entscheidung zum AuS, Auswahl der Arbeiten, Gewährleisten der Ersten Hilfe, die Erlangung der Befähigung und die Berechtigung zum AuS für das ausführende Personal. Modernisierung von Wohngebäuden H. Geithner von der GESA Ingenieurgesellschaft für technische Gesamtplanung befasste sich in seinem Vortrag mit den elektrotechnischen Aspekten, die bei der Modernisierung von Wohngebäuden zu beachten sind. Klassifizierung. Bei der Vorbereitung und Durchführung von Modernisierungsmaßnahmen im Wohnungsbau sind verschiedene Randbedingungen zu beachten, die sich nach folgenden Gesichtspunkten klassifizieren lassen: · Bausubstanz, · Modernisierungsumfang und · Randbedingungen der Modernisierung. Vorschriften. Es sind die geltenden technischen Vorschriften und der Bestandschutz zu beachten: · Bauordnung, · DIN/VDE-Normen, die für Wohngebäude von besonderer Bedeutung sind, · Anwendung und Aufhebung des Bestandsschutzes. Indirektes Berühren. Aspekte zum Schutz gegen indirektes Berühren. · Maßnahmen bei Aufhebung des Bestandsschutzes in Räumen mit isolierendem Fußboden. Das auslösende Moment für die Aufhebung des Bestandschutzes ist der Einbau einer Heizungsanlage in dem betreffenden Wohngebäude. · Ambivalenz des Bestandschutzes der klassischen Nullung. · Problematik der Wandstärken vorhandener Bausubstanz. Im Zusammenhang mit der Modernisierung von Elektroanlagen sind die Wandstärken der Wohnungstrennwand zum Treppenhaus, zwischen den Wohnungen und die Trennwände des Bades von Bedeutung. Neben den Anforderungen für Schall-und Brandschutz ist insbesondere auch die Restwandstärke für den Berührungsschutz wichtig. Erdung. Problematik fehlender Fundamenterder. Aus der Tatsache, dass im TN-System die Verbraucheranlagen mit ihren Erdungsanlagen zur Betriebserde beitragen, kann keine Forderung zur Nachrüstung einer Erdungsanlage abgeleitet werden. Eine Pflicht zur Nachrüstung einer Erdungsanlage mittels Ring-oder Staberder besteht nur dann, 23. Niederspannungsfachtagung in Dresden Fachtagung für Praktiker Diese Fachtagung befasste sich mit den VDE-Bestimmungen für das Errichten von Niederspannungsanlagen und griff das stets „heiss“ diskutierte Thema „Arbeiten unter Spannung“ auf. Es wurden Aspekte vorgetragen, die bei der Modernisierung von Wohngebäuden, Lichttechnik und der Beleuchtungsplanung relevant sind, Trends in der Photovoltaik gezeigt sowie Lösungen in der Energieversorgung vorgestellt. Die einleitenden Worte zu dieser Tagung sprach Prof. Dr.-Ing. H. Pund EP0106-08-15 15.12.2005 10:29 Uhr Seite 8 wenn das Gebäude über einen Blitzschutz verfügt, dieser nachgerüstet wird oder das Verteilungsnetz vom TN-System auf das TT-System umgestellt wird. Wenn auch die Nachrüstung einer wirksamen Erdungsanlage nicht dringend geboten ist, so ist sie jedoch sehr zu empfehlen. Blitzschutz. Entscheidungskriterien für den Blitzschutz. Potentialausgleich. In den örtlichen Potentialausgleich in Bädern sind nach VDE 0100-701 · sämtliche fremde leitfähige Teile, die ein Potential in den Baderaum einführen können und · der Schutzleiter der zugehörigen Wohnungsunterverteilung einzubeziehen. Wohnungswechsel. Aufgrund der Abgeschlossenheit von Wohnungen besteht eine nicht zu unterschätzende Gefährdung durch unerkannte Schäden an der elektrischen Anlage infolge · unsachgemäßer Nutzung und · nicht fachgerechter Änderungen oder