Planung von Elektroanlagen

Berechnung der Kurzschlussströme nach dem Knotenpunktverfahren (3)

ep/2017/02/ep-2017-02-102-107-00.jpg
ep/2017/02/ep-2017-02-102-107-01.jpg
ep/2017/02/ep-2017-02-102-107-02.jpg
ep/2017/02/ep-2017-02-102-107-03.jpg
ep/2017/02/ep-2017-02-102-107-04.jpg
ep/2017/02/ep-2017-02-102-107-05.jpg

Weitere Teile dieser Artikelserie: Teil 1, Teil 2, Teil 4, Teil 5

pdf Artikel als PDF-Datei herunterladen

Auch in der nun vorliegenden neuesten Ausgabe von DIN EN 60909-0 (VDE 0102-0) [1] ist das allgemeine, gut handhabbare und kurze Berechnungsverfahren vorgesehen, bei dem an der Fehlerstelle eine Ersatzspannungsquelle eingeführt wird. Mit der Spannung der Ersatzspannungsquelle und der Kurzschlussimpedanz wird der Kurzschlussstrom an der Fehlerstelle berechnet. Für die Kurzschlussberechnung in Maschennetzen ist das Knotenpunktverfahren eine Alternative.

In Strahlen- und Ringnetzen ist die Anwendung dieser Methode nach VDE 0102-0 ohne weiteres sinnvoll, doch für Maschennetze bietet sich aus der Sicht des Autors das mathematisch anspruchsvollere Knotenpunktverfahren an, das mit den zur Verfügung stehenden Rechenmitteln auch praktisch anwendbar ist. Dieser Beitrag soll zeigen, wie mit dem Knotenpunktverfahren [2] ein Maschennetz schnell erfasst und durch einfache Berechnungen der Kurzschlussstrom an der Fehlerstelle und in allen Zweigen des Netzes ermittelt werden kann.

Üblicherweise werden heutzutage die Kurzschlussberechnungen mit professioneller Software durchgeführt, insbesondere für größere Netzwerke, bei denen die Erfassung der einzelnen Impedanzen der Betriebsmittel und die Netzreduktion bis zum Erhalt der Kurzschlussimpedanz zeitraubend ist. Für kleinere Maschennetze, die durch die dezentrale Einspeisung verschiedener Stromquellen eine große Variantenzahl haben, ist eine individuelle Netzerfassung und -berechnung von Vorteil. Besondere Bedingungen wie die Speisespannung, Toleranzen der Bemessungswerte und Leitertemperaturen, die in den angebotenen Berechnungsprogrammen oft unsichtbar bleiben, können besonders berücksichtigt werden.

Neben der in [1] vorgesehenen Methode der Ersatzspannung an der Fehlerstelle schließt die Norm spezielle Berechnungsverfahren nicht aus. Genannt ist das Überlagerungsverfahren, bei dem aber eine zusätzliche Berechnung der Spannungsverhältnisse im Betriebszustand notwendig ist. Eine Alternative bildet das Knotenpunktverfahren, dass die gleichen Ergebnisse liefert, wie das Verfahren mit der Ersatzspannungsquelle. Im informativen Anhang B von [1] wurde die zu diesem Verfahren erforderliche Ermittlung der Knotenimpedanzmatrix neu aufgenommen.

Berechnungsverfahren

Berechnung von Kurzschlussströmen mittels einer Ersatzspannung an der Fehlerstelle nach VDE 0102-0 [1]. In der Norm ist ein allgemeines, gut handhabbares und kurzes Berechnungsverfahren vorgesehen. Mit der Einführung einer Ersatzspannungsquelle an der Fehlerstelle und der Zusammenfassung aller Betriebsmittelimpedanzen zur Kurzschlussimpedanz Zk kann unter Anwendung des Ohmschen Gesetzes und Berücksichtigung des Spannungsfaktors der Kurzschlussstrom berechnet werden. Bei unsymmetrischen Kurzschlüssen bilden neben der Mitimpedanz Z(1)k auch die Gegen- und Nullimpedanz (Z(2)k , Z(0)k) die Kurzschlussimpedanz. Die entsprechenden Formeln sind in der Norm angegeben.

