Hoher Anspruch an E-Handwerk

Nachgefragt bei unserem Autor Frank Ziegler

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Die Leseranfrage auf Seite 99 befasst sich mit der Frage, ob in einem Projekt die Geländer des Atriums und der Balkone in den Blitzschutz-Potentialausgleich eingebunden werden müssen. Wir haben mit Frank Ziegler gesprochen, der sich dieser Fachfrage angenommen hat. Frank Ziegler ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger sowie Geschäftsbereichsleiter für die Meisterausbildung am Elektro Technologie Zentrum Stuttgart (etz). Seit mehreren Jahren widmet der Elektrotechnikermeister sich Lesern, die mit Problemen kämpfen, Meinungsverschiedenheiten klären wollen oder Informationen benötigen.

Herr Ziegler, was begeistert Sie an der Ausbildung von Meisterschülern besonders?

F. Ziegler: Mir bereitet die Weitergabe von Wissenselementen an andere Personen und Personengruppen sehr viel Freude. Außerdem ist die Tätigkeit als Dozent sehr abwechslungsreich und interessant. Ich lerne ständig neue Menschen mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten kennen.

Welche Themen unterrichten Sie in Ihren Meisterkursen und welche Fachthemen zählen zu Ihren Schwerpunkten?

F. Ziegler: Die Bereiche, die ich als Sachverständiger für Elektrotechnik abdecke, sind in logischer Konsequenz auch meine Unterrichtsschwerpunkte in der Weiterbildung und auch in der Meisterausbildung. Dies sind folgende Themenschwerpunkte:

  • Planung elektrischer Anlagen;

  • Kurzschlussstromberechnung und Selektivitätsanalyse;

  • Prüfen elektrischer Anlagen, Arbeitsmittel und Maschinen;

  • DIN- und DIN-VDE-Normen im Bereich der Elektrotechnik;

  • Planen und Prüfen von PV-Anlagen;

  • Explosionsschutz;

  • Beleuchtungstechnik;

  • Not- und Sicherheitsbeleuchtung;

  • Blitz- und Überspannungsschutz;

  • Erdung und Potentialausgleich und

  • EMV – elektromagnetische Verträglichkeit.

Ein weiterer Schwerpunkt bei meiner Tätigkeit als Dozent für Elektrotechnik im etz Stuttgart liegt auf der Praxisnähe des zu vermittelnden Lernstoffes und dessen Aufbereitung im Kontext mit einem sehr hohen fachlichen Anspruch.

Der Meisterbrief genießt nach wie vor ein hohes Ansehen und steht für professionelle Arbeit und Qualität im Handwerk. Welches sind aus Ihrer Sicht heute die größten Herausforderungen, mit denen Meisterschüler und Absolventen ringen?

F. Ziegler: Die heutigen Meisterschüler bewegen sich im Spannungsfeld zwischen der extrem hohen technischen Ausprägung im Elektrotechniker-Handwerk und der hierfür eigentlich notwendigen Spezialisierung und der Umsetzung von Kundenwünschen in der täglichen Praxis. Und dieses im Kontext mit dem im Elektrotechniker-Handwerk akut vorherrschenden Fachkräftemangel.

Sie sind als Sachverständiger zudem Delegierter des ZVEH im Arbeitskreis 221.2.2 und des K 211 der DKE, der sich mit dem Blitz- und Überspannungsschutz bzw. der Arbeitsmittelprüfung befasst. Warum ist es so wichtig, in den normensetzenden Gremien und technischen Ausschüssen mitzuarbeiten? Können Sie Ihre Erfahrungen als Dozent für Elektrotechnik bei der Normungsarbeit mit einbringen?

F. Ziegler: Nach meiner Einschätzung ist es extrem wichtig, dass sich das Elektrohandwerk aktiv am Normungsprozess beteiligt, um von der Entstehungsphase neuer Normen und Vorschriften bis zur Veröffentlichung der Normen bzw. Vorschriften zu gewährleisten, dass die Interessen des Elektrohandwerks gewahrt bleiben und die praktische Umsetzbarkeit der Normen bzw. Vorschriften gegeben ist.

Selbstverständlich bringe ich meine Erfahrungen als Sachverständiger, Dozent für Elektrotechnik bzw. Fachautor aktiv und mit einem gewissen Nachdruck in den Normungsprozess ein, um die Anwendung von Normen und Vorschriften für den Praktiker zu erleichtern.

Herr Ziegler, seit mehreren Jahren beantworten Sie Fragen aus dem Elektrohandwerk. Gibt es Hürden, vor denen Fachkollegen immer wieder stehen?

F. Ziegler: Nach meiner Einschätzung sind es mehrere Hürden, die die Fachkollegen im Bereich der praktischen Umsetzung von Normen und Vorschriften zu überwinden haben. Sie sind meist darin begründet, dass es zu wenig Zeit in der täglichen Praxis gibt, um sich intensiv mit den Neuerungen in den Normen und Vorschriften zu beschäftigen. Hinzu kommt, dass harmonisierte Normen meist nur noch „Schutzzielanforderungen“ und wenige konkrete Festlegungen enthalten. Das Auffinden der korrekten Normenbezüge fällt vielen Praktikern trotz digital aufbereiteter Medien sehr schwer. Insgesamt ist der Normungsprozess zu intransparent.

Diesem Problem geschuldet stellen wir fest, dass Schulungsteilnehmer nicht selten die Möglichkeit nutzen, sich nach den Seminaren noch mit Fragen an den jeweiligen Dozenten zu wenden, um die Anwendung des erworbenen Wissens in der Praxis zu erleichtern.


Bilder:


(1) Fachautor Elektrotechnikermeister Frank Ziegler (Quelle: etz Stuttgart)

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