Anzeige

Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften
Vom Kurzschlusslichtbogen getroffen

Im Zuge der Freischaltung von Speiseleitungserdkabeln (Spannungsebene 15 kV) waren Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Sie führten zum Unfall eines Monteurs.

Die Mitarbeiter im Fahrleitungsbau sollten gemäß VDE 0105-100 Abschnitt 6.2.4.3.102 an der Übergangsstelle der Freileitung zum Erdkabel zwei Speiseleitungen bahnerden.

Am Freileitungsmast einer Bahnenergieleitung, an dem das Erdkabel als Steigeleitung am Mast hinaufführt, am Kabelendverschluss endet und dann als Freileitung weitergeführt wird, war die Erdung vorgesehen. Die Erdungsklemme musste dafür in die Freileitung eingehängt werden.

Der Mitarbeiter erhielt vor Ort vom Anlagenverantwortlichen mündlich den Auftrag, die Speiseleitung auszuschalten. Mit seinem Kollegen stieg er den Mast hinauf.

Mit Haltegurt gesichert und den Mindestabstand von 1,5 Metern zum nächstgelegenen aktiven Teil einhaltend, begannen sie, die Erdung vorzubereiten. Sie brachten die mastseitigen Erdungsklemmen an, steckten die leistungsseitige Klemme auf die Erdungsstange und begannen sie auszuteleskopieren.

Mit Erdungsstange in der Gefahrenzone

Die Monteure sollten am Mast eingehängt warten, da vor Anbringen der Erdungseinrichtung an der Freileitung zunächst die Spannungsfreiheit an beiden Speiseleitungen mit einem einpoligen Hochspannungsprüfer festgestellt werden sollte.

Beim Auseinanderziehen der teleskopierbaren Erdungsstange, auf die das Erdseil bereits aufgesteckt war, passierte der Unfall. Einer der Monteure geriet in die Gefahrenzone im Bereich des Kabelendverschlusses der Speiseleitung, die als freigeschaltet gemeldet war. Der Monteur wurde von einem Kurzschlusslichtbogen von 15 kV gegen Erde getroffen.

Der Lichtbogen führte zum Glück nur zu einer Verblitzung der Augen (Keratoconjunctivitis photoelectrica) des Mitarbeiters – eine Art Sonnenbrand der Hornhaut des Auges, wie es in der Medizin beschrieben wird. Die Ursache für die Verblitzung ist zu viel UV-Licht.

Wie bei einem Sonnenbrand bemerkt der Verunfallte die Schmerzen erst Stunden später. Ohne ärztliche Behandlung können bei einem solchen Unfall Narben auf der Netzhaut durch Entzündungen zurückbleiben und die Sicht dauerhaft trüben. Der Mitarbeiter war fünf Tage arbeitsunfähig.

Unfallverhütung auf der Baustelle

  • Ist die Spannungsfreiheit an einem als abgeschaltet gemeldeten Anlagenteil nicht festgestellt, ist sie als unter Spannung stehend zu betrachten. Vorsicht ist geboten!
  • In der kritischen Phase muss der Monteur auf die Einhaltung des erforderlichen Sicherheitsabstandes (1,5 Meter bei 15 kV) zum nächstgelegenen aktiven Teil (im vorliegenden Fall den Kabelendverschluss der Steigleitung) achten.
  • Monteure sollten sich die Abschaltung im Hochspannungsbereich > 1 kV möglichst immer schriftlich bestätigen lassen. Zusätzlich bzw. alternativ sollte zwischen Übermittler und Empfänger Schaltsprache angewendet werden.
  • Eine schriftliche Dokumentation über den übermittelten Schaltzustand sollte erfolgen, beispielsweise in einem Schaltbuch: Wer? Was? Wann? Wem? Wer hat was, wann, wem mitgeteilt?


Quelle: bgetem.de

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Seit Juli 2017 bietet Schneider Electric mit dem Masterpact MTZ 1 einen Leistungsschalter mit integrierter Strom- und Energiemessung im Bereich 630 A bis 1.600 A. Damit vervollständigt das Unternehmen mit der Abdeckung im unteren Strommessbereich die...

Weiter lesen

Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften Tödlicher Störlichtbogen

Ein erfahrener Monteur deckte spannungsführende Teile nicht ab. Die Berührung der Teile löste einen Störlichtbogen aus, den der Monteur nicht überlebte.

Weiter lesen

Urteil: Überwachung der Internetnutzung Recht auf private Korrespondenz am Arbeitsplatz

Arbeitgeber dürfen die Nutzung des Internets am Arbeitsplatz beschränken und überwachen. Die Kontrolle hat aber Grenzen. Das wurde vom Europäischen Gerichtshof bestätigt. Das Urteil gilt in allen 47 Mitgliedstaaten – auch in Deutschland.

Weiter lesen

Halbtagsseminar in Berlin zur Bauproduktenverordnung (BPV) Auswirkungen der BPV auf die Verwendung von Kabeln und Leitungen in Gebäuden

Die Übergangsfrist für die neue Bauproduktenverordnung, gültig seit 2013, ist Anfang Juli 2017 abgelaufen. Für Elektrohandwerker und E-Planer ergeben sich gravierende Veränderungen. 

Weiter lesen

Neues Produkt: Universalgehäuse mit 3 mm Wandstärke Explosions- und störgeschützter Klemmenkasten

Ab sofort ist das Universalgehäuse der Reihe 8150 von R. Stahl mit der Zündschutzart Ex e auch als Sonderausführung mit einer Gehäusewandstärke von 3 mm verfügbar. 

Weiter lesen
Anzeige