Farbe einer PEN-Klemme

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Die Einspeisung einer Verteilung soll durch eine Leitung 4 × 25 mm2 erfolgen und in ein TN-C-S-System aufgeteilt werden. Die Montage erfolgt in einer Unterverteilung auf Montageplatte. Welche Farbe muss die PEN-Anschlussklemme auf der Tragschiene haben? Wir wollen den PEN als aktiven Leiter isoliert aufbauen und Grau oder Blau als Klemmenfarbe mit der Kennzeichnung PEN wählen. Ist es ausreichend, die PE-Klemmen des Schutzleiters als Reihenklemmen über eine Stahltragschiene zu verbinden?

Fakt ist, dass in den Bildern 54.1a und 54.1b von DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540) [1] auch PEN-Schienen dargestellt sind, was auch physikalisch notwendig sein kann, insbesondere wenn es sich um Mehrfacheinspeisungen in TN-Systemen mit zentraler Erdung des PEN-Leiters handelt. Hierfür könnte man natürlich auch sechs Schienen vorsehen (siehe Bild 1), ein Aufwand, der nicht gerechtfertigt wäre.

Außerdem sei noch angemerkt, dass ich die geplante Konfiguration des Anfragenden nicht ganz verstanden habe. Insbesondere gilt das auch insofern, als die Zuleitung des Anfragenden einen PEN-Leiter enthält. In neuen Gebäuden dürfte nach Abschnitt 444.4.3.2 von DIN VDE 0100-444 (VDE 0100-444) [2] ein PEN-Leiter nicht verwendet werden. Für bestehende Anlagen wird empfohlen, auf PEN-Leiter zu verzichten.

Zur konkreten Frage. Ich gehe davon aus, dass die Montageplatte und der Schrank als Betriebsmittel der Schutzklasse I zu betrachten ist.

Grundsätzlich ist es dabei möglich, die Reihenklemmentragschiene direkt (leitfähig) auf der Montageplatte zu befestigen. Hierdurch kann in vielen Fällen auch die Montageplatte in eine Schutzleiterschutzmaßnahme einbezogen werden. Der ankommende PEN-Leiter (siehe Hinweis 1) kann und dürfte auf eine grün-gelbe Klemme (auch wenn es sich um eine Schutzleiterklemme mit direkter Kontaktierung zur Reihenklemmentragschiene handelt) geführt werden. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass Reihenklemmentragschienen aus Stahl nicht als PEN-Schiene verwendet werden dürfen, siehe Hinweis 2, d. h. eine Weiterführung zu anderen PEN-Klemmen müsste leitungsgebunden ausgeführt werden. Aber auch für die Verwendung als Schutzleiterschienen gibt es Einschränkungen, siehe Tabelle A. 1 im normativen Anhang A der DIN EN 60947-7-2 (VDE 0611-3):2010-03 [3].

Hinweis 1. Nach Abschnitt 826-13-25 von DIN VDE 0100-200 (VDE 0100-200):2006-06 [4] gilt: PEN-Leiter, ist ein Leiter, „der zugleich die Funktionen eines Schutzerdungsleiters und eines Neutralleiters erfüllt [IEV 195-02-12]“.

Hinweis 2. Nach Abschnitt 8.4.3.2 von DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1):2012-06 [5] gilt: Die PEN-Leiter müssen innerhalb einer Schaltgerätekombination nicht isoliert sein; Konstruktionsteile dürfen nicht als PEN-Leiter verwendet werden. Tragschienen aus Kupfer oder Aluminium dürfen jedoch als PEN-Leiter verwendet werden.

Entsprechend der Schutzleiterfunktion aus der Begriffsbestimmung von DIN VDE 0100-200 (VDE 0100-200) [4] ergibt sich aus der Tabelle A 1 von Anhang A (informativ) von DIN EN 60445 (VDE 0197) [6], dass die PEN-Leiter-Anschlussstellen grün-gelb oder mit der Aufschrift „PEN“ gekennzeichnet werden dürfen.

Die in dieser Tabelle mit enthaltene Farbe „Blau“ bedeutet nicht, dass die PEN-Klemme alternativ ausschließlich blau gekennzeichnet sein darf, sondern durch den Verweis auf die Abschnitte 6.3.3 bis 6.3.5 ergibt sich, dass es sich um eine zusätzliche Kennzeichnung – zusätzlich zur grün-gelben Kennzeichnung – handelt, da im Abschnitt 6.3.3 von DIN EN 60445 (VDE 0197) [6] hierzu festgelegt ist:

Die zusätzlichen Markierungen in „Blau“ an den Leiterenden und Anschlussstellen dürfen entfallen, wenn eine der folgenden beiden Bedingungen erfüllt ist:

  • in elektrischen Betriebsmitteln: wenn entsprechende Anforderungen in bestimmten Produktnormen enthalten sind oder landesweit gelten;

  • in Kabel- und Leitungssystemen, z. B. in der Industrie, wenn dies vom zuständigen Komitee so entschieden wird.

