Installationsschacht für Elektroinstallation

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Im Zuge der umfangreichen elektrotechnischen Sanierung einer Einfamilien-Doppelhaushälfte aus den späten Siebzigerjahren bin ich auf der Suche nach einer Lösung zum Schaffen eines Installationsschachtes. Eine Möglichkeit bestünde darin, einen Schacht vom Keller bis zur Decke des begehbaren Spitzbodens im Treppenhaus zu errichten. Der Installationsschacht würde durch eine Beplankung, um das Absturzsicherungsgitter im Treppenhaus, geschaffen. Somit wäre es dann relativ einfach möglich, jedes Geschoss entsprechend zu ertüchtigen. Die Geschossdecken aus Stahlbeton müssten auf drei Etagen mit Kernbohrungen durchquert werden. Wenn Bedenken an die Statik (Kernbohrungen) an dieser Stelle nicht betrachtet werden, dann habe ich folgende Fragen:

  • Ist der hier beschriebene Installationsschacht (legal) realisierbar (mit Revisionsöffnungen)?

  • Welche Normen, Gesetze oder Vorschriften verhindern ggf. ein solches Vorgehen (Standort: Nordrhein-Westfalen)? Stichwort: Brandschutz?

  • Werden im Privatbereich besondere Anforderungen an einen solchen Installationsschacht gestellt?

  • Wäre es optional erlaubt, Etagenverteiler (EG, 1./2. OG...) und/oder einen Zählerschrank im Keller in die Hohlwand des so geschaffenen Installationsschachts einzubauen?

Behördliche bzw. baurechtliche Anforderungen für Leitungsanlagen findet man in der Landesbauordnung (LBO), genauer gesagt in der „Leitungsanlagen-Richtlinie (LAR)“ des jeweiligen Bundeslandes.

Die Landesbauordnung und die zugeordneten Richtlinien (wie die LAR) werden in Deutschland von der ARGEBAU vorgegeben. Die Bedeutung dieses Kunstwortes ist: „Arbeitsgemeinschaft Bau“ bzw. in der Langfassung: „Arbeitsgemeinschaft der für das Bauwesen zuständigen Minister“ und in der Kurzform: „Bauministerkonferenz“.

Genauer gesagt legt die ARGEBAU für die Baubehörden der verschiedenen Bundesländer entsprechende Muster vor, wie die MBO (Muster-Bauordnung) oder die MLAR (Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie). Die Bundesländer übernehmen diese Muster anschließend zu 100 % oder mit mehr oder weniger starken Modifikationen. Aus einer MBO wird dann im konkreten Bundesland eine LBO und aus einer MLAR wird eine LAR.

Die MLAR [1] (und damit die LAR eines Bundeslandes) beschreibt Anforderungen zu folgenden Themen:

  1. Leitungsanlagen (einschließlich der zugehörigen Verteiler) in Rettungswegen.

  2. Durchdringung von Leitungsanlagen durch Decken und Wände, die einer brandschutztechnischen Qualität entsprechen müssen (z. B. Brandwände).

  3. Funktionserhalt von geforderten sicherheitstechnischen Einrichtungen (z. B. Sicherheitsbeleuchtung oder Brandmeldeanlage).

Das in der Anfrage erwähnte Problem wird in der MLAR beim erstgenannten Thema besprochen. Möglicherweise ist aber auch das zweite Thema betroffen. Dabei ist es zunächst unerheblich, um welches Gebäude es geht. Wichtig ist vielmehr, ob im Gebäude Rettungswege, Brandwände oder sicherheitstechnische Einrichtungen festgelegt wurden bzw. gefordert sind.

Nach Aussagen der Leseranfrage geht es um eine „Einfamilien-Doppelhaushälfte“, genauer gesagt um ein privates, mehrgeschossiges Wohngebäude. Der Beschreibung im Anfragentext ist zu entnehmen, dass sich nicht in jedem Geschoss eine jeweils separate Wohneinheit befindet. Es geht vielmehr um eine einzelne Wohnung, deren Räume auf drei Etagen (EG, 1. und 2. OG) verteilt wurden. Außerdem kann man dem Anfragentext entnehmen, dass das Treppenhaus die drei Wohnetagen (EG, 1. und 2. OG) verbindet sowie den Keller und einen begehbaren Dachboden.

Wenn die Angaben so verstanden werden müssen, wäre das Treppenhaus insgesamt kein separater Bereich innerhalb des Wohngebäudes, sondern eine interne Treppe innerhalb einer Wohneinheit. Es wäre in diesem Fall auch mit Sicherheit nicht brandschutztechnisch gegenüber den anderen Bereichen dieser Wohnung abgegrenzt. Möglicherweise trifft dies nicht auf den Keller und den Dachboden zu.

