Reparatur beschädigter Kabel und Leitungen

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In meinem Kollegenkreis wird immer mal wieder eine Frage heiß diskutiert. Es geht um das sogenannte Flicken von beschädigten Kabeln. Ich höre dann den ökonomischen Aspekt, da gerade Verlängerungsleitungen mit größeren Querschnitten teuer sind und ein paar Hundert Euro kosten können. Dürfen Anschlusskabel oder Verlängerungsleitungen repariert werden?

Zu flexiblen Anschlusskabeln mit Steckern und zu flexiblen Verlängerungsleitungen/Kabelrollen gibt es in den Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) keine Aussagen und damit auch keine Aussagen zu möglichen Reparaturen, da solche Betriebsmittel nicht in den Anwendungsbereich der Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) fallen.

Auch in anderen VDE-Bestimmungen gibt es diesbezüglich keine Festlegungen und auch eine Norm, die ggf. Festlegungen zu Reparatursätzen enthalten würde, gibt es nicht.

In den relevanten Unfallverhütungsvorschriften (z. B. BGI/GUV-I 5090 „Wiederkehrende Prüfungen ortsveränderlicher elektrischer Arbeitsmittel“ [1]) wird immer nur darauf hingewiesen, dass beschädigte Leitungen nicht weiter verwendet werden dürfen. Von einer möglichen/zulässigen Reparatur ist aber keine Rede. Daher ist der Anfragende auch nicht fündig geworden, bezüglich Hinweisen über mögliche Reparaturen beschädigter Leitungen.

Etwas anders sieht die Sache in der fest errichteten elektrischen Anlage aus. Zwar gibt es auch hierzu in den Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) keine Aussagen. Formal geht man davon aus, dass das Kabel/die Leitung ausgewechselt werden muss oder dass das beschädigte Stück herausgeschnitten, in eine Abzweigdose/Verbindungsdose eingeführt und dort mit Klemmen wieder verbunden wird. Hierfür werden aber in den meisten Fällen zwei Abzweigdosen/Verbindungsdosen erforderlich sein. Auch Verbindungsmuffen lassen sich verwenden.

Für Verbindungsmuffen gibt es verschiedene Hersteller. Nach deren Firmenaussagen dürfen Warmschrumpf-Verbindungsmuffen für solche Reparaturen verwendet werden. Aus den Katalogen der Hersteller lässt sich aber aus meiner Sicht nur ableiten, dass diese Warmschrumpf-Verbindungsmuffen nur bei fester Verlegung von Kabeln und Leitungen angewendet werden dürfen. Die Verwendung für nicht festverlegte Leitungen müsste ggf. beim Hersteller erfragt werden.

Ich persönlich hätte aber große Bedenken, bei Verlängerungsleitungen und flexiblen Anschlussleitungen eine solche „Reparatur“ über solche Materialien herzustellen. Verlängerungsleitungen mit größeren Querschnitten – wie der Anfragende anführt – werden immer im gewerblichen Bereich zum Einsatz kommen. In solchen Bereichen muss die erhöhte mechanische Beanspruchung berücksichtigt werden. Eine Warmschrumpf-Verbindungsmuffe kann aus meiner Sicht nicht die gleichen mechanischen Eigenschaften aufweisen – auch wenn von den Herstellern so propagiert –, wie eine Leitung H07RN-F. Ob ein „Schrumpfschlauch“ eine adäquate Zugentlastung erfüllen kann, kann ich nicht beantworten. Außerdem dürfte durch diese Art von Muffen die Flexibilität der Leitung leiden, sodass es an diesen Stellen zu weiteren Beschädigungen kommen kann. Ganz bestimmt aber ist die Verwendung von Isolierband als Reparaturmaßnahme hierfür nicht geeignet. Ein Isolierband könnte allenfalls eine kurzfristige Übergangslösung darstellen, um einen Arbeitsgang zu Ende zu führen.

Fazit.Auch wenn sich in manchen Fällen ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden durch das Ersetzen einer beschädigten Leitung ergeben kann, sollten beschädigte Leitungen immer ausgewechselt werden. Gegebenenfalls können aus den beiden Teilen, die sich beim Abschneiden ergeben, „kürzere“ Verlängerungen hergestellt werden.

Eine Rückfrage bei den Herstellern kann sicher Aufschluss geben, dann liegt die Sache in seiner Verantwortung.


Literatur:

[1] BGI/GUV-I 5090 Information – Wiederkehrende Prüfungen ortsveränderlicher elektrischer Arbeitsmittel – Fachwissen für den Prüfer, Ausgabe Februar 2014.

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