Aufbau einer Sicherheitsbeleuchtung

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In unseren verfahrenstechnischen Räumen sind immer zwei Beleuchtungsarten vorhanden: 1. Normalbeleuchtung und 2. eine Beleuchtung zum Verlassen der Arbeitsstätte bei Ausfall der Normalbeleuchtung. Neuerdings schreiben uns Brandschutzgutachten eine Sicherheitsbeleuchtung nach Arbeitsstättenrichtlinie ASR A3.4/3 vor. Danach wird nun der Schluss gezogen, dass die Formulierung in der ASR A3.4/3 Abschnitt 3.1, Ausfall der Normalbeleuchtung, auch einen Brandfall bedeuten kann. Ist dieser kausale Zusammenhang, Forderung Sicherheitsbeleuchtung nach Arbeitsstättenrichtlinie gleich Sicherheitsbeleuchtung mit Funktionserhalt richtig? Wenn dies so sein sollte, muss eine Sicherheitsbeleuchtung für Arbeitsstätten dann genauso aufgebaut werden wie für Versammlungsstätten?

Der Anfragende hat seine verfahrenstechnischen Räume mit einer Sicherheitsbeleuchtung nach der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A3.4/3:2009-05 ausgestattet. Die technischen Anforderungen an eine solche Anlage sind in DIN VDE 0100-560 (VDE 0100-560)[1] zu finden.

Nach Abschnitt 560.8.1 dieser Norm sind Kabel- und Leitungsanlagen für Sicherheitszwecke so zu errichten, dass sie auch im Brandfall funktionieren (sogenannter Funktionserhalt).

Immer wieder findet sich in dieser Norm aber auch folgende Bemerkung: „Die Notwendigkeit, Kabel- und Leitungsanlagen für den Betrieb im Brandfall (mit Funktionserhalt) vorzusehen, und deren Ausführung sind durch gesetzliche Vorschriften der Länder der Bundesrepublik Deutschland geregelt. Im Zweifelsfall ist die Bauaufsichtsbehörde zu konsultieren.“

Die Frage des Anfragenden, ob die Sicherheitsbeleuchtung für Arbeitsstätten genauso aufgebaut werden wie für Versammlungsstätten, ist prinzipiell mit ja zu beantworten, denn die Norm gilt u. a. für beide Anlagenarten.

Nun bestehen aber zwischen beiden Anlagen derartig große Unterschiede, die auch Abweichungen rechtfertigen würden – immer unter dem Gesichtspunkt, dass keine Gefahren unterschlagen werden. Und das läuft also auf eine Gefährdungsbeurteilung nach § 3 BetrSichV [2] hinaus, in deren Ergebnis auch Abweichungen von den Normen erlaubt werden, wenn daraus keine Gefahren erwachsen.

Die Unterschiede zwischen den Räumen des Anfragenden und den Versammlungsstätten sind beispielsweise:

  • In Versammlungsstätten ist meist mit größeren Menschenansammlungen zu rechnen (Panikgefahr).

  • Die Brandlast ist durch gepolsterte Sitzreihen eine andere als in Ihren Betriebsräumen.

  • Die Rettungswegverläufe in Versammlungsstätten sind den Besuchern meist unbekannt.

Unter solchen Gesichtspunkten ist es möglich, Vereinfachungen gegenüber den Anlagen in Versammlungsstätten vorzunehmen.

Dazu gehören aus meiner Sicht:

  • Wenn die Sicherheitsstromquelle (USV) sich im gleichen Brandabschnitt befindet wie die Leuchten, ist eine Verlegung von Leitungen in Funktionserhalt nicht erforderlich.

  • Befindet sich die USV in einem anderen Brandabschnitt, so ist nur von dort aus bis zum jeweiligen verfahrenstechnischen Raum die Leitung in Funktionserhalt zu verlegen.

  • Auf Dauerschaltung der Sicherheitsleuchten kann verzichtet werden.

  • Die USV darf auch für andere Zwecke benutzt werden, wenn sie ihrer Aufgabe als Sicherheitsstromquelle gerecht bleibt (Brenndauer, Kapazität).

  • Die USV muss nicht unbedingt nach DIN EN 50171 (VDE 0558-508) [3] aufgebaut sein (USV für Sicherheitszwecke); es genügt eine „Normalausführung“, die aber z. B. monatlich auf Funktion geprüft werden muss usw.

Bei einer solchen Gefährdungsbeurteilung geht es auch um Gefahren durch bewegte Teile, laufende Pumpen oder Antriebe oder Treppenstufen, die bei der Flucht aus diesen Räumen zu beachten sind.


Literatur:

[1] DIN VDE 0100-560 (VDE 0100-560):2013-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-56: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Einrichtungen für Sicherheitszwecke.
[2] Betriebssicherheitsverordnung – BetrSichV, Bundesgesetzblatt Jahrgang 2015 Teil I Nr. 4, S. 49, ausgegeben zu Bonn am 6. Februar 2015.
[3] DIN EN 50171 (VDE 0558-508):2001-11 Zentrale Stromversorgungssysteme.

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