Prüfung elektrischer Betriebsmittel

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Gibt es spezielle Mess- und Prüfgeräte für die Überprüfung eines als Kaffeevollautomaten klassifizierten Gerätes? Genügt es, bei einem Netzteil mit variabler Ausgangsspannung nur Isolationswiderstand und Berührungsstrom einer Schaltstellung zu messen? Wie sind Netzteile mit einem einfachen Kaltgeräteanschluss (z. B. Notebook-Netzteil) aber nicht messbarem Schutzleiter am Sekundär-Ausgang zu behandeln? Werden diese Geräte wie Geräte der Schutzklasse I, oder eher Geräte der Schutzklasse II betrachtet?

Betrachten wir die Aufgabe des Anfragenden als Prüfer im Rahmen der BetrSichV (Betriebssicherheitsverordnung) und/oder der DGUV Vorschrift 3. Demnach sind alle Arbeitsmittel vor der ersten Inbetriebnahme und in bestimmten Zeitabständen auf elektrische Sicherheit zu prüfen.

Dieses wird in der Regel mit handelsüblichen Prüfgeräten durchgeführt. Hier gibt es zahlreiche gute und weniger gute Hersteller auf dem deutschen Markt.

Jetzt ist zu unterscheiden: Wiederholungsprüfung nach obigen Anforderungen oder Service- bzw. Wartung nach Herstellervorgabe.

Wiederholungsprüfungen gemäß BetrSichV oder DGUV Vorschrift 3 werden mit den dafür geeigneten Prüfgeräten durchgeführt. Und zwar so, wie es die DIN VDE 0701-0702 (VDE 0701-0702)[1] mit ihren jeweiligen Prüfpunkten vorsieht. Dabei werden die Prüfergebnisse dokumentiert.

Bei der Wartung oder Reparatur kann es schon anders aussehen. Wenn z. B. ein Teil des druckführenden Systems instandgesetzt wurde, muss dieser Teil auch wieder auf seine Dichtheit geprüft werden. Diese Prüfung kann in der Regel nur von den autorisierten Fachfirmen durchgeführt werden, weil dafür dann eventuell spezielles Equipment benötigt wird.

Bei der Erstprüfung sowie der Wiederholungsprüfung liegt der Fokus der Prüfung bei der elektrischen Sicherheit des Prüflings.

Bei der Erst- oder Wiederholungsprüfung sind gegebenenfalls auch die Bedienungsanleitungen der Hersteller zu berücksichtigen. Hier können Vorgaben zur Prüfung eines Gerätes enthalten sein. Diese sind dann zwingend zu berücksichtigen. Sind Prüfungen vorgesehen, für die der Anfragende keine Prüfmittel hat oder nicht die notwendige Erfahrung, darf er diese Prüfung nicht durchführen.

Um auf den Kern der Frage zu kommen. Es spricht nichts dagegen, handelsübliche Arbeitsmittel oder Geräte usw. mit handelsüblichen Prüfgeräten zu prüfen. Es ist nur darauf zu achten, ob z. B. die Schutzleiterdurchgängigkeit geprüft werden kann, weil zwar ein Schuko-Stecker vorhanden ist aber kein zweiter Messpunkt am Prüfling, oder ob eine Isomessung sinnvoll ist, ohne einen Schaden zu verursachen.

Netzteile mit Schalter für änderbare Sekundärspannung. Aus meiner Sicht reicht es hier nicht, nur einen Spannungsbereich zu prüfen. Diese Netzteile verfügen in der Regel über mechanische Umschalter für die Sekundärspannung, die mit einem Schraubendreher oder Schieber betätigt werden. Wird nur eine Schalterstellung geprüft, kann als Konsequenz nicht ausgeschlossen werden, dass ein mechanischer Defekt des Schalters unentdeckt bleibt, ein defekter Teil eines Trafoabgriffs nicht geprüft und somit die vorgewählte Spannung nicht am Sekundärausgang anliegt.

Bei der Prüfung ist auch nachzuweisen, dass am Sekundärausgang die Spannung anliegt, die mit dem Wahlschalter eingestellt wurde. Wenn der Anfragende sich auf die Prüfung nur einer Schalterstellung beschränkt, handelt es sich hier, aus meiner Sicht, lediglich nur um eine Teilprüfung.

Netzteile mit Schuko-Anschlussleitung. Meist sind diese Netzteile mit einer abnehmbaren Geräteanschlussleitung versehen. Betrachten wir zuerst die Anschlussleitung. Die erhält das volle Prüfprogramm wie auch eine Verlängerungsleitung. Durchgang, Niederohmigkeit des Schutzleiters sowie die Isomessung mit 500 V.

Zu den Begriffen Schutzklassen I (SKI) und Schutzklasse II (SKII): Ich spreche hier lieber von Schutzzielen, da es immer mehr Geräte gibt, die zwar einen Schukosteckeranschluss haben, aber sonst voll isoliert sind.

Der Anfragende darf einen Prüfling der SKI nicht einfach als Prüfling der SKII betrachten. Bei der Messung nach SKII wird bei „Programm-Prüfungen“ kein Schutzleiterstrom geprüft, da ja die SKII von Haus aus keinen Schutzleiter vorsieht.

Wenn der Anfragende jetzt Prüflinge – wie das besagte Netzteil oder manche Kaffeemaschine – hat, die keinen mit der Prüfsonde berührbaren Schutzleiterkontakt haben, wird das Vorhandensein des Schutzleiters über den Ableitstrom nachgewiesen. Den Ableitstrom kann der Anfragende im Differenzstromverfahren oder im direkten Schutzleiterstromverfahren nachweisen. Wobei hier allerdings darauf zu achten ist, dass der Prüfling beim „direkten“ Messverfahren isoliert aufgestellt ist. Fließt im Schutzleiter ein Strom, ist er auch angeschlossen. Bei den meisten Netzteilen wird der Schutzleiter nur für die Entstörfilterbeschaltung benötigt.

Nun zum Sekundärausgang des Netzteils. Hier hängt es ganz davon ab, wie der Kleinspannungsanschlussstecker aufgebaut ist. Kann der Anfragende die elektrischen Kontakte mit der Prüfsonde nicht erreichen, hat es sich mit der elektrischen Prüfung erledigt. Bleibt dann nur noch die Funktionsprüfung.

Bei Kontakten, die mit der Messspitze der Prüfsonde erreicht werden können, müssen dann mindestens die Berührstrommessung und die Sekundärspannungsmessung durchgeführt werden. Die Isomessung kann der Anfragende, wenn er Bedenken wegen der eingebauten Elektronik hat, entfallen lassen. Dieses ist aber, wie bei allen Abweichungen vom normativen Prüfablauf, unbedingt begründet zu dokumentieren.

Die Berührstrommessung und die Differenzstrommessung sind zwei unterschiedliche, voneinander unabhängige Messungen und müssen somit auch unabhängig voneinander angewandt werden.

Der Berührstrom ist der Strom, der über Berührende (Benutzer eines Arbeitsmittels) zur Erde abfließt. Der Differenzstrom fließt z. B. über den Schutzleiter zurück zur Spannungsquelle.


Literatur:

[1] DIN VDE 0701-0702 (VDE 0701-0702):2008-06 Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte – Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte – Allgemeine Anforderungen für die elektrische Sicherheit.

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