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Elektrotechnik | Elektrosicherheit | Schutzmaßnahmen

Schutzleiteranschluss an einer öffentlichen Beleuchtung

ep10/2017, 3 Seiten

Bei Wartungsarbeiten an einer vor vier Jahren errichteten Park-Beleuchtung ist uns aufgefallen, dass die Masten der Leuchten nicht über die jeweilige Schutzleiteranschlussstelle mit dem ankommenden Schutzleiter der Zuleitung verbunden sind. Nun erlitt ich bei der Reparatur einer dieser Leuchten einen elektrischen Schlag, als ich den Mast von außen berührte. Wie sich herausstellte, unterlief dem installierenden Elektriker beim Anschließen ein Fehler (Bild 1), sodass am gesamten Mast Netzspannung anlag. Kurz die Daten zur Leuchte: Als Leuchtenzuleitung/Ableitung ist der Typ NYY-J 5 × 6 mm eingesetzt. Der Mastanschlusskasten besteht aus Kunststoff (SK II) mit 2 × D01. Der Leuchtenkopf (SK I) ist mit HIT 20 W und EVG bestückt und mit einer Anschlussleitung H05RR-F 3 × 1,5 mm2 ausgestattet. Nach dem elektrischen Schlag kam es zu einem lebhaften Briefwechsel zwischen dem Parkbetreiber, dem Mast- und Leuchtenhersteller sowie dem planenden Ingenieurbüro, da wir der Meinung sind, dass die Erdung der Masten die Sicherheit dieser Anlage wesentlich erhöhen würde. So schreibt der Mast- und Leuchtenhersteller: „Mast und Kopf bilden eine Schutzklasse-I-Einheit“. Das Ingenieurbüro äußerte sich sinngemäß wie folgt: „Im Mast befinden sich nur schutzisolierte Komponenten. Diese Komponenten sind der Mastsicherungskasten sowie die Mantelleitung. Der [...] Schraubenanschluss im Mast, der mit dem Schutzleiter verbunden werden soll, trägt kein Erdungszeichen. Weiterhin trägt diese Verschraubung über eine Metallschiene den Mastanschlusskasten. Da die Schraube durch das Öffnen des Mastanschlusskastens mechanischen Bewegungen ausgesetzt ist, scheint eine sichere Erdung auf Dauer nicht gewährleistet zu sein [...] Entsprechend der vorgenannten Punkte ist am Mast nach DIN VDE 0100-410 [...] die Schutzmaßnahme doppelte oder verstärkte Isolierung (Schutzisolierung ) vorhanden.“ Es seien zudem keine besonderen Vorkehrungen mit entsprechend gekennzeichneten Anschlusspunkten zu erkennen und eine Schutzleiterbrücke aus dem schutzisolierten Anschlusskasten nicht erlaubt, so das Ingenieurbüro. Wir sehen den Sachverhalt so: Ja, die Einbauten bis hin zu den Anschlussleitungen sind isoliert, aber Mast und Leuchte sind als Einheit in Schutzklasse I zu betrachten (auch Herstellerauskunft). Der Leuchtenkopf besitzt einen PE-Anschluss, der auch auf den PE-Anschluss im Mastanschlusskasten gelegt wurde.


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Vorweg. Das fehlerhafte Anschließen der Leuchte ist unverzeihlich und darf einer Elektrofachkraft nicht passieren. Hier kann vermutet werden, dass die entsprechenden Prüfungen nach DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600) [1] nicht durchgeführt wurden.

Beleuchtungsanlagen im Freien. Für Beleuchtungsanlagen im Freien gilt derzeit DIN VDE 0100-714 (VDE 0100-714) [2]. Zum Zeitpunkt der Errichtung der vom Anfragenden angeführten Straßenbeleuchtung hat die DIN VDE 0100-714 (VDE 0100-714):2002-01 [3] gegolten.

