Abzweigdose aus Blech

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Ist es zulässig, eine bestehende (alte) Blechabzweigdose zu verwenden und in diese eine NYM-Leitung einzuführen? Oder muss hier eine neue Abzweigdose gesetzt werden? Problematisch finde ich auch, dass die Abzweigdose sehr nahe zu Bauöffnungen sitzt und ein vorhandenes altes Installationsrohr nicht 100 %ig in die Abzweigdose ragt.

Aus der Anfrage geht nicht hervor, um welches Gebäude es geht. Für Installationen in Fabrikgebäuden, Museen, Kaufhäusern, privaten Wohngebäuden usw. müssen unter Umständen unterschiedliche Anforderungen beachtet werden, auch wenn zugegebenermaßen die allermeisten Anforderungen an die Errichtung einer elektrischen Anlage in allen Gebäudearten gleich sind.

Für die Kabel- und Leitungsanlage gilt in so gut wie allen Gebäuden zunächst die aktuell gültige DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520) [1]. Darüber hinaus sind möglicherweise je nach Gebäudeart und Nutzung zusätzliche Anforderungen aus anderen technischen Regelwerken und Normen zu beachten. In DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520) [1], Abschnitt 526.5findet man folgende Aussage: „Elektrische Verbindungen (Betriebsmittelanschlüsse und Leiterverbindungen) müssen in geeigneten Umhüllungen erfolgen, z. B. in Ausgangsdosen oder in Betriebsmitteln, falls vom Hersteller zu diesem Zweck Raum vorgesehen wurde [...] Dosen und Gehäuse für Installationsmaterial, z. B. Verbindungsdosen zur Unterbringung von Klemmen, Steckdosen oder Schaltern, müssen den Anforderungen nach der Normenreihe DIN EN 60670 (VDE 0606) entsprechen.“

Aus der erwähnten Normenreihe sind vor allem folgende Normen zu beachten:

  • DIN EN 60670-1 (VDE 0606-1) [2] sowie

  • DIN EN 60670-22 (VDE 0606-22) [3].

Dass die in der Anfrage erwähnte Abzweigdose den aktuellen Normen der Normenreihe DIN EN 60670 (VDE 0606) entspricht, ist eher unwahrscheinlich. Die Frage ist deshalb: Muss die Abzweigdose deshalb ausgetauscht werden?

Bei den Errichtungsnormen, zu denen auch die zuvor erwähnte DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520) [1] gehört, geht es stets um die Errichtung einer elektrischen Anlage. In der Anfrage ist jedoch offenbar von einer Nachrüstung in einer bestehenden elektrischen Anlage die Rede. Natürlich muss bei Änderungen oder einer nachträglichen Errichtung in der bestehenden Elektroinstallation sowie möglicherweise auch bei Nutzungsänderungen des Gebäudes bzw. Gebäudeteils stets die aktuell gültige Norm beachtet werden.

Bei einer Nachrüstung von Stromkreisen, Reparaturen oder Neuverlegungen von Leitungen usw. bezieht sich die Anforderung, alle aktuell gültigen Normen zu beachten, allerdings immer nur auf die Teile, die tatsächlich neu hinzukommen oder verändert werden. Wird z. B. ein neuer Steckdosenstromkreis errichtet, muss dafür selbstverständlich auch ein zusätzlicher Schutz nach DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [4], Abschnitt 411.3.3 vorgesehen werden. Allerdings bedeutet dies nicht, dass nun sämtliche bereits vorhandenen Stromkreise in diesem Sinn angepasst werden müssen, auch wenn dies wahrscheinlich wünschenswert wäre. Viele sprechen in diesem Zusammenhang vom sogenannten Bestandschutz.

Die GED (Gesellschaft für Energiedienstleistung) hat in Zusammenarbeit mit dem Elektrohandwerk zu diesem Thema die Schrift „Elektroinstallationen im Spannungsfeld von Anpassung und Bestandsschutz“ [5] herausgegeben. Darin ist das Thema „Bestandschutz“ umfassend und für den Errichter verständlich behandelt worden.

