Hoher Anspruch an E-Handwerk

Nachgefragt bei unserem Autor Frank Ziegler

ep/2017/02/ep-2017-02-79-79-00.jpg

pdf Artikel als PDF-Datei herunterladen

Die Leseranfrage auf Seite 99 befasst sich mit der Frage, ob in einem Projekt die Geländer des Atriums und der Balkone in den Blitzschutz-Potentialausgleich eingebunden werden müssen. Wir haben mit Frank Ziegler gesprochen, der sich dieser Fachfrage angenommen hat. Frank Ziegler ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger sowie Geschäftsbereichsleiter für die Meisterausbildung am Elektro Technologie Zentrum Stuttgart (etz). Seit mehreren Jahren widmet der Elektrotechnikermeister sich Lesern, die mit Problemen kämpfen, Meinungsverschiedenheiten klären wollen oder Informationen benötigen.

Herr Ziegler, was begeistert Sie an der Ausbildung von Meisterschülern besonders?

F. Ziegler: Mir bereitet die Weitergabe von Wissenselementen an andere Personen und Personengruppen sehr viel Freude. Außerdem ist die Tätigkeit als Dozent sehr abwechslungsreich und interessant. Ich lerne ständig neue Menschen mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten kennen.

Welche Themen unterrichten Sie in Ihren Meisterkursen und welche Fachthemen zählen zu Ihren Schwerpunkten?

F. Ziegler: Die Bereiche, die ich als Sachverständiger für Elektrotechnik abdecke, sind in logischer Konsequenz auch meine Unterrichtsschwerpunkte in der Weiterbildung und auch in der Meisterausbildung. Dies sind folgende Themenschwerpunkte:

  • Planung elektrischer Anlagen;

  • Kurzschlussstromberechnung und Selektivitätsanalyse;

  • Prüfen elektrischer Anlagen, Arbeitsmittel und Maschinen;

  • DIN- und DIN-VDE-Normen im Bereich der Elektrotechnik;

  • Planen und Prüfen von PV-Anlagen;

  • Explosionsschutz;

  • Beleuchtungstechnik;

  • Not- und Sicherheitsbeleuchtung;

  • Blitz- und Überspannungsschutz;

  • Erdung und Potentialausgleich und

  • EMV – elektromagnetische Verträglichkeit.

Ein weiterer Schwerpunkt bei meiner Tätigkeit als Dozent für Elektrotechnik im etz Stuttgart liegt auf der Praxisnähe des zu vermittelnden Lernstoffes und dessen Aufbereitung im Kontext mit einem sehr hohen fachlichen Anspruch.

Der Meisterbrief genießt nach wie vor ein hohes Ansehen und steht für professionelle Arbeit und Qualität im Handwerk. Welches sind aus Ihrer Sicht heute die größten Herausforderungen, mit denen Meisterschüler und Absolventen ringen?

F. Ziegler: Die heutigen Meisterschüler bewegen sich im Spannungsfeld zwischen der extrem hohen technischen Ausprägung im Elektrotechniker-Handwerk und der hierfür eigentlich notwendigen Spezialisierung und der Umsetzung von Kundenwünschen in der täglichen Praxis. Und dieses im Kontext mit dem im Elektrotechniker-Handwerk akut vorherrschenden Fachkräftemangel.

Sie sind als Sachverständiger zudem Delegierter des ZVEH im Arbeitskreis 221.2.2 und des K 211 der DKE, der sich mit dem Blitz- und Überspannungsschutz bzw. der Arbeitsmittelprüfung befasst. Warum ist es so wichtig, in den normensetzenden Gremien und technischen Ausschüssen mitzuarbeiten? Können Sie Ihre Erfahrungen als Dozent für Elektrotechnik bei der Normungsarbeit mit einbringen?

F. Ziegler: Nach meiner Einschätzung ist es extrem wichtig, dass sich das Elektrohandwerk aktiv am Normungsprozess beteiligt, um von der Entstehungsphase neuer Normen und Vorschriften bis zur Veröffentlichung der Normen bzw. Vorschriften zu gewährleisten, dass die Interessen des Elektrohandwerks gewahrt bleiben und die praktische Umsetzbarkeit der Normen bzw. Vorschriften gegeben ist.

Selbstverständlich bringe ich meine Erfahrungen als Sachverständiger, Dozent für Elektrotechnik bzw. Fachautor aktiv und mit einem gewissen Nachdruck in den Normungsprozess ein, um die Anwendung von Normen und Vorschriften für den Praktiker zu erleichtern.

Herr Ziegler, seit mehreren Jahren beantworten Sie Fragen aus dem Elektrohandwerk. Gibt es Hürden, vor denen Fachkollegen immer wieder stehen?