In beiden Ausgaben war und ist die Straßenbeleuchtung, die direkt an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen ist, von dieser Norm ausgenommen. Durch das Vorhandensein eines Mastanschlusskastens (wie aus den Bildern des Anfragenden zu ersehen) trifft diese Ausnahme nicht zu, d. h. die Beleuchtungsanlage fällt unter die DIN VDE 0100-714 (VDE 0100-714) [3]. Der Mastanschlusskasten mit Überstromschutzeinrichtungen gilt als Schnittpunkt zur öffentlichen Stromversorgung. Zu dieser Festlegung gab es in der Ausgabe von 2002 folgende grau schattierte Anmerkung: „Anmerkung: Wenn zwischen Verteilungsnetz und Leuchte Überstrom-Schutzeinrichtungen angeordnet sind, beginnt, ab diesen in Energierichtung gesehen, die Verbraucheranlage. Die Anforderungen dieser Norm gelten für den Endstromkreis ab dieser Überstrom-Schutzeinrichtung.“ Fakt ist aber, dass es nach den Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) unzulässig war und ist, an leitfähigen, nicht aktiven Teilen von Betriebsmitteln der Schutzklasse II oder bei Schutz durch doppelte oder verstärkte Isolierung einen Schutzleiter/Schutzpotentialausgleichsleiter/Erdungsleiter anzuschließen.

Problematisch hierbei war aber schon immer, bei einer Straßenbeleuchtung (Leuchte und Mast) abzugrenzen, ob die Straßenlaterne insgesamt als ein Betriebsmittel der Schutzklasse II bzw. Betriebsmittel mit doppelter oder verstärkter Isolierung zu betrachten ist oder als Betriebsmittel der Schutzklasse I gilt. Weiter unklar ist, wie der Mast zu betrachten ist, wenn die Leuchte ein eigenständiges Betriebsmittel der Schutzklasse I oder II ist.

Eindeutig ist jedoch der Fall, bei dem die Leuchte selbst ein Betriebsmittel der Schutzklasse II ist und nur der Mast aus Metall besteht. In solchen Fällen darf an der Leuchte der Schutzklasse II ein Schutzleiter nicht angeschlossen werden. Am leitfähigen Mast bräuchte ein Schutzleiter dann nicht angeschlossen werden, wenn die Kabel/Leitungen zum Mastanschlusskasten und zur Leuchte selbst, als gleichwertig der doppelten oder verstärkten Isolierung zu betrachten sind, was durch Verwenden von Kabel/Leitungen, z. B. vom Typ NYY oder NYM, – wie auch im Falle des Anfragenden – erfüllt ist. Dabei muss auch der Mastanschlusskasten, welcher der DIN VDE 0660-505 (VDE 0660-505) [4] entsprechen muss, normativ in Schutzklasse II ausgeführt sein. Siehe Abschnitt 8.4.1 von DIN VDE 0660-505 (VDE 0660-505) [4]. Hierzu gibt es auch einen Hinweis im Abschnitt 410.3.9 von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06 [5] der wie folgt lautet: „Vorkehrungen für den Fehlerschutz (Schutz bei indirektem Berühren) dürfen bei den folgenden Betriebsmitteln entfallen: [...] Metallrohre oder andere Metallgehäuse, die Betriebsmittel nach Abschnitt 412 schützen.“


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Quellen

DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag.

DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540):2012-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-54: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Erdungsanlagen und Schutzleiter.

DIN VDE 0100-714 (VDE 0100-714):2002-01 (ungültig) Errichten von Niederspannungsanlagen – Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Beleuchtungsanlagen im Freien.

DIN VDE 0660-505 (VDE 0660-505):1998-10 Niederspannung-Schaltgerätekombinationen – Bestimmung für Hausanschlußkästen und Sicherungskästen.

DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2017-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen.

DIN VDE 0100-714 (VDE 0100-714):2014-02 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-714: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Beleuchtungsanlagen im Freien.


Bilder


Durch fehlerhaften Anschluss liegt Spannung am Mast der Leuchte (Quelle: Leser)

Autor
  • W. Hörmann
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