Steckdose für Weihnachtsbeleuchtung

ep/2020/11/ep-2020-11-816-817-00.jpg
ep/2020/11/ep-2020-11-816-817-01.jpg

Diese Leseranfrage und 817 weitere finden Sie in der Elektromeister-App.

pdf Artikel als PDF-Datei herunterladen

?

?In unserer Gemeinde wird die elektrische Versorgung der Weihnachtsbeleuchtung über Steckverbinder in Straßenlaternen hergestellt. Im oberen Bereich des Beleuchtungsmastes ist eine Einbaukupplung angebracht. Hier wird über spezielle Stecker ein Adapter zu Schuko-Kupplungen bzw. Schuko-Mehrfachkupplungen hergestellt. An diese Schukokupplungen werden dann die jeweiligen Beleuchtungselemente (Lichterketten, Netzteile usw.) angesteckt. In der Stromversorgung für die Straßenbeleuchtung ist kein Fehlerstromschutzschalter vorhanden. Es gibt im Übergangskasten jeder Leuchte nur eine Neozed-Sicherung (6 oder 10 A). Ich habe bei dieser Ausführung meine Bedenken. Wie denken Sie darüber? Ist diese Ausführung so zulässig? Meiner Meinung nach sollte die gesamte Beleuchtungsanlage, wenn schon ohne FI, mit Sondersteckvorrichtungen aufgebaut werden, damit man „normale“ Schukostecker hier nicht hineinstecken kann.

!Vorweg. Alle Jahre wieder kommt die Weihnachtszeit und die Kommunen machen sich Gedanken, woher die Steckdosen nehmen, bei der auf Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) verzichtet werden dürfte.

Fakt ist, dass sich bezüglich des zusätzlichen Schutzes von Steckdosen durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA durch DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [1], gegenüber der Ausgabe von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06 [2], einiges geändert hat.

So wurde aus meiner Sicht klargestellt, wann Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA zwingend gefordert sind und unter welcher Voraussetzung darauf verzichtet werden darf.

Derzeitiger Normenstand. Im Abschnitt 411.3.3 von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [1], ist u. a. folgendes festgelegt: „Eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA muss vorgesehen werden für

  • Steckdosen in Endstromkreisen für Wechselstrom (AC) mit einem Bemessungsstrom nicht größer als 32 A, die für die Benutzung durch Laien und zur allgemeinen Verwendung bestimmt sind [...]

Anmerkung. Steckdosen mit einem Bemessungsstrom nicht größer als 32 A können hiervon ausgenommen werden, wenn im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung nach Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) Maßnahmen festgelegt werden, die eine allgemeine Verwendung dieser Steckdosen dauerhaft ausschließen.“

Daraus ergibt sich, dass nicht jede Steckdose durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) geschützt sein muss, sondern nur solche, die zur allgemeinen Verwendung durch Laien vorgesehen sind.

Hinweis. Es kann natürlich hier wieder diskutiert werden, was man „unter allgemeiner Verwendung“ versteht. Es sollte aber klar sein, dass es sich hierbei um Steckdosen handelt, in welche ein elektrotechnischer Laie jederzeit ein elektrisches Betriebsmittel/Verbrauchsmittel einstecken kann, auch wenn er dabei einen anderen Verbraucher entfernen muss. Damit entfällt auch die bisherige Ausnahme auf Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) zu verzichten, wenn die Steckdosen nur für bestimmte Verbraucher vorgesehen waren.

Des Weiteren gilt. Des Weiteren gilt für Steckdosen, die nicht für die allgemeine Verwendung durch Laien vorgesehen sind – was beim Anfragenden zutreffend sein dürfte – dass hierfür die Anmerkung (siehe oben) berücksichtigt werden darf/muss. In solchen Fällen muss durch eine Gefährdungsbeurteilung festgestellt werden, dass eine allgemeine Verwendung durch elektrotechnische Laien ausgeschlossen werden kann. Wie diese Gefährdungsbeurteilung beim Anfragenden ausfällt, kann ich nicht beurteilen. Wenn die Steckdosen oben am Mast errichtet werden, dann dürfte die Gefährdungsbeurteilung in diesem Fall vermutlich positiv ausfallen, d. h. es könnte auf Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA verzichtet werden.

Steckverbinder am Mast. Nicht ganz verstehen kann ich die vorhandene „Steckverbinderkonfiguration“. Man darf sich die Frage stellen, warum nicht gleich Schutzkotaktsteckdosen vorgesehen werden, die ja, unter den oben angeführten Voraussetzungen, auch ohne Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA vorgesehen werden dürften. Die vorhandenen Steckverbinder, die in einem separaten Dokument des Anfragenden aufgeführt sind, scheinen mir für diese Zwecke nicht geeignet zu sein. Selbst der Hersteller sieht bei höheren Spannungen, z. B. bei 230 V, mögliche Gefährdungen bei Verwendung dieser Steckverbinder.

