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Brand- und Explosionsschutz | Elektrotechnik

Sicherheitssystem wacht über Entrauchungsanlage

ep1/2009, 2 Seiten

Der aktive und passive Brandschutz hat in stark frequentierten öffentlichen Gebäuden aus gutem Grunde hohe Priorität. Im Ernstfall müssen der Brandherd begrenzt, Fluchtwege freigehalten und Rauch auf dem schnellsten Weg nach draußen befördert werden. Im Chemnitzer Kulturkaufhaus Tietz steuert die Rauchmeldezentrale vollautomatisch die erforderlichen Prozesse. Ein multifunktionales Sicherheitssystem überwacht die korrekte Ausführung der Notfallszenarios und Schaltbefehle.


Innerhalb von Sekunden geeignete Aktionen starten Im Brandfall gilt es u. a. zu verhindern, dass Rauch die Orientierung erschwert. Deshalb verfügt das Kulturkaufhaus Tietz in Chemnitz (Bilder und ) über achtzehn ausgeklügelte Entrauchungskonzepte. Im Ernstfall müssen diese innerhalb von Sekunden geeignete Aktionen einleiten, damit bei einem Brand Leben geschützt wird. Das architektonisch beeindruckende Gebäude ist eine Besonderheit im Stadtbild von Chemnitz, datiert es doch aus dem Jahr 1913 und war eines der ersten Großwarenhäuser in Deutschland. Nach wechselvoller Geschichte beschloss die Stadt Chemnitz im Jahr 2001 den Umbau des Gebäudes zu einem Kulturkaufhaus. Mit der Neueröffnung im Jahr 2004 präsentiert sich das Bauwerk als multifunktionale Einrichtung, die beispielsweise die Stadtbibliothek, das Naturkundemuseum, die Volkshochschule sowie Läden und Cafés beherbergt. Gebäudetechnik sorgt für Sicherheit Eine der Herausforderungen bestand darin, die Gebäudetechnik des fast einhundertjährigen Gebäudes auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen. Bei Einrichtungen mit derart hoher Besucherfrequenz gilt dem Brandschutz besondere Aufmerksamkeit: Über 1800 Rauchmelder sind im gesamten Gebäudekomplex installiert, 170 Brandschutzklappen, zwei Entrauchungsventilatoren mit einer Luftleistung von ca. 200000 m3/h sowie spezielle Lüftungsanlagen mit Entrauchungsfunktion. Das meiste davon bleibt unsichtbar, alles ist Bestandteil der Gebäudeautomation, die das Raumklima des Komplexes automatisch regelt. „Um die Rauchabzugsanlage für den Ernstfall fit zu machen, wurden unzählige Brandsituationen im Gebäude durchgespielt und daraus schließlich, gemeinsam mit dem Planungsbüro und dem Brandschutzgutachter, achtzehn Entrauchungsszenarios entwickelt, die im Notfall jeweils einen umfangreichen Aktionsplan in Gang setzen“, erläutert Matthias Kuhn von der Fa. MSR-Elektronik aus Limbach-Oberfrohna, die mit der Werkplanung und Ausführung der Gebäudeautomation im Kulturkaufhaus beauftragt war. Mit klarem Ziel: Nachdem über die auslösenden Rauchmelder der Brandherd lokalisiert ist, müssen Rauch- und Brandgase über die Abluftanlage schnell ins Freie befördert, Fluchtwege freigehalten und nicht betroffene Gebäudeteile möglichst schadlos gehalten werden. „Damit das funktioniert, muss die hausinterne Brandmeldezentrale auf Basis der zur Verfügung stehenden Informationen binnen Sekunden das geeignete Szenario in Gang setzen“, ergänzt Kuhn. Damit verbunden ist ein ganzes Bündel an Schalt- und Regelbefehlen an Lüftungsanlagen, Brandschutzklappen, Ventilatoren, Aufzügen sowie Tür- und Fensterverriegelungen. Sie haben exakt das auszuführen, was das jeweilige Entrauchungsszenario vorsieht. Überwachung der Entrauchungsszenarien