Für Strahlen- und Ringnetze ist die Ermittlung der Kurzschlussimpedanz Zk an der Fehlerstelle durch Handrechnung eine durchaus mit vertretbarem Aufwand geeignete Methode. Aber in Maschennetzen ist oft neben der Zusammenfassung von Reihen- und Parallelwiderständen auch die Umwandlung von Dreieck-Stern-Schaltungen notwendig. Die dann erforderliche Rückrechnung der Zweigströme von der Stern- in die tatsächliche Dreieckschaltung macht diesen Berechnungsgang sehr aufwendig.

Berechnungsweg nach dem Knotenpunktverfahren. Anhand des Maschennetzes nach Bild 1 wird das Knotenpunktverfahren allgemein erläutert. Anstatt mit endlich beliebigen Knotenpunkten ist die Darstellung mit einer konkreten Anzahl von Knotenpunkten verständlicher.

Es sind drei Netzeinspeisungen vorgesehen. Statt einer Netzeinspeisung könnte auch ein dezentraler Generator einspeisen oder ein Motor zum Kurzschlussstrom beitragen. Da hier aber nur die prinzipielle Vorgehensweise bei der Anwendung des Knotenpunktverfahrens vorgesehen ist, kann bei ausschließlicher Netzeinspeisung auf weitere Ausführungen zu den Besonderheiten von Generator-, Motor-, Windkraftwerk- und Photovoltaikanlagen-Impedanzen verzichtet werden.

Ausgangspunkt für das Knotenpunktverfahren ist die gesamte Admittanz- bzw Leitwertmatrix YG, die aus den Admittanzen Yij aller Betriebsmittel bzw. den Zweigen des Netzwerkes entwickelt wird.

Mit den Summen der Admittanzen/Leitwerte zwischen den Knotenpunkten wird die Matrix YG aufgestellt, wobei die Anzahl der Zeilen und der Spalten mit der Anzahl der gewählten Knotenpunkte einschließlich des Bezugs- bzw. Referenzpunktes übereinstimmt.

Zuerst werden alle Knotenpunkte 1, 2 und 3 bezeichnet. Die Zuordnung ist beliebig. Die Zahl 0 (Null) erhält der Bezugspunkt, der alle Netzeinspeisungen bzw. Ersatzspannungsquellen der Netze miteinander verbindet. Ist zur Berechnung unsymmetrischer Kurzschlussströme die Ermittlung der Knotenimpedanzmatrix des Mit-, Gegen-, und Nullsystems erforderlich, wird der Referenzknoten 0 jeweils mit 01, 02 und 00 bezeichnet.

Als Kehrwert der Impedanzen von den Betriebsmitteln bzw. Strecken Zij werden die Admittanzen der Zweige zwischen den Knotenpunkten Yij berechnet:

(1)

Formel

und in die Matrix als Nebendiagonalelemente bzw. Koppeladmittanzen (im Beispiel: Y01, Y02 ...Y32) eingetragen.

Die Hauptdiagonalelemente sind die Eigenadmittanzen Y00, Y11, Y22 und Y33. Sie sind die Summe der negativen Zeilenwerte: Beispielsweise gilt für Y00 = – (Y01 + Y02 + Y03).

(2)

Formel

Da dieses Gleichungssystem überbestimmt ist, kann eine Gleichung für die weiteren Berechnungen gestrichen werden. Eine quadratische Admittanzmatrix erhält man durch Streichung der ersten Zeile und der ersten Spalte.

Von Vorteil ist es, erst einmal die gesamte Admittanzmatrix YG aufzuschreiben, weil die gestrichenen Werte zur Ermittlung der Diagonalelemente herangezogen werden müssen.

(3)

Formel

Im nächsten Schritt wird von der reduzierten Admittanzmatrix Y die inverse Matrix Y –1 gebildet:

(4)

Formel

Es gibt verschiedene Verfahren zur Berechnung der inversen Matrix (nach Gauß-Jordan, nach Cramer). Schneller geht es, die inverse Matrix mit einem wissenschaftlichen Taschenrechner zu ermitteln. Übliche Computerprogramme zur Lösung von mathematischen Aufgaben sind von der Handhabung dafür noch besser geeignet.

