Anzeige

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Zerstörte Zähleranlage reparieren

Wie kann eine durch Vandalismus zerstöre Zähleranlage fachgerecht repariert werden?

Vorschlag für die Führung von PEN-Leitern, Schutzleitern und Neutralleitern; Hauptzuleitung und Zuleitung zur Unterverteilung mit getrenntem „PEN (PE)“ und Neutralleiter (Quelle: Hörmann; ep)

Frage:
In einem Haus mit zehn Etagen ist die Zähleranlage durch Vandalismus derart zerstört worden, dass eine Neuinstallation notwendig ist. Die alte Zähleranlage wird durch eine 4-adrige Hauptleitung mit 16 mm2 (L1, L2, L3, PEN) eingespeist. Diese Leitung muss ebenfalls ausgewechselt werden. Im unteren Anschlussraum ist ein 4-poliges Schienensystem verbaut. Die zwölf Wohnungen werden ab dem oberen Anschlussraum durch 3-adrige Leitungen versorgt (z. B. L1, PE, N). In den Wohnungen sind noch zum großen Teil Endstromkreise in klassischer Nullung ausgeführt. Ein Auswechseln der Steigleitungen ist nicht möglich. Die neue Zähleranlage wird mit elektronischen Haushaltszählern (EDL 21) bestückt. Geliefert werden für das Versorgungsgebiet aber nur noch Zählerschränke mit 5-poligem Schienensystem im unteren Anschlussraum. Im oberen Anschlussraum ist die Aufteilung in PE und N bereits erfolgt. Wie kann man am besten verfahren, um die Anlage fachgerecht zu reparieren? Wie kann man am besten verfahren, um eine fachgerechte Reparatur der Anlage auszuführen:

 

 

1. Neue 5-adrige Hauptleitung zum Zählerschrank ziehen und eine Brücke zwischen N und PE im oberen Anschlussraum installieren, um einen PEN für die Versorgung der Wohnungen zu haben?

2. Neue 4-adrige Hauptleitung vom HA zum Zählerschrank installieren und eine Brücke zwischen PE und N Schiene?

3. Neue 4-adrige Hauptleitung vom HA zum Zählerschrank ziehen, die N-Schiene im unteren Anschlussraum entfernen und den N auf die dann vorhandene PEN-Schiene aufklemmen?

Antwort:
Hinweis. Zum Zeitpunkt der Beantwortung der Anfrage haben z. T. noch frühere Ausgaben von einigen Normen gegolten, so z. B die VDE-AR-N 4101:2015-09 [1], welche durch VDE-AR-N 4100:2019-04 [2] ersetzt wurde.

Vorweg. Normativ gibt es keine Forderung, beim Ersatz von elektrischen Betriebsmitteln die gesamte vorhandene elektrische Anlage an neuere Normen anzupassen, sofern sich von der vorhandenen elektrischen Anlage keine Gefahren für Personen oder Sachen ergeben.

Somit könnte auch die vorhandene 4-adrige Hauptleitung (Hauptstromversorgung vom Hausanschluss zum neuen Zählerplatz) bestehen bleiben, sofern vom Netzbetreiber ein Auswechseln gegen ein/eine 5-Leiter-Kabel/-Leitung nicht gefordert wird.

  • innerhalb eines Gebäudes

    • im Hausanschlusskasten (Bild A.1) oder
    • im unteren Anschlussraum des Zählerschrankes bei gemeinsamer Anordnung von Netzanschlusskasten und Zählerschrank in einer Hausanschlussnische nach DIN 18012“.

Überspannungsschutz. Beim Auswechseln des/der Zählerplatzes/Zählerplätze wird nun ein Überspannungsschutz gefordert, siehe hierzu den Abschnitt Fall 1 von „FAQ-Liste der häufigsten Fragen zur Klarstellung“ aus der Broschüre vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) „Schutz bei Überspannungen in Niederspannungsanlagen“ [3].

Neue Norm. Wie eingangs bereits erwähnt, haben zum Zeitpunkt der Beantwortung der Anfrage z. T. noch frühere Ausgaben von einigen Normen gegolten, so z. B die VDE-AR-N 4101:2015-09 [1], welche durch VDE-AR-N 4100 [2] ersetzt wurde. In dieser Norm gibt es analoge Aussagen. Im Abschnitt 6.3 von VDE-AR-N 4100 [2] ist nun Folgendes festgelegt: „Im TN-System ist eine Auftrennung des PEN-Leiters in PE- und N-Leiter ab der Einführung in das Gebäude an der Stelle, an der die Verbindung zur Haupterdungsschiene und damit zur Erdungsanlage hergestellt wird, erforderlich. Diese Anforderung gilt als erfüllt bei Anschluss

  • innerhalb eines Gebäudes mit Auftrennung
    • im Hausanschlusskasten oder
    • in einem Hauptleitungsverteiler oder
    • im netzseitigen Anschlussraum des Zählerschrankes
  • außerhalb eines Gebäudes (z. B. in einem Hausanschluss-/Zähleranschlussschrank, einem Hausanschlusskasten in/an der Gebäudeaußenwand oder über einen Dachständeranschluss) mit Auftrennung an der erstmöglichen Stelle im Gebäude.