F. Ziegler: Nach meiner Einschätzung sind es mehrere Hürden, die die Fachkollegen im Bereich der praktischen Umsetzung von Normen und Vorschriften zu überwinden haben. Sie sind meist darin begründet, dass es zu wenig Zeit in der täglichen Praxis gibt, um sich intensiv mit den Neuerungen in den Normen und Vorschriften zu beschäftigen. Hinzu kommt, dass harmonisierte Normen meist nur noch „Schutzzielanforderungen“ und wenige konkrete Festlegungen enthalten. Das Auffinden der korrekten Normenbezüge fällt vielen Praktikern trotz digital aufbereiteter Medien sehr schwer. Insgesamt ist der Normungsprozess zu intransparent.

Diesem Problem geschuldet stellen wir fest, dass Schulungsteilnehmer nicht selten die Möglichkeit nutzen, sich nach den Seminaren noch mit Fragen an den jeweiligen Dozenten zu wenden, um die Anwendung des erworbenen Wissens in der Praxis zu erleichtern.


Bilder:


(1) Fachautor Elektrotechnikermeister Frank Ziegler (Quelle: etz Stuttgart)

Anzeige

Fachartikel zum Thema

  1. Zu RCD Typ B bei einphasigen elektronischen Betriebsmitteln

    Zu der Leseranfrage „RCD Typ B bei einphasigen elektronischen Betriebsmitteln“ der Ausgabe 08/2016 habe ich einige konkrete Fragen:1. Wieso ist der Umgang mit Schutzkontaktsteckdosen, an die unterschiedliche Betriebsmittel angeschlossen werden können, nicht eindeutig?2. Wieso ist es den...

    ep 09/2017 | Elektrosicherheit, Schutzmaßnahmen

  2. Aus dem Unfallgeschehen

    Lichtbogenunfall bei Überprüfen des Drehfelds an einer Niederspannungs-Verteilung

    Arbeitsauftrag: Eine Elektromontagefirma hatte den Auftrag, einen vorhandenen Mittelspannungstransformator gegen einen neuen auszutauschen. Des Weiteren waren die Verkabelungen zwischen Transformator und Mittelspannungsverteilung sowie zwischen Transformator und Niederspannungshauptverteilung zu...

    09/2017 | Elektrosicherheit, Installationstechnik, Energietechnik, Arbeitssicherheit, Schutzmaßnahmen, Schaltanlagen

  3. Blitzschutzmaßnahmen

    Schutzkonzept für eine Haupt-Feuerwache

    In Krefeld wurde im Rahmen eines ÖPP-Verfahrens eine neue Haupt-Feuerwache mit integrierter Leitstelle fertiggestellt. Auf Grund der vom Betreiber geforderten hohen Verfügbarkeit ergaben sich für die Blitzschutzmaßnahmen besondere 
Anforderungen. Der Beitrag gibt Erläuterungen zu den einzelnen...

    09/2017 | Blitz- und Überspannungsschutz, Installationstechnik, Erdung und Potentialausgleich

  4. Stark: Intersolar und EES Europe

    Teil 2: Weitere Neuheiten der PV-, Speicher- und Installationstechnik

    Parallel zur Intersolar fand in München vom 31.5. bis 02.06. zum vierten Mal 
in Folge die EES Europe statt, die größte und besucherstärkste Fachmesse für Batterien und Energiespeichersysteme in Europa. Die Messe verbindet Hersteller, Händler, Anwender und Zulieferer von stationären und mobilen...

    09/2017 | Regenerative/Alternative Energien, Energietechnik/-anwendung, Installationstechnik, Blitz- und Überspannungsschutz, Energiespeicher, Batterieanlagen, Wechselrichter für PV, Photovoltaik, Sonstige Installationsgeräte

  5. Werkstoffkunde

    Elektrische Isolierstoffe – ein Überblick

    Isolierwerkstoffe gelten in der Elektrotechnik als nichtleitendes 
Material, das nur eine extrem geringe und somit vernachlässigbare elektrische Leitfähigkeit hat. Isolierstoffe werden in der Elektrotechniku. a. dafür verwendet, den elektrischen Stromfluss zwischen spannungsführenden Teilen zu...

    luk 09/2017 | Aus- und Weiterbildung, Grundwissen

  6. Was versteht man unter…

    Auf dem Gebiet der Elektrotechnik gibt es zahlreiche Fachwörter, die in Rechtsvorschriften und Normen verwendet werden. In dieser Beitragsreihe werden Fachbegriffe, Akronyme und Formelzeichen verständlich erklärt.

    luk 09/2017 | Aus- und Weiterbildung, Fachwissen

  7. Prüfen nach 
DIN VDE 0701-0702

    16 Punkte der Sichtprüfung nach Norm

    Das Thema „Prüfen der elektrischen Sicherheit“ ist ein wichtiger 
Bereich der Arbeit einer Elektrofachkraft. Jedoch ist es für einige Fachkräfte nicht alltäglich, selber elektrotechnische Prüfungen auszuführen. Um diese Prüfungen vollständig, richtig und sicher durchführen zu 
können, werden...

