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Erneuerbare Energien
Wärmepumpen-Technologie – ein wichtiger Baustein für die Energiewende

Nach Jahren des Rückgangs hat der Absatz von Heizungswärmepumpen wieder zugenommen: Wie schon 2016 erwartet der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) auch für das Jahr 2017 ein Rekordergebnis. Stark beteiligt an diesem Zuwachs sind offenbar Sole/Wasser-Wärmepumpen. Für dieses Segment haben wir eine kleine Marktumfrage durchgeführt, an der sich 22 Hersteller aus Österreich, Deutschland und der Schweiz beteiligten.

Ansicht eines Gesamtsystems mit Wärmepumpen-, Solarthermie- und Photovoltaikanlage (Bild: Roth-Werke)

„Schon im vergangenen Jahr haben wir ein Rekordergebnis beim Absatz von Wärmepumpen vorlegen können“, freut sich Tony Krönert, Geschäftsführer der BWP Marketing & Service GmbH, die beim Bundesverband Wärmepumpe angesiedelt ist. „Vieles deutet darauf hin, dass die Absatzzahlen in diesem Jahr erneut einen Rekord aufstellen werden.“ Bei Heizungswärmepumpen gebe es im ersten Halbjahr 2017 ein Plus von 21 %, so Krönert weiter. Positiv sei zudem, dass die Branche den vormaligen Abwärtstrend bei erdgekoppelten Wärmepumpen nicht nur endgültig stoppen, sondern sogar umkehren konnte. „Unter den erdgekoppelten Wärmepumpen (Bilder 1 und 2) verzeichnen Sole/Wasser-Wärmepumpen mit einem Plus von 27,5 % den höchsten Zuwachs“, berichtet Krönert weiter. Da im zweiten Halbjahr aufgrund der einsetzenden Heizperiode normalerweise mehr Wärmeerzeuger verkauft werden als im ersten Halbjahr, wie die Zahlen aus der Vergangenheit belegen, ist damit zu rechnen, dass 2017 das Rekordniveau vom Vorjahr wieder erreicht oder sogar überschritten werden kann. Im Jahr 2016 lag die Rekordmarke bei 66 500 verkauften Geräten. In der Rangliste der meistverkauften Wärmepumpen liegen allerdings nach wie vor die luftbasierten Versionen deutlich vorn.

Plus durch EnEV und Marktanreizprogramm

Gründe für den Aufwärtstrend vermutet Wärmepumpenexperte Karl-Heinz Stawiarski, ehemaliger Geschäftsführer des Bundesverbandes Wärmepumpe, in erster Linie bei den verschärften Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) im Neubau und den attraktiven Förderbedingungen durch das Marktanreizprogramm. Die aktuelle Fassung der EnEV ist seit dem 1. Mai 2014 in Kraft und brachte entscheidende Veränderungen mit sich. Die eigentlichen Verschärfungen griffen jedoch erst ab dem 1. Januar 2016. Ab diesem Stichtag gelten um 25 % gesteigerte Anforderungen an den Primärenergiebedarf von Neubauten. Gebäude, die mit Wärmepumpen geplant werden, profitieren von der wachsenden Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, was sich günstig auf die primärenergetische Bewertung von Strom auswirkt, sodass die Verschärfung dadurch vollkommen ausgeglichen wird. Wer also mit Wärmepumpen baut, benötigt weder teure Zusatztechnik noch eine verbesserte Wärmedämmung.

Zum Punkt Förderung: Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es, bis zum Jahr 2020 den Anteil regenerativer Wärme auf 14 % zu steigern. Deshalb belohnt der Staat die Umstellung von konventionellen Heizungsanlagen auf Anlagen, die erneuerbare Energien nutzen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausführkontrolle (Bafa) fördert den Einbau von effizienten Kälte- und Klimaanlagen in Unternehmen, gemeinnützigen Organisationen, Kommunen und öffentlichen Einrichtungen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt zinsgünstige Darlehen und Tilgungszuschüsse für Altbausanierung, effiziente Neubauten, Großwärmepumpen und Einzelmaßnahmen. Doch nicht nur die 
bundeseigenen Institute Bafa und KfW haben Förderprogramme für effiziente Wärmepumpen aufgelegt, sondern auch viele Bundesländer, Kommunen und Energieversorger (siehe energiefoerderung.info).