Außerdem gilt, dass der Adapter „Stecker auf Schutzkontaktkupplung“ sicher keiner Norm entspricht, somit dürfte ein solches Betriebsmittel, im Sinne des Arbeitsschutzes nicht verwendet werden. Im Sinne der Niederspannungsrichtlinie dürfte es auch nicht in Verkehr gebracht werden.

Fazit. Je nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung könnte also auf Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) verzichtet werden.

Aus meiner Sicht wäre die Errichtung von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) natürlich zu begrüßen, aber übergeordnete Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) sind sicher keine gute Lösung, da sie ggf. zum Ausfall der Beleuchtung einer ganzen Straße führen könnten. Andererseits würde es vermutlich wirtschaftlich nicht vertretbar sein, für jede Leuchte eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) vorzusehen. Die Lösung, nur für die Steckdosen die Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) vorzusehen, dürfte am notwendigen „Einbauplatz“ scheitern.

Der Anfragende könnten aber seine Gemeinde davon überzeugen, dass an den Masten, an denen eine Schutzkontaktsteckdose für die Weihnachtsbeleuchtung notwendig ist, eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) integriert in einer Auf-Putz-Steckdose vorgesehen wird, was sicher finanziell zu stemmen wäre.


Literatur:

[1] DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag.
[2] DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06 (zurückgezogen) Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag.

Anzeige

Fachartikel zum Thema

  1. Energietechnik

    DIN EN IEC 62282-2-100 2021-04 (VDE 0130-2-100)

    Brennstoffzellentechnologien – Teil 2-100: Brennstoffzellenmodule – Sicherheit

    05/2021 | Elektrosicherheit, Energietechnik/-anwendung, Normen und Vorschriften, Brennstoffzellen

  2. Installationstechnik

    DIN EN IEC 60947-5-2 2021-04 (VDE 0660-208)

    Niederspannungsschaltgeräte – Teil 5-2: Steuergeräte und Schaltelemente – Näherungsschalter

    05/2021 | Elektrosicherheit, Installationstechnik, Normen und Vorschriften, Bewegungs- und Präsenzmelder

  3. Brandschutzingenieurwesen

    E DIN EN IEC 60695-1-12 2021-04 (E VDE 0471-1-12)

    Prüfungen zur Beurteilung der Brandgefahr – Teil 1-12: Anleitung zur Beurteilung der Brandgefahr von elektrotechnischen Erzeugnissen – Brandschutzingenieurwesen

    05/2021 | Elektrosicherheit, Sicherheitstechnik, Aus- und Weiterbildung, Normen und Vorschriften, Brand- und Explosionsschutz, Fachwissen

  4. Licht- und Beleuchtungstechnik

    DIN EN IEC 63103 2021-05 (VDE 0711-501)

    Beleuchtungseinrichtungen – Messung der elektrischen Leistungsaufnahme im nicht-aktiven Betrieb

    05/2021 | Elektrosicherheit, Licht- und Beleuchtungstechnik, Normen und Vorschriften, Messen und Prüfen

  5. Planung, Installation, Schutz

    Explosionsgefährdete Bereiche E DIN EN IEC 60079-14 2021-05 (VDE 0165-1)

    Explosionsgefährdete Bereiche – Teil 14: Projektierung, Auswahl und Errichtung elektrischer Anlagen

    05/2021 | Elektrosicherheit, Sicherheitstechnik, Fachplanung, Normen und Vorschriften, Brand- und Explosionsschutz, Elektroplanung

  6. Planung, Installation, Schutz

    Bahnanwendungen E DIN EN 50122-1 2021-05 (VDE 0115-3)

    Bahnanwendungen – Ortsfeste Anlagen – Elektrische Sicherheit, Erdung und Rückleitung – Teil 1: Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag

    05/2021 | Elektrosicherheit, Normen und Vorschriften, Schutzmaßnahmen

  7. Planung, Installation, Schutz

    Bahnanwendungen E DIN EN 50122-2 2021-05 (VDE 0115-4)

    Bahnanwendungen – Ortsfeste Anlagen – Elektrische Sicherheit, Erdung und Rückleitung – Teil 2: Schutzmaßnahmen gegen Streustromwirkungen durch Gleichstrombahnen Bahnanwendungen – Ortsfeste Anlagen – Elektrische Sicherheit, Erdung und Rückleitung

