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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Zusätzlicher Potentialausgleich

Wie und unter Anwendung welcher Normen bzw. Vorschriften erfolgt der Potentialausgleich im Sanitärbereich ohne vorhandenen Hauptpotentialausgleich aber mit kunststoffumhüllten Metallrohren?

Eine installierte Potenzialausgleichsschiene. No machine-readable author provided. Jarlhelm assumed (based on copyright claims)., CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons; Page-URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Potenzialausgleichsschiene.jpg

Frage:
Wir sollen im Bad eines Bungalows einen zusätzlichen Potentialausgleich installieren. Die Leitungen für Wasser sind in kunststoffumhüllten Metallrohren ausgeführt. Es gibt einen Boiler mit 80 l Fassungsvermögen, eine Dusche und ein Waschbecken. Ein Hauptpotentialausgleich ist nicht vorhanden. Wie ist mit den kunststoffumhüllten Metallrohren zu verfahren? Wie sind die letzten Sätze des Abschnitts 701.415.2 von DIN VDE 0100-701 (VDE 0100-701) zu verstehen und zu handhaben?

Antwort:
Vorweg.
Leider macht der Anfragende keine Angaben dazu, ob es sich um die Neuerrichtung einer elektrischen Anlage zum jetzigen Zeitpunkt in einem Raum mit Badewanne oder Dusche handelt oder ob es sich um eine vorhandene elektrische Anlage handelt, die nach früher gültigen Normen errichtet wurde und bei der, bei einer wiederkehrenden Prüfung, das Fehlen des Schutzpotentialausgleichs festgestellt wurde.

Fakt ist, dass es eigentlich nicht sein kann, dass es noch Gebäude mit elektrischen Anlagen gibt, bei denen ein „Hauptpotentialausgleich“ (jetzt: Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene) nicht vorhanden ist. Die Forderung nach einem „Hauptpotentialausgleich“ ist schon mindestens 50 Jahre in den Normen verankert. Zuerst war der Hauptpotentialausgleich in VDE 0190 (Bestimmungen für das Einbeziehen von Rohrleitungen in Schutzmaßnahmen von Starkstromanlagen mit Nennspannungen bis 1000 V) gefordert. Erst später wurde dann die Forderung in DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) und DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540) übernommen.

Aber in den Fällen, in denen der Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene nicht vorhanden ist, dürfte es ein leichtes sein, den Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene nachzurüsten. Im Falle der Nachrüstung des Schutzpotentialausgleiches über die Haupterdungsschiene (hierbei handelt es sich nicht um eine Anpassung sondern um Herstellung der damals normativ geforderten Ausführung) wäre es von Bedeutung, wann die elektrische Anlage für den Raum mit Badewanne oder Dusche errichtet wurde, um zu klären, wie mit den kunststoffumhüllten Metallrohren zu verfahren ist, da es unterschiedliche Festlegungen in den Normen gab und gibt, siehe die nachfolgende Antwort zur ersten Frage nach den kunststoffumhüllten Metallrohren.

Kunststoffumhüllte Metallrohre. Ausgehend davon, dass ein zusätzlicher (örtlicher) Schutzpotentialausgleich durchgeführt werden muss, weil ein Hauptpotentialausgleich nicht vorhanden ist, dann gilt Folgendes: In der Ausgabe von 1984 von DIN 57100-701 (VDE 0100-701)[1] gab es zu solchen kunststoffumhüllten Metallrohren noch keine Aussagen, weil zu diesem Zeitpunkt solche Rohre noch nicht (oder nur in sehr geringen Maße) zur Anwendung kamen. Formal müssten sie daher in den Schutzpotentialausgleich einbezogen werden, da sie rein theoretisch ein Potential einführen könnten.

