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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Übergangswiderstand von Klemmstellen

Wie groß darf der Übergangswiderstand von Klemmstellen sein? Was sagen aktuelle Normen darüber aus?

1. Direkte Kraftübertragung durch den Schraubenkopf, 2. Indirekte Kraftübertragung über ein Zwischenglied (Bild: Hörmann/ep)

Frage:
Sowohl in einem Berechnungsbeispiel aus der Abschlussprüfung Teil 1 zum Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik Frühjahr 2018 als auch Tabellenbuch habe ich die Angabe gefunden, dass der Übergangswiderstand von Klemmstellen keinesfalls größer sein darf als der Leiterwiderstand eines Meters der angeschlossenen Leitung.

In der aktuellen DIN VDE 0100-600:2017-06 heißt es unter Abschnitt 6.4.3.2, dass der gemessene Wert nicht höher sein sollte, als der der Leitungslänge entsprechende Leiterwiderstand nach Tabelle A.1 zuzüglich der üblichen Übergangswiderstände. Vorausgesetzt die eingangs erwähnte Aussage ist zutreffend, in welcher Norm ist dies nachzulesen oder worauf beruht dies?

 

Antwort:
Die Anfrage des Lesers betrifft ein Thema, welches immer wieder diskutiert wird. Fakt ist, dass es in den VDE-Bestimmungen zu Übergangswiderständen von Klemmstellen keinerlei „wertemäßigen“ Angaben gibt. Solche „wertemäßigen“ Angaben können auch nicht in VDE-Bestimmungen enthalten sein, da solche Werte, wenn überhaupt, nur von den Herstellern der Klemmstellen erbracht werden können. Somit gibt es auch in den relevanten Betriebsmittelnormen keine entsprechenden Vorgaben.

Bei dem, vom Anfragenden, zitierten Text aus DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600) [1] handelt es sich nur um eine nationale Anmerkung, die in Europa nicht übernommen wurde. Auch gibt es kein „Muss“ sondern nur ein „Sollte“.

  1. Schutzleitern, einschließlich der Schutzpotentialausgleichsleiter,
  2. Körpern, und
  3. den aktiven Leitern ringförmiger Endstromkreise.

Ringförmige Endstromkreise sind in Deutschland nicht anwendbar.

Anmerkung Ein höchstzulässiger Widerstandswert ist nicht vorgegeben. Der gemessene Wert sollte nicht höher sein als der der Leitungslänge entsprechenden [sic] Leiterwiderstand (siehe Tabelle A. 1) zuzüglich der üblichen Übergangswiderstände.“

Fakt ist aus meiner Sicht, dass man dem Vorschlag aus dem Tabellenbuch Folge leisten kann, für die Übergangswiderstände der Klemmstellen jeweils den Widerstand von 1 m des jeweils angeschlossenen Leiters anzusetzen. Allerdings sehe ich keine Notwendigkeit für ein solches Vorgehen.

Letztendlich ist die Messung der Durchgängigkeit der Leiter, einschließlich der Schutzleiter eine „Näherungsmessung“, bei der nur sichergestellt werden soll, dass insbesondere der Schutzleiter durchgängig leitfähig vorhanden ist.

Ich persönlich halte solche Hinweise in spezifischen Unterlagen – auch wenn es sich nur um eine Empfehlung handelt – ohne konkrete Vorgaben in Normen für äußerst fragwürdig.

Diese Messung bezüglich der Durchgängigkeit der Schutzleiter soll ja nur sicherstellen, dass bei der Schleifenwiderstandsmessung keine gefährliche Berührungsspannung, aufgrund eines eventuell unterbrochenen Schutzleiters, auftreten kann. Hierfür kann aus meiner Sicht, eine Abschätzung des Messwertes mit einem ausreichenden „Zuschlag“ genügen.

Bei genauer Betrachtung wäre nicht nur der höhere Widerstand der Leiter bei höheren Umgebungstemperaturen zu berücksichtigen, wobei für Schutzleiter im fehlerfreien Betrieb kaum eine höhere Temperatur als die 30 °C, die in der Tabelle berücksichtigt sind, auftreten werden. Und es müssten auch noch die Messfehler, der zur Anwendung kommenden Messgeräte, berücksichtigt werden. Letztendlich müsste auch noch der Widerstand der Messleitungen Berücksichtigung finden.

Fazit. Eine Plausibilitätsbetrachtung des Messergebnisses wäre aus meiner Sicht ausreichend, um die Durchgängigkeit der Schutzleiter nachzuweisen.

Autor: W. Hörmann

Literatur:

[1] DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2017-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen.

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.

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