
Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Beleuchtung der jeweiligen Nutzung flexibel anpassen
Individuelles Steuern mit bis zu 16 Szenen, Umkonfigurieren per Software und jetzt auch herstellerübergreifend interoperabel: Wer mehr will als nur On/Off und die Beleuchtung energieeffizient regeln möchte, kommt am Industriestandard DALI-2 heute kaum noch vorbei. Für Büros, Bildungsstätten und Gesundheitseinrichtungen bietet er konkurrenzlose Flexibilität – und erfordert für die Konfiguration keinen Laptop mehr.
Trend ist nicht gleich Trend. Es gibt die schnelllebigen Modetrends, die etwas länger anhaltenden Konsumtrends und die soziokulturellen Trends von 10 bis 15 Jahren. Und dann sind da noch die langfristig wirkenden Megatrends, die mindestens mehrere Jahrzehnte dauern. Die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt ist ein solcher Megatrend. Sie zeigt sich etwa an neuen Arbeitszeitmodellen, dem immer öfter häufigeren Wechsel zwischen Homeoffice und klassischem Büro – und beeinflusst auch die Planung der Raumtechnik.
Deutlich wird dies zum Beispiel an einer Anforderung, die gerade im klassischen Büro immer häufiger eine Rolle spielt: Die regelmäßige Veränderung der Raumnutzung abhängig von Zeit und Situation. Eine veränderte Raumnutzung kann sich auf die Positionierung des Mobiliars auswirken, eine andere Raumaufteilung verlangen und in vielen Fällen auch eine Anpassung der Beleuchtung. Insbesondere wenn Lichtgruppen dafür anders aufgeteilt werden müssen. Doch dafür jedes Mal neu verdrahten? Unmöglich.
Software- statt Hardwareanpassung
Eine Lösung für dieses Problem ist der internationale Industriestandard DALI. Das Gruppieren geschieht hier einfach per Software, genauso wie eine später vielleicht nötig werdende Neukonfiguration. Der Endanwender profitiert dazu von einem flexiblen Lichtmanagement mit bis zu 16 Szenen. Sind Präsenzmelder in die Anlage integriert, können sie durch eine präsenz- und tageslichtabhängige Konstantlichtregelung für deutlich mehr Energieeffizienz sorgen, als es bei einem Schaltbetrieb möglich wäre. Im Gegensatz zu 1-10-V-Lösungen besteht bei DALI zudem nicht die Gefahr des Flimmerns durch zu starken Spannungsabfall. Die Installation ist verpolungssicher.
Dass DALI trotz seiner zahlreichen Vorteile bislang noch nicht flächendeckend zum Einsatz kam, hatte in erster Linie zwei Gründe. Zum einen waren die Lösungen vieler Hersteller proprietär und nicht mit denen anderer kompatibel. Zum anderen klang das mit der Konfiguration per Software in der Theorie zwar immer schön einfach. Aber dafür immer extra einen Laptop mit auf die Baustelle schleppen? Das entsprach so gar nicht der Gewohnheit vieler Fachleute.
Reduzierter Material- und Arbeitsaufwand
Inzwischen hat sich die Lage grundlegend verändert. Die Weiterentwicklung hin zu DALI-2 sichert heute bei entsprechend zertifizierten Geräten eine herstellerübergreifende Interoperabilität. Für die Konfiguration brauchen Installateure oder Planer keinen Laptop mehr, denn bei dezentralen Lösungen geht dies per Smartphone oder Tablet. Gleich geblieben ist außerdem die Installation mit reduziertem Material- und Arbeitsaufwand: Nur ein Kabel wird für alle Geräte benötigt, inklusive Steuerleitung und Stromversorgung. Eine bereits vorhandene Verkabelung lässt sich deshalb oft weiternutzen. Die Leitungsführung erfolgt in Linien-, Stern- oder Baumstruktur.
Um den funktionalen Aufbau von DALI-2 zu verstehen, muss man zunächst die wichtigsten Geräteklassen der IEC 62386 [1] kennen. Neben der Bus-Spannungsversorgung sind dies die Steuergeräte (Control devices) und die Betriebsgeräte (Control gear), also die Leuchtentreiber. Bei den Steuergeräten wird zusätzlich unterschieden zwischen der eigentlichen Steuereinheit einer DALI-2-Anlage, dem Application Controller, und den sogenannten Eingabegeräten wie zum Beispiel Präsenzsensoren, Lichtsensoren und Taster.
Zentrale oder dezentrale DALI-2-Steuerung
Steuereinheit und Betriebsgeräte kommunizieren direkt miteinander: Die Steuereinheit sendet Steuerbefehle an die Betriebsgeräte, wie z. B. An/Aus, die Betriebsgeräte wiederum senden Statusinformationen zurück an die Steuereinheit. Damit die Steuereinheit weiß, wann und wie sie steuern soll, liefern ihr die Eingabegeräte die nötigen Informationen. Sendet zum Beispiel ein Präsenzmelder mit PIR-Sensor an die Steuereinheit die digitale Information für „Nutzer anwesend“, schaltet die Steuereinheit die Beleuchtung an. Folgt später ein „Nutzer abwesend“, schaltet sie sie wieder aus.
Innerhalb einer Anlage bzw. pro DALI-Kanal lassen sich bis zu 64 Betriebsgeräte einsetzen und bis zu 64 Steuergeräte parallel betreiben. Damit Letzteres reibungslos funktioniert, wurde mit DALI-2 extra die „Multi-Master-Funktion“ eingeführt. Außerdem haben sich in der Praxis zwei Grundkonzepte für die Steuerung entwickelt. Eine Option ist die zentrale Steuerung durch ein Gebäudemanagementsystem, in das die DALI-2-Anlagen per Gateway integriert werden. BMS-Präsenzmelder (BMS für Building Management System) dienen dabei als Eingabegeräte, um das Licht in allen Zonen individuell steuern zu können.
Autor: Christian Schöps
Literatur
[1] DIN EN 62386-101 (VDE 0712-0-101) :2020-08 Digital adressierbare Schnittstelle für die Beleuchtung – Teil 101: Allgemeine Anforderungen – Systemkomponenten; und zahlreiche weitere Teile.
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