Die sich als negativ ergebenden Werte der Selbstimpedanzen Z11, Z22 und Z33 stellen die inneren Impedanzen an den Knotenpunkten dar. Für den dreipoligen Kurzschluss sind es für die jeweiligen Knotenpunkte die Kurzschlussimpedanzen Zk, mit denen der Anfangskurzschlusswechselstrom I"k3 bei Kurzschluss an den Knoten berechnet wird.

Für die Fehlerstelle F1 gilt:

(5)

Formel

Damit mit den üblichen Formeln (ohne Minuszeichen) der Kurzschlussstrom berechnet werden kann, ist es sinnvoll, folgende Beziehung einzuführen:

Zkii = –Zii(6)

Bei einem Kurzschluss an der Fehlerstelle F1 (Knotenpunkt 1) ist dann an dieser Stelle der Kurzschlussstrom:

(7)

Formel

Analog lauten die Formeln, wenn der Kurzschluss an den Fehlerstellen F2 und F3 angenommen wird:

(8)

Formel

(9)

Formel

Zur Ermittlung der Teilkurzschlussströme im gesamten Maschennetz werden die Knotenspannungen U1, U2 und U3 benötigt. Diese erhält man durch Multiplikation der invertierten Admittanzmatrix Y –1 mit der Strommatrix I, die nur den jeweiligen Kurzschlussstrom an der angenommenen Fehlerstelle enthält, im betrachteten Fall Ik3/F1. Die Belastungsströme in den anderen Knotenpunkten werden zu null gesetzt. Für die Berechnung ohne Vorbelastung, wie sie in VDE 0102-0 [1] vorgesehen ist, ist das zulässig.

(10)

Formel

Die Multiplikation der invertierten Admittanzmatrix mit der Strommatrix führt zu negativen Spannungen, weil für den Bezugspunkt 0 das Spannungsniveau 0 V vorausgesetzt wurde. Um die tatsächlichen Spannungen in den Knotenpunkten zu erhalten, werden diese Spannungsunterschiede durch die Nennstrangspannung des Netzes U0 angehoben:

U1 = U0 + Z11IK3/F1

U2 = U0 + Z21IK3/F1(11)

U3 = U0 + Z31IK3/F1

Die Streckenströme zwischen den Knotenpunkten werden mit der Spannungsdifferenz und der jeweiligen Leitungsimpedanz oder wie nachfolgend ausgedrückt mit der Leitungsadmittanz berechnet:

I01 = (U0U1) ∙Y01

I02 = (U0U2) ∙Y02

I03 = (U0U3) ∙Y03(12)

I12 = (U1U2) ∙Y12

I23 = (U2U3) ∙Y23

I31 = (U3U1) ∙Y31

Die Richtigkeit der Höhe und der Richtung der Kurzschlussströme im gesamten Netz kann mit den Kirchhoffschen Gesetzen überprüft werden. Dabei erhält man in Drehstromnetzen mit Phasenverschiebungen zwischen den Spannungen und Strömen nur bei Anwendung der komplexen Rechnung genaue Werte!

Anwendung des 
Knotenpunktverfahrens

Beispiel zur Berechnung von Kurzschlussströmen im Maschennetz. Für die detaillierte Erläuterung des Berechnungsweges wird das Maschennetz mit drei Netzeinspeisungen über Transformatoren und den Leitungsverbindungen nach Bild 2 mit den Betriebsmitteldaten zugrunde gelegt. Die Kabelverbindungen bestehen aus NYY-J 4x240 mm2 mit den angegeben Längen.

Die Knotenpunkte zwischen den drei Leitungsverbindungen sind mit 1, 2 und 3 gekennzeichnet und stellen die Einspeisepunkte Q1, Q2 und Q3 dar.

Es handelt sich um das Beispiel 3.4 aus [4] mit einigen Aktualisierungen, wobei es auf die Berechnung der Kurzschlussströme in den Zweigen erweitert ist.

Es soll der dreipolige Kurzschlussstrom bei einem Fehler im Knotenpunkt 1 erläutert werden, sodass nur die Ermittlung der Kurzschlussimpedanzen im Mitsystem nötig ist. Das Ersatzschaltbild der Impedanzen des Mitsystems mit dem Referenzpunkt 0 ist in Bild 3 dargestellt.

