Zum Hauptinhalt springen 
Elektrotechnik | Messen und Prüfen

Betriebsmittel als Gerät oder Maschine prüfen

ep3/2010, 2 Seiten

Ich bin in meiner Funktion als Berufsausbilder mit dem Prüfen elektrischer Geräte nach DIN VDE 0701-0702 betraut. Des Weiteren unterweise ich Auszubildende und Mitarbeiter zu dieser Thematik. Bezüglich der folgenden Fragen gibt es in unserem Unternehmen unterschiedliche Ansichten: Was muss nach DIN VDE 0701-0702 geprüft werden? Was gilt als Maschine und wird deswegen bei der Wiederholungsprüfung gemäß der VDE 0113 geprüft, die einen Verweis auf VDE 0105-100 enthält? Speziell geht es um eine Tischbohrmaschine, die fest mit der Werkbank verschraubt ist und über eine CEE-Steckvorrichtung (16 A/400 V) angeschlossen ist. Nach welchen Vorgaben muss bei dieser Bohrmaschine die Wiederholungsprüfung durchgeführt werden? Welches entscheidende charakteristische Merkmal ermöglicht es zu erkennen, ob ein Gerät/eine Maschine einer Wiederholungsprüfung nach DIN VDE 0701-0702 bzw. nach VDE 0113 zu unterziehen ist?


