Querschnittsverjüngung in einem Schaltschrank

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Für die Versorgung einer CEE-Steckdose (400 V/16 A) wurde eine Leitung NYM-J 5 × 4 mm2 verlegt. Ist es im Schaltschrank zulässig, von der Reihenklemme zur Überstromschutzeinrichtung eine flexible Einzelader mit einem Querschnitt 2,5 mm2 zu verwenden? Die Leitungslänge im Schaltschrank beträgt weniger als 3 m.

Der Anfragende wird sicher seine Gründe haben, für die Zuleitung zur Steckdose, abgesichert mit 16 A, einen Querschnitt von 4 mm2 vorzusehen. Vermutlich handelt es sich um eine „sehr“ lange Zuleitung.

Die Frage des Anfragenden ist für mich nicht eindeutig. Ich vermute der Anfragende meint: Ob von der Reihenklemme zur Überstromschutzeinrichtung eine flexible Einzelader von 2,5 mm2 Querschnitt verwendet werden darf, welche im Schaltschrank vom Leitungsschutzschalter bis zur Abgangsklemme angeschlossen ist, wobei an der Abgangsseite der Klemme die Leitung mit 4 mm2 zur Steckdose angeschlossen ist.

Normalerweise kann ein Querschnitt von 2,5 mm2 mit einem Leitungsschutzschalter C 16 A im Schaltschrank, aufgrund der „kleinen Längen“, bei Kurzschluss (nur bei Kurzschluss) geschützt werden. Aus Gründen des Schutzes bei Überlast kann ein größerer Querschnitt im Schaltschrank notwendig sein. Das wäre der Fall, wenn im Schaltschrank die maximal zulässige Luftumgebungstemperatur um die Leitung von 55 °C auftreten kann. Siehe hierzu auch Tabelle 1 des informativen Anhangs H in DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1) [1].

Hinweis. Eine Luftumgebungstemperatur von 55 °C um die Leitungen innerhalb des Schaltschrankes gilt als normal vereinbart. In der Praxis kann aber die Temperatur eingesetzt werden, die sich aus der Erwärmungsberechnung ergibt. Eine niedrigere Temperatur kann sich z. B. ergeben, wenn im Schaltschrank Lüfter eingebaut sind oder Kühlgeräte zur Anwendung kommen.

Bezogen auf diesen konkreten Anwendungsfall gilt, dass der Anfragende dieses Stück „reduzierter Querschnitt“ in die Leitungsberechnung, sowohl bezüglich Schutzes bei Kurzschluss als auch bezüglich des Fehlerschutzes (Schutz bei indirektem Berühren) mit einbeziehen muss. Ich gehe aber davon aus, dass es diesbezüglich keine Probleme geben dürfte, d. h. dieses Stück Leitung im Schaltschrank könnte durch den Leitungsschutzschalter C 16 A bei Kurzschluss geschützt werden. Und auch der Fehlerschutz dürfte erfüllbar sein, da ja schon seit 2007-06 alle Steckdosen bis 20 A im Innenbereich von Gebäuden, nach DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06 [2], durch einen zusätzlichen Schutz mit Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) geschützt sein müssen.

Hinweis: DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06 [2] wurde durch DIN VDE 0100-410 (VDE0100-410):2018-10 [3] ersetzt. Somit gilt, dass nun für Steckdosen bis 32 A, der zusätzliche Schutz durch RCDs mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA gefordert wird. Für die zwingende Anwendung der DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 gilt jedoch eine Übergangsfrist bis 07.07.2020.

Fazit. Meine Antwort mag bei manchen auf etwas Unverständnis stoßen, insbesondere bezüglich der Strombelastbarkeit im Schaltschrank, da die meisten bedenkenlos den Querschnitt von 2,5 mm2 mit einem Leitungsschutzschalter von 16 A schützen würden. Aber im Schaltschrank sind die Verhältnisse, aufgrund der höheren Schrank-Innen-Temperaturen etwas anders als in der Gebäudeinstallation.

Sollte es sich bei den Berechnungen des Anfragenden herausstellen, dass der Querschnitt im Schaltschrank aufgrund der Leitungslänge außerhalb des Schaltschrankes und der daraus sich ergebenden Schleifenimpedanz bei Kurzschluss nicht geschützt werden kann, dann bliebe noch die Möglichkeit dieses Stück Leitung im Schaltschrank „erd- und kurzschlusssicher“ zu verlegen. Die Strombelastbarkeit, der Spannungsfall und ggf. der Fehlerschutz kann dadurch aber nicht erfüllt werden, wobei der Fehlerschutz durch die sowieso notwendige Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) erfüllt werden kann.


Literatur:

[1] DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1):2012-06 Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen – 
Teil 1: Allgemeine Festlegungen.
[2] DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06 (zurückgezogen) Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag.
[3] DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag.

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