Anschlussbeispiele im Hauptstromversorgungssystem sind in Anhang D, Bild D.1 bis Bild D.4 dargestellt.“

Zur konkreten Frage. Nun zum eigentlichen Problem, der Vermischung von PEN-Leitern, getrennter Neutralleiter und Schutzleiter. Dieses Problem tritt insbesondere auf, wenn noch Abgänge mit PEN-Leiter (klassische Nullung) in der vorhandenen elektrischen Anlage vorhanden sind, bzw. die Steigeleitung zwar 3-adrig ausgeführt wurden aber die dritte Ader (die blaue Ader) wie beim Anfragenden nicht verwendet oder im Nachhinein sogar abgezwickt wurde.

Das Problem der Vermischung tritt immer häufiger auf, weil viele Netzbetreiber die Erneuerung der Zählerplätze in vorhandenen elektrischen Anlagen fordern, z. B. weil die Zähleranlage von Einphasen-Wechselstrom in Dreiphasen-Wechselstrom (Drehstrom) umgerüstet wird.

In der neuen VDE-AR-N 4100 [2] gilt nun das Bild D.2. Der in dieser Abbildung aufgezeigte Überspannungsschutz wird nun durch den Austausch des Zählerplatzes notwendig werden.

Mein Vorschlag bzw. meine Vorschläge. Wenn die bisher vorhandene Hauptzuleitung ausgewechselt wird, dann sollte auf alle Fälle – so wie auch vom Anfragenden geplant – ein 5-adriges Kabel/eine 5-adrige Leitung ausgewählt werden, auch wenn der blaue Leiter derzeit nicht zur Anwendung kommen wird (nicht abzwicken!), siehe hierzu nachfolgenden Text und die Hinweise 3 und 4. Zusätzlich sollte/muss der grün-gelbe Leiter wie die Außenleiter bemessen werden (gleicher Querschnitt), da bei den nachfolgend beschriebenen Ausführungen der grün-gelbe Leiter als „PEN-Leiter“ auch den Neutralleiter mit beinhaltet.

Hinweis. Nach Abschnitt 412.2.1 von DIN VDE 0100-430 (VDE 0100-430) [5] gilt, dass der Querschnitt des Neutralleiters mindestens gleichwertig zum Querschnitt der Außenleiter sein muss. Wenn aber zu erwarten ist, dass der Strom im Neutralleiter, wegen möglicher Oberschwingungsströme) größer als der Strom in den Außenleitern sein kann, muss eine Überstromerfassung im Neutralleiter vorgesehen werden, welche die Abschaltung der Außenleiter bewirkt.

Dieser grün-gelbe Leiter der Hauptleitung sollte am Hausanschlusskasten und am Zählerplatz an den Leiterenden zusätzlich blau gekennzeichnet werden, um die PEN-Leiterfunktion klar hervorzuheben.

Dieser PEN-Leiter wird im Zählerschrank auf die bisher als „PE-Schiene“ gekennzeichnete Schiene angeschlossen und diese Schiene wird mit PEN(PE) beschriftet. Der blaue Leiter ist im Zählerschrank entweder isoliert „aufzulegen“ oder vorzugsweise an die vorhandene N-Schiene im Zählerplatz anzuschließen, siehe Bild.

Autor: W. Hörmann

Literatur:

[1] VDE-AR-N 4101 Anwendungsregel:2015-09 (zurückgezogen) Anforderungen an Zählerplätze in elektrischen Anlagen im Niederspannungsnetz.

[2] VDE-AR-N 4100 Anwendungsregel:2019-04 Technische Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen an das Niederspannungsnetz und deren Betrieb (TAR Niederspannung).

[3] Broschüre Schutz bei Überspannungen in Niederspannungsanlagen – Neuerungen in der DIN VDE 0100-443 und DIN VDE 0100-534; Herausgeber Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), Stand Juli 2017.

[4] DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540):2012-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-54: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Erdungsanlagen und Schutzleiter.

[5] DIN VDE 0100-430 (VDE 0100-430):2010-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-43: Schutzmaßnahmen – Schutz bei Überstrom.

Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Neue Produkte Variantenreich

Für eine HDMI-Verbindung ist neben der Variante mit Buchse/Buchse-Anschluss nun auch die Buchse/Stecker-Kombination erhältlich.

Weiter lesen

Das modulare Kabeldurchführungssystem KDSI-SR bietet Kabelmanagement für Schaltschränke, Gehäuse und Maschinen sowie die sichere Abdichtung von Leitungen mit und ohne Stecker.

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Geräte für den Hausgebrauch ertüchtigen

Darf an selbst beschafften, ursprünglich für den privaten Gebrauch bestimmten, Betriebsmitteln wie Handkreissägen, Bohr- und Poliermaschinen eine höherwertige Anschlussleitung montiert werden?

Weiter lesen

Die Hutschienengehäuse der Serie 170 eignen sich u. a. für Gebäudeautomation und -Ausrüstung, Lichtregelungen, Steuerungstechnik sowie Blitzschutz.

Weiter lesen

Die NSK-E-Scheibe ist als Sicherungselement für elektrische Schraubenverbindungen geeignet und in der Ausführung Federstahl beschichtet und Edelstahl 1.4401 von M3-M16 erhältlich.

Weiter lesen
Anzeige