Elektrotechnik
Museum "Strom und Leben" in Recklinghausen
ep1/2006, 1 Seite
Museum zum Anfassen Das Museum wurde im Jahre 2000 eröffnet und ist Ankerpunkt der Route „Industriekultur“. Es besitzt 2 000 m2 Ausstellungsfläche und zeichnet sich durch seine dichten Inszenierungen aus. Sie ermöglichen dem Besucher ein Eintauchen in die Vergangenheit, ohne diese nostalgisch zu verklären. Vitrinen sucht man hier meist vergeblich. An vielen Stationen der Ausstellung ist das Anfassen und Ausprobieren der Ausstellungsstücke ausdrücklich erlaubt. Spielerische Experimente machen mit den grundlegenden Eigenschaften der Elektrizität vertraut. Für Schulklassen bietet das Museum altersgerechte Führungen und Schulprogramme an. In der „Elektrowerkstatt“ können die Kinder und Jugendlichen selbstständig elektrische Geräte wie Elektromagneten und Telegrafen bauen. Größtes Ausstellungsobjekt ist das Umspannwerk selbst, das 1928 von der damaligen VEW errichtet wurde. Das Äußere des Gebäudes, aber auch erhaltene Teile der ursprünglichen technischen Ausstattung stehen unter Denkmalschutz (Bild ). In der Anlage wird auch heute noch Strom umgespannt. Der Altbau ist vom Museumsneubau aus zugänglich, wodurch die Entwicklung der Technik zur Elektrizitätsverteilung direkt erlebt werden kann. Dem Museum angeschlossen ist eine umfangreiche Bibliothek zur Geschichte der Elektrotechnik mit über 30000 Bänden sowie das Archiv der RWE Net AG, dem Träger des Hauses. Geschichte der Stromerzeugung Um die Wende zum 20. Jahrhundert waren es meist Dampfmaschinen, die über schwere Lederriemen Generatoren in Kraftwerken und Fabriken antrieben - ein aufwändiges und verlustreiches Verfahren. Auch die in der Ausstellung gezeigte Dampfmaschine diente einst der Stromerzeugung in einem Industriebetrieb. Die technische Entwicklung zu einer effektiveren Energieumwandlung lässt sich an einer Dampfturbine aus den dreißiger Jahren erkennen (Bild ). Schließlich verweist eine Wasserturbine aus der Nachkriegszeit darauf, dass die Nutzung erneuerbarer Energien nicht nur eine große Zukunft, sondern auch eine Vergangenheit hat. Wandel im Stadtbild Verlässt der Besucher die Kraftstation, findet er sich in einer nachgestellten Straßenszene der dreißiger Jahre wieder. Im Mittelpunkt der Inszenierung steht eine Straßenbahn aus dem Jahre 1916 (Bild ). Erst die „Elektrische“, wie die Straßenbahn allgemein genannt wurde, machte Massenmobilität in den Großstädten zu Beginn des 20. Jahrhunderts möglich. Daneben verdeutlichen ein Elektrogeschäft mit Leuchtreklame und die elektrische Straßenbeleuchtung, wie sehr sich das Erscheinungsbild unserer Städte geändert hat. Nutzung in der Arbeitswelt Die Stromnutzung im Arbeitsleben wird anhand mehrerer Beispiele dargestellt. Ein Webstuhl mit Elektroantrieb und mehrere Elektromotoren älterer Bauart stehen für die Nutzung der Elektrizität in der Industrie. Natürlich darf im Ruhrgebiet ein Hinweis auf den Bergbau nicht fehlen. Markantestes Exponat hierzu ist eine elektrische Grubenlok. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hielt die Elektrizität im Büro Einzug. Auf einem überdimensionalen Schreibtisch finden sich frühe Telegrafen und Telefone ebenso wie elektrische Schreib- und Rechenmaschinen, Diktier- und Faxgeräte, Kopierer und Computer. Eine ländliche Szene und ein Handwerksbetrieb mit funktionsfähiger Transmission, ein Röntgenlabor und ein nachgestellter Friseursalon mit zum Teil grotesk anmutenden Trockenhauben und Lockenbrennern runden den Bereich des Arbeitslebens ab. Stufenweise Verbreitung in den Haushalten Erst spät wurde elektrischer Strom im Haushalt genutzt. Die wenigsten besaßen zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Stromanschluss. Elektrizität war damals Luxus. Anhand mehrerer Zeitabschnitte zeigt die Ausstellung, wie allmählich sämtliche Bereiche des häuslichen Lebens „elektrifiziert“ wurden. Um 1910 verfügten selbst wohlhabende Familien allenfalls über elektrische Beleuchtung und einige wenige Elektrogeräte. Diese waren teuer, aber von herausragender Qualität, wovon sich die Besucher überzeugen können. 25 Jahre später können bereits weite Teile der Bevölkerung einen Rundfunkempfänger ihr Eigen nennen. Außerdem sind Elektroherde und Heizöfen, Staubsauger und verschiedene Kleingeräte schon weit verbreitet. In den fünfziger Jahren kommen Fernsehgeräte, Kühlschränke, Waschmaschinen und vieles mehr hinzu. Die Ausstellung schlägt den Bogen bis in die Gegenwart und den inzwischen vollelektrifizierten Haushalt. Von der Musikbox bis zum Kinderspielzeug Nach so viel Arbeitsleben und Haushalt gestattet die Ausstellung dem Besucher auch eine kleine Flucht aus dem Alltag. Eine Eckkneipe mit Spielgeräten und einer Musikbox aus den fünfziger Jahren sowie einem elektrischen Klavier weckt Erinnerungen an längst vergangene Tage. Im Museumskino gibt es ein Wiedersehen mit dem HB-Männchen, Romy Schneider und Peter Kraus. Bei elektrischem Kinderspielzeug und Objekten aus dem Bereich der Werbung findet der Rundgang durch die Ausstellung ein Ende. A. Zolper Elektropraktiker, Berlin 60 (2006) 1 AUS DER PRAXIS KONTAKT Umspannwerk Recklinghausen. Museum Strom und Leben Uferstr. 2-4 45663 Recklinghausen Telefon: 02361 382216 Internet: www.umspannwerkrecklinghausen.de Öffnungszeiten Museum: Di. - So. 10 bis 17 Uhr Eintritt: Erwachsene: 2 Kinder: 1 Museum „Strom und Leben“ in Recklinghausen Die Welt sähe ganz anders aus, gäbe es nicht jene Kraft, die Elektrizität genannt wird. Ein Leben ohne Strom ist kaum noch vorstellbar. Das „Umspannwerk Recklinghausen. Museum Strom und Leben“ zeigt, wie die Elektrizität den Weg in den Alltag der Menschen fand und ihr Leben damit grundlegend veränderte. Badenia-Patent-Heißdampf-Hochdruck-Lokomobile „Geonia“ von 1928 (in Betrieb bis 1982) Freiluftumspannstation Elektrische Straßenbahn von 1916 Fotos: A. Worgitzki EP0106-52-57 15.12.2005 10:41 Uhr Seite 56
Autor
- A. Zolper
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