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Bild: Thomas Söllner/stock.adobe.com
Installationstechnik | Kabel und Leitungen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage

Unterflurverlegung von Netzwerkkabeln

06.07.2021

Welche Vorschriften gelten für unterflur verlegte Netzwerkkabel?

Frage:
Wir verlegten Netzwerkkabel unterflur in Schutzrohr bis zum Versorgungsschacht. Bei der Begehung eines Gutachters wurde beanstandet, dass das Netzwerkkabel nicht durchgängig bis zum Patchfeld in Schutzrohr verlegt wurde. Nach meinen Kenntnissen muss das Datenkabel auswechselbar sein. Und im Schacht ist es auswechselbar. Weiterhin wurde bemängelt, dass wir das Klingelkabel nicht in Schutzrohr verlegt haben. Antwort:
In der Anfrage wird nichts darüber gesagt, welcher Kabeltyp für das Netzwerkkabel gewählt wurde (Kabelkategorie, Art der Schirmung, Dämpfungseigenschaften usw.). Auch über die im Versorgungsschacht offensichtlich vorhandenen energietechnischen Kabel und Leitungen wird nichts gesagt. Beispielsweise wäre es hilfreich, wenn man die Ströme der energietechnischen Kabel und Leitungen und die Anzahl der Stromkreise kennt. Sind diese energietechnischen Stromkreise z. B. einphasig oder dreiphasig? Erst, wenn solche Fragen geklärt sind, können klare Aussagen zu Abstandsregelungen oder Schirmungsmaßnahmen (z. B. Verlegung im Rohr) getroffen werden.
Aus diesem Grund muss sich die vorliegende Antwort eher im Allgemeinen bewegen. Der Planer oder Errichter sollte aber mit den Hinweisen in der Lage sein, eine Maßnahme für den konkreten Fall zu ermitteln bzw. auszuwählen.
Die technischen Regelungen zu diesem Thema findet man in DIN EN 50174-2 (VDE 0800-174-2)[1]. Diese Norm trägt den Titel „Informationstechnik – Installation von Kommunikationsverkabelung – Teil 2: Installationsplanung und Installationspraktiken in Gebäuden“.
Neben allgemeinen Anforderungen für eine informationstechnische Verkabelung werden in dieser Norm auch Regelungen festgelegt, die verhindern sollen, dass energietechnische Kabel und Leitungen Störungen verursachen. Diese Regelungen sind Stand der Technik und deren Einhaltung wird somit unter Umständen auch bei Prüfungen verifiziert. In DIN EN 50174-2 (VDE 0800-174-2)[1], Abschnitt 6.2.1 wird eine Methode angegeben, die Abstände zwischen Datenkabeln (bzw. Netzwerkkabeln) und energietechnischen Kabeln und Leitungen zu berechnen. Parameter für die Berechnung sind u. a. der Kabeltyp des Netzwerkkabels, die Schirmungsmaßnahmen zwischen dem Störer (die energietechnischen Kabel oder Leitungen) und der Störsenke (Netzwerkkabel). Die Anzahl und die Belastung der energietechnischen Kabel und Leitungen.
Ausgangspunkt ist die Verkabelungsstruktur der informationstechnischen Verkabelung. Hier spricht man von Primär-, Sekundär- und Tertiärverkabelung.
Bei der Primärverkabelung geht es um informationstechnische Kabel und Leitungen, die z. B. verschiedene Gebäude untereinander verbinden.
Innerhalb eines Gebäudes wird die Vernetzung in der Regel so ausgeführt, dass pro Stockwerk oder Gebäudebereich ein entsprechender informationstechnischer Verteiler (Etagen-, Bereichs- oder Stockwerksverteiler) mit entsprechenden Patch-Panel-Feldern vorgesehen wird. Diese informationstechnischen Verteiler sind selbstverständlich untereinander verbunden, und die entsprechende Verkabelung wird in der Regel Sekundärverkabelung genannt.
Von einem informationstechnischen Verteiler gehen die einzelnen informationstechnischen Kabel oder Leitungen zu sämtlichen informationstechnischen Arbeitsplätzen oder Geräten (z. B. zu jedem PC, Modem, Faxgerät, Netzwerkdrucker usw.). Diese Verkabelung wird Tertiärverkabelung genannt.
Die Primär- und häufig auch die Sekundärverkabelung wird heutzutage immer häufiger mit LWL-Kabel ausgeführt (LWL = Lichtwellenleiter). Dies macht die Verkabelung extrem störungsfest, sodass die auf sie wirkenden Störfelder in der Regel überhaupt nicht übertragen werden.
Werden jedoch Kupferkabel verwendet, muss auf einen ausreichenden Abstand zwischen der Primär- bzw. Sekundärverkabelung und parallel verlaufenden, energietechnischen Kabeln und Leitungen geachtet werden. Das gilt natürlich auch für die Tertiärverkabelung, die auch heute noch häufig mit Kupferkabel ausgeführt wird. Autor: H. Schmolke Literatur: [1] DIN EN 50174-2 (VDE 0800-174-2):2018-10 Informationstechnik – Installation von Kommunikationsverkabelung – Teil 2: Installationsplanung und Installationspraktiken in Gebäuden. [2] Schmolke, H.: EMV-gerechte Errichtung von Niederspannungsanlagen; VDE-Schriftenreihe Band 126, 2. neu bearbeitete und erweiterte Auflage 2017, VDE-Verlag, Berlin-Offenbach. [3] DIN EN 50173-1 (VDE 0800-173-1):2018-10 Informationstechnik – Anwendungsneutrale Kommunikationskabelanlagen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen. Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.