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Klassische Nullung bei einer Steckdose, Quelle: Schmolke; ep
Elektrotechnik | Elektrosicherheit | Schutzmaßnahmen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage

Klassische Nullung

05.12.2023

Ist es erlaubt, bei einer klassischen Nullung (die ohnehin nicht mehr zulässig ist), den Neutralleiter getrennt mitzuführen?

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Frage:
Meine Frage lautet, ob bei einer klassischen Nullung ein reiner Neutralleiter zusätzlich mitgeführt werden darf. Zum Sachverhalt: In einer Altbauwohnung wurde wegen zusätzlicher Stromkreise der PEN wie in der Norm gefordert aufgeteilt. Die neuen Stromkreise sind ebenfalls normgerecht aufgelegt. Nun gibt es aber auch alte Stromkreise, bei denen der (graue) PEN richtigerweise auf die PEN/PE-Schiene aufgelegt ist. Diese zweiadrigen Stromkreise lassen sich nicht mit verträglichem Aufwand ändern. In den einzelnen Räumen hingegen ließen sich in einigen Installationsrohren die (Einzel-)adern austauschen. Was spräche dagegen, bei diesen Stromkreisen in der ersten Abzweigdose eine PEN-Aufteilung vorzunehmen und von dort mit einer an den Enden blau gegenzeichneten grün-gelben Ader als PEN weitere Dosen zu versorgen, während gleichzeitig ein blauer Neutralleiter für die Dosen mitgeführt wird, an denen er sich nachrüsten lässt? Also quasi ein TN-C-S-Netz in 1,5 mm2. Somit wäre der PEN vom Betriebsstrom teilweise entlastet und eine unzulässige Verbindung von PE und N nach der PEN-Aufteilung vermieden.

Antwort:
Leider ist die Beschreibung der Situation in der dargestellten Altbauwohnung nicht in allen Punkten eindeutig bzw. nicht ohne weiteres nachzuvollziehen. Die Beantwortung wird deshalb möglicherweise an einigen Stellen nicht umfassend der Leserfrage gerecht.

Das erste Thema, das aus der Leseranfrage hervorgeht, wäre die Frage, „ob bei einer klassischen Nullung ein reiner Neutralleiter zusätzlich mitgeführt werden darf“. Über die früher übliche „klassische Nullung“ wurde in der Vergangenheit vielfach diskutiert und in Artikeln und Fachbüchern berichtet. Die „Initiative Elektro+“ (ein Zusammenschluss führender Markenhersteller und Verbände der Elektrobranche, z. B. der Zentralverband des Elektrohandwerks) hat eine Informationsbroschüre mit dem Titel „Elektroinstallationen im Spannungsfeld von Anpassung und Bestandsschutz“ [1] herausgegeben. Dort findet man zu diesem Thema folgende Aussage: „In Gebäuden, die in einer Zeit bis ca. 1970 erstellt wurden, findet man gebietsweise noch als Maßnahme für den Schutz gegen elektrischen Schlag die sogenannte ,klassische Nullung‘. Bei Steckdosen, die über einen Schutzkontakt verfügen (z. B. ,Schuko‘), wird dabei durch Verbinden dieses Schutzkontakts mit dem geerdeten Rückleiter (,N‘) ein definiertes elektrisches Potential auf das leitfähige Gehäuse des Verbrauchsmittels geführt […]

Seit 1973 ist diese klassische Nullung nicht mehr zulässig, und es ist dringend zu empfehlen, auch in älteren Anlagen bei Modernisierungsarbeiten für die betroffenen Stromkreise Leitungen zu installieren, die den Neutralleiter und den Schutzleiter getrennt führen.“

Wichtig ist, dass bei der klassischen Nullung in der bis mindestens 1958 in Normen beschriebenen Ausführung mit zwei Adern der schwarze Leiter als Außenleiter verwendet wurde und der graue Leiter als Nullleiter (oder Mittelpunktleiter Mp). Dieser Nullleiter übernahm die Funktion eines Neutralleiters, wie er in aktuellen Normen genannt wird. Da dieser Nullleiter gegen Erde keine (oder nur eine geringe) Spannung führte, wurde er in den Endstromkreisen zugleich als Schutzleiter verwendet. Beispielsweise wurde er in Schutzkontakt-Steckdosen deshalb mit der Anschlussklemme für den zweiten aktiven Leiter verbunden und von dort über einen kurzen Leiter mit dem Schutzkontakt der Steckdose (Bild).

Einen „reinen Neutralleiter“ in einem solchen Stromkreis mitzuführen würde bedeuten, dass zunächst der Stromkreis selbst verändert bzw. angepasst wird, wobei im besagten Stromkreis extrem alte Regelungen mit aktuellen Anforderungen vermischt würden. Allein dies ist aus der Sicht der Normung kaum vertretbar, denn bei jeder Änderung, Anpassung oder Erweiterung müssen die aktuellen Normen beachtet werden. Dass bei der Anpassung bzw. Änderung eines Stromkreises neue mit alten Regelungen nebeneinander bestehen bleiben, ist in Normen nicht vorgesehen. Hier würde der Errichter von sich aus die Verantwortung übernehmen und im Schadenfall beweisen müssen, dass seine Lösung die gleiche Sicherheit bietet, wie die Anforderung der Normen.

Autor: H. Schmolke

Literatur

[1]  Elektroinstallationen im Spannungsfeld von Anpassung und Bestandsschutz; GED Gesellschaft für Energiedienstleistung GmbH & Co. KG; Redaktion: Arbeitskreis Kommunikation der Initiative ELEKTRO+; 1. Auflage Januar 2012.

Der vollständige Artikel  ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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