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Betriebsführung

Betriebsführung: Verbände fordern Wiedereinführung des Meisterzwangs

Mehr Pfusch am Bau ohne Meisterbrief

02.06.2017

Handwerksverbände und die Gewerkschaft IG Bau beklagen einen Rückgang von Qualität und Lehrausbildung seit Aufhebung der Meisterpflicht in 52 Handwerksberufen – und sie fürchten einen Vorschlag der EU. Er würde den Meisterbrief überflüssig machen.

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Liberalisierung führt zum Fachkräftemangel

Handwerkslehrlinge dürfen in der Regel nur in Meisterbetrieben ausgebildet werden. Seit Abschaffung der Meisterpflicht sind die Ausbildungszahlen bundesweit gesunken. Im Fliesenlegerhandwerk gingen die Ausbildungen zwischen 2004 und 2015 um 27 Prozent zurück. Das hat Folgen für die Zukunft der Branche. Lassen sich keine Ausbildungsbetriebe mehr finden, kann kein Nachwuchs folgen – das Handwerk stirbt aus.

Meisterbetriebe können den Rückgang der Ausbildungsplätze nicht mit einem größeren Angebot an Lehrstellen kompensieren. Die Kosten für eine Lehrlingsausbildung sind zu stark gestiegen.

Vor der Reform der Handwerksordnung lohnte es sich für ein Unternehmen, junge Facharbeiter auszubilden. In der Regel blieb der Geselle nach seiner erfolgreich abgelegten Prüfung einige Jahre im Unternehmen, wodurch sich die Ausbildungskosten von etwa 25.000 Euro für drei Jahre amortisierten.

Doch in Berufen ohne Meisterzwang kann sich jeder Geselle am Tag nach der Prüfung selbstständig machen. Statt als wertvoller Mitarbeiter im Unternehmen zu arbeiten, wird er eventuell zum preiswerten Konkurrent. Das können und wollen sich die ausbildenden Unternehmen nicht mehr leisten.

Abschaffung des Meisterbriefs durch die Hintertür?

In den verbliebenen Berufen, in denen ein Meisterbrief zur Führung eines Unternehmens notwendig ist, sind Handwerker und Verbände alarmiert. Die EU drängt auf die komplette Abschaffung des Meisterbriefs, um den Zugang zu reglementierten Berufen zu erleichtern. Kritiker halten den Meisterbrief für ein zünftisches Relikt aus dem Mittelalter. Österreich hat den Meisterzwang beispielsweise im Jahr 2000 komplett gestrichen.

Weil Kanzlerin Angela Merkel den Meisterbrief jedoch mit aller Macht verteidigt, sucht man in Brüssel den Weg durch die Hintertür und beruft sich auf den für Europa geltenden Binnenmarkt, der die Dienstleistungsfreiheit beinhaltet. Dadurch könnte die EU das Prinzip des deutschen Meisterbriefs unterlaufen.

Die EU-Kommission will den Meisterbrief durch eine Plastikkarte ersetzen. Mit der kann zum Beispiel ein Handwerker aus anderen EU-Staaten nach Prüfung der Qualifikation durch die hiesige Handwerkskammer seinen Job in Deutschland beginnen.

Nach Vorstellung der EU hätte die Handwerkskammer 14 Tage Zeit für die Prüfung. Schafft sie es binnen zwei Wochen nicht, kann der Handwerker ohne ihre Zustimmung in Deutschland arbeiten – in allen Berufen. Zulassungspflichtige Handwerke gemäß Handwerksordnung (HwO, Anlage A)

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Autor
Name: Antje Schubert