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Aus dem Facharchiv: Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, Betriebsführung
Unfälle im Straßenverkehr mithilfe hoch sichtbarer Kleidung vermeiden

Augen auf im Straßenverkehr: Die bereits zu Kindertagen gepredigte Warnformel hat mehr denn je ihre Berechtigung. Im Vorjahr ist die Zahl der Verkehrsunfälle und ihrer Opfer bundesweit zum zweiten Mal in Folge gestiegen.

Warnschutzkleidung

Im Mietservice: Warnschutzkleidung gemäß DIN EN ISO 20471 (Foto: DBL)

Immer häufiger sind davon Zweiradfahrer betroffen: Sie werden innerorts übersehen oder auf der Landstraße angefahren. Dabei würde bereits eine gut sichtbare Kleidung mit reflektierenden Accessoires diese Risiken um einiges vermindern.

Das Statistische Bundesamt (Wiesbaden) zog am 12. Juli 2016 eine traurige Bilanz: Im Vorjahr stieg die Anzahl der Verkehrsunfälle zum zweiten Mal in Folge. Insgesamt kam es zu 2,5 Millionen Unfällen auf deutschen Straßen. Das waren 4,6 % mehr als im Vorjahr 2014. Dabei starben 3 459 Menschen, was einer Zunahme von 2,4 % entspricht.

Wegeunfälle gestiegen

Auch die Statistiken der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) spiegeln diese Tendenz in ihrem Unfallgeschehen wider: In den versicherten Gewerbezweigen nahm die Zahl der Wegeunfälle im Straßenverkehr zu.

Im Jahr 2015 ist die Zahl aller Wegeunfälle in den versicherten Gewerbezweigen „Anlagen der Informationstechnik“ und „Elektrische Kleininstallation“ (Gefahrtarifstellen 1304 und 1305) im Vergleich zu 2014 ebenfalls angestiegen. Von der Zunahme sind vor allem junge Fahrer (bis 20 Jahre) von Zweirädern betroffen. Auf dem Weg zur Arbeit und auf Dienstwegen stießen ihnen im Jahr 2015 mehr Unfälle als im Vorjahr zu.

Wachsender Trend: Zur 
Arbeit mit dem Zweirad

Es sind vor allem junge Menschen, die den täglichen Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad, Moped oder Motorrad antreten. Für Auszubildende und ausgebildete Elektriker gehört das Pedaletreten in den Stadtgebieten durchaus zur üblichen Fortbewegung. Wer hingegen in ländlichen Gegenden lebt, keinen Führerschein besitzt oder Freude am Motorradfahren hat, begibt sich mit einem motorisierten Zweirad auf den Weg. Die Gefahren, die auf die zweirädrigen Verkehrsteilnehmer lauern, unterscheiden sich dabei:

Laut Statistischem Bundesamt verunglückten im Jahr 2015 mit Abstand die meisten Fahrradfahrer (61,6 %) und Fußgänger 
(70,2 %) innerorts tödlich. Für Kraftradnutzer haben sich dagegen die Landstraßen als äußerst risikoreich erwiesen: Fast 75 % aller tödlich verunfallten Kraftradnutzer büßten ihr Leben auf Landstraßen ein. Dabei erweist sich der Wochenbeginn als besonders unfallträchtig; während der Woche gehen die Unglückszahlen demgegenüber zurück.

Häufige Unfallursache: 
Fehlende Wahrnehmung

Die Hauptverursacher von Unfällen mit Zweiradfahrern sitzen im Auto. In dem gemeinschaftlich vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) sowie der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen herausgegebenen Flyer „Runter vom Gas“ heißt es dazu: „Fußgänger, Fahrradfahrer und Fahrer motorisierter Zweiräder sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Jedes Jahr sterben mehr als 1 600 dieser Verkehrsteilnehmer. Häufiger Grund: Sie wurden von Autofahrern übersehen.“

Für diese Gruppe ist es daher überlebenswichtig, sich im Straßenverkehr der Aufmerksamkeit anderer zu versichern. Insbesondere in der bevorstehenden dunklen Jahreszeit spielt Auffälligkeit eine große Rolle, da die Erkennbarkeit von Zweiradfahrern und auch Fußgängern durch Lichtreflexionen auf nasser Fahrbahn deutlich beeinträchtigt ist. Da die aktiven Verkehrsteilnehmer viele visuelle Eindrücke in kurzer Zeit verarbeiten müssen, sich die einzelnen Dinge aus der Umgebung aber vermischen, verlieren Zweiradfahrer an Kontur und werden leichter übersehen oder nicht deutlich wahrgenommen.

Daher sollten die nicht durch eine stabile Karosserie geschützten Verkehrsteilnehmer Extra-Maßnahmen ergreifen, wie auch der Flyer „Runter vom Gas“ empfiehlt:

  • Motorradfahrer: beispielsweise Hosenträger-Reflexstreifen sowie eine mit Reißverschluss schließbare Warnweste gemäß DIN EN ISO 20471.
  • Fahrradfahrer: Räder mit reflektierenden Speichenclips und mit vorn sowie hinten angebrachten Reflektoren; Kleidung in leuchtenden Farben mit reflektierenden und fluoreszierenden Materialien sowie an den Beinen Reflexbänder.