Aufgaben des Prüfers. Auszugehen ist zunächst von den Vorgaben in der Betriebssicherheitsverordnung [1], die besagen, dass ein Arbeitgeber nur Arbeitsmittel bereitstellen darf, bei deren bestimmungsgemäßer Verwendung Sicherheit und Gesundheitsschutz gewährleistet werden. Dabei ist es dann völlig unerheblich, ob diese Arbeitsmittel nun von ihrem Hersteller oder ihrem Betreiber als Gerät, Betriebsmittel, Maschine oder als Sonstiges bezeichnet werden. Bei all diesen elektrischen Arbeitsmitteln:
  • treten schließlich die gleichen elektrischen Gefährdungen auf,
  • gelten die gleichen Sicherheitsmaßstäbe,
  • werden die gleichen Schutzmaßnahmen angewandt.
Es ist somit logisch und selbstverständlich, dass auch die gleichen Prüfverfahren anzuwenden sind. Anders geht das doch gar nicht. Auch die Fachleute der Normenkomitees sind dieser Ansicht. Zudem stehen in allen Prüfnormen im Prinzip die gleichen Prüfvorgaben, nur eben mit anderen, individuellen Formulierungen und manchmal leider auch mit anderen Fachausdrücken. Wenn sich das noch vereinheitlichen ließe, könnten technisch gesehen auch alle hier interessierenden Prüfnormen vereint werden. Wie die jeweiligen Arbeitsmittel zu prüfen sind (Art, Umfang, Termin), um der Betriebssicherheitsverordnungzu genügen, das hat die befähigte Person (verantwortlicher Prüfer, verantwortliche Elektrofachkraft usw.) des Arbeitgebers zu entscheiden. Ihre Aufgabe ist es, das zuvor genannte Schutzziel der Betriebssicherheitsverordnung und entsprechender technischer Regeln durchzusetzen.
Das heißt, sie hat mit der Prüfung der Arbeitsmittel festzustellen und festzulegen, ob
  • die der Sicherheit dienenden Bauteile des Arbeitsmittels (Isolierungen, Befestigung der Abdeckungen, Schutzleiter usw.) einen ordnungsgemäßen Zustand aufweisen,
  • die im Arbeitsmittel enthaltenen Schutzeinrichtungen (z. B. FI-Schutzschalter usw.) bestimmungsgemäß funktionieren und
  • die im Arbeitsmittel angewandten Schutzmaßnahmen (z. B. Kleinspannung, Schutztrennung usw.) wirksam sind.
Selbstverständlich liegt es somit in der Verantwortung des „verantwortlichen Prüfers“, diejenigen Prüfverfahren herauszusuchen und anzuwenden, mit denen dieser Nachweis erbracht werden kann.
Selbstverständlich darf sich der Prüfer von Niemandem vorschreiben lassen, welche Prüfverfahren er anzuwenden hat. Schließlich ist er ja weisungsfrei und hat die Kommandogewalt.
Selbstverständlich muss er alle technischen Regeln der Prüfung (Prüfnormen) kennen und alle Prüfverfahren durchführen können, die in diesen Regeln enthalten sind oder sich in der Praxis als nützlich erwiesen haben. Anders ist es nicht möglich, entsprechend dem Stand der Technik zu prüfen.
Nur wer als „verantwortlicher Prüfer“ diese Anforderungen kennt und erfüllt, kann seine Aufgabe „Sicherheit und Gesundheitsschutz zu gewährleisten“, in vollem Umfang und somit auch „gerichtsfest“ erfüllen.
Er wird sich also aus dem Angebot
  • der für Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte erarbeiteten Norm DIN VDE 0701- 0702 [2],
  • der für Erstprüfung elektrischer Maschinensteuerungen geltenden Norm VDE 0113-1 [3] und
  • den für Erstprüfung/Wiederholungsprüfung elektrischer Anlagen geschaffenen Normen DIN VDE 0100-600 [4] bzw. DIN VDE 0105- 100 [5]
bedienen müssen. Tut er das nicht, verzichtet er z. B. bei der Überprüfung eines Verteilers (Gerät) auf
 • das Prüfen eines in diesem Verteiler enthaltenen FI-Schutzschalters,
 • das Messen der Restspannung und
 • das Bestimmen des Drehfelds,
weil davon ja nichts in der Geräte-Prüfnorm DIN VDE 0701-0702 [2] steht, sondern nur für Anlagen oder Maschinensteuerungen vorgegeben ist – na dann, „gute Nacht“.
Wer heutzutage bei Anlagen oder Maschinensteuerungen auf die Messung des Schutzleiterstroms verzichtet, weil diese ja nur in der Geräteprüfnorm gefordert wird, ist wahrlich kein kompetenter Prüfer. Er hat außerdem noch übersehen, dass in der grundlegenden Norm zu Wiederholungsprüfungen elektrischer Geräte (Betriebsmittel, Baueinheiten usw.) DIN VDE 0701-0702 [2] im Abschnitt 4 klar und deutlich Folgendes vorgegeben wird:
„Durch die unter Abschnitt 5 vorgegebenen Einzelprüfungen ist nachzuweisen ..., dass keine Gefahr für den Benutzer... ausgeht.“
Zudem gilt:
„Von der für die Prüfung verantwortlichen Elektrofachkraft ist zu entscheiden, ob darüber hinaus weitere Einzelprüfungen erforderlich sind, um das Schutzziel zu erreichen.“
Ich hoffe, deutlich gemacht zu haben, dass der mit dem Prüfen Beauftragte nicht fragen sollte:
  • Welche Bezeichnung hat mein Prüfling?
