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Wenn es außerhalb des Fahrzeuges zu einer Vertauschung zwischen Außenleiter und Schutzleiter kommt, stehen alle leitfähigen Teile des Fahrzeuges unter Netzspannung. Die Gummireifen wirken im Regelfall gut isolierend. Der RCD im Fahrzeug löst nicht aus, Quelle: Bröcker; ep
Elektrosicherheit | Schutzmaßnahmen | Betriebsausstattung | Nutzfahrzeuge

Aus dem Facharchiv: Elektropraxis

Niederspannungsanlagen in mobilen Einrichtungen

04.04.2024

Die häufig gestellten Fragen zur elektrischen Sicherheit und zu möglichen Fehlerkonstellationen bei Niederspannungsanlagen in mobilen Einrichtungen sowie deren routinemäßigen Sicherheitsüberprüfungen gaben Anlass, einige Sicherheitsaspekte näher zu betrachten und zu beleuchten. Auffällig ist, dass die Kostenfrage für Anwender häufig einen wesentlich höheren Stellenwert zu haben scheint, als die elektrische Sicherheit in und um die mobilen Einrichtungen.

Bemerkenswert ist zudem, dass oft Normen nicht im Detail gekannt werden und der Umfang von Normen als unnötiger Ballast angesehen wird.

Einsatzkräfte der Blaulichtorganisationen müssen sich stets auf die elektrische Sicherheit und Zuverlässigkeit der Fahrzeuganlagen und Geräte verlassen können. Das muss auch dann noch gegeben sein, wenn es vom Personal zu einer Fehlbedienung kommt.

Die elektrische Sicherheit zum Schutz der Einsatzkräfte und der Hilfe suchenden Personen hat höchste Priorität und ist nicht verhandelbar! Daneben ist auch die funktionelle Sicherheit der elektrischen Einsatzmittel von großer Bedeutung.

Sicherheit von Betriebsmitteln

Eine zwingende Pflichtanforderung an Produkte und elektrische Betriebsmittel ist der Grundsatz nach DIN 31000 (VDE 1000) [1]: „Produkte müssen so gestaltet werden, dass sie unter Einwirkungen, die bei bestimmungsgemäßer Verwendung und bei vernünftigerweise vorhersehbarer Fehlanwendung zu erwarten sind, sicher sind.“

Zur Erfüllung der elektrischen Sicherheitsanforderungen geben die Normen der Reihe VDE 0100 viele technische Möglichkeiten und Alternativen vor. Dennoch liegt die juristische Hauptverantwortung, dass alle Eventualitäten betrachtet und bewertet wurden, zuerst bei dem Planer/Ausschreiber des Gesamtsystems. Dazu zählt auch die richtige Auswahl von sicheren, der Aufgabe zweckentsprechenden Geräten und Bauelementen.

Beim Aufbau und Ausstatten von Fahrzeugen zählt dazu auch das Festlegen der Netzart im Fahrzeug sowie die Errichtung dieser Niederspannungsanlage. Letzteres ist ausschließlich vom zukünftigen Verwendungszweck des Fahrzeugs und der funktionalen Sicherheit der Niederspannungsanlage abhängig. An zweiter Stelle in der Verantwortungskette steht die Fachfirma, die die Bauausführung vornimmt und vor allem eine normengerechte Installation der elektrischen Anlage auszuführen hat. Sie hat bei Unklarheiten, Widersprüchen zu oder Abweichungen von den Normen sowie der Bauausführung und Planung rechtzeitig den Planer und/oder den Auftraggeber darüber zu informieren.

Sollte sich zu einem späteren Zeitpunkt herausstellen, dass von der Fachfirma ein Sicherheitsmangel erkannt und ignoriert worden ist, so steht auch sie als die Errichterfirma mit in der Haftung. An letzter Stelle in der Verantwortungskette steht der Fahrzeugbesitzer, der Anlagenbetreiber (evtl. die Fachaufsicht, die Elektrofachkraft, die das Projekt, das Fahrzeug und die Geräte betreut).

Der Betreiber, Anlagennutzer, die Einsatzkräfte und Hilfe leistende Personen sind im Regelfall elektrotechnische Laien. Von ihnen ist nicht zu erwarten, dass alle elektrotechnischen Zusammenhänge erkannt und verstanden werden, auch dann nicht, wenn sie in die Funktion der Fahrzeuganlage eingewiesen wurden, und schon gar nicht unter Einsatzbedingungen „Einsatzstress“.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass das komplexe Verstehen von elektrotechnischen Zusammenhängen, manche Male selbst für erfahrene Elektrofachkräfte eine große Herausforderung ist. Dazu gesellen sich dann häufig noch Personen und Personengruppen mit Halbwissen, die ohnehin meinen, alles besser zu können und zu wissen, aber selten eine Norm in der Hand gehabt haben.

Autor: R. Bröcker

Literatur

[1] DIN 31000 (VDE 1000):2017-04 Allgemeine Leitsätze für das sicherheitsgerechte Gestalten von Produkten.

 Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.