Stromversorgungen für Ladestationen

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Als Schaltschrankbauer bekommen wir zunehmend Anfragen zum Bau von Stromversorgungen für Ladestationen von Elektrofahrzeugen. Ist es zulässig, mehrere Ladestationen an denselben Stromkreis anzuschließen? Welche Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen und welche LS-MCBs (Charakteristik B oder C; 3- oder 4polig) müssen eingesetzt werden? Gibt es Vorgaben bezüglich des Anschlussquerschnittes?

Die vom Anfragenden aufgeführten Fragestellungen sind größtenteils mit der DIN VDE 0100-722 (VDE 0100-722)[1] zu beantworten.

Für die Beantwortung der Teilfrage zu den Anschlussquerschnitten ist die Normenreihe DIN EN 61439 zur Beurteilung heranzuziehen.

Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen. Für Dreiphasen-Ladepunkte ist eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) Typ B notwendig oder alternativ eine RCD Typ A in Verbindung mit einer geeigneten Einrichtung zur Abschaltung der Versorgung im Fall von Gleichfehlerströmen > 6 mA.

Für einphasige Ladepunkte, soweit diese von dem Dreiphasen-Ladepunkte unabhängig sind, wäre eine RCD-Schutzeinrichtung Typ A ausreichend, da nach DIN EN 50178 (VDE 0160)[2], Abschnitt 5.2.11.2 elektronische Betriebsmittel (EB) für den ortsveränderlichen Anschluss ≤ 4 KVA mit einer RCD-Schutzeinrichtung Typ A verträglich sein müssen.

Zu den einzelnen Fragestellungen:

LS-MCBs. Hierfür existieren keine normativen Vorgaben. Nach den Erfahrungen des Unterzeichners dieser Antwort sind hier in der Regel dreipolige MCBs Charakteristik B ausreichend.

Hinweis. Bei den meisten Ladepunkten sind sowohl die RCD-Schutzeinrichtung und die MCBs bereits in den Ladeeinheiten (Ladesäulen) integriert.

Anschlussquerschnitt. Bezüglich des Anschlussquerschnitts sind die Vorgaben der nachfolgenden Normen aus der Normenreihe DIN EN 61439 einschlägig.

Variante 1. Leiterquerschnitte in dem die Ladeeinheit (Ladesäule) speisenden Verteiler. Normenbezug: DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1)[3], Abschnitt 8.6-8.8 und Abschnitt 10.10 sowie Anhang H.

Variante 2. Leiterquerschnitte in der Ladeeinheit (Ladesäule). Normenbezug: DIN IEC/TS 61439-7 (VDE V 0660-600-7)[4].

Zu beachten. Folgende Sachverhalte sind in beiden Varianten zu beachten:

  • Da alle Anschlusspunkte der Anlage gleichzeitig genutzt werden können, muss der Gleichzeitigkeitsfaktor des Verteilerstromkreises als 1 angenommen werden. Dieser Faktor kann jedoch bei Vorhandensein einer Laststeuerung reduziert werden.

  • Die Umgebungstemperatur zu den elektrischen Leitern ist mit einem Erwärmungsnachweis nach DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1) [3] zu bestimmen.

  • Die Bemessungsströme der Stromkreise der Schaltgerätekombination, die nachgewiesen werden (siehe Abschnitt 10.10.1 von DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1) [3]), dürfen 80 % der konventionellen thermischen Ströme in freier Luft, wenn vorhanden, oder der Bemessungsströme der elektrischen Betriebsmittel im Stromkreis nicht überschreiten.

Alle Leiter müssen einen Mindestquerschnitt entsprechend 125 % des zulässigen Bemessungsstroms des zugehörigen Stromkreises haben.


Literatur:

[1] DIN VDE 0100-722 (VDE 0100-722):2016-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-722: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Stromversorgung von Elektrofahrzeugen.
[2] DIN EN 50178 (VDE 0160):1998-04 Ausrüstung von Starkstromanlagen mit elektronischen Betriebsmitteln.
[3] DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1):2012-06 Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen – Teil 1: Allgemeine Festlegungen.
[4] DIN IEC/TS 61439-7 (VDE V 0660-600-7):2014-10 Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen – Teil 7: Schaltgerätekombinationen für bestimmte Anwendungen wie Marinas, Campingplätze, Marktplätze, Ladestationen für Elektrofahrzeuge.

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