  • Welcher Norm muss ich meinen Prüfling zuordnen?
  • Welche Norm mit ihren Vorgaben ist zu beachten?
Er muss sich vielmehr Folgendes fragen:
  • Welche der mir bekannten und in meinen Prüfunterlagen zusammengefassten Prüfverfahren sollte ich anwenden, um das Ziel meiner Prüfung zu erreichen?
Kategorisierung elektrischer Betriebsmittel. Jeder Prüfer muss zur Kenntnis nehmen, dass es eine klare Konzeption für das Einteilen der elektrischen Produkte und die Kategorien Gerät, Betriebsmittel, Maschinensteuerung, Anlage nicht gibt, nach der
  • die Hersteller und Betreiber ihre eigenen elektrischen Produkte/Arbeitsmittel und
  • die Normensetzer ihre Normen/Vorgaben zu benennen haben. So wurde z. B. in DIN VDE 105-100 [5] verfügt, dass steckbare Betriebsmittel nach DIN VDE 0701-0702 zu prüfen sind, während die Norm ja eigentlich „nur“ für elektrische Geräte gedacht war.
Es ist demzufolge ein Irrweg, wenn Elektrotechniker über diese Bezeichnungen sowie über die formale, wörtliche Bedeutung von Begriffen wie z. B. „handgeführt“, „ortsfest“ und „ortsveränderlich“ diskutieren, um da-aus abzuleiten, welche Prüfverfahren erforderlich sind. Sie haben vielmehr zu klären – und ich betone das nochmals ausdrücklich – welche Schutzmaßnahmen und welche der Sicherheit dienenden Teile an und in einem jeden der zu prüfenden Geräte vorhanden sind sowie auch mit welchen Prüfverfahren sie deren Zustand ermitteln können.
Sich mit diesen Zusammenhängen zu beschäftigen ist zwar sehr interessant und für den Sachverstand förderlich, bringt aber wohl lediglich Informationen darüber, wie schwer oder unmöglich es ist, technische Vorgaben vollkommen eindeutig und sprachlich logisch zu formulieren.
Nun noch die kurz gefasste konkrete Beantwortung der Fragen:
Eine klare, eindeutige Abgrenzung zwischen den Bezeichnungen Gerät, Betriebsmittel und Maschine eines elektrischen Arbeitsmittels gibt es nicht. Dies ist hinsichtlich einer Abgrenzung/ Zuordnung der erforderlichen Prüfverfahren einer Sicherheitsprüfung auch nicht erforderlich/möglich, weil
  • bei allen das gleiche Schutzziel gilt und
  • der Prüfer ohnehin bei jedem Arbeitsmittel auf Besonderheiten, das heißt hier auch auf die Überschneidungen der Definitionen/Aufgaben der Arbeitsmittel zu achten hat.
Prüfen der Tischbohrmaschine. Von einer Tischbohrmaschine – und ebenso von allen anderen gleichartigen Geräten (Schleifgeräte, Kaffeemaschine, Kochplatten usw. ) – gehen die gleichen Gefährdungen aus, wenn sie über einen Stecker oder über feste Anschlüsse mit dem Netz verbunden ist. Demnach müssen in beiden Fällen die gleichen Prüfungen durchgeführt werden (Schutzleiter, Schutzmaßnahme, berührbare Teile usw.).
Im ersten Fall muss zusätzlich auch der Zustand des Steckers berücksichtigt werden. Im zweiten Fall kann der Prüfer entscheiden, ob er die Bohreinrichtung
  • von der Anlage trennt und mit Hilfe eines Adapters nach DIN VDE 0701-0702 [2] oder
  • gemeinsam mit der Anlage nach DIN VDE 0105-100 [5] prüft.
Das von den Normen gesetzte entscheidende Merkmal für die Art der Prüfung von Gerät/Betriebsmittel, Maschine ist, ob
  • dieses Arbeitsmittel ein Teil der Anlage ist und demzufolge die Prüfung nach [5] empfohlen wird oder
  • das betreffende Arbeitsmittel von der Anlage getrennt wurde und demzufolge nur die Prüfung nach DIN VDE 0701-0702 [2] empfohlen werden kann bzw. in Frage kommt.
Das heißt, die Entscheidung liegt bei dem Anfragenden, der als Betreiber der Arbeits - mittel und weisungsfreier Prüfer das Recht dazu hat. Im Abschnitt 4 von [2] wird nochmals ausdrücklich auf diese Möglichkeit hingewiesen. Ein Beitrag in Elektropraktiker-Heft 4/09 [6] beschreibt ausführlich die Vor- und Nachteile der beiden Varianten.

Quellen

Betriebssicherheitsverordnung – BetrSichV vom 27. September 2002.

DIN VDE 0701-0702 VDE 0701-0702):2008-06 Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte – Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte – Allgemeine Anforderungen für die elektrische Sicherheit.

DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2007-06 Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen.

DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2008-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen.

DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100):2006-06 Betrieb von elektrischen Anlagen – Teil 100: Allgemeine Festlegungen.

Bödeker, K.: Prüfen der mit einer Anlage verbundenen Elektrogeräte. Elektropraktiker, Berlin 63 (2009) 4; S. 311–315.


Autor
  • K. Bödeker
Downloads
Sie haben eine Fachfrage?