In der Ausgabe von 2002 von DIN VDE 0100-701 (VDE 0100-701) [2] gab es erstmals Hinweise/Festlegungen zu solchen kunststoffumhüllten Metallrohren. Im Abschnitt 701.413.1.2.2 von DIN VDE 0100-701 (VDE 0100-701) [2] gab es folgende Hinweise: „Das Einbeziehen von kunststoffummantelten metallenen Rohren in den zusätzlichen Potentialausgleich wird nicht gefordert.“

In der Ausgabe von 2008 DIN VDE 0100-701 (VDE 0100-701) [3] wurden die Aussagen/Festlegungen zu solchen kunststoffumhüllten Metallrohren im letzten Absatz von Abschnitt 701.415.2, wie folgt etwas spezifiziert: „Für kunststoffumhüllte Metallrohre wird der zusätzliche Schutzpotentialausgleich nicht gefordert, wenn s

  • in Räumen mit Badewanne oder Dusche nicht berührt werden können und
  • nicht mit solchen berührbaren, leitfähigen Teilen verbunden sind, welche selbst nicht in den zusätzlichen Schutzpotentialausgleich einbezogen sind.“

Diese Ausgabe von DIN VDE 0100-701 (VDE 0100-701) [3] ist derzeit noch gültig.

Zusätzlicher Schutzpotentialausgleich. Die Festlegungen im Abschnitt 701.415.2 von DIN VDE 0100-701 (VDE 0100-701) [3] wurden sicher nicht mehr tiefgehend betrachtet, da man in Deutschland davon ausgeht, dass der Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene, aufgrund der normativen Festlegungen, immer vorhanden ist, ggf. aber nachgerüstet werden kann, sodass die vor genannten Anforderungen sekundär sind.

Gemeint ist damit aber nur, da es technisch kaum möglich sein dürfte, an solchen kunststoffumhüllten Metallrohren selbst eine leitfähige Verbindung mit dem zusätzlichen Schutzpotentialausgleich herzustellen, sodass dann ggf. – sofern diese kunststoffumhüllten Metallrohre eine leitfähige Verbindung zu berührbaren leitfähigen Gegenständen (z. B. Wasserhahn oder Heizkörper) haben, diese berührbaren Teile mit dem zusätzliche Schutzpotentialausgleich verbunden werden müssen. Dieses Vorgehen scheint mir aus meiner Sicht genauso problematisch zu sein, wie ein direkter Anschluss an den kunststoffumhüllten Metallrohren.

Wenn aber keine leitfähige Verbindung zwischen kunststoffumhüllten Metallrohren und berührbaren Einrichtungen gegeben ist und auch die Rohre selbst nicht berührbar sind –(z. B. weil unter Putz) dann darf auf den zusätzlichen Schutzpotentialausgleich auch dann verzichtet werden, wenn ein Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene nicht vorhanden ist.

Fazit. Es dürfte äußerst schwierig sein, solche kunststoffumhüllten Metallrohre direkt in den zusätzlichen Schutzpotentialausgleich mit einzubeziehen. Außerdem gab es zeitweise ja klare Vorgabe in den Normen, dass man an kunststoffumhüllten Metallrohren auf den zusätzlichen Schutzpotentialausgleich verzichten darf. Somit bin ich persönlich der Meinung, dass für kunststoffumhüllte Metallrohre auf den zusätzlichen Schutzpotentialausgleich verzichtet werden kann, auch wenn diese Rohre oder die daran angeschlossenen Geräte berührbar sind. Es erscheint mir kaum relevant zu sein, dass damit ein Potential in den Raum mit Badewanne oder Dusche eingeführt werden kann.

Allerdings sollte die Erleichterung „Entfall des zusätzlichen Schutzpotentialausgleichs“ nur für solche Rohre gelten, bei denen die Isolierung einen eher festen Bestandteil der Rohre darstellt. Nicht betroffen von der Ausnahme sind dagegen solche Rohre, bei denen sich auf einfache Weise die Isolierung entfernen lässt, z. B. Wicu-Rohre oder Rohre, bei denen nachträglich eine Wärmeisolierung aufgebracht wird.

Autor: W. Hörmann

Literatur:

[1] DIN 57100-701 (VDE 0100-701):1984-05 (ungültig) Errichten von Starkstromanlagen mit Nennspannungen bis 1 000 V – Räume mit Badewanne oder Dusche.

[2] DIN VDE 0100-701 (VDE 0100-701):2002-02 (ungültig) Errichten von Niederspannungsanlagen – Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Räume mit Badewanne oder Dusche.

[3] DIN VDE 0100-701 (VDE 0100-701):2008-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-701: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Räume mit Badewanne oder Dusche.

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.

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