Mit den Netz-, Transformator- und Leitungsdaten nach Bild 2 werden die Impedanzen der Betriebsmittel berechnet. Nach VDE 0102 [1] ist die Berechnung der Netzimpedanz mit dem am Netzanschlusspunkt auftretenden Kurzschlussstrom vorzunehmen. Im vorliegenden Fall sind aber die Netzkurzschlussleistungen Sk bekannt.

(13)

Formel

Auf die Korrektur der Transformatorimpedanz für die Berechnung des größten Kurzschlussstromes nach VDE 0102 [1] wird an dieser Stelle verzichtet. Die Korrektur würde im angenommenen Fall eine größere Transformatorimpedanz ergeben.

(14)

Formel

Die Summe aus Netzimpedanz ZN1 und ZT1 bildet die Impedanz am Anschlusspunkt Q1, der dem Knotenpunkt 1 entspricht:

ZQ1 = ZN1 + ZT1 = 18,416 mΩ(15)

Der gleiche Berechnungsgang führt zu den Impedanzen zwischen dem Bezugspunkt 0 und den Anschlusspunkten Q2 und Q3:

ZN2 = 0,554 mΩ, ZT2 = 11,22 mΩ

ZQ2 = ZN2 + ZT2 = 11,774 mΩ

(16)

ZN3 = 0,388 mΩ, ZT3 = 10,59 mΩ

ZQ3 = ZN3 + ZT3 = 10,978 mΩ

Die bezogene Kabelimpedanz für NYY-J 4x240 mm2 ist nach VDE 0102 Beiblatt 4, Tabelle 12a [4]:

(17)

Formel

Mit der jeweiligen Leitungslänge werden die Leitungsimpedanzen bestimmt:

(18)

Formel

Aufstellen der 
Knotenadmittanzmatrix

Die Nummerierung der Knotenpunkte bzw. Anschlusspunkte wird aus der Darstellung in Bild 3 übernommen. Dabei ist an der gemeinsamen Verbindung zwischen den Speisequellen des Netzwerkes der Bezugspunkt 0.

Mit den Kehrwerten der Impedanzen zwischen den Knotenpunkten werden die Admittanzen ermittelt.

Die Admittanzen Y01, Y02 und Y03 bilden sich aus den Kehrwerten der Summe zwischen dem Bezugspunkt 0 und dem unmittelbar anliegenden Knotenpunkten, im Beispiel nach Bild 3 aus der Summe der jeweiligen Netz- und Transformatorimpedanz:

(19)

Formel

Der Admittanzen Y12, Y23 und Y31 sind die Kehrwerte der Leitungsimpedanzen Z12, Z23 und Z31:

Formel

(20)

Formel

Beachte: Im Gegensatz zu den Spannungen und Strömen, bei denen die Wirkungsrichtung durch die Knotenpunktangabe eindeutig festgelegt ist, sind die Impedanzen bzw. Leitwerte richtungsunabhängig.

Die Admittanzen der Diagonale ist die negative Summe der jeweiligen Zeilenwerte:

Y00 = – (Y01+Y02+Y03)

= – (54,3 + 85,0 + 91,1) S

= – 230,4 S

Y11 = – (Y01+Y12+Y13)

= – (54,3 + 90,909 + 30,303) S

= – 175,51 S

(21)

Y22 = – (Y02+Y21+Y23)

= – (85,0 + 90,909 + 45,454) S

= – 221,36

Y33 = – (Y03+Y31+Y32)

= – (91,1 + 30,303 + 45,454) S

= – 166,86 S

Die vollständige Matrix der Admittanzen mit der Bezeichnung der Knotenpunkte:

(22)

Formel

Die reduzierte Admittanzmatrix zum Berechnungsbeispiel hat nach dem Streichen der ersten Zeile und ersten Spalte folgendes Aussehen:

(23)

Formel

Von dieser Matrix Y wird die inverse Matrix Y –1 bestimmt, die die gesuchte Knotenimpedanzmatrix ist:

(24)

Formel

Die Impedanzen zwischen den Knotenpunkten Z12, Z13 und Z23 sind die gesamten wirksamen Impedanzen in der Schaltung und sollten nicht mit den unmittelbaren Verbindungen zwischen den Knotenpunkten verwechselt werden.

