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Fachbegriffe aus der Elektrotechnik erklärt
Was versteht man unter einer Muffe?

In der Elektropraxis ist sie sicher schon unzählige Male verwendet worden – aber was genau ist eine Muffe und welche Ausführungsarten gibt es?

Schrumpfmuffe mit Schraubverbinder (Foto: flordigitalartist/stock.adobe.com)

Muffe
Garnitur, die zwei oder mehr Kabel bzw. Leitungen miteinander elektrisch verbindet und die Verbindungsstellen gegen Feuchtigkeit, Schmutz sowie mechanische Beschädigungen schützt.

 Allgemeines
Muffen (engl. joints) werden nach ihrem Verwendungszweck wie folgt unterschieden:

  • Verbindungsmuffen (engl. straight joints) – verbinden Kabel gleicher Bauart, auch mit unterschiedlichen Leiternennquerschnitten;
  • Übergangsmuffen (engl. transition joints) – verbinden Kabel unterschiedlicher Bauart, z. B. Kunststoff und Massekabel;
  •  Abzweigmuffen (engl. branch joints) – ermöglichen das Abzweigen eines Kabels beliebiger Bauart von einer durchgehenden Kabelstrecke. Die elektrischen Verbindungen – auch von Metallmänteln, konzentrischen Leitern und Schirmen – erfolgen in der Regel durch Löten, Schweißen oder Pressen. Es gibt aber auch Einleiter- und Mehrleitermuffen mit lösbaren Verbindungen, z. B. mit Einzel- oder Mehrfachklemmen.

 

Verbindungsmuffen

Als Verbindungsmuffen für Kunststoffkabel und -leitungen mit Nennspannungen bis 1000 V werden vorzugsweise Warmschrumpfmuffen verwendet. Diese Muffen sind relativ leicht und haben einen vergleichsweise geringen Durchmesser. Ihre Schrumpfteile verfügen über eine Schmelzkleberbeschichtung. Schrumpfmuffen (engl. elastic joints) bestehen aus einer Innenmuffe je Ader und einer gemeinsamen Schutzmuffe über alle Verseil- und Aufbauelemente. Die Dicke der äußeren Schutzmuffe entspricht mindestens der Dicke des Kabelmantels. Schrumpfmuffen können auch als Übergangsmuffen für Masse/Kunststoffkabel verwendet werden, wenn sichergestellt ist, dass die Kabeltränkmasse nicht in die Grenzschichten eindringen kann. Für Kunststoffkabel mit Nennspannungen bis 10 kV werden häufig Gießharzmuffen (engl. cast resin joints) verwendet. Bei diesen Muffen übernimmt das in eine Form gegossene, kalthärtende Gießharz (Epoxidharz) die elektrische Isolierung, den Schutz vor Feuchtigkeit  und gegen äußere mechanische Beschädigungen. Freie Kabelenden sind elektrisch spannungsfest und feuchtigkeitssicher durch Endmuffen (engl. stop ends) zu verschließen. Bei Niederspannungs-Kunststoffkabeln werden zu diesem Zweck Schrumpf-Aderkappen und als äußerer Schutz Schrumpf-Außenkappen – sämtlich mit Schmelzkleberbeschichtung – verwendet.

 Übergangsmuffen

In Übergangsmuffen treffen Kabel mit Kunststoffisolierung und Kabel mit ölimprägnierter Papierisolierung aufeinander. Bei Anpassung der Muffe an das papierisolierte (Masse-) Kabel wird eine mit ÖIisoliermasse gefüllte Innenmuffe verwendet und die Kunstoffkabelseite in geeigneter Form abgedichtet. In diesem Fall entspricht die Muffe in ihrem grundsätzlichen Aufbau einer Verbindungsmuffe für Massekabel – auch „nasse Muffe“ genannt.

Bei Anpassung der Übergangsmuffe an das kunststoffisolierte Kabel wird die Massekabelseite mit Schrumpfteilen oder Kunststoffbändern abgedichtet und diese somit quasi in ein trockenes Kunststoffkabelende verwandelt. Die Muffe entspricht nunmehr in ihrem grundsätzlichen Aufbau einer Verbindungsmuffe für Kunststoffkabel – auch „trockene Muffe“ genannt.

 Abzweigmuffen

Abzweigmuffen ermöglichen das Abzweigen eines Kabels, bei Doppel-Abzweigmuffen von zwei Kabeln beliebiger Bauart mit gleichem oder ungleichem Leiternennquerschnitt. Bei Gebäudeeinspeisungen heißen diese Garnituren auch Hausanschlussmuffen. Abzweigmuffen werden nach ihrer Form in T-Muffen und Y-Muffen (Ypsilon- oder Gabelmuffen) unterschieden. Bei T-Muffen erfolgt der Abzweig rechtwinklig zum durchgehenden Kabel; bei Y-Muffen liegt die Achse des Abzweigs im Muffenbereich etwa parallel zur Achse des durchgehenden Kabels. Dadurch benötigen Y-Muffen weniger Platz in der Kabeltrasse als T-Muffen. Hausanschlussmuffen werden im Allgemeinen als Gießharz- oder Warmschrumpfmuffen hergestellt. Bei Verwendung von Muffen mit Metallgehäuse wird nach Durchführung der elektrischen Leiterverbindungen das Gehäuseinnere blasenfrei mit Vergussmasse ausgefüllt.

Autor: R. Müller

Dieser Beitrag ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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