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Lernen & Können
Typische Fehler in der Elektroinstallation – Erst- und Wiederholungsprüfungen

Obwohl es für die Prüfung elektrischer Anlagen vor der ersten Inbetriebnahme sowie für Wiederholungsprüfungen eindeutige Bestimmungen gibt, wird dieser Aspekt immer wieder vernachlässigt oder sogar ignoriert.

Isolationsmessung Die meisten Fehler in elektrischen Anlagen werden durch Alterung, thermische, chemische und mechanische Beanspruchung hervorgerufen. Da solche Fehler eine Verminderung der Isolation verursachen können, wird die Isolation zwischen den ak

Isolationsmessung Die meisten Fehler in elektrischen Anlagen werden durch Alterung, thermische, chemische und mechanische Beanspruchung hervorgerufen. Da solche Fehler eine Verminderung der Isolation verursachen können, wird die Isolation zwischen den aktiven Leitern und dem Schutzleiter gemessen. (Bild: Gossen Metrawatt)

Häufig finden diese Prüfungen gar nicht oder mit zu großen Prüfzyklen statt und sind ungenügend dokumentiert. Dabei lassen sich dadurch installierte Fehler oder während des Betriebes aufgetretene Mängel erkennen. Außerdem wird mit dem Prüfergebnis der Zustand der Anlage dokumentiert und kann zugleich als Nachweis für die ordnungsgemäße Arbeit dienen. Angelehnt an das Web-Lernmodul „Erst- und Wiederholungsprüfungen“ [1] des GDV werden entsprechende fachgerechte Maßnahmen im Folgenden näher erläutert.

Pflicht und Nutzen der Erstprüfung

Ein großer Teil der Brände, die durch elektrische Anlagen hervorgerufen werden, können durch Prüfungen verhindert werden. Erstprüfungen erfolgen vor der Inbetriebnahme und Wiederholungsprüfungen während der gesamten Nutzungsdauer der elektrischen Anlage. Erstprüfungen von elektrischen Anlagen sind nach Gesetzen, Verordnungen und anerkannten Regeln der Technik gefordert. Anforderungen zu solchen Prüfungen sind z. B. beschrieben in:

  • Industrienorm DIN VDE 0100-600,
  • Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 3 (vormals berufsgenossenschaftliche Vorschrift – BGV A3),
  • Technische Prüfverordnungen für Sonderbaurecht.

Nach der vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e. V. (VDE) veröffentlichten Vorschrift VDE 0100-600 muss jede Anlage – soweit sinnvoll durchführbar – während der Errichtung und nach Fertigstellung geprüft werden, bevor sie vom Benutzer in Betrieb genommen wird. Diese Erstprüfung muss von einer entsprechend befähigten Elektrofachkraft durchgeführt werden (Bild).

Auch in der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) Vorschrift 3 steht in der Durchführungsanweisung zu § 5 Abs. 1: „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel dürfen nur in ordnungsgemäßem Zustand in Betrieb genommen werden und müssen in diesem Zustand erhalten werden.“ Um sicherzustellen, dass die Anforderungen der elektrotechnischen Regeln eingehalten werden, sind entsprechende Prüfungen durchzuführen. Für ortsfeste elektrische Anlagen und Betriebsmittel sind die Forderungen hinsichtlich der Prüffrist sowie der Prüfer erfüllt, wenn folgende Festlegungen eingehalten werden (Tabelle 1).

Besichtigen, Erproben, Messen

Bei der Erstprüfung gilt das Schema „Besichtigen, Erproben, Messen“. Beim Besichtigen wird festgestellt, ob die elektrische Anlage den Sicherheitsvorschriften entspricht, ob die Betriebsmittel normgerecht ausgewählt und errichtet wurden und ob Beschädigungen erkennbar sind.

Unter anderem ist durch Besichtigungen Folgendes zu prüfen:

  • Schutz gegen elektrischen Schlag durch Abdeckungen und Umhüllungen (Basisschutz),
  • Schutz gegen thermische Einflüsse,
  • Vorhandensein von Brandschottungen und anderen Vorkehrungen gegen die Ausbreitung von Feuer,
  • Auswahl der Kabel, Leitungen und Stromschienen nach Strombelastbarkeit und Spannungsfall,
  • Auswahl und Einstellung von Schutz- und Überwachungseinrichtungen,
  • Auswahl der Betriebsmittel unter Berücksichtigung der äußeren Einflüsse, beispielsweise der IP-Schutzart,
  • Kennzeichnung der Neutral- und Schutzleiter sowie der Stromkreise, Sicherungen, Schalter und Klemmen,
  • Vorhandensein und Vollständigkeit der Dokumentationen und Schaltungsunterlagen
  • sowie ordnungsgemäße Ausführung aller elektrischen Verbindungen.

Die anschließenden Messungen sollen gewährleisten, dass Grenzwerte oder spezielle Anforderungen erfüllt werden. Messungen dürfen nur mit geeigneten Prüfmitteln durchgeführt werden, die wiederum anderen Normen unterliegen.