Eine Solche Ausnahme für einen Entfall der blauen Markierung gibt es derzeit nur für die zusätzliche blaue Markierung an Leiterenden.

Die zusätzliche blaue Kennzeichnung von Anschlussstellen war bisher nicht in der DIN EN 60445 (VDE 0197) von 2011-10 [7] enthalten. In dieser Ausgabe bezog sich die zusätzliche blaue Kennzeichnung nur auf die isolierten Leiterenden aber nicht auf die Anschlussstellen. Im Zweifelsfalle würde ich empfehlen, eine alphanumerische Kennzeichnung mit „PEN“ auf eine „normale“ Klemme aufzubringen.

Zum erwähnten Vorschlag. Auch wenn der PEN-Leiter Unsymmetrieströme führt, gilt er vereinbarungsgemäß nicht als aktiver Leiter, siehe hierzu Abschnitt 826-12-08 DIN VDE 0100-200 (VDE 0100-200) [4], wo folgendes festgelegt ist: „aktives Teil, [...] Leiter oder leitfähiges Teil, der/das dazu vorgesehen ist, im üblichen Betrieb unter Spannung zu stehen, einschließlich eines Neutralleiters, vereinbarungsgemäß jedoch nicht eines PEN-Leiters, PEM-Leiters und PEL-Leiters [IEV 195-02-19]“.

Im Zuge notwendiger EMV-Maßnahmen wird es zukünftig kaum mehr PEN-Leiter geben. Daher gibt es gegen eine isolierte Anordnung von PEN-Anschlussstellen keine Einwände. Bei zentralgeerdeten PEN-Leitern ist eine isolierte Anordnung/Befestigung ein Muss. Ungeachtet dessen, ob die PEN-Anschlussstelle isoliert oder leitfähig angeordnet wird, wäre eine blaue Klemme nicht zu empfehlen, auch wenn sie die Aufschrift „PEN“ tragen würde. Letztlich ist die Farbe Blau den Neutralleitern vorbehalten

Sei noch darauf hingewiesen, dass im Abschnitt 5.1 der DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) [8] „Elektrische Ausrüstung von Maschinen“ folgendes festgelegt ist: „Zwischen dem Neutralleiter und dem Schutzleitersystem darf innerhalb der elektrischen Ausrüstung keine Verbindung bestehen. Ausnahme: In TN-C-Systemen darf an der Netzanschluss-Stelle der Maschine eine Verbindung zwischen der Klemme für den Neutralleiter und der PE-Klemme hergestellt werden.“

Reihenklemmentragschiene aus Stahl. Schutzleiterklemmen dürfen, bis zu bestimmten Querschnitten, über eine Reihenklemmentragschiene aus Stahl untereinander verbunden werden, siehe hierzu Tabelle A. 1 in DIN EN 60947-7-2 (VDE 0611-3):2010-03 [3].


Bilder:


(1) (Quelle: DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540))

Literatur:

[1] DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540):2012-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-54: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Erdungsanlagen und Schutzleiter.
[2] DIN VDE 0100-444 (VDE 0100-444):2010-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-444: Schutzmaßnahmen – Schutz bei Störspannungen und elektromagnetischen Störgrößen.
[3] DIN EN 60947-7-2 (VDE 0611-3):2010-03 Niederspannungsschaltgeräte – Teil 7-2: Hilfseinrichtungen – Schutzleiter-Reihenklemmen für Kupferleiter.
[4] DIN VDE 0100-200 (VDE 0100-200):2006-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 200: Begriffe.
[5] DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1):2012-06 Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen – Teil 1: Allgemeine Festlegungen.
[6] DIN EN 60445 (VDE 0197):2018-02 Grund- und Sicherheitsregeln für die Mensch-Maschine-Schnittstelle – Kennzeichnung von Anschlüssen elektrischer Betriebsmittel, angeschlossenen Leiterenden und Leitern.
[7] DIN EN 60445 (VDE 0197):2011-10 (zurückgezogen) Grund- und Sicherheitsregeln für die Mensch-Maschine-Schnittstelle – Kennzeichnung von Anschlüssen elektrischer Betriebsmittel, angeschlossenen Leiterenden und Leitern.
[8] DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2019-06 Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen.

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