Kontrastreiche Kleidung 
für bessere Erkennbarkeit

Ein überwiegender Teil der Arbeitnehmer bevorzugt es, den Weg zur Arbeitsstelle bereits in Berufskleidung anzutreten. Eine farbenfrohe, auffällige Kleidung entspricht jedoch nicht unbedingt immer dem Dresscode des Handwerksbetriebs – auch nicht eines Elektrobetriebs. Sinnvollerweise sollten daher die für eine gute Erkennbarkeit relevanten Merkmale direkt an der Berufskleidung angebracht werden.

Auffällige Lösungen 
für den Firmendress

Und genau das ist der Trend, dem die Bekleidungsindustrie seit Jahren folgt. Immer mehr Anbieter von Berufskleidung haben ihr Angebot für Bereiche, in denen keine zertifizierte Warnkleidung gefordert ist, um Kollektionen mit retroreflektierenden und fluoreszierenden Elementen ergänzt. Diese sind typischerweise an Bund- und Latzhosen, an Parka, Bundjacke, Softshelljacken und Weste sowie Wetterschutzjacken angebracht.

Beispielsweise Reflexpaspeln sehen nicht nur gut aus, findet Horst Hübler, Fachberater Verbände bei Mewa Textil-Service. Sondern viel wichtiger sei, dass die dezent und akzentuiert in die Kleidung eingearbeiteten retroreflektierenden Materialien bei Dämmerung und Dunkelheit für einen guten Kontrast zur Umgebung sorgen. Damit wird der Mitarbeiter im Straßenverkehr oder auf dem Betriebshof bei schlechten Lichtverhältnissen viel besser gesehen.

Snickers geht noch einen Schritt weiter: Bei vielen Jacken verwendet das Unternehmen Reflektorstreifen, -drucke oder -details an den Armen, auf der Rückseite und auf der Vorderseite; einige Bundhosen-Modelle besitzen zudem Reflektorstreifen über dem rechten Knie und unter der linken Kniekehle. Jacken in Schwarz oder Navy sind an den Reißverschlüssen zusätzlich mit Signalfarben wie Neongelb gearbeitet.

Auch andere Anbieter setzen auf Reflexmaterialien. Dazu gehören beispielsweise die Linien von Blåkläder oder von Williamson-Dickies.

Wenn die Handwerksunternehmen eigene Vorstellungen in Bezug auf Ausstattung, Farbe, Schnitt, Stil oder Komfort entwickelt haben, können sie sich damit auch an Mietdienstleister wenden. Diese statten die gewählte Berufskleidung sowohl für einzelne Mitarbeiter als auch für die gesamte Belegschaft nachträglich mit Reflexelementen aus. Beispielsweise Unternehmen wie Bardusch, DBL und diemietwaesche.de bieten ihren Handwerkskunden diese Extraleistung an. Auch ohne die Vorgabe genormter Warnkleidung können Elektrohandwerker, die in dunklen Umgebungen oder bei schlechten Sichtverhältnissen arbeiten müssen, auf diese Weise besser wahrgenommen werden.

Einsätze aus Warngewebe

In dämmrigen Lagerhallen oder anderen Bereichen, in denen das Licht von oben kommt, können retroreflektierende Zusätze jedoch wenig ausrichten. Die Kontrastwirkung von Reflexstreifen entsteht nur durch ein direktes Anleuchten, denn die Wirkung beruht auf einer gerichteten Lichtreflexion: Der Einfallswinkel des Lichts ist auch dessen Ausfallwinkel. Für eine gute Sichtbarkeit bei diffusen Lichtverhältnissen ist daher eine Kombination von Reflexstreifen und fluoreszierenden gelben oder orangefarbigen Einsätzen zu empfehlen.

Das kann auch im Straßenverkehr lebenswichtig sein, erklärt die Produktentwicklerin von Fristads Kansas Anne Komp: „Eine Person, die Kleidung aus Warnschutzgewebe trägt, hebt sich vor einem Hintergrund, wie er in Städten und Natur gegeben ist, durch die ‚unnatürlich leuchtende Farbigkeit‘ ab. Sie stellt dadurch einen Kontrast zur Umgebung dar, was vom aktiven Verkehrsteilnehmer schneller wahrgenommen wird. Somit wird die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls reduziert.“ Das betrifft auch Situationen in Werk- und Lagerhallen. Das Unternehmen führt daher für Elektriker für eine bessere optische Wahrnehmung bei ihrer Arbeit verschiedene Kollektionen mit Warnschutzelementen im Programm.