    05/2021 | Elektrosicherheit, Normen und Vorschriften, Schutzmaßnahmen

  8. Planung, Installation, Schutz

    Bahnanwendungen E DIN EN 50122-3 2021-05 (VDE 0115-5)

    Bahnanwendungen – Ortsfeste Anlagen – Elektrische Sicherheit, Erdung und Rückleitung – Teil 3: Gegenseitige Beeinflussung von Wechselstrom- und Gleichstrombahnen

    05/2021 | Elektrosicherheit, Normen und Vorschriften, Schutzmaßnahmen

  9. Abnahme einer Maschine

    ?Im August 2019 wurden in unserem Unternehmen zwei Werkstoffbearbeitungsmaschinen angeliefert, aufgestellt, angeschlossen und mit der Verkettung verknüpft (drei Anlagen mit Gesamt-CE). Unsere internen Regelwerke fordern bei der Abnahme von Anlagen ein gültiges Erstprüfprotokoll und eine...

    ep 05/2021 | Elektrosicherheit, Messen und Prüfen

  10. Kombination von Personen-, Brand- und Anlagenschutz

    Funktion und Einsatzmöglichkeiten von MRCDs

    Elektrische Anlagen müssen reibungslos funktionieren und immer verfügbar sein. Wichtig dabei ist aber der Schutz gegen den elektrischen Schlag. Im Fehlerfall sorgen Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) durch ein Abschalten innerhalb kürzester Zeit für einen wirksamen Schutz bei indirektem und...

    05/2021 | Elektrosicherheit, Normen und Vorschriften, Schutzmaßnahmen, Messen und Prüfen

Anzeige

Nachrichten zum Thema

Als Alternative zu den aufgrund der Pandemie ausgefallenen Messen und Veranstaltungen, und um den Erfahrungsaustausch zwischen Spezialisten und Praktikern zu erhalten, veranstaltete der ELEKTROPRAKTIKER am 29.04.21 erstmalig den ep-Thementag "Messen...

Weiter lesen

Die Effizienz-Debatte ist „durch“. Nachdem wir es geschafft haben, dass sich nur noch effiziente Leuchtmittel und Beleuchtungstechniken auf dem Markt 
befinden – ob nun durch Mode, auf Grund von EU-Verordnungen oder doch 
tatsächlich aus Vernunft –...

Weiter lesen

Die Serie der allstromsensitiven SensorPRODifferenzstrom-Überwachungsgeräte mit integriertem Messstromwandler bestehen aus zwei Komponenten, die eine funktionale Einheit bilden: einem Wandlermodul und einem Elektronikmodul.

Weiter lesen

Das Instamon Safe Entry misst berührungslos die Körpertemperatur auf der Stirn.

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Elektropraxis Messung des Schutzleiterwiderstands

Im Rahmen der Prüfung des Schutzleiters kommt immer wieder einmal die Frage auf, warum Messgeräte während der Prüfung mit einem Messstrom von mindestens 200 mA arbeiten müssen. Dieser Fachbeitrag taucht ein in die letzten 50 Jahre Elektrotechnik und...

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Schleifenimpedanz bei Maschinen messen

Wie muss eine Wiederholungsprüfung nach DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) zum Nachweis der Abschaltbedingung von Motoren und zur Schutzleiterwiderstandsprüfung durchgeführt werden?

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Fragen zum Messen des Schutzleiterstroms

Die Prüfung einer  Röntgeneinrichtung nach DIN VDE 0701-0702 (VDE 0701-0702) ergab keine Auffälligkeiten. Die Messung des Schutzleiterstromes im direkten Messverfahren ergab 23,31 mA . Bei einer „Nachmessung“ des Produktionsmittels wurde ein...

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Rettungseinsatz an Straßenbeleuchtung

Bei der freiwilligen Feuerwehr eines Ortes ist leider niemand EuP oder EffT, sodass bei Notfällen u. a. die Straßenbeleuchtung weder ein- noch ausgeschaltet werden kann. Was ist zu tun?

Weiter lesen

+++ News +++ Der ep lädt ein ep-Thementag „Messen und Prüfen“

Seit vielen Jahren gehört das ep-Forum zu den Besuchermagneten auf den Fachmessen der E-Branche. Im Rahmen des EP-Forum online laden wir nun zum ep-Thementag „Messen und Prüfen“ ein.

Weiter lesen

Die Begriffe Industrie 4.0 und Industrial Internet of Things (IIoT) sind derzeit in aller Munde. Die Vernetzung von Anlagen und Maschinen sowie die Sammlung von Daten und deren Auswertung sollen Produktionsabläufe optimieren und Ausfallraten senken....

Weiter lesen