Berechnungen

Dreipolige Kurzschlussströme an der Fehlerstelle:

Mit der Kurzschlussimpedanz Zk11, die nach obiger Definition Zk11 = –Z11 ist, erhält man den Anfangskurzschlusswechselstrom Ik3/F1 an der Fehlerstelle F1:

(25)

Formel

Analog lauten die Formeln, wenn der Kurzschluss an den Fehlerstellen F2 und F3 auftritt:

(26)

Formel

(27)

Formel

Teilkurzschlussströme bei einem dreipoligen Kurzschluss an der Fehlerstelle F1:

Es werden mit dem an der Fehlerstelle berechneten Kurzschlussstrom und den zwischen den Knotenpunkten wirksamen Impedanzen die sich bei Kurzschluss einstellenden Spannungen in den Knotenpunkten ermittelt:

Daraus erhält man die einfachen Formeln zur Berechnung der Knotenspannungen bei einem Kurzschluss im Knoten- bzw. Kurzschlusspunkt F1:

U1 = U0 + Z11Ik3/F1

= 254,034 V – 8,13 mΩ∙ 31,244 kA

= 0 V

U2 = U0 + Z21Ik3/F1(28)

= 254,034 V – 3,68 mΩ∙ 31,244 kA

= 133,43 V

U3 = U0 + Z31Ik3/F1

= 254,034 V – 2,52 mΩ∙ 31,244 kA

= 175,3 V

Mit der Differenz der Knotenspannungen und der Impedanz bzw. der Admittanzen zwischen den Knotenpunkten wird der Kurzschlussstreckenstrom richtungsgerecht berechnet.

Dazu werden die Admittanzen der Betriebsmittel (nicht aus der Knotenadmittanzmatrix!) eingesetzt:

I01 = (U0U1) ∙Y01

= (254,034 – 0) V ∙ 54,315 S

= 13,798 kA

I02 = (U0U2) ∙Y02

= (254,034 – 133,43) V ∙ 85,085 S

= 10,262 kA

I03 = (U0U3) ∙Y03

= (254,034 – 175,3) V ∙ 91,141 S

= 7,176 kA

(29)

I12 = (U1U2) ∙Y12

= (0 – 133,43) V ∙ 90,909 S

= –12,13 kA

I23 = (U2U3) ∙Y23

= (133,43 – 175,3) V ∙ 45,454 S

= –1,903 kA

I31 = (U3U1) ∙Y31

= (175,3 – 0) V ∙ 30,303 S

= 5,312 kA

Negative berechnete Kurzschlussströme fließen in entgegengesetzter Richtung; beispielsweise fließt der Kurzschlussstrom I23 tatsächlich von Punkt 3 nach Punkt 2.

Die Stromverteilung bei Kurzschluss in F1 ist in Bild 4 dargestellt, wobei der Kurzschlussstrom an der Fehlerstelle Ik3/F1 die Summe aller auf die Stromschiene zufließenden Kurzschlussstreckenströme ist und die Stromschiene belastet.

Die Ergebnisse können mit den Kirchhoffschen Gesetzen überprüft werden.

Der Knotenpunktsatz lautet: Alle zu- und abfließenden Ströme an einem Knotenpunkt sind in der Summe gleich Null!

Angewandt auf den Knotenpunkt 1:

I01 + I21 + I31Ik3 = 0 A

(30)

13,8 kA + 12,1 kA +

5,3 kA − 31,2 kA = 0 A

Der gesamte Kurzschlussstrom Ik3 wird als vom Knotenpunkt 1 bis zum am Ende der Stromschiene liegenden Fehlerstelle F1 als abfließender Strom betrachtet.

