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Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften
Überschlag bei Demontage von 10-kV-Erdkabeln

Bei Reinigungsarbeiten, die durch Zeitdruck vorgezogen worden waren, erlitt ein Monteur eine Körperdurchströmung.

Störlichtbogenunfall

Mittelspannungsanlage nach einem Störlichtbogenunfall (Foto BG ETEM)

Arbeitsauftrag. Ein altes 10-kV-Kabel sollte außer Betrieb gesetzt werden. Eine Arbeitsgruppe erhielt deshalb den Auftrag, jeweils die Kabelenden in der Ortsnetzstation zu demontieren. Die Arbeiten sollten im freigeschalteten Zustand ausgeführt werden. Die beteiligten Monteure verfügten über langjährige Erfahrungen und wurden regelmäßig unterwiesen. Auch die Arbeitsanweisungen des Netzbetreibers waren vorbildlich erstellt worden.

Unfallhergang. Die Arbeitsgruppe des Netzbetreibers nahm die Arbeit morgens am Unfalltag auf. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Freischaltung der beiden Abgänge durch den Anlagenverantwortlichen vorbereitet. Der Arbeitsverantwortliche fuhr also gemeinsam mit dem Anlagenverantwortlichen zu den beiden Ortsnetzstationen. Sie führten an den Kabelanschlüssen die fünf Sicherheitsregeln durch. Erst danach sollte an der Arbeitsstelle vor Ort auf Spannungsfreiheit geprüft, vor Ort geerdet und kurzgeschlossen und die Arbeitsstelle übergeben werden. Dies war den Mitarbeitern auch so mitgeteilt worden und entsprach dem üblichen und bekannten Arbeitsablauf. Während der Anlagen- und der Arbeitsverantwortliche noch zum Freischalten unterwegs zum zweiten Kabelabgang waren, öffnete einer der Monteure bereits die Gittertür am ersten Kabelabgang, um mit Reinigungsarbeiten zu beginnen. Hierzu kniete er im Bereich der Gittertür und kam mit dem Handfeger dabei an eines der immer noch unter Spannung stehenden Erdkabel. Er erlitt hierbei eine Körperdurchströmung von der rechten Hand zur linken Schulter und fiel nach hinten. Die in der Nähe befindlichen Mitarbeiter riefen den Notarzt und begannen mit der Ersten Hilfe.

Unfallanalyse. Der Monteur beging einen klaren Verstoß gegen § 6 „Arbeiten an aktiven Teilen“ der DGUV Vorschrift 3. Im § 6, Absatz 2 heißt es: „Vor Beginn der Arbeiten an aktiven Teilen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel muss der spannungsfreie Zustand hergestellt und für die Dauer der Arbeiten sichergestellt werden.“ Der Monteur sagte später, dass er durch den Zeitdruck schon mit Reinigungsarbeiten beginnen und „zum Beispiel Spinnenweben entfernen“ wollte. Der Gefahr eines möglichen Überschlages war er sich wahrscheinlich in diesem Moment überhaupt nicht bewusst. Zum Glück kam es nicht noch zusätzlich zu dem Überschlag zu einem Störlichtbogenunfall, wie es im Bild bei einer Mittelspannungsanlage zu sehen ist. In solch einem Fall wären weitaus gravierendere Folgen, vor allem Verbrennungen, hinzugekommen.

Autor: J. Jühling

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