Energiezählung nach Erhöhung der Leistung

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Ein Auftraggeber und „Planer“ möchte seine Anlage erweitern und hat dadurch einen erhöhten Leistungsbedarf, was er durch eine Direktmessung (in Thüringen üblicherweise 3 x 50 A) absichern kann. In der Regel muss hierfür eine Wandlerzählung installiert werden. Um Kosten einzusparen, kam der Auftraggeber auf die Idee, einen zweiten Zählerplatz mit nochmals 3 x 50 A zu installieren und die gezählten Adern phasengleich hinter der Hauptleitungsklemme zusammenzuklemmen um dann 3 x 100 A zur Verfügung zu haben (Bild (1)). Ich gehe davon aus, dass diese Installationsweise nicht zulässig ist. Allerdings habe ich in den VDE-Bestimmungen weder Argumente gefunden, die dagegen sprechen, noch fand ich Angaben dazu, unter welchen Bedingungen eine solche Installation möglich ist.
Ist die beschriebene Installationsweise zulässig – und wenn ja, welche Bestimmungen und Vorschriften sind dabei zu beachten?
Wie der Anfragende richtig recherchiert hat, geben die Errichtungsnormen der Reihe DIN VDE 0100 und die Technischen Anschlussbedingungen der Netzbetreiber Hinweise zur und stellen Anforderungen an die Errichtung elektrischer Anlagen. Hieraus ergibt sich, wie eine elektrische Anlage zu errichten ist, damit sie ohne Gefahr sicher, zuverlässig und ohne Netzrückwirkungen betrieben werden kann und den gesetzlichen Rahmenbedingungen und Forderungen entspricht.
Die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) [1] legt in § 22, Abs. 1 fest, dass der Anschlussnehmer für Mess- und Steuereinrichtungen Zählerplätze nach den anerkannten Regeln der Technik unter Beachtung der technischen Anforderungen nach § 20 der NAV [1] vorzusehen hat. Der § 20 in [1] berechtigt die Netzbetreiber, in Form von Technischen Anschlussbedingungen (TAB) weitere technische Anforderungen an den Netzanschluss und an andere Anlagenteile sowie an den Betrieb von elektrischen Anlagen festzulegen, soweit dies aus Gründen einer sicheren sowie störungsfreien Versorgung, insbesondere im Hinblick auf die Erfordernisse des Verteilernetzes, notwendig ist.
In Abschnitt 7.1, Abs. 3 der TAB 2007 [2] steht: „Ist in der Anlage des Kunden regelmäßig wiederkehrend ein Betriebsstrom von mehr als 63 A zu erwarten, so ist zusätzlich Kapitel 7.5 zu beachten.“
Kapitel 7.5 Wandlermessungen (halbindirekte Messungen) verweist wiederum auf die netz-betreiberspezifischen Anforderungen an die Stromwandler-Zähleranlagen:
 „Ist in der Anlage des Kunden regelmäßig wiederkehrend ein Betriebsstrom von mehr als 63 A zu erwarten, so stimmt der Errichter die Art der Mess- und Steuereinrichtung und entsprechend die Ausführung des Zählerplatzes mit dem Netzbetreiber ab.“
Damit ist eigentlich rein technisch schon alles gesagt. Es gibt allerdings auch energiewirtschaftliche Gründe, die einen Anlagenaufbau, wie er vom Kunden des Anfragenden gewünscht wird, ausschließen.
Durch die vorgeschlagene Anschlussvariante entstehen dem Anschlussnutzer dauerhaft Mehrkosten, weil der Messstellenbetrieb und die Messdienstleistung immer für zwei Zähler bezahlt werden muss. Gemäß § 12 der Stromnetz-Zugangsverordnung (StromNZV) [3] müssen Kundenanlagen mit einem voraussichtlichen Jahresenergiebedarf von derzeit > 100 000 kWh über eine registrierende Lastgangmessung abgerechnet werden. Kundenanlage ist im geschilderten Fall die komplette Anlage. Da solche Jahresverbräuche bei Anlagen mit Betriebsströmen von 100 A in der Regel erreicht werden, wäre es notwendig, auf beiden Zählerplätzen Lastgangszähler mit Summationseinrichtung und Zähldaten-Fernauslesung zu installieren. Die bei diesem Messaufwand erheblich höheren jährlichen Kosten für Messstellenbetrieb und Messdienstleistung gehen zu Lasten des Anschlussnutzers.
Der Kunde scheint deswegen langfristig gut beraten, sich eine Stromwandler-Zähleranlage installieren zu lassen, die dann auch noch die Möglichkeit bietet, einen weiteren Zuwachs an Leistungsbedarf ohne erneute Umbauarbeiten sicherzustellen.


Bilder:


(1) Vom Auftraggeber gewünschte Variante der Energiezählung

Literatur:

[1] Verordnung über Allgemeine Bedingungen für den Netzanschluss und dessen Nutzung für die Elektrizitätsversorgung in Niederspannung (NAV – Niederspannungs-Anschlussverordnung) vom 1. November 2006, geändert durch Artikel 2, Absatz 5, der Verordnung vom 17. Oktober 2008.
[2] Technische Anschlussbedingungen – TAB 2007 für den Anschluss an das Niederspannungsnetz; Stand: Juli 2007.
[3] Verordnung über den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen (Stromnetzzugangsverordnung – StromNZV) vom 25. Juli 2005, zuletzt geändert durch Artikel 2, Absatz 1, der Verordnung vom 17. Oktober 2008.

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