Der Maschensatz besagt: In einem geschlossenem Umlauf eines Netzwerkes ist die Summe aller Spannungen über den Zweigen gleich Null! Der Umlauf in Uhrzeigerrichtung in der Dreieckschaltung mit den Knotenpunkten 1, 2 und 3:

U12 + U23 + U31 =

I12Z12 + I23Z23+ I31Z31= 0 V

(31)

–12,1 kA ∙ 0,011 Ω −

1,9 kA ∙ 0,022 Ω +

5,3 kA ∙ 0,033 Ω = 0 V

Unterbrechung 
eines Zweiges

Während des Netzbetriebes ist es möglich, dass Einspeisungen ausfallen oder Leitungen unterbrochen sind. Nachfolgend soll untersucht werden, welche Kurzschlussstromverteilung sich bei einem Kurzschluss im Punkt 1 und bei unterbrochener Leitung L12 ergibt (Bild 5).

Wenn die Leitung L12 unterbrochen ist, ist die Impedanz zwischen den Punkten 1 und 2 unendlich groß und der Kehrwert als Admittanz Y = 0 S. Deshalb enthält die Admittanzmatrix für die Verbindung L12 bzw. L21 den Wert null. Die Diagonalwerte müssen deshalb entsprechend angepasst werden.

(32)

Formel

Die invertierte, reduzierte Matrix als Knotenimpedanzmatrix hat folgende Werte:

(33)

Formel

Der Kurzschlussstrom an der Fehlerstelle F1 beträgt Ik3/F1 = 19,95 kA. Für diesen Fehlerfall betragen die Knotenspannungen U0 = 0 V, U2 = 236,26 V und U3 = 203,06 V. Mit den Knotenspannungen werden die Spannungen zwischen den Knoten ermittelt:

U01 = 254,03 V

U02 = 17,77 V

U03 = 50,98 V (34)

U12 = 236,26 V

U23 = 33,21 V

U31 = 203,06 V

und durch Multiplikation mit den entsprechenden Admittanzen die Ströme in den einzelnen Zweigen berechnet, wie in Bild 6 ausgewiesen.

Zusammenfassung

Vorgestellt und demonstriert wurde das Knotenpunktverfahren als Alternative zur Kurzschlussstromberechnung nach der Methode mit einer Ersatzspannungsquelle. Insbesondere hebt der etwas größere Aufwand zur Ermittlung der Kurzschlussimpedanzen in Form der Knotenimpedanzmatrix die Möglichkeiten der Berechnung der Kurzschlussströme an allen definierten Knotenpunkten und die dann einfache Berechnung aller Streckenströme während des Fehlers auf.

Dieses Verfahren ist anwendbar für endlich viele Knotenpunkte, alle Netzarten sowie Spannungsebenen!

Für die Berechnung symmetrischer Kurzschlussströme ist nur die Knotenimpedanzmatrix des Mitsystems nötig. Für unsymmetrische Kurzschlussströme mit Erdberührung ist neben der Gegenimpedanz, die in der Regel gleich der Mitimpedanz ist, die Knotenimpedanz des Nullsystems erforderlich. Sie wird nach dem gleichen Schema wie für das Mitsystem gebildet, allerdings unter Beachtung der Besonderheiten zur Ausbildung des Nullsystems.

Literatur


Bilder:


(1) Maschennetz mit drei Einspeisungen

(2) Beispiel-Maschennetz mit drei Netzeinspeisungen [4, Beispiel 3.4]

(3) Impedanzersatzschaltbild mit dem angenommenen Kurzschluss im Knotenpunkt 1 bzw. Anschlusspunkt Q₁

(4) Berechnete Kurzschlussstromverteilung im vorgegebenen Maschennetz

(5) Schaltbild bei Unterbrechung durch den Schalter in der Leitung L₁₂

(6) Kurzschlussstromverteilung bei Kurzschluss in F1 und offenem Schalter in Leitung L₁/L₂

Literatur:

[1] DIN EN 60 909-0 (VDE 0102):2016-12 Kurzschlussströme in Drehstromnetzen. Teil 0: Berechnung der Ströme.
[2] Schultheiß, F.; Weßnig, K.-D.: Berechnung elektrischer Energieversorgungsnetze. Band II: Übertragungsberechnung. VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie Leipzig, 1979.
[3] Kny, K.-H: Schutz bei Kurzschluss in elektrischen Anlagen. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Berlin: HUSS-MEDIEN GmbH 2010.
[4] DIN EN 60909-0 Beiblatt 4 (VDE 0102 Beiblatt 4):2009-08 Kurzschlussströme in Drehstromnetzen. Daten elektrischer Betriebsmittel für die Berechnung von Kurzschlussströmen.n