Erweiterungen der elektrischen Anlage. Bei einem Wohnungswechsel steht der Mieter in der Verantwortung, die Mietsache Mängelfrei zu übergeben. Dieser Verantwortung kann er jedoch nur mit einer eingehenden Prüfung der E-Anlage durch eine Fachkraft gerecht werden. Lichttechnik und Beleuchtungsplanung G. Winkler vom Arbeitskreis Lichttechnik des VDE Beziksvereins Dresden referierte zum Thema Innenraumbeleuchtung. Er ging dabei auf die Vorschriften und Normen, insbesondere auf die DIN 5035 ein. Die Normen beinhalten die Anforderungen an die Beleuchtung von Arbeitsstätten und beschreiben einen Rahmen hinsichtlich Sehaufgaben und Sehkomfort. In Deutschland treffen Staat und Berufsgenossenschaft verbindliche Vorgaben zur Beleuchtung von Arbeitsstätten. · Die ASR 7/3 befasst sich mit der künstlichen Beleuchtung. · Die BGR 131 regelt die Sicherheit und den Gesundheitsschutz an Arbeitsplätzen mit künstlicher Beleuchtung. Beleuchtungstärke. Die geforderte Beleuchtungsstärke bezieht sich nicht mehr auf den Raum, sondern auf die Bereiche der Sehaufgabe und den unmittelbaren Umgebungsbereich innerhalb des Raumes. Ferner war die geforderte Beleuchtungsstärke früher ein so genannter Nennwert mit einer über die Anlagennutzungszeit bedingten Minustoleranz von 80 %. Jetzt handelt es sich bei dieser um einen Wartungswert mit einer untersten Schwelle von 80 %. Nachfolgend einige Beispiele für geänderte Zahlenwerte: · Treppenhäuser 150 Lux, · Beratungsräume 500 Lux, · Wandtafeln in Schulen prinzipiell 500 Lux. Direktblendung. Bisher wurden Leuchtdichtegrenzkurven nach Söllner verwendet, nunmer das UGR- (Unified Glare Rating) Verfahren. Reflexblendung. Bezogen auf Bildschirme gelten neue Klassifizierungen und eine so genannte 360 °- Leuchtdichtebegrenzung auf einen Ausstrahlungswert von 65 °. Wartungsfaktor. Anstelle des bisherigen Verminderungsfaktors gilt ein quasi variabler Wartungsfaktor, der sich aus Lampenalterung, Lampenlebensdauer, Leuchten- und Raumverschmutzung ergibt. Netzgekoppelte Photovoltaik-Anlagen T. Hoffmann, Ingenieurbüro Hoffmann, gab in seinem Vortrag einen umfassenden Überblick zum aktuellen Stand der Technik und zur Wirtschaftlichkeit von netzgekoppelten PV-Anlagen. Es wurden unter anderem der enorme Aufschwung der Photovoltaik in den letzten 5-7 Jahren bewertet und auf das EEG sowie die Knappheit von PV-tauglichem Silizium eingegangen. Kernbereich der Weiterentwicklung und Schlüssel zur Senkung des Anlagenpreises ist den Ausführungen nach die Modulentwicklung. Besondere Anstrengungen, gelten weiterhin der Entwicklung von dünneren Wafern, um den Siliziumbedarf zu senken. Ein weitere Möglichkeit bieten Konzentratorzellen, mit denen unter Laborbedingungen bereits Wirkungsgrade von 37 % erreicht werden. Energieversorgung für die Mikroelektronik St. Klinger, Stadtwerke Dresden, gab einen kurzen Einblick in die 110-kV-Netzentwicklung, insbesondere in die zugeschnittene Versorgungslösung für den Kunden AMD. Ein geschichtlicher Abriss zeigte zudem, dass es nach dem Ende der DDR zu einer völligen Neuorientierung der Lastschwerpunkte im Stadtgebiet Dresden kam. Literatur [1] Kurzfassungen und Beilagen der Vorträge zur 23. Niederspannungs-Fachtagung, Dresden, 11/2005 Elektropraktiker, Berlin 60 (2006) 1 9 EP0106-08-15 15.12.2005 10:29 Uhr Seite 9
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