Da der Begriff „Bestandschutz“ in Normen gar nicht vorkommt, sollte man besser von einer möglichen Anpassungsforderung sprechen. Bei einer Problemstellung, wie die, die in dieser Leseranfrage beschrieben wurde, sollte man also zunächst die Frage stellen: Gibt es irgendeine Anpassungsforderung, die zwangsläufig eine Anpassung an aktuell gültige Normen notwendig macht?

Zunächst muss betont werden, dass VDE-Normen solche Anpassungsforderungen nicht stellen dürfen, weil sie keine gesetzlichen Regelungen darstellen. Forderungen können nur Behörden oder entsprechende staatliche Institute usw. stellen und durchsetzen. Beispielsweise kann die Berufsgenossenschaft aufgrund von Unfallbeobachtungen eine Anpassung fordern oder eventuell auch der Gesetzgeber durch die Betriebssicherheitsverordnung, z. B. in Bezug auf Explosionsschutzmaßnahmen. Gesetzliche Verordnungen können beispielsweise auch fordern, dass die elektrische Anlage oder Teile davon an aktuell gültige Normen angepasst werden müssen.

Im Fall der Nachinstallation einer NYM-Leitung findet man eine derartige Anpassungsforderung nicht, es sei denn, dass hier besondere (vor allem staatliche) Anforderungen, z. B. in Bezug auf Explosionsschutzmaßnahmen nach Betriebssicherheitsverordnung, betroffen sind.

Allerdings gibt es zwei Aspekte, die in diesem Zusammenhang vor Ort geprüft und bewertet werden müssen:

  1. Die Voraussetzung, dass eine vorhandene elektrische Anlage oder Teile davon nicht verändert werden muss, ist die Tatsache, dass sie bei der Errichtung den damals gültigen Normen entsprochen hat. Wenn dies nicht der Fall war, muss selbstverständlich angepasst werden – und zwar an die heute gültigen Normen. Die Begründung ist die: Ein Mangel, der damals bei der Errichtung unentdeckt blieb, wird nicht deshalb behoben, weil dieser Mangel unentdeckt über möglicherweise viele Jahre bestanden hat, ohne dass dies jemand bemerkt hätte. Ein Mangel ist immer ein Mangel und muss behoben werden; eine „Verjährung“ für einen technischen Fehler ist in sich unsinnig.

  2. Wenn der fragliche Teil der elektrischen Anlage bei der Errichtung den damals gültigen Normen entsprochen hat, aber im Laufe der Zeit durch nachfolgende Beanspruchungen, z. B. durch mechanische oder thermische Einwirkungen oder durch materialbedingte Alterung, einen gefahrdrohenden Zustand aufweist, so ist der Errichter verpflichtet, diesen gefährlichen Zustand zu beheben – und dies selbstverständlich mit Berücksichtigung der aktuell gültigen Normen.

Ob der Zustand der fraglichen Abzweigdose einschließlich der in Frage gestellten Leerrohreinführung zu bemängeln ist, kann nur vor Ort beurteilt werden. Der Hinweis auf „falsche Abstände zu Bauöffnungen“ ist zumindest nicht dazu geeignet, aus der Ferne eine Bewertung abzugeben. Auf alle Fälle ist die Tatsache, dass es sich um eine veraltete Abzweigdose handelt, die heute (bei einer Neuerrichtung) so nicht mehr eingesetzt werden dürfte, kein ausreichender Grund, diese auszutauschen.


Literatur:

[1] DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520):2013-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-52: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Kabel- und Leitungsanlagen.
[2] DIN EN 60670-1 (VDE 0606-1):2014-01 Dosen und Gehäuse für Installationsgeräte für Haushalt und ähnliche ortsfeste elektrische Installationen – 
Teil 1: Allgemeine Anforderungen.
[3] DIN EN 60670-22 (VDE 0606-22):2007-07 Dosen für Installationsgeräte für Haushalt und ähnliche ortsfeste elektrische Installationen – Teil 22: Besondere Anforderungen für Verbindungsdosen.
[4] DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag.
[5] Elektro + Elektroinstallationen im Spannungsfeld von Anpassung und Bestandsschutz, GED Gesellschaft für Energiedienstleistung GmbH & Co. KG; 1. Auflage Januar 2012.

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