Anzeige

Fachartikel zum Thema

  1. Aus dem Unfallgeschehen

    Körperdurchströmung beim Tausch einer Schalter-/Steckdosenkombination

    Arbeitsauftrag. Ein Elektrounternehmen hatte den Auftrag, in einem Einfamilienhaus kleinere Reparaturarbeiten vorzunehmen. U. a. sollte in der Waschküche eine beschädigte Schalter-/Steckdosenkombination ausgetauscht werden. Die Firma schickte zur Erledigung des Auftrags einen Elektrogesellen und...

    05/2018 | Betriebsführung, Elektrosicherheit, Arbeitssicherheit, Normen und Vorschriften, Schutzmaßnahmen, Recht

  2. Rechtssichere Dokumentation elektrischer Anlagen

    Revisionsunterlagen bei der Abnahme an den Betreiber übergeben

    Lückenlose Dokumentation elektrischer Anlagen schafft Rechtssicherheit für 
den Betreiber. Daher ist es wichtig, nach dem Errichten elektrischer Anlagen 
den Ist-Zustand zu dokumentieren, die Revisionspläne zu erstellen und bei der Abnahme dem Auftraggeber auszuhändigen. ...

    05/2018 | Elektrosicherheit, Fortbildung, Messen und Prüfen, Normen und Vorschriften

  3. Maschinenprüfstand mit Trenntransformator

    In unserer Firma gibt es immer häufiger Prüfstände mit Motoren, die über Frequenzumrichter betrieben werden. Da so jedoch Ableitströme entstehen, die zum Auslösen der FI-Schutzschalter (30 mA, Typ A) führen, haben wir uns zum Einbau eines Trenntrafos entschlossen. Wir wollen so dem Betreiber der...

    ep 05/2018 | Maschinen- und Anlagentechnik, Elektrosicherheit, Motoren und Antriebe, Schutzmaßnahmen

  4. Metallsäule mit eingebautem Taster

    Zum Öffnen einer Automatiktür wurde im Außenbereich eine Metallsäule mit Taster erneuert. Muss diese Säule mit einem Schutzleiter verbunden werden? Die gemessene Spannung zwischen Hin- und Rückleitung beträgt DC 8 V und die Spannung zwischen Zuleitung und Schutzleiter einer Steckdose ca. 5 V. ...

    ep 05/2018 | Elektrosicherheit, Schutzmaßnahmen

  5. Umfang der Isolationsmessung

    Ist bei einem Kaltgerätekabel, einer Verlängerungsleitung ohne berührbare leitfähige Teile eine Isolationsmessung zwischen den aktiven Leitern und dem Schutzleiter erforderlich? Wie sieht es bei Steckdosenleisten aus? Oder bezieht sich die Isolationsmessung wirklich nur auf aktive Teile und...

    ep 05/2018 | Elektrosicherheit, Messen und Prüfen

  6. Anschlussleitungen von Akkuladegeräten

    Bei der Geräteprüfung für ein Trockenbauunternehmen ist mir aufgefallen, dass sämtliche Ladegeräte für Werkzeuge wie Trockenbauschrauber, Bohrschrauber oder Winkelschleifer mit einer Anschlussleitung vom Typ H03 VV-F 2 ∙ 0,75 ausgestattet sind. Das ist für mich unverständlich, sind doch auch die...

    ep 05/2018 | Elektrosicherheit, Schutzmaßnahmen, Messen und Prüfen

  7. Planungsgrundlagen

    DIN 18012 2018-04

    Anschlusseinrichtungen für Gebäude – Allgemeine Planungsgrundlagen

    05/2018 | Elektrosicherheit, Fachplanung, Installationstechnik, Energietechnik, Normen und Vorschriften, Hausanschluss und Zählerplatz, Energieverteilung

  8. Explosionsschutz

    DIN EN 60079-13 2018-04 (VDE 0170-313)

    Explosionsgefährdete Bereiche – Teil 13: Schutz von Einrichtungen durch einen überdruckgekapselten Raum „p“ und einen fremdbelüfteten Raum „v“

