Energietechnik/-Anwendungen
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Regenerative/Alternative Energien
Nachgefragt: Wärmepumpe koppelt Strom- und Wärmemarkt
ep3/2016, 1 Seite
171 Ganz Vorne Elektropraktiker, Berlin 70 (2016) 3 | www.elektropraktiker.de Wärmepumpe koppelt Strom- und Wärmemarkt Obwohl die Wärmepumpe überschüssigen Strom aus regenerativer Erzeugung dazu nutzen könnte, Umweltwärme zu speichern und so die Energiewende auch im Wärmesektor voranzutreiben, hat sich der Absatz seit 2011 kaum verändert. Dafür sei laut Branche der hohe Endverbraucherstrompreis verantwortlich. Darüber und über zukünftige Chancen der Wärmepumpe sprach ep-Autor Wilhelm Wilming mit Paul Waning, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Wärmepumpe (BWP), und Michael Koch, Politikreferent. Die Regierung will Maßnahmen unterstützen, die dazu dienen, überschüssigen Strom aus regenerativen Quellen im Wärmemarkt zu nutzen. Damit bekommt die Wärmepumpe eine starke Position. Warum macht sich das nicht bei den Absatzzahlen bemerkbar? P. Waning: Wir nehmen positiv wahr, dass ein Begriff wie „Wärmepumpe als Koppelelement“ mittlerweile hoffähig ist. Er ist für uns ein Seismograf, der uns den Stellenwert der Stromnutzung im Wärmemarkt anzeigt. Wirtschaft und Politik stellen allmählich fest, dass die Förderung der regenerativen Energien zu Ausbauhöhen geführt hat, die Fragen aufwerfen: Wohin damit? Abschalten, obwohl das keine vernünftige Lösung ist? M. Koch: Das Thema Wärme ist erfreulicherweise in der Prioritätenliste der Bundesregierung, zumindest nach meiner Wahrnehmung, nach oben gerückt. Man ist zu der Erkenntnis gelangt, dass es ohne Nutzung von Strom im Wärmemarkt mithilfe von Wärmepumpen schlicht und einfach nicht geht. P. Waning: Sicher, die Politik sorgt schon für konkrete Maßnahmen. Zum einen gibt es vom Bundeswirtschaftsministerium das Marktanreizprogramm. Die darin enthaltenen neuen Bestimmungen - das Programm hat ja eine Novellierung erfahren - bringen der Wärmepumpe eine deutliche Unterstützung. Zum anderen gibt es Entwicklungen, die nicht unmittelbar von der Bundesregierung kommen, aber im Gesetzgebungs- beziehungsweise Verwaltungsrahmen hilfreich sind, zum Beispiel die Änderung der Energieeinsparverordnung EnEV. Sie wird dazu führen, da sind wir uns sicher, dass Berater oder Architekten ihren Kunden sagen werden, dass man zum Energiesparen nicht unnötig viel Geld in die Hülle des Hauses stecken muss, sondern dass dieses Ziel auch mit einer Wärmepumpe zu erreichen ist. Außerdem haben wir auf der europäischen Ebene noch das Eco-Label. Es macht allen Interessenten den Effizienzvorsprung der elektrischen Wärmepumpe auf einen Blick erkennbar. Es gibt also viele Anreize, die in den letzten Jahren entstanden sind. Die Absatzzahlen sind trotzdem nicht gestiegen. P. Waning: Wir haben natürlich einen großen Hemmschuh, und das sind die Strompreise. Wir haben zurzeit das Phänomen, dass Öl und Gas extrem billig sind, der Strom für den Endverbraucher dagegen immer teurer wird. Im Strompreis ist alles gelandet, was zu den Kosten der Energiewende gehört. Es sind abenteuerliche Elemente drin, beispielsweise ein Beitrag zu Versicherungen für Offshore-Windenergieanlagen. Was bitte haben wir damit zu tun? Von den etwa zehn Elementen, die den Strompreis für den Endverbraucher ausmachen, müsste man aber doch einige zugunsten der Wärmepumpe streichen können. P. Waning: Das war schon immer unsere Forderung. Aus den Ausführungen des Staatssekretärs vom Bundeswirtschaftsministerium, Herrn Baake, habe ich mitgenommen, dass man sich des Problems in der Politik bewusst ist. Ferner weiß man dort sehr wohl, dass wir den Wandel im Wärmemarkt nicht hinbekommen, wenn man die Lasten der Energiewende nicht anders verteilt. Auch Gas und Öl müssen einen Teil der Lasten tragen. Ich glaube zwar nicht, dass uns kurzfristig ein Befreiungsschlag gelingt, aber ich nehme an, dass das Thema in der nächsten Legislaturperiode neu aufgestellt wird. M. Koch: Insbesondere die EEG-Umlage und die Stromsteuer verteuern den Energieträger Strom gegenüber fossilen Heizenergieträgern, die einer weit geringeren Belastung unterliegen und nicht vom Emissionshandel beispielsweise erfasst sind. In der Konsequenz führt dies dazu, dass sogar effiziente Wärmepumpen, die weit weniger Primärenergieverbrauch und Treibhausgase verursachen als ein entsprechendes konventionelles System, verglichen mit diesem, höhere Betriebskosten aufweisen. Insbesondere im Gebäudebestand, wo Investoren mangels ordnungsrechtlicher Vorgaben hauptsächlich nach ökonomischen Gesichtspunkten entscheiden, belastet diese Ungleichbehandlung die Wärmepumpe erheblich und steht so einer Steigerung der Nutzung Erneuerbarer Wärme entgegen. Wenn die Politik mitspielt, was Sie ja mehr oder weniger annehmen, dann bekommt die Wärmepumpe eine einzigartige Stellung zwischen Strom- und Wärmemarkt. Das muss sich dann ja auch nutzen lassen. P. Waning: Diese Chance müssen wir unbedingt nutzen. Wir kriegen sonst das CO2 Thema nicht in den Griff. Und wenn wir die Wärmepumpe nicht in großem Maße als Mittler einschalten, kriegen wir auch die Verwendung des überschüssigen regenerativen Stroms nicht in den Griff. Mit Blick auf den Wärmemarkt sind wir tatsächlich eine Schlüsseltechnologie. Lesen Sie dazu auch den Beitrag von W. Wilming mit dem Thema „Passiv und aktiv kühlen mit Wärmepumpen“ ab S. 253. Dipl.-Ing. Paul Waning (links) und Michael Koch (rechts) im Gespräch mit ep-Autor Wilhelm Wilming Quelle: Bundesverband Wärmepumpe e.V. (BWP)
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- W. Wilming
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