Weil bei sicherheitsrelevanten Funktionen Rückmeldungen über die tatsächliche Ausführung von Schaltbefehlen unabdingbar sind, bedarf es einer Kontrollinstanz. Denn im Notfall darf es keinen Zweifel geben, ob die von der Rauchmeldezentrale ausgegebenen Befehle vor Ort im weitläufigen Gebäude auch vollzogen wurden. Darüber wacht das multifunktionale Sicherheitssystem PNOZmulti des Ostfilderner Unternehmens Pilz (Bild ). „Wenn PNOZmulti im Maschinen-und Anlagenbau zuverlässig und sicher funktioniert, muss das System auch in der Gebäudeautomation einsetzbar sein“, dachten sich MSR-Chef Kuhn und seine Mitarbeiter, die das System aus dem Bereich der Maschinensteuerung kannten. PNOZmulti ist ein modulares, einfach zu handhabendes Sicherheitssystem, das sich flexibel an unterschiedliche Anforderungen anpassen lässt. Es spart Zeit und Geld, weil aufwendige Verkabelung entfällt und allein bereits das Basisgerät viele sicherheitsrelevante Funktionen abdeckt. Das System lohnt sich schon bei einer Überwachung von vier Sicherheitsfunktionen und kann zudem Standardsteuerungsaufgaben übernehmen. Die Konfiguration aller Funktionen erfolgt per „Drag-and-Drop“ über eine intuitiv bedienbare Software am PC. Einfach und flexibel An der Schnittstelle zwischen Gebäudeautomation und Rauchmeldeanlage überwacht das Sicherheitsschaltgerät das Auflaufen der Entrauchungsszenarios: Ist die Entscheidung für das geeignete Szenario gefallen, blockiert PNOZmulti die Ausführung alter-Elektropraktiker, Berlin 63 (2009) 1 AUS DER PRAXIS Sicherheitssystem wacht über Entrauchungsanlage Der aktive und passive Brandschutz hat in stark frequentierten öffentlichen Gebäuden aus gutem Grunde hohe Priorität. Im Ernstfall müssen der Brandherd begrenzt, Fluchtwege freigehalten und Rauch auf dem schnellsten Weg nach draußen befördert werden. Im Chemnitzer Kulturkaufhaus Tietz steuert die Rauchmeldezentrale vollautomatisch die erforderlichen Prozesse. Ein multifunktionales Sicherheitssystem überwacht die korrekte Ausführung der Notfallszenarios und Schaltbefehle. Hinter der historischen Fassade des Tietz' verbirgt sich moderne Gebäudetechnik Fotos: MSR-Elektronik Ein großer Lichthof prägt den Innenbereich nativer Szenarien und kontrolliert die ausgelösten Schaltbefehle über die Rückmeldungen der angesprochenen Aktoren. So ist die Brandschutzüberwachung stets im Bilde, ob Befehle tatsächlich ausgeführt wurden. Spricht beispielsweise eine Brandschutzklappe nicht an, erkennt das System die Störung und sucht über die Entrauchungssteuerung eine geeignete Alternative. Darüber hinaus ist das Sicherheitsschaltgerät eigensicher und kontrolliert sich fortlaufend selbst auf Funktionssicherheit. „Um dieselbe Funktionalität zu erreichen, hätten wir mehrere hundert Relais verbauen, einen unglaublichen Verdrahtungsaufwand treiben und weit mehr Platz aufwenden müssen“, ist Matthias Kuhn überzeugt. Nicht nur in der Installationsphase lassen sich so Aufwand und Kosten sparen, sondern auch in der Betriebsphase: Das Sicherheitssystem ist nicht nur einfach zu installieren, sondern passt sich flexibel an Entwicklungen in der Zukunft an. Verändern sich Zuschnitte oder Nutzungen innerhalb des Gebäudes und damit mögliche Brandszenarien, ist das Sicherheitskonzept in kurzer Zeit auf dem neusten Stand. Ohne Hardware-Umstellungen und zusätzliche Verkabelung. Seit der Neueröffnung des Gebäudes im Herbst 2004 ist auch PNOZmulti