Bei Dienstfahrten muss 
Warnweste dabei sein

Für das Tragen von Warnkleidung als Pkw- oder Transporterfahrer auf Dienstwegen sehen weder der Gesetzgeber noch die BGen eine Indikation – ausgenommen das Tragen einer Warnweste nach einem Unfall oder bei einer Panne. Der Großteil der Unfälle wäre eher auf nicht angepasste Geschwindigkeit, mangelndem Sicherheitsabstand, Fehler beim Überholen usw. zurückzuführen. Daher bietet die BG ETEM beispielsweise Fahrsicherheitstrainings an – auch speziell für Zweiradfahrer.

Wenn Gefährdungen 
Warnkleidung erfordern

Die Gefährdungsbeurteilung ergibt, ob – etwa bei Arbeiten an Versorgungskästen in Verkehrsbereichen oder an elektrischen Anlagen auf weiträumigem Betriebsgelände – das Tragen von Persönlicher Schutzausrüstung gegen Störlichtbogen (PSAgS) mit zusätzlichem Warnschutz notwendig ist.

Anforderungen. Dann muss die Schutzkleidung auch den Anforderungen der Warnschutznorm DIN EN ISO 20471 entsprechen. Sie beschreibt drei Warnschutzklassen: Je höher die Klasse, desto größer ist die Mindestfläche an fluoreszierendem Hintergrundmaterial und an retroreflektierendem Material, die die PSA aufzuweisen hat.

So muss beispielsweise in der höchsten Klasse 3 mindestens 0,8 m2 Hintergrundmaterial in der entsprechenden Leuchtfarbe sowie 0,2 m2 Reflexmaterial verwendet werden. Warnschutzkleidung der Klasse 3 hat sowohl den Rumpf als auch die Arme oder Beine mit reflektierenden Streifen bedecken. So soll eine Rundumsichtbarkeit erzeugt und ein Maximum an Sicherheit erreicht werden.

Anbieter. Für derartige PSA gibt es zahlreiche Anbieter. Eine gute Erkennbarkeit bei allen Lichtverhältnissen gewährleistet beispielsweise Uvex Safety Textiles mit seiner Multifunktionsschutzkleidung für Hitze- und Flammschutz sowie zusätzlicher Warnfunktion.

Hersteller wie Bierbaum Proenen und die Paul H. Kübler Bekleidungswerke kombinieren sogar Störlichtbogenschutz und Warnschutz in leuchtendem Orange-Rot.

Tabu: Schutzkleidung 
eigenmächtig verändern

Wer allerdings erst nachträglich Reflexstreifen auf eine Störlichtbogenschutzkleidung aufbringen möchte, muss Vorsicht walten lassen:

„Jede Schutzkleidung der Kategorie 2 und 3 wird vor Inverkehrbringen einer externen Baumusterprüfung unterzogen. Für Schutzkleidung in der dem Prüfinstitut vorgestellten Ausführung wird ein Baumusterzertifikat vergeben. Eine nachträgliche Veränderung durch Reflexmaterialien oder Bestickung kann zum Erlöschen des Zertifikats führen“, erklärt Elke Hammerl, Geschäftsfeldleiterin bei dem diemietwaesche.de Partnerbetrieb Walter Greif. Durch das Aufbringen von Reflexstreifen können sonstige Schutzeigenschaften der Kleidung beeinträchtigt werden, sodass eine Schutzkleidung dadurch de facto ihre Wirkung verliert. „Wenn ein Kunde eine Zusatzausstattung mit Reflexstreifen wünscht, kümmern wir uns bei unseren Lieferanten um eine zertifizierte Alternative.“

Demgegenüber stehen bei HB Schutzbekleidung verschiedene Kollektionen, die mit und ohne Reflexstreifen zertifiziert sind, im Handel zur Auswahl.

Wer keine Störlichtbogen-, aber Warnkleidung tragen muss, findet zum Beispiel bei Engelbert Strauss für sämtliche Witterungslagen passende Lösungen.

Im Zweifel für ein Mehr 
an Sicherheit

Aufgrund der Risiken im Straßenverkehr sollten sich vor allem Zweiradfahrer auf ihrem Weg zur Arbeit für ein Mehr an Sicherheit und Sichtbarkeit entscheiden. Dazu gehört nicht nur der schützende Helm. Mit fluoreszierenden und retroreflektierenden Materialien an Kleidung und Fahrzeug können sie als besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer viel stärker auf sich aufmerksam machen.

Der Unternehmer ist zwar nicht verpflichtet, seinen Mitarbeitern auf Dienstwegen retroreflektierende, fluoreszierender Bekleidung oder gar Warnkleidung zur Verfügung stellen. Ein Wegeunfall bringt jedoch meist hohen Arbeitszeitausfall mit sich, wenn nicht sogar schlimmere Konsequenzen für Mitarbeiter und Unternehmen. Daher ist es schon überlegenswert, inwieweit auch hier betriebliche Präventionsmaßnahmen ergänzend zu den Angeboten der BG ETEM ergriffen werden können.

Der Beitrag ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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