    luk 09/2017 | Aus- und Weiterbildung, Messen und Prüfen

  8. Automatisierungsgeräte – SPS, IPC und PAC

    Die Automatisierungstechnik bietet der angehenden Elektrofachkraft vielfältige und überaus interessante Möglichkeiten zur beruflichen 
Entwicklung. Doch wie anderswo auch, ist aller Anfang schwer. 
Zu den Schwierigkeiten des Anfangs gehört der Umgang mit der 
dem Fachgebiet eigenen Begriffswelt....

    luk 09/2017 | Aus- und Weiterbildung, Messen und Prüfen

  9. Modulationen

    Amplitudenmodulation – Modulationsgrad, Störempfindlichkeit

    Diese Beitragsreihe erörtert die Grundlagen der Modulationsverfahren und zeigt deren Nutzen und Einsatzbereiche auf. Es geht um grundlegende Methoden sowie das Verständnis zu den Verfahren. Umfassende mathematische Betrachtungen werden dabei größtenteils vermieden. Die Ausführungen zur...

    luk 09/2017 | Aus- und Weiterbildung, Informations- u. Kommunikationstechnik

  10. Technisches Englisch

    Elektrotechniker sollten englischsprachige Dokumentationen und Pläne lesen können. Diese Seite erleichtert den Zugang zur englischen Sprache und vermittelt elektrotechnische Fachausdrücke.

    luk 09/2017 | Aus- und Weiterbildung, Technisches Englisch

Anzeige

Nachrichten zum Thema

Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften Tödlicher Störlichtbogen

Ein erfahrener Monteur deckte spannungsführende Teile nicht ab. Die Berührung der Teile löste einen Störlichtbogen aus, den der Monteur nicht überlebte.

Weiter lesen

Ab September 2017 finden die Schulungen der Lichttechnischen Gesellschaft e.V. (LiTG) auf Basis des europäischen Bildungsstandards European Lightning Expert (ELE) statt.

Weiter lesen

11. Jahrestagung Elektrosicherheit in Kassel Im Gespräch mit dem ep-Chefredakteur

Am 14. und 15. November 2017 findet in Kassel die 11. Jahrestagung Elektrosicherheit statt. Der Chefredakteur des Elektropraktiker, Rüdiger Tuzinski, stellt sich beim Elektro-Talk den Fragen des Fachpublikums.

Weiter lesen

Vom 20. bis 22. September 2017 findet in Leipzig die Elektrofachmesse efa statt. In diesem Jahr bietet der Elektropraktiker eine spannende Messeneuheit für alle interessierten Besucher: einen kostenlosen Workshop zum Thema „Messen und Prüfen“.

Weiter lesen

gemäß DIN VDE 0100, DIN EN 50310 (VDE 0800-2-310) und DIN EN 50174-2 (VDE 0800-174-2)

Weiter lesen

Elektrosicherheit: Schalten von Gleichstromanlagen Die fünf Sicherheitsregeln für Gleichstromanlagen

In den vergangenen Jahren wurden zunehmend Gleichstromanlagen für neue Anwendungsfelder errichtet. Für deren Betrieb ist die Beachtung der fünf Sicherheitsregeln wichtig. Dabei müssen einige Besonderheiten bei den Sicherheitsregeln für DC-Anlagen im...

Weiter lesen

Praktiker-Seminare: ep Elektropraktiker und Weka Akademie vereinbaren Kooperation ep Elektropraktiker erweitert sein Seminar-Angebot

Die Fachzeitschrift ep Elektropraktiker bietet ab September 2017 zusätzliche Praktiker-Seminare an. Die Weka Akademie ergänzt als neuer Partner die ep-Seminarangebote.

Weiter lesen

Der Fachbuchklassiker ist in der fünften, neu bearbeiteten und erweiterten Auflage erschienen.

Weiter lesen

Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften Strom durch Kopf und Hand

Ein arbeitsverantwortlicher Monteur will ein Kabel in einen Verteilerschrank einziehen, der unter Spannung steht. Dabei kommt es zu fatalen Berührungen und einer elektrischen Körperdurchströmung. Der Monteur überlebt nur mit viel Glück.

Weiter lesen

Normen und Vorschriften: Verwirrung um Spannungsfall [Teil 2] DIN VDE 0100-520: Das Normenkomitee reagiert

Im ersten Teil erläuterte Fachautor Stefan Fassbinder Probleme bei der Berechnung des Spannungsfalls nach DIN VDE 0100-520. In Teil 2 gibt er einen Überblick über den aktuellen Stand der Fehlersuche und die Korrekturvorschläge des Normenkomitees.

Weiter lesen