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Leseranfrage
Unterweisung via Web Based Training

Das Internet beeinflusst und erleichtert schon viele Bereiche unseres Lebens. Ist es tatsächlich schon möglich bzw. erlaubt, Sicherheitsunterweisungen für VEFK mit Abschlusstest über einen web-basierten Service durchzuführen?

Symbolbild (Bild: anyaberkut/stock.adobe.com)

Frage: In unserem bundesweiten Unternehmen finden die Sicherheitsunterweisungen seit Jahren als Präsenzveranstaltung mindestens einmal jährlich regional statt. Nun möchte unsere Geschäftsleitung die Präsenztermine für die Unterweisungen im Elektrobetrieb durch eine Unterweisung via Web Based Training (WBT) mit Abschlusstest mit Laptop ersetzen.

Die VEFK stehen einem WBT als unterstützende Maßnahme offen gegenüber, lehnen aber eine solche E-Unterweisung als Ersatz der Präsenz-Jahresunterweisung strikt ab, da der Elektrobereich gefahrengeneigt ist. Zudem kann nicht sichergestellt werden, dass auch wirklich jeder Mitarbeiter die E-Unterweisung persönlich durchführt.

Ist eine reine E-Unterweisung als Jahressicherheitsunterweisung zulässig?

Antwort: Grundsätzlich wird im Abschnitt 2.3.1 „Unterweisung der Versicherten“ der DGUV Regel 100-001 [1] festgestellt: „Ein ausschließliches Selbststudium der Versicherten ist zur Unterweisung in der Regel nicht ausreichend“. Dies trifft aber bei der Durchführung von „reinen“ E-Unterweisungen zu. Es wird auch festgestellt, dass grundsätzlich persönliche Unterweisungen durchzuführen sind, elektronische Medien aber eingesetzt werden können.

Im Arbeitsschutz spricht man auch nicht von „E-Unterweisungen“, sondern von „elektronischen Hilfsmitteln“ zur Unterweisung. An diese sind folgende Zusatzanforderungen geknüpft (siehe DGUV Regel 100-001 [1]):

  1. Die Unterweisungsinhalte müssen arbeitsplatzspezifisch aufbereitet und zur Verfügung gestellt werden.
  2. Es muss eine Verständnisprüfung stattfinden und ein Gespräch zwischen Versicherten und Unterweisenden muss jederzeit möglich sein.

Seitens des IAG (Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung) als Prüf- und Zertifizierungsstelle für Blended-Learning-Programme im Arbeitsschutz wurde ein Prüf- und Zertifizierungsverfahren für kommerziell angebotene E-Learning-Verfahren entwickelt. Produkte, die „Geprüftes Blended Learning-Programm im Arbeitsschutz“ tragen, erfüllen die Zusatzanforderungen nach DGUV Regel 100-001 [1].

Ein Unternehmen, das den Aufbau der Unterweisung mit Hilfe elektronischer Unterweisungshilfsmittel plant, sollte sich von der zuständigen Berufsgenossenschaft beraten lassen.

Literatur:

[1] DGUV Regel 100-001 Grundsätze der Prävention, Ausgabe Mai 2014.

Autor: S. Boesen

Dieser Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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