Innerhalb einer einzelnen Wohnung wird in der Regel kein Rettungsweg festgelegt. Deshalb wird es auch keine Anforderungen an einen Installationsschacht geben, der an bzw. in der Nähe der Treppe errichtet wird. Natürlich muss der Schacht sicher sein und allen voraussehbaren Belastungen standhalten. Wird eine geschlossene Decke (z. B. von EG in den Keller) durchdrungen, muss die Öffnung in der Decke entsprechend der MLAR bzw. der gültigen LAR selbstverständlich mit einem geprüften und zertifizierten Kabelschott in der gleichen brandschutztechnischen Qualität wie die durchdrungene Decke nach der Belegung wieder verschlossen werden. Möglich wäre dies z. B., indem der Installationsschacht vor der Durchdringung endet und nur die Kabel und Leitungen durch das Kabelschott hindurchgeführt werden.

Sind die Angaben im Anfragetext jedoch anders zu verstehen und es handelt sich um ein separates Treppenhaus, das drei Wohnetagen, ein Kellergeschoss sowie einen Dachboden verbindet, so müssen die Anforderungen anders festgelegt werden. Nach aktueller Bauordnung müsste das beschriebene Gebäude höchstwahrscheinlich der Gebäudeart 4 entsprechen (siehe § 2 (3) MBO [2]). Für ein solches Gebäude sind nach der Bauordnung bereits einige zusätzliche Anforderungen für das Treppenhaus zu beachten.

Wenn durch das Treppenhaus mehrere separate Wohneinheiten miteinander verbunden werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Treppenhaus nach der damaligen Baugenehmigung zurzeit der Gebäudeerrichtung als Rettungsweg festgelegt wurde. Es müsste in diesem Fall mit der Baubehörde abgeklärt werden, ob für die Neuerrichtung eines Installationskanals innerhalb des bestehenden Treppenhauses die aktuellen Vorschriften angewendet werden müssen. Allerdings kann man davon ausgehen, dass dies der Fall sein wird.

Für den Fall, dass das Treppenhaus als Rettungsweg deklariert wurde, gilt nach Abschnitt 3.5.1 der MLAR [1] für Installationsschächte Folgendes: „Installationsschächte und -kanäle müssen – einschließlich der Abschlüsse von Öffnungen – aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen und eine Feuerwiderstandsfähigkeit haben, die der höchsten notwendigen Feuerwiderstandsfähigkeit der von ihnen durchdrungenen raumabschließenden Bauteile entspricht. Die Abschlüsse müssen mit einer umlaufenden Dichtung dicht schließen. Die Befestigung der Installationsschächte und -kanäle ist mit nichtbrennbaren Befestigungsmitteln auszuführen.“

Wenn die Installationsschächte keine Wand oder Decke mit einer festgelegten Feuerwiderstandsdauer durchbrechen, besteht lediglich die Anforderung, dass der Installationsschacht aus nicht brennbarem Material bestehen muss und zum Treppenhaus hin dicht verschlossen ist (Stichwort: rauchdicht – auch bei „kaltem“ Rauch). In diesem Fall müsste der Schacht vor einer eventuell notwendigen Durchdringung durch eine Decke oder Wand enden. Nur die Kabel und Leitungen werden durch die Öffnung des Übergangs geführt. Diese Öffnung muss anschließend mit einem Kabelschott verschlossen werden, das der brandschutztechnischen Qualität der Decke bzw. der Wand entspricht.

Sollten Elektroverteiler bzw. Zählerverteiler nachträglich vorgesehen werden, gilt nach MLAR, Abschnitt 3.2.2 a) Folgendes: „Messeinrichtungen und Verteiler sind abzutrennen gegenüber notwendigen Treppenräumen und Räumen zwischen notwendigen Treppenräumen und Ausgängen ins Freie durch mindestens feuerhemmende Bauteile aus nichtbrennbaren Baustoffen; Öffnungen in diesen Bauteilen sind durch mindestens feuerhemmende Abschlüsse mit umlaufender Dichtung zu verschließen.“

Das bedeutet, dass die Elektroverteilung (Zählerverteilung) rundherum in ein Gehäuse gepackt werden muss, dass eine feuerhemmende Qualität (also F 30) besitzt. Außerdem muss diese Umhausung aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen und ebenfalls dicht verschlossen sein (rauchdicht).


Literatur:

[1] Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Leitungsanlagen (Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie – MLAR); Fassung: 10.2.2015 (Redaktionsstand 5.4.2016); Ausgabe 2 vom 11.10.2016.
[2] Musterbauordnung – MBO – Fassung November 2002; zuletzt geändert durch Beschluss der Bauministerkonferenz vom 21.09.2012.

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