Strompreis für Wärmepumpe zu hoch

„Um jedoch die Ziele der Energiewende zu erreichen und den Heizungsmarkt auf erneuerbare Energien umzustellen, sind weitere Maßnahmen notwendig“, betont Stawiarski. „Größtes Markthemmnis dürfte derzeit der Strompreis sein, der meines Erachtens im Vergleich zum Preis für fossile Energieträger viel zu hoch liegt.“ Man beobachte zurzeit das Phänomen, dass Öl und Gas extrem billig seien, der Strom für den Endverbraucher dagegen immer teurer werde. Im Strompreis sei alles gelandet, was zu den Kosten der Energiewende gehöre. Er bestehe aus etwa zehn Elementen. Einige davon nennt BWP-Vorsitzender Paul Waning „abenteuerlich“. „Enthalten ist beispielsweise eine Offshore-Haftungsumlage, mit der Versicherungen für Offshore-Windenergieanlagen anteilig finanziert werden. Was bitte haben Wärmepumpen damit zu tun?“

Koppelelement zwischen Strom und Wärmemarkt

Dabei befindet sich die Wärmepumpe aktuell in einer recht komfortablen Situation: Die Regierung will erklärtermaßen Aktivitäten unterstützen, die dazu dienen, überschüssigen Strom aus regenerativen Quellen im Wärmemarkt zu nutzen. Damit bekommt die Wärmepumpe eine starke Position, weil sie dann als Koppelelement zwischen Strom- und Wärmemarkt dienen kann. „Wir nehmen positiv wahr, dass ein Begriff wie ‚Wärmepumpe als Koppelelement‘ mittlerweile hoffähig ist“, freut sich BWP-Vorsitzender Paul Waning. „Der Begriff ist für uns ein Seismograf, der uns den Stellenwert der Stromnutzung im Wärmemarkt anzeigt. Wirtschaft und Politik stellen allmählich fest, dass es ohne Nutzung von Strom, beispielsweise für Wärmepumpen, im Wärmemarkt schlicht und einfach nicht geht.“ Aus Äußerungen des Staatssekretärs Rainer Baake vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie habe er mitgenommen, dass man sich des Problems in der Politik bewusst sei. Ferner wisse man dort sehr wohl, dass man den Wandel im Wärmemarkt nicht hinbekomme, wenn man die Lasten der Energiewende nicht anders verteilt. „Auch Gas und Öl müssten einen Teil der Lasten tragen“ fordert der BWP-Vorsitzende. „Ich glaube zwar nicht, dass uns kurzfristig ein Befreiungsschlag gelingt, aber ich nehme an, dass das Thema in der nächsten Legislaturperiode neu aufgestellt wird.“

Um ihre Position als Koppelelement zwischen Strom- und Wärmemarkt nutzen zu können, brauchen Wärmepumpen eine steuerungstechnische Anbindung an ein vorhandenes intelligentes Stromnetz (Smart Grid). Immer dann, wenn im öffentlichen Netz überschüssiger Strom zirkuliert, genügend Wärmespeicherkapazität vorhanden ist und mögliche weitere Bedingungen, beispielsweise aus einem Energiemanagement, erfüllt sind, kann die Wärmepumpe in Betrieb gehen und die elektrische Antriebsenergie als Wärme speichern. Rund 30 Hersteller haben ihre Geräte mit einer solchen Steuerung ausgerüstet und mit dem „SG-Ready-Label“ des Bundesverbandes Wärmepumpe gekennzeichnet. Einige der befragten Hersteller verzichten aus Kostengründen darauf und vertrauen stattdessen auf Hinweise in ihren Produktinformationen.

Die Vergabe des genannten Labels ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Eine Liste der Hersteller mit ihren zertifizierten Wärmepumpenreihen ist auf der Internetseite des Bundesverbandes Wärmepumpe (waermepumpe.de) als PDF-Datei erhältlich.

Fazit: Nach einer längeren Flaute bei den Absatzzahlen scheint es bei den Wärmepumpen wieder aufwärts zu gehen. Die verbesserten Aussichten beruhen nicht zuletzt auf der guten Position der Wärmepumpe zwischen dem Strom- und Wärmemarkt. Wenn die 
Politik dann noch den aus mehreren Kostenarten bestehenden Strompreis für den Betrieb von Wärmepumpen von den Elementen befreien würde, die ihnen nicht zuzurechen sind, dürfte es mit für die Branche weiter aufwärts gehen.

Autor: W. Wilming

Der Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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