    05/2018 | Elektrosicherheit, Sicherheitstechnik, Normen und Vorschriften, Brand- und Explosionsschutz

  9. Lichtwellenleitertechnik

    DIN EN 61280-4-4 2018-05 (VDE 0888-440)

    Prüfverfahren für Lichtwellenleiter-Kommunikationsuntersysteme – Teil 4-4: Kabelnetze und Übertragungsstrecken – Messung der Polarisationsmodendispersion von installierten Übertragungsstrecken

    05/2018 | Elektrosicherheit, Informations-/Kommunikationstechnik, Normen und Vorschriften, Messen und Prüfen, Telekommunikation, Netzwerktechnik, Internet/Multimedia

  10. EMV

    DIN EN 61000-4-31 2018-04 (VDE 0847-4-31)

    Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) –Teil 4-31: Prüf- und Messverfahren – Prüfung der Störfestigkeit gegen leitungsgeführte breitbandige Störgrößen an Wechselstrom-Netzanschlüssen

    05/2018 | Elektrosicherheit, Energietechnik, Normen und Vorschriften, Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV), Energieverteilung, Messen und Prüfen

Anzeige

Nachrichten zum Thema

Mini-Photovoltaik-Anlagen für Balkone Stecker rein und Sonnenstrom ernten

Balkonmodule dürfen künftig fest oder über spezielle Energiesteckvorrichtungen unter Berücksichtigung der Anforderungen nach DIN VDE 0100-551 und DIN VDE V 0100-551-1 an den Endstromkreis angeschlossen werden.

Weiter lesen

Vorfahrt für Elektroautos – grün, kostengünstig und bequem lautet das erklärte Ziel der Bundesregierung als Beitrag zum Klimaschutz. Doch für die Herstellung emissionsfreier Fahrzeuge werden schmutzige Wege beschritten.

Weiter lesen

Leider führt menschliches Versagen häufig zu Unfällen. Im Elektrobereich besteht dabei oft die Gefahr eines Stromschlages, z. B. wenn man sich in ein unter Spannung stehendes Gebiet begibt.

Weiter lesen

Normen und Vorschriften Anwendungsbereich von DIN 18015-3

Wir klären die Frage, ob es spezielle Normen für die Installation von elektrischen Anlagen in gewerblich genutzten Gebäuden gibt.

Weiter lesen

Wenn die Temperaturen steigen, stellt sich für wasserbegeisterte Swimmingpool-Besitzer die Frage nach der Erdung des Beckens. Unser Autor F. Ziegler beantwortet diese Frage detailliert.

Weiter lesen

Seit Bekanntwerden, dass Energieriese Eon die grüne RWE-Tochter Innogy übernehmen soll (ep berichtete), laufen der börsennotierten RWE-Tochter die Kunden davon.

Weiter lesen

Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften Körperdurchströmung bei der Montage einer Leuchte

Durch fehlende oder falsche Informationen kann es innerhalb eines Teams zu Unfällen kommen. In diesem Fall wurden keine Infos über den Schaltzustand der elektrischen Anlage eingeholt. Letztlich führte u. a. das Nichtbeachten der fünf...

Weiter lesen

Normen und Vorschriften Normen für die Sicherheitstechnik

Ein Schwerpunktthema im nächsten ep 06/2018 ist die Sicherheitstechnik. Im letzten Jahr wurden in Bereichen wie Brandmeldeanlagen, Brandwarnanlagen Notfall- und Gefahren-Systeme sowie Rufanlagen in Krankenhäusern die entsprechenden Normen...

Weiter lesen

Fachbegriffe aus der Elektrotechnik erklärt Was versteht man unter Körperimpedanz?

Wenn man schwitzt, verringert sich der Hautwiderstand, da Feuchtigkeit den Strom besser leitet. Gemessen werden kann der Hautwiderstand mittels Elektroden. Zur Anwendung kommen solche Messungen u. a. in den Bereichen Lügendetektoren und...

Weiter lesen

Am 26. April 1986 ereignete sich die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. In Block 4 des Kernkraftwerks nahe der ukrainischen Stadt Prypjat explodierte der Reaktor nach einem unkontrollierten Leistungsanstieg.

Weiter lesen