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Elektrotechnik | Elektrosicherheit | Messen und Prüfen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage

Erdung in einem elektrischen Messgerät

07.05.2024

Darf in elektrischen Messgeräten eine Erdung des sekundären GND erfolgen?

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Frage:
Ist in Steuerstromkreisen elektrischer Messgeräte eine Erdung des sekundären GND zulässig? Dies geschieht in unseren Geräten aus rein funktionalen Gründen. Die Steuerspannung wird über Transformatoren ohne sichere Trennung hergestellt. Die Gehäuse unserer Geräte sind zusätzlich zur Netzanschlussleitung über eine Erdungsleitung mit 4 mm2 geerdet.

Antwort:
Ich gehe davon aus, dass die angesprochenen Messgeräte in den Anwendungsbereich der Querschnittsnorm für Messgeräte, der DIN EN 61010-1 (VDE 0411-1) [1] fallen.

In dieser Norm sind allerdings keine Vorgaben zu der Thematik enthalten, es geht immer um elektrische Gefährdungen, die nach außen gelangen können. Wie der innere Aufbau von Steuerstromkreisen sein soll, ist nicht beschrieben und kann nur aus den anderen Vorgaben abgeleitet werden.

Wenn aus funktionalen Gründen eine sekundäre Erdung des Steuerstromkreises nötig ist, dann bleibt doch nur die Frage, wie dies richtig aufzubauen ist.

Bei einem Transformator ohne sichere Trennung liegt auf der Sekundärseite vermutlich FELV, also Funktionskleinspannung, an. Dann ist ein Außenleiter zu erden und die Schutzmaßnahme der Primärseite muss auch auf der Sekundärseite wirksam sein.

Wie dies dann genau funktionieren kann, muss im Rahmen einer Risikobewertung individuell anhand der geplanten Funktionsweise des Messgerätes erarbeitet werden. Allerdings würde ich eher empfehlen, die Steuerspannungsquelle gegen eine mit sicherer Trennung auszutauschen, das erspart u. U. viele notwendige Klimmzüge.

Zusätzlicher Schutzpotentialausgleich. Der zusätzliche Schutzpotentialausgleich kann eine mögliche Schutzvorkehrung nach DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [2] sein, um eine Schutzmaßnahme umzusetzen. Eine vollwertige Schutzmaßnahme ist der Schutzpotentialausgleich jedoch noch nicht, denn eine Schutzmaßnahme besteht immer aus zwei Schutzvorkehrungen.

Fazit. Leider lässt sich anhand der vorhandenen Informationen nicht viel sagen, sodass die Fragestellung hier nicht abschließend geklärt werden kann. Dazu ist der Einstieg in den Produktentwicklungsprozess notwendig, der sich so aus der Ferne nicht erbringen lässt. Grundsätzlich ist die beschriebene Ausführung zunächst möglich, muss aber genauer hinterfragt werden.

Autor: M. Lochthofen

Literatur
[1] DIN EN 61010-1 (VDE 0411-1):2020-03 Sicherheitsbestimmungen für elektrische Mess-, Steuer-, Regel- und Laborgeräte – Teil 1: Allgemeine Anforderungen.

[2] DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag.

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.

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