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Testaufbau mit sechs Kameras im Außenbereich, Quelle: Von Zur Mühlen’sche GmbH
Sicherheitstechnik | Videoüberwachung

Aus dem Facharchiv: Elektropraxis

Praxistest Videokameras

11.04.2024

Studiert man Datenblätter von am Markt üblichen Videokameras, stimmen deren technische Daten weitgehend überein. Möchte man auf Messen oder in Live-Demonstrationen Unterschiede zwischen verschiedenen Herstellern herausfinden, ist dies kaum möglich. Ein Test liefert interessante Erkenntnisse.

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Objektive Ergebnisse kommen nur dann zustande, wenn die Kameras unter praxisnahen und unter Laborbedingungen getestet werden. Die nachfolgenden Angaben zu den Testergebnissen stützen sich auf eine solche Untersuchung (siehe Kasten). Die Unterschiede wurden objektiv durch die Tests nach den genannten DIN-Normen und IT-Standards ermittelt. Außerdem wurde auf eine möglichst neutrale Berichterstattung Wert gelegt.

Kameras im Praxistest

Die Geräte der verschiedenen Hersteller wurden unter einheitlichen Bedingungen im Außenbereich untersucht (Bild). Diese Tests fanden an einem Nachmittag und am frühen Abend statt. Die Kameras wurden innerhalb eines geschlossenen Grundstücks im Bereich einer abgesperrten Verkehrsfläche installiert. Die von den Systemen abgebildete Wegstrecke betrug 20 m. Am Boden wurden alle zwei Meter gut sichtbare Markierungen angebracht, die sich im Laufe der Tests als einfaches, aber vielseitiges Hilfsmittel erweisen sollten. Die Kameras selbst ruhten auf einer stabil montierten Quertraverse. Diese Traverse lagerte auf zwei stabilen Stativen, die bis auf eine Höhe von 2,70 m ausgefahren waren. So wurden realistische und praxisnahe Aufnahmen mit üblichen, vereinheitlichten Blickwinkeln erzeugt. Die Brennweite wurde bei allen Geräten gleich eingestellt. So war es möglich, alle Testsequenzen mit allen Kameras gleichzeitig und unter identischen Bedingungen aufzunehmen. Da es sich bei den Produkten um Netzwerkkameras mit PoE-Speisung (Power over Ethernet) handelte, konnte die für die Tests notwendige temporäre Versorgungsinfrastruktur „fliegend“ aufgebaut werden. Sie bestand im Wesentlichen aus einem PoE-Switch mit acht Ports sowie der entsprechenden Anzahl an Kupfer-Patchkabeln mit RJ45-Anschluss. Neben den Kameras war ein leistungsfähiges Test-Notebook am Switch angeschlossen, auf dem ein für Testzwecke lizensiertes Videomanagement-Tool installiert war. Der Testaufbau wurde nicht direkt genutzt, um Testszenarien durchzuführen. Vielmehr wurden eine Reihe von Bilddaten erzeugt und aufgezeichnet. Die Auswertung erfolgte im Nachgang anhand des nachfolgend im Detail beschriebenen Vorgehens mit Hilfe der Speicherbilder. Das Erzeugen der Bilddaten berücksichtigt zwei Testverfahren, die durch die EN 62676-4 [1] vorgegeben werden.

Test 1: Gesichtserkennung

Das Grundprinzip des Testverfahrens besteht darin, abstrakte Gesichter auf Testtafeln im Videobild wiederzuerkennen. Das normativ vorgesehene Prüfpaket umfasst zwölf computergenerierte Gesichter. Diese Porträtaufnahmen sind so gestaltet, dass sie anhand einer Reihe von biometrischen Merkmalen eine Grundlage für Bewertungen des Systems bieten. Die Gesichter sind in drei kulturelle Gruppen eingeteilt. Die Gruppen tragen völlig vorurteilsfrei jeweils ostindische, europäische und afrikanische Merkmale. Zur Bildaufnahme wurden alle zwölf Testtafeln genutzt. Eine Person positionierte sich in 20 m Entfernung vor dem Testaufbau und richtete eine Porträttafel in Originalgröße auf realer Gesichtshöhe in Richtung der Kameras. Danach näherte sich die Person den Geräten. Die Sequenz wurde durch alle sechs Kameras aufgenommen und auf dem Test-Notebook aufgezeichnet. Dieser Test wurde um 14:00 Uhr bei Trockenheit und bewölktem Himmel durchgeführt und mit allen Portraits wiederholt.

Autoren: F. Hecker, J. Schulz

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