als Teil der Brandschutzzentrale einsatzbereit. Zuverlässiger Blend-und Sonnenschutz Der Encoderantrieb Concept 25 sorgt in Verbindung mit der LON-Steuerung von Somfy für einen zuverlässigen Blend- und Innen-Sonnenschutz. Die Lösung ist für kompakte Kopfschienensysteme mit Größen ab 25 mm x 25 mm verwendbar und kann deutlich zur Verringerung von Kühllastkosten beitragen. Dieses Sonnenschutz-System eignet sich für den Einsatz an der Fensterinnenseite ebenso wie für eine Doppelhautfassade mit geringer Zwischenraumbreite sowie auch für Trennwandsysteme. Einsatz bei hohen Windlasten Eine innenliegende bzw. in die Fassade integrierte Variante ist vor allem hinsichtlich der Windbelastungen vorteilhaft. Ab einer Windgeschwindigkeit von 50 bis 60 km/h müssen außenliegende Elemente in der Regel automatisch hochgefahren werden, um das Material vor Beschädigungen zu schützen. Allerdings besteht in einem solchen Fall kein Sonnenschutz mehr und das Licht dringt ungehindert in die Räume ein. Dadurch heizt sich das Gebäude auf und am Arbeitsplatz besteht zudem kein Blendschutz mehr. Da die Windlast mit der Höhe steigt, wird für Gebäude mit mehr als zehn Stockwerken eine innenliegende Beschattung empfohlen. Auch in Gebieten mit temporär hohen Windstärken, beispielsweise in Meeresnähe, ist der Einsatz einer innenseitig montierten oder in die Fassade integrierten Sonnenschutzlösung sinnvoll. Elektropraktiker, Berlin 63 (2009) 1 69 Innen-Sonnenschutz mit Energieeinsparpotential Sonnenschutztechnik ist in Objektbauten aufgrund des hohen Anteils verglaster Elemente nicht mehr wegzudenken. Bei dem Einsatz intelligenter Lösungen stehen die Energie-Einsparung sowie die Sicherstellung der geforderten Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz im Vordergrund. Planer und Betreiber interessiert dabei, welche Sonnenschutz-Variante den größten Nutzen hat und wo sie zu montieren ist - an der Fassadenaußenseite, im Zwischenraum von Doppelhautfassaden oder an der Innenseite. AUS DER PRAXIS Mit etwa 2500 Kunstobjekten des deutschen Expressionismus' beherbergt das Museum Gunzenhauser in Chemnitz eine der größten deutschen privaten Kunstsammlungen. Weil sich das vergleichbare Brandschutzkonzept im benachbarten Kulturkaufhaus Tietz bis heute sehr gut bewährt hat, entschied man sich beim Umbau des 1930 im Stil der Neuen Sachlichkeit errichteten ehemaligen Sparkassen-Gebäudes zum Museum ebenfalls für Sicherheitstechnik von Pilz. Das Steuerungssystem PSS 3000 setzt die vom Brandschutzkonzept vorgegebenen Entrauchungsszenarien in der Praxis um: Je nach Lage und Ausdehnung des gemeldeten Brandortes sperrt es eine oder mehrere der elf Lüftungsanlagen, steuert die rund 180 Brand-, Jalousie- und Entrauchungsklappen und überwacht die Ausführung der Schaltbefehle über Rückmeldungen der entsprechenden Aktoren, damit im Falle eines Falles Besucher auf sicheren Fluchtwegen aus dem Gebäude gelangen und Gebäudeschäden begrenzt bleiben. Das multifunktionale Sicherheitssystem PNOZmulti überwacht, dass alle Befehle der Rauchmeldezentrale auch ausgeführt werden Steuerungssystem übernimmt Notfallmanagement im Museum Gunzenhauser Innen-Sonnenschutz trägt zur Energie-Einsparung bei und hat nur geringen Einfluss auf die Fassadenoptik (Beispielobjekt: European School of Management and Technology im ehemaligen Staatsratsgebäude, Berlin)

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