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Betriebsführung und -Ausstattung

Verkauf des deutschen Handwerkerportals

MyHammer wird an US-Marktführer HomeAdvisor weitergereicht

13.10.2016

Der Holtzbrinck-Konzern räumt auf. Mit MyHammer.de verkauft er die nächste Online-Plattform aus seinem Portfolio. Der Ausflug in die Welt der Startups hat Holtzbrinck inzwischen viel Geld gekostet. 

2005 wurde MyHammer als Online-Auktionshaus für Handwerksleistungen gegründet. Zwei Jahre später übernahm die Onlinetochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck die Mehrheit an MyHammer. Dank massiver TV-Werbung stieg MyHammer.de zum führenden deutschen Handwerkerportal auf. 70 Mitarbeiter betreuen das Portal am Firmenstandort Berlin. Nach eigenen Angaben werden monatlich 50.000 neue Aufträge eingestellt. 17.000 deutsche Handwerksbetriebe sind auf der Website registriert, 500.000 potenzielle Kunden suchen jeden Monat nach Handwerkern. Das Portal finanziert sich über Gebühren. Handwerker zahlen ca. 60 Euro monatlich, um sich für die ausgeschriebenen Aufträge bewerben zu können. Für ihre potenziellen Kunden ist das Einstellen der Aufträge kostenlos.  Trotz Marktführerschaft blieb MyHammer ein Problemfall. 2012 stand das Geschäftsprinzip auf der Kippe. Zu groß waren die Verluste, die sich bis dahin angehäuft hatten. 2013 versuchte die Plattform einen Imagewechsel. Aus dem Paradies für Dumpingangebote sollte eine seriöse Firma werden, die bei Handwerkern auf Qualität achtet. Genützt hat es wenig. Auch nach der Qualitätsoffensive sah Holtzbrinck offenbar keine Perspektiven mehr, um MyHammer dauerhaft in der Digitalsparte des Konzerns zu halten.  Verkauft wird MyHammer an die HomeAdvisor GmbH, die deutsche Tochter des US-Marktführers HomeAdvisor. In Europa ist HomeAdvisor bereits mit seinen Ablegern Travaux.com, Werkspot.nl und Instrapro.it vertreten. Aufgrund der starken Marktposition von HomeAdvisor muss das Kartellamt dem Kauf zustimmen. Holtzbrinck investiert zwar weiterhin ins Digitalgeschäft, musste aber den Online-Kaufrausch aus der Zeit nach der Jahrtausendwende teuer bezahlen. Portale wie StudiVZ, golem.de und netzeitung.de hat Holtzbrinck inzwischen veräußert – zum Teil mit Verlust. Besonders StudiVZ gilt heute als Lehrbeispiel für das große Geldverbrennen. Mehr Hoffnung scheint der Konzern bei gutefrage.net, NetDoktor.de, CosmIQ oder Helpster zu haben. An diesen Portalen bleibt Holtzbrinck beteiligt.

Autor
Name: Jürgen Winkler