Prüfbericht und Dokumentation

Für neu errichtete, geänderte oder erweiterte elektrische Anlagen ist nach Beendigung der Prüfung ein Prüfbericht über die mängelfreie Erstprüfung zu erstellen. Dieser muss folgende Mindestangaben enthalten:

  • Allgemeine Angaben: Name und Anschrift des Auftraggebers und des Auftragnehmers, die Bezeichnung der Prüfprotokolle für die Dokumentation von Messwerten (Protokoll-Nr.), die Bezeichnung des Objekts (z. B. Anlage, Gebäude, Gebäudeteile, Verteiler, Stromkreise), die geprüften Stromkreise mit deren Bezeichnungen und zugehörigen Schutzeinrichtungen und die verwendeten Mess- und Prüfgeräte.
  • Bewertung der Prüfung: Alle bei dem Besichtigen, Erproben und Messen ermittelten Informationen sowie die Ergebnisse von Berechnungen müssen vom Prüfer bewertet werden. Diese Bewertung ist das Ergebnis der Prüfung. Das Ergebnis der Prüfung ist einschließlich der für die Bewertung relevanten Messwerte zu dokumentieren. Bei der Bewertung sollten auch Messwerte, die die Normanforderungen erfüllen, aber auffällig von den zu erwarteten Werten abweichen, berücksichtigt werden. Eine Dokumentation aller einzelnen Messwerte ist nicht gefordert.
  • Prüfstelle, Prüfer, Prüfdatum und Unterschrift.

Die vorschriftsmäßige Dokumentation von Prüfungen ist wichtig und gilt auch als Nachweis für den Errichter, um z. B. bei vertraglichen Streitigkeiten mit seinem Auftraggeber oder bei einem nachträglich aufgetretenen Schaden nachweisen zu können, dass die Errichtung korrekt und vollständig ausgeführt wurde. Sie schafft somit eine wertvolle Rechtssicherheit für den Anlagen-Errichter.

Wiederholungsprüfungen

Wiederholungsprüfungen von elektrischen Anlagen sind nach Gesetzen, Verordnungen und anerkannten Regeln der Technik gefordert. Allerdings obliegt die Einhaltung dieser Forderung dem Anlagenbetreiber. Anforderungen zu solchen Prüfungen sind vor allem beschrieben in:

  • Industrienorm DIN VDE 0105-100,
  • Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 3 (speziell in den Durchführungsanweisungen).

Der Errichter sollte den Betreiber der Anlage darauf hinweisen, dass solche Wiederholungsprüfungen notwendig sind. Sie dienen letztendlich der Rechtssicherheit bei einem Schadenfall, besonders wenn hierbei Personen gefährdet werden können. Auch hier wird durch eine Dokumentation der Nachweis geführt, dass die Anlage mit ausreichender Sorgfalt betrieben wurde. Geprüfte Anlagen können mit einer Prüfetikette versehen werden, auf der der nächste Prüftermin vermerkt ist.

Anlagenverfügbarkeit

Ein weiterer Vorteil sollte dem Anlagenbetreiber vermittelt werden: Wiederkehrende Prüfungen erhöhen stets die Anlagenverfügbarkeit, denn jeder vorgefundene Mangel ist nicht selten eine potentielle Schadenquelle, die neben einer möglichen Personengefährdung auch Betriebsunterbrechungen oder Brände hervorrufen kann.

Durch wiederkehrende Prüfungen werden zahlreiche potentielle Schadensquellen ermittelt.

Interpretation von Prüfergebnissen

Prüfungen elektrischer Anlagen aus der Sicht des Brandschutzes erfordern vor allem eine umfassende Beurteilung der Prüfergebnisse. Grenzwerte, wie sie häufig in Normen angegeben werden, bieten nicht immer einen ausreichenden Schutz. So müssen z. B. Messwerte, die auffällig von üblicherweise zu erwartenden Werten abweichen, von der Elektrofachkraft bewertet werden.

Folgende Fragen muss sich der Prüfer stellen:

  • Ist die Anlage mit dem vorgefundenen Mangel bei einer starken Belastung aber sonst üblichen Betriebsbedingungen noch sicher zu betreiben?
  • Ist der ermittelte Messwert bei der konkreten Anlagensituation logisch nachvollziehbar, z. B. ein gemessener Widerstandswert bei vorgegebener Leitungslänge und Leitungsquerschnitt?
  • Wurden bei ähnlichen Anlagenteilen vergleichbare Werte festgestellt?
  • Muss ein gemessener Wert eventuell vor der Beurteilung umgerechnet werden, weil höhere Temperaturen z. B. im Kurzschlussfall oder Geräte- oder Gebrauchsfehler berücksichtigt werden müssen?

Beispiel: Die Isolation eines Stromkreises in einer Niederspannungsanlage muss z. B. nach Norm den Wert von 1 MΩ aufweisen. Dieser Wert sollte allerdings bei der Erstprüfung deutlich überschritten werden.

Das für vorgenannte Prüfungen unbedingt notwendige Fachwissen sollte von der Elektrofachkraft durch regelmäßige Weiterbildungen stets auf dem aktuellen Stand der Technik gehalten werden.

Literatur: [1] Web-Lernmodul des GDV „Erst- und Wiederholungsprüfungen“
 
Autor: M. Heberer

Der Beitrag ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

 

Tabelle: {1} Wiederholungsprüfung ortsfester elektrischer Anlagen und Betriebsmittel (Quelle: DGUV Vorschrift 3)

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