Abstände beim Errichten einer Leerrohranlage

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?Wir planen eine Leerrohranlage, die zwei Gebäude miteinander verbinden sollen, wodurch die Versorgung von Strom, Telefon und Wasser erfolgen soll. Welcher Abstand muss zwischen Leistungs- und Datenkabeln eingehalten werden? Ist es überhaupt zulässig, eine Wasserleitung in die Leerrohranlage mit einzubinden? Aus erster Betrachtung verträgt sich Wasser und Strom natürlich nicht, aber da die verwendeten Leitungen auch für die Erdverlegung geeignet sein sollten, würden diese bei freier Verlegung im Boden (ohne Leerrohr) ja auch nebeneinander liegen.

!In den VDE-Normen findet man hierzu leider keine klaren Anweisungen. Allerdings haben die Regelsetzer der anderen Gewerke hierzu einige Anforderungen formuliert, die sicher auch für den konkreten Fall, der in der Anfrage beschrieben wird, hilfreich sein können.

Als Beispiel soll das „Regelblatt 900“ [1] der Leipziger Wasserwerke dienen. Im Abschnitt 4.5 dieses Papiers heißt es: „Darüber hinaus ist darauf zu achten, dass durch die Einhaltung eines Sicherheitsabstandes die Standsicherheit anderer Anlagen (z. B. von Gebäuden oder bruchgefährdeten Leitungen) durch Aushub, Verdichtungs- oder Rohrleitungsarbeiten nicht beeinträchtigt wird […] Für die Verlegung des Schutzrohres für die Trinkwasseranschlussleitung sind die Mindestabstände von Tabelle 4-2 (jeweils gemessen ab Schutzrohraußenkante) zu unterirdischen Anlagen einzuhalten.“ (Tabelle 1).

Diese Regelungen sind im Wesentlichen dem Arbeitsblatt W 400 1 [2] des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e. V.) entnommen. In diesem Arbeitsblatt wird im Abschnitt 12.3 Folgendes festgelegt: „Bei seitlichen Näherungen oder Parallelführungen mit anderen Rohrleitungen oder Kabeln sollte ein horizontaler Abstand von 0,40 m üblicherweise nicht unterschritten werden.

Ein horizontaler Abstand von 0,20 m muss auch an Engstellen oder bei schmalen Rohrgräben eingehalten werden, es sei denn, auch dieser Mindestabstand kann aus der örtlichen Situation heraus nicht eingehalten werden. Muss der Abstand an solchen Engstellen oder bei Mehrspartenhausanschlusssystemen weiter vermindert werden, ist durch geeignete Maßnahmen, z. B. Verlegung im Schutzrohr, ein direkter Kontakt zu verhindern.

Der Abstand zu Fernleitungen sollte mindestens 1,0 m betragen. Bei kleineren Abständen sind besondere Maßnahmen zu treffen. Ist für die Leitung eine Dienstbarkeit im Grundbuch eingetragen, gelten die dort festgelegten Bedingungen (Schutzstreifenbreiten).

Zur Vermeidung einer Lichtbogenbildung im Fehlerfall muss bei metallischen Rohren mit/ohne Kunststoffumhüllung bei der Unterschreitung des Mindestabstandes von 0,20 m zu Stromkabeln durch den Einbau geeigneter Bauteile ist [sic!] die elektrische Trennung zu sichern und unzulässige Induktion von Wechselspannungsströmen zu verhindern.

Bei Kunststoffrohren ist bei der Unterschreitung des Mindestabstandes von 0,20 m zu Stromkabeln eine ausreichende Wärmedämmung vorzusehen.

Die erforderlichen Maßnahmen sind mit den jeweiligen Leitungsbetreibern abzustimmen.“

Die in diesem Arbeitsblatt der DVGW genannten Abstände und sonstigen Anforderungen sollten wo immer möglich eingehalten werden.

Auf alle Fälle und besonders dann, wenn die Abstände nicht eingehalten werden können, sollten mindestens folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  1. Es muss verhindert werden, dass durch Arbeiten, die irgendwann an einem Rohr bzw. Leitungssystem notwendig werden könnten (z. B. Reparaturen oder Austausch), die übrigen Rohre und Leitungen Schaden nehmen können.

  2. Es muss verhindert werden, dass die Wärme, die typischerweise in belasteten Kabeln und elektrischen Leitungen entsteht, sich auf die Trinkwasserleitung überträgt. Das ist ohne einen entsprechenden Abstand zwischen den Rohren nur schwer möglich.

  3. Es muss vermieden werden, dass mögliche Fehler in der elektrischen Leitungsanlage sich auf die übrigen Leitungen und Rohrsysteme auswirken können. Auch ein möglicher Lichtbogen, der bei einem Isolationsfehler entstehen könnte, sollte zumindest mit bedacht werden. Die Führung in getrennten und fest verlegten Schutzrohrsystemen mit einem entsprechenden Abstand ist sicher eine geeignete Maßnahme.

  4. Eng verknüpft mit Punkt 3) ist die Vermeidung von Induktionsströmen auf leitfähige Rohre bzw. Schutzrohre der anderen Gewerke. Für diesen Fall sollte jedes leitfähige Rohr bzw. Schutzrohr, vor allem das Schutzrohr für die elektrischen Leitungen, an beiden Enden in das Potentialausgleichs- bzw. Erdungssystem der beiden Gebäude, die durch die Leerrohranlage verbunden werden, einbezogen werden (beidseitiger Anschluss). Bei nicht leitfähigen Rohren kann ein mitgeführter Potentialausgleichsleiter (z. B NYY 1 × 16 mm2), der in beiden Gebäuden mit dem Potentialausgleichs- bzw. Erdungssystem verbunden wird, das Risiko einer induktiven Übertragung mindern.

  5. Es muss eine Abstimmung mit den jeweiligen Leitungsbetreibern stattfinden. Der für die Trinkwasserleitung zuständige Planer bzw. Errichter muss ebenso involviert sein wie derjenige, der für die Planung/Errichtung der elektrischen Anlage verantwortlich ist.

Diese kurze Aufzählung enthält lediglich einige wesentliche Punkte. Auf alle Fälle sollten die zuvor erwähnten Technischen Regeln der DVGW wo immer möglich beachtet werden.

Literatur



Tafeln:

{1} (Quelle: HUSS-MEDIEN GmbH)

Literatur:

[1] Regelblatt TW 900, Vorgaben für Tiefbauarbeiten in Eigenleistung bei Trinkwasserhausanschlüssen; Ausgabe: 08-2011; Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH.
[2] DVGW W 400-1:2015-02 Technische Regeln Wasserverteilungsanlagen (TRWV) – Teil 1: Planung; Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e. V.

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