Kennzeichnung der Sicherheitsbeleuchtung

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?Wie müssen Leuchten der Sicherheitsbeleuchtungsanlage (Notbeleuchtung, Rettungsleuchten) gekennzeichnet werden?

!Laut der DIN EN 1838 [1] ist der Begriff „Notbeleuchtung“ ein Sammelbegriff. Zur Notbeleuchtung zählen u. a. sowohl die Sicherheitsbeleuchtung für Rettungswege, als auch die Sicherheitsbeleuchtung für Sicherheitszeichen. Ein Sicherheitszeichen stellt durch ein graphisches Symbol eine Sicherheitsinformation dar. Zu diesen Sicherheitszeichen gehören auch die Rettungswegkennzeichen mit Richtungsangaben (Rettungswegpiktogramme).

Zur Beantwortung der Leserfragen ist ein Streifzug durch die Normen der letzten 30 Jahre sinnvoll. Dieser Streifzug zeigt auch deutlich den Wandel der Normen im Zuge der Zeit.

Die aktuelle Anforderung nach einer Kennzeichnung von Leuchten für die Notbeleuchtung findet sich in der aktuell gültigen DIN VDE 0100-560 (VDE 0100-560) [2] im Absatz 5.9.15 aus dem Jahr 2013. Dort wird gefordert, dass Notleuchten und zugehörige Schaltungskomponenten mit einem roten Schild mit einem Mindestdurchmesser von 30 mm gekennzeichnet werden müssen. Weitere Anforderungen bezüglich der Kennzeichnung finden sich in dieser Norm jedoch nicht.

In der ebenfalls aktuellen DIN EN 50172 (VDE 0108-100) [3] aus dem Jahr 2005 finden sich keine Angaben zur Kennzeichnung der Notbeleuchtung.

Schaut man jedoch zurück auf zwischenzeitlich abgelöste Normen, so finden sich dort ähnliche Forderungen bzw. darüber hinaus gehende Anforderungen.

Gemäß der zurückgezogenen DIN VDE 0108-1 (VDE 0108-1):1989-10 [4] Abs. 6.7.17 mussten Sicherheitsleuchten und Verbindungs- bzw. Abzweigdosen im Zuge von Sicherheitsstromkreisen leicht erkennbar und dauerhaft durch eine rote Markierung gekennzeichnet sein. Weiterhin mussten Sicherheitsleuchten zusätzlich an einer geeigneten Stelle, z. B. in unmittelbarer Nähe zur Leuchte, eine Kennzeichnung besitzen, aus der Verteiler- und Stromkreis-Bezeichnung ersichtlich sind.

Richtet sich unser Blick jetzt in die mögliche Zukunft, so finden sich in der im Dezember 2018 veröffentlichten DIN VDE V 0108-100-1 (VDE V 0108-100-1) [5] im Abs. 5.5 „Kennzeichnung“ die Forderungen aus der zuvor beschriebenen abgelösten DIN VDE 0108-1 (VDE 0108-1):1989-10 [4] wieder. Dort heißt es unter Abschnitt 5.5: „Leuchten der Sicherheitsbeleuchtung und Verbindungs-/Abzweigdosen, die ein Teil der Sicherheitsbeleuchtungsanlage sind, müssen eindeutig identifizierbar sowie rot oder grün markiert sein. In der Nähe der Leuchten muss die Verteiler-, die Stromkreis- und die Leuchtennummer angebracht sein“. Wann diese Vornorm jedoch den Status einer Norm erhält, lässt sich aus der Sicht des Autors nicht absehen.

Fazit. Betrachtet man unabhängig von den Normen das Schutzziel sowie den Zweck und Sinn der Kennzeichnungen von Notleuchten, dann erschließt sich schnell, dass eine Kennzeichnung aller Notleuchten inklusive der Angabe von Verteiler-, Stromkreis- und Leuchtennummer erforderlich ist. Zum einen sollen die Sicherheitsleuchten als solche erkennbar bzw. identifizierbar sein. Nicht jeder Leuchte sieht man an, dass sie eine Sicherheitseinrichtung ist. Insbesondere seit der Einführung von Umschaltweichen innerhalb von Leuchten können Sicherheitsleuchten auch höhere architektonische Ansprüche erfüllen (z. B. bezüglich Designvorstellungen).

Zum anderen ist ohne entsprechende Angaben von Verteiler-, Stromkreis- und Leuchtennummer die Betriebsführung der Sicherheitsbeleuchtungsanlage nur schwer bzw. gar nicht möglich. Nur wenn jede Notleuchte eindeutig zugewiesen werden kann, ist die Rechtssicherheit bei der Führung von Prüfbüchern gegeben (z. B. bei einer Instandsetzung von Notleuchten oder beim Austausch von Leuchtmitteln). Ebenso kann bei größeren Sicherheitsbeleuchtungsanlage (z. B. Anlagen mit Unterstationen) ohne eine entsprechende Kennzeichnung die Aufteilung der Leuchten auf unterschiedliche Sicherheitslichtgeräte, Unterverteilungen der Sicherheitsstromversorgung oder auch nur Stromkreise nicht eindeutig nachvollzogen werden. Spätestens bei notwendigen Sachverständigenprüfungen von Sicherheitsstrom- bzw. Sicherheitsbeleuchtungsanlagen wird die Nachweisführung des Betreibers gegenüber dem Prüfsachverständigen dann sehr schwierig bzw. u. U. unmöglich. Aus zuvor genannten Gründen ist es dringend angeraten, alle Leuchten der Notbeleuchtung so zu kennzeichnen, dass diese eindeutig identifizierbar sind (ausreichend große z. B. rote Markierung) und eine Zuordnung zu den Verteilern und Stromkreisen ebenso gegeben ist, wie eine eindeutige Nummerierung innerhalb der Stromkreise (Leuchtennummer). Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Leuchten für die Sicherheitsbeleuchtung von Rettungswegen oder Sicherheitszeichen handelt.

Literatur


Literatur:

[1] DIN EN 1838:2019-11 Angewandte Lichttechnik – Notbeleuchtung; Deutsche Fassung.
[2] DIN VDE 0100-560 (VDE 0100-560):2013-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-56: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Einrichtungen für Sicherheitszwecke.
[3] DIN EN 50172 (VDE 0108-100):2005-01 Sicherheitsbeleuchtungsanlagen.
[4] DIN VDE 0108-1 (VDE 0108-1):1989-10 (zurückgezogen) Starkstromanlagen und Sicherheitsstromversorgung in baulichen Anlagen für Menschenansammlungen – Allgemeines.
[5] DIN VDE V 0108-100-1 (VDE V 0108-100-1):2018-12 Sicherheitsbeleuchtungsanlagen – Teil 100-1: Vorschläge für ergänzende